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Freitag, 22. August 2008

CDU: Mobil, dynamisch für 5000?

Liebe CDU, was möchtet Ihr mir denn mit dem folgenden Absatz mitteilen?

Als erste Partei in Deutschland macht die CDU zudem ausgewählte Inhalte ihres Internet-Angebots für mobile Endgeräte wie Handys, Blackberrys und PDAs nutzbar. Dieses mobile Angebot zur Dialog-Tour wird für rund 5.000 unterschiedliche Geräte optimiert und arbeitet sowohl mit WAP als auch mit Web-Browsern.

Habt ihr euer Angebot jetzt auf 5000 unterschiedlichen Geräte testen lassen? Und was ist mit GPRS und UMTS? Und wo finde ich die Dynamik bei den bewegten Bildern, die unsere Bundeskanzlerin mir verspricht? Kommt die noch in den Pofalla-Interviews? Und wer ist überhaupt die Zielgruppe für das mobile Angebot der Dialog-Tour?

Donnerstag, 14. August 2008

iSummit 08: Best of Keynotes II

Hier nachgereicht noch ein Best-of der Keynotes der zweiten Hälfte des iSummit 08:

Open Source Pharmaindustrie

Dr. Hiroaki Kitano vom Sony Computer Science Laboratory berichtete von den Forschungsproblemen der Pharmaindustrie, die immer mehr investieren muss und dennoch immer weniger neue Medikamente findet. In dieser Situation wird es nach seiner Aussage immer sinnvoller, Kombinationen bereits entwickelter Wirkstoffe darauf zu untersuchen, ob sie unvorhergesehene Heilungserfolge bringen. Statistisch sei das bei einem gewissen Prozentsatz der Fall, allerdings gehe die Zahl möglicher Kombinationen ins Astronomische. Es sei daher nicht nur unwirtschaftlich sondern grundsätzlich unmöglich, dass jeder Pharmaproduzent alle Kombinationen für sich hinter verschlossenen Türen testet. Vielmehr sei man auf arbeitsteiliges Testen und die Ergebnisse der anderen angewiesen, um mögliche Erfolgskombinationen eingrenzen zu können.

Ob der zunehmenden Wichtigkeit dieser Kombinationsforschung sieht Dr. Kitano hier ein ganz neues Paradigma in der Entstehung, das er Open Pharma nennt. Um das Ganze in Fahrt zu bringen wurde nun im japanischen Okinawa ein System namens PAYAO etabliert, ein “community-basiertes Ansammlungssystem für biologisches Wissen” [PDF]. Es handelt sich dabei um eine funktionsreiche Annotations-Plattform, auf der Wissenschaftler ihre Forschungserkenntnisse hinterlegen und miteinander diskutieren können. Die gesammelten Informationen können kombiniert und auf verschiedene Arten dargestellt werden.

(Über verwendete Lizenzen war leider nichts Genaueres zu erfahren)

Open Content: Rückblick auf die letzten Jahre

David Wiley gab eine kleine Geschichtsstunde zur Entwicklung der Initiativen rund um die Ideen von freier Software und Open Content, angefangen bei Richard Stallman und Eric S. Raymond über Wileys eigene OpenPrinciples/License bzw. Open Publication License (1998), die Creative-Commons-Lizenzen 1.0, die Etablierung des Konzepts der Open Educational Resources durch die Unesco (2003), das OpenCourseWare-Programm des MIT bis zu den CC-Lizenzen 3.0 und der GFDL heute. Ein Schelm wer ihm dabei unterstellen würde, dass er auch gerne mal drauf hinweisen wollte, dass Lawrence Lessig nicht wirklich der Erfinder der Idee eines allgemeinen Lizenzmodells jenseits der GPL war. Wiley zufolge wurden mit den CC-Lizenzen viele Schwächen der OPL behoben und er dankte unter Applaus dem im Auditorium sitzenden Lessig dafür, dass er die Idee zum Erfolg geführt habe.

