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Offengelegt: Java unter GPL

Schneller als erwartet hat Sun Microsystems erste Teile der Programmiersprache Java unter die GPLv2 gestellt und angekündigt, Java insgesamt offenzulegen: Damit erhält die Freie-Software-Bewegung so viele Zeilen Code wie selten zuvor. Gleichzeitig stellt die Aktion einen bemerkenswerten Wendepunkt in Suns Firmenpolitik dar.


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Suns Softwarechef Rich Green ist der Meinung, dass die Öffnung auch auf andere Unternehmen Einfluss nehmen wird: „Das ist ein Meilenstein für die gesamte Industrie,“ so Green. Es gehe Sun nicht nur darum, eine wichtige Software unter eine offene Lizenz zu stellen. Man wolle auch ein Zeichen setzen für die Zukunft der Softwareindustrie: Die Offenlegung sei somit auch ein klares Bekenntnis zum Zukunfts-Modell „Freie Software“.

Langfristig soll der gesamte Code von Java unter die GPL gestellt werden, ausgenommen sind einzelne Komponenten, die nicht im Besitz von Sun sind. Für die GPL habe man sich entschieden, weil diese Lizenz das größte Wachstumspotenzial für Sun biete. Geschützt bleiben die Marke Java und das Logo – die Kaffeetasse. Die offene Lizensierung ist kompliziert, denn es gibt eine Menge proprietärer Java-Applikationen. Der Spagat gelingt durch die Classpath-Lizenz: Lediglich verlinkte Software muss nicht unter die GPL gestellt werden.

Mehrere Java-Komponenten wurden bereits jetzt schon freigegeben, darunter die virtuelle Maschine HotSpot, der Compiler javac, sowie das Hilfesystem. Der Rest soll innerhalb der ersten Hälfte des kommenden Jahres nachziehen; diejenigen Komponenten, bei denen Sun die Sourcen nicht veröffentlichen darf, werden als Pre-Built-Binaries verfügbar sein.

4 Kommentare
  1. Hm,
    jetzt stehts so da. Wäre aber in der Tat eine witzige Überschrift gewesen. Merk ich mir fürs nächste mal. Danke.

    (Bei Freilegen denke ich unmittelbar an solche Dinge wie „Hühner entbeinen“ oder Archäologie …)

  2. Die Meldung ist etwas irreführend. Nicht Java wird unter die GPL gestellt. Vielmehr wird Sun Implementierung von Java unter die Lizenz gestellt. Das Markenrecht Java bleibt bei Sun. Ebenso das Kaffeetassen-Logo. Die Fortentwicklung von Java bleibt weiterhin im JCP angesiedelt. Im JCP hat Sun die Möglichkeit eines Vetos. Implementierungen müssen auch weiterhin die TCK-Tests durchlaufen.

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