Cartoon-Zeichnerin Nina Paley verdient $ 55.000 mit Creative Commons

Die amerikanische Künstlerin Nina Paley verdient an ihrem Zeichentrickfilm „Sita Sings the Blues“ mehr, als ihr alle Vertriebsprofis versprochen hatten – indem sie ihn unter einer Creative-Commons-Lizenz kostenlos weggibt.

Insgesamt 55.000 Dollar hat ihr der Film eingebracht, obwohl er unter einer Share-Alike-Lizenz von Creative Commons kostenlos heruntergeladen werden kann. In einem Vortrag auf dem Cross-Media Film Forum von „Power to the Pixel“ in London zählte Paley detailliert auf, woher die Einnahmen kamen:

Spenden: $23,000
Einnahmen aus ihrem Online-Store für DVDs und Fanartikel: $19,000
Einnahmen aus dem Kinofilmverleih: $3,000 (aus Eintrittsgeldern in Höhe von $22,350)
Sonstiger DVD-Vertrieb: $3,000
Zahlungen von Fernsehsendern: $3,000
Freiwillige Zahlung eines Kinos, das den Film gezeigt hat: $4,000
Gesamtbetrag: $55,000

Das ist mehr, als herkömmliche Filmvertriebsunternehmen Paley in Aussicht gestellt hatten. Allerhöchstens 50.000 Dollar könne sie erwarten, wahrscheinlicher seien 10.000 oder 20.000, habe man ihr gesagt. Für die Abtretung aller ihrer Rechte wurde ihr ein Vorschuss von gerade einmal 20.000 Dollar geboten.

Statt eine Vertriebslösung aus einer Hand zu wählen, setzt Paley auf verschiedene Anbieter. Ihr Online-Shop wird von einer Initiative betrieben, die freie Inhalte fördern will. Dagegen übernehmen herkömmliche Filmverleiher die Produktion und den Vertrieb von 35mm-Filmen für Kinos. Dass ihr Anteil an den Box-Office-Einnahmen ausgesprochen gering ist, lastet Paley den Unternehmen nicht an: Deren Geschäftsmodell funktioniere nun einmal nicht besonders gut.

Es sei ein Vorteil, sagt die Künstlerin, dass sie nicht exklusiv von einem Vertriebspartner vertreten werde. Dadurch könne „Sita Sings the Blues“ auf diversen Filmfestivals gezeigt werden – und habe dort einige Preise gewonnen.

Die Zeichnerin berichtet allerdings auch, dass besonders TV-Sender nicht damit zurechtkämen, dass sie ihren Film ohne jeden Lizenzvertrag zeigen könnten. „Aber wir brauchen Exklusivrechte“, heiße es dort. Paleys Antwort, es werde ja niemand anderes den Film zeigen, stieß dagegen auf Unverständnis.

Das Beispiel zeigt, dass auch weniger bekannte Künstler davon leben können, dass sie ihre Werke frei zugänglich machen. Paley steht auf dem Standpunkt, Inhalte sollten frei sein, Datenträger aber bezahlt werden. In der Tat macht der Verkauf von DVDs und Fanartikeln einen großen Teil der Einnahmen aus. Doch freiwillige Zahlungen stehen dem ebenbürtig entgegen. Für Paley ist das keine Überraschung: „Audiences want to support artists. Who knew?!“

(via)

7 Kommentare
  1. Kommentator 1. Dez 2009 @ 20:37
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