Aber für die Zukunft seien noch genug Probleme übrig, wie etwa das der Kompatibilität verschiedener Lizenzen untereinander, die Definition von “nicht kommerziell” oder auch die potenziellen Probleme aus der in vielen Lizenzen zu findenden Verbindung von Unwiderruflichkeit und salvatorischer Klausel. Als vielversprechenden praktischen Ansatz erwähnte Wiley das von ihm mitinitiierte Projekt Open Highschool of Utah, einer gebührenfreien Oberschule, bei der ausschließlich freie Inhalte zum Einsatz kommen. Deswegen kann das Unterrichtsmaterial stetig angepasst und verbessert werden. Außerdem verwies er auf flatworld knowledge, seinen Verlag für akademische Werke, bei dem durchweg frei lizenziert wird. Alle Bücher sind online kostenlos erhältlich und können ansonsten für nach Druckqualität gestaffelte Preise auch gekauft werden.

Japan mit rechtlichem Klotz am Bein

Nicht weniger als ein Urheberrecht für das 21. Jahrhundert kündigte Tsuguhiko Kadokawa in seiner Keynote an. Er ist CEO und Vorstandsvorsitzender u. a. eines der größten japanischen Verlagskonsortien (vor allem für Anime) und Mitglied eines Regierungsausschusses zum Bereich Urheberrecht. Die Rede ist von einer umfassenden Urheberrechtsreform in Japan, nach der die Interessen der Rechteinhaber und Nutzer besser austariert sein sollen und die bereits in Teilen Gestalt angenommen hat. Eine wichtigen Faktor in der Entwicklung in Japan bildet dieser Darstellung nach YouTube. Fast war in diesem Vortrag sogar so etwas wie Besessenheit mit dem Phänomen YouTube spürbar. Kadokawa zufolge war man angesichts des Umfangs des dort auftauchenden kommerziellen Contents zuweilen wirklich entschlossen, YouTube komplett aus Japan heraus zuhalten (wie auch immer das hätte gehen sollen). Als YouTube dann allerdings von Google gekauft wurde, war den Japanern offenbar ziemlich schnell klar, dass man den ausgewilderten Content nicht dauerhaft würde verhindern können, wohl aber legalisieren könnte.

YouTube hat in der Folge einen entsprechenden Kooperationsvertrag mit japanischen Musikproduzenten geschlossen. Etwas ähnliches ist bzgl. Anime geplant, allerdings weitgehend auf Einzelfallbasis mit dem jeweiligen Anime-Urheber, vermittelt über den jeweiligen Verlag. Es soll eine Art freundliche Aufforderung zur Einwilligung in die Verbreitung über YouTube sein - gegen pauschale Vergütung versteht sich. Es gehe dabei um “Liebe und Respekt” für die Arbeit der Urheber, also eine Art offizielles Anerkennungssystem in Kooperation mit YouTube.

Die genannte Urheberrechtsreform diene insgesamt vor allem einem besseren Schutz von 100 Millionen japanischen Urhebern (auf diese Zahl kommt Kadokawa offenbar, indem er die zukünftig erwartete Zahl japanischer Laptop-Besitzer mit der Zahl potenzieller zukünftiger Urheber gleichsetzt), aber auch dem Schutz der klassischen Rechteinhaber und -verwerter. Wertvolle Erkenntnisse habe man auch aus den Büchern und Erläuterungen von Lawrence Lessig gezogen und werde sie berücksichtigen. An konkret geplanten Schritten, deren Einzelheiten bis März 2009 noch ausgearbeitet werden sollen, nannte Kadokawa: Suchservices würden legalisiert (!), Caching werde legalisiert, Beschränkungen des Urheberrechts zugunsten von Universitäten würden geschaffen und Reverse Engineering werde legalisiert (wobei anhand der Simultanübersetzung nicht klar wurde, was mit letzterem gemeint war).

Und es wird wohl eine Art Fair-Use-Prinzip in Japan etabliert, womit Japan also dem US-amerikanischen Ansatz einer letztendlich gerichtlich auszugestaltenden, generellen Ausnahme vom Urheberrechtsschutz zu folgen scheint. Zugleich soll aber auch die Durchsetzung von Urheberrechten erleichtert werden.

Dienstag, 12. August 2008

Youtube aus anthropologischer Sicht

Mike Wesch, Assistant Professor of Cultural Anthropology an der Kansas State University, gibt in diesem Vortrag vor der US-Library of Congress einen tollen Überblick über den Kulturwandel durch Youtube & Co. Er nähert sich dem Thema aus anthropologischer Sicht. Spannend und amüsant.

Der Vortrag ist 55 Minuten lang.

Donnerstag, 10. Juli 2008

Was “Die Zeit” unter Urheberrecht versteht

In der neuen “Zeit” von heute ist ein kleiner, ärgerlicher Artikel (Wie wichtig sind die Urheberrecht im Netz?) über die Weitergabe der Nutzerdaten von YouTube an den Viacom-Konzern. Autor Marcus Rohwetter ist der Meinung, das geschehe den Nutzern ganz recht: Wer sich Material online angesehen hat, das ohne Zustimmung der Urheber veröffentlicht wurde, der dürfe danach nicht auf den Datenschutz pochen:

Viele YouTubeler haben sich einen Dreck um Urheberrechte geschert. Nun aber pochen sie ihrerseits auf den Datenschutz und machen große Augen, weil sich jemand wehrt. Der Medienkonzern Viacom wirft YouTube systematische Rechtsverletzung vor und errang vergangene Woche einen Sieg vor Gericht. Die Google-Tochter YouTube muss Nutzungsdaten herausrücken. Damit soll geklärt werden, was die Nutzer öfter anschauen – Privatvideos wie das des bauchstreichelnden Briten oder urheberrechtlich geschützte Filmchen.

Rohwetter vertritt den Standpunkt, dass Videos auf YouTube entweder “geklautes” geistiges Eigentum darstellen oder von den Usern selbstgemachter Schrott sind, den eh keiner sehen will. Was er dabei vergißt, sind die vielen Menschen, die YouTube als kreativen Output nutzen und dadurch eine demokratischere Medienlandschaft ermöglichen, indem sie sie selber erschaffen. Kein Wort von den modernen Kreativen, die auf eine klassische Medienlandschaft nicht angewiesen sind; kein Wort von den Indielabels, die MTV zurecht aufgegeben haben, weil YouTube das neue MTV ist. Natürlich ist auf den Online-Videoseiten viel Schrott zu sehen. Genau wie im klassischen Fernsehen. Daran ein Medium als ganzes zu bewerten, ist unsinnig.

In der zugegebenermaßen kurzen Kolumne kommt der Begriff des “Urhebers” oft vor - damit meint Marcus Rohwetter aber nie alle Kreativen, sondern benutzt den Begriff, ähnlich wie die Musikindustrie, nur im Sinne von Erzeugern oder Verwertern professionell hergestellter Werke. Wenn ich das kritisiere, mag das pedantisch klingen, aber wenn man seit einem Jahrzehnt dem Lamento der Verwerter zuhört, weiß man inzwischen, dass gern der arme Urheber beschworen wird, wenn es doch eigentlich um das Scheitern des Geschäftsmodells geht. Journalisten sollten hier aber zu differenzieren wissen.

Freitag, 4. Juli 2008

CCC an Google: Datenspeicherwahn überdenken

Die Taz hat ein Interview mit Frank Rieger vom Chaos Computer Club zum aktuellen Youtube-Fall: “Datenspeicherwahn überdenken“.

Google speichert Nutzerdaten inklusive Suchanfragen inzwischen noch 18 Monate, was der Internet-Konzern als großes Plus beim Datenschutz tituliert - andere speicherten unbegrenzt, sagt er. Warum braucht eine Suchmaschinenkonzern so viele Informationen? Wo liegen die gesetzlichen Grundlagen dafür?

Wie auch der aktuelle Fall zeigt, ist es lächerlich, dass Google bei so langer Speicherung noch von “Datenschutz” zu redet. Auch wenn andere Firmen noch schlimmer agieren, ist es angesichts der zentralen Rolle von Google in der Internetwelt nicht hinnehmbar, dass so detailierte Daten so lange gespeichert werden. Ein technisches Erfordernis dafür gibt es schlicht nicht, die Speicherung erfolgt einzig zum Zwecke der Profitmaximierung. Die Datengier von Internet-Unternehmen ist derzeit weitgehend unreguliert, der derzeitige deutsche Datenschutz kann da schon strukturell wenig bewegen. Hier bedarf es einer weitreichenden Reform, bei der die betroffenen Nutzer substantielle Rechte wie Schadensersatzansprüche erhalten. Der Chaos Computer Club hat dazu eine Liste von Forderungen aufgestellt, die wir in die derzeitige Diskussion um die Modernisierung des Datenschutzes einbringen.

Dienstag, 3. Juni 2008

Youtube, die GEMA und das Urheberrecht

Deutschlandradio Kultur berichtete gestern über die Urheberrechtsprobleme bei Youtube: Die Grenzen von YouTube. Und ein Aspekt ist da am interessantesten. Es geht konkret um einen Dokumentarfilmer, der gerne einen selbst gedrehten Film über Berliner Plattenläden online stellen würde. Im Hintergrund klingt aber Musik, die urheberrechtlich geschützt ist. Grosses Problem bei vielen Dingen. Nun hat man doch sofort den GEMA-Deal mit Youtube im Kopf, aber Pustekuchen, der zieht hier nicht:

Einzelne Rechteverwerter wie zum Beispiel die GEMA haben sich bereits mit YouTube arrangiert. Die Nutzer des deutschen YouTube-Portals dürfen demnach “das Weltrepertoire musikalischer Werke” nutzen. Im Gegenzug erhält die GEMA einen gewissen Betrag von YouTube, den sie dann an ihre Mitglieder ausschüttet. Klingt gut, hat aber einen Haken.

“Ich dürfte jetzt den Miles Davis-Song hier selbst zuhause auf der Blockflöte einspielen, und das dann über diesen GEMA-YouTube-Deal bei YouTube abspielen. Mehr aber auch nicht. Kann auch ‘ne Mundharmonika sein.”

Denn die GEMA verwaltet nur die Rechte an den Kompositionen, nicht aber an den Einspielungen. Da muss man nach wie vor bei den Plattenfirmen anklopfen - und die wollen entweder viel Geld oder haben andere Dinge zu tun, als sich um YouTube-Amateure zu kümmern.

Die MP3 dazu findet sich noch nicht online.

OECD-Youtube-Channel zur Zukunft des Internets

Die OECD hat jetzt auch einen eigenen Youtube-Channel, wo man im Vorfeld eines Ministertreffens im Juni in Süd-Korea seine Gedanken zur Zukunft des Internets hochladen kann. Wie immer bei solchen offiziellen Youtube-Channels ist es unklar, ob sich das dann jemand anschaut und vor allem wer.

The OECD is a global forum for new ideas to create prosperity in developed and developing countries. In Seoul, Korea, on 17-18 June, government ministers from more than 40 countries, global business leaders, technical experts and academics are meeting to work out how the Internet can improve the world. They want to know what you think. You tell the leaders and opinion shapers in Seoul what you think and they will upload responses to your ideas. Join in. Take part in making a difference.

[Danke an Benedikt]

Samstag, 24. Mai 2008

Youtomb - Ein Friedhof für Videos

Youtomb ist ein wissenschaftliches Projekt von MIT Free Culture, was Video dokumentiert, die von Youtube wegen Copyright-Vergehen gelöscht wurden. US-Fair-Use Regeln erlauben sowas glücklicherweise.

Youtube hat seit einiger Zeit automatisierte Copyright-Filter, die auch mal gerne über die Stränge schlagen. Dazu hab ich gestern ein Interview gemacht, was ich mal online stelle, wenn ich wieder in Berlin bin.

De Schockwellenreiter nennt es auch passend["Ein Friedhof für Videos"]

 

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