DJV gegen Fair-Use-Regeln

Noch Mitglied im Deutsche Journalisten-Verband? Wahlweise kann man sich jetzt beschweren oder die aktuelle Pressemitteilung zum Anlass nehmen, um aus Protest auszutreten. Der Bundesvorsitzender Michael Konken erklärt allen Ernstes: Hände weg vom Urheberrecht!

„Der Diebstahl geistigen Eigentums stellt ein wachsendes Problem für Urheber dar“, erklärte DJV-Bundesvorsitzender Michael Konken. „Die Forderung der Initiative nach einer ,Fair Use-Klausel’ läuft darauf hinaus, diesen Diebstahl zu belohnen.“ Es sei nicht nachvollziehbar, dass die Unterstützer der Initiative die Urheberrechte beschneiden wollten. Die Vorschläge liefen auf eine schleichende Enteignung der Urheber im digitalen Raum hinaus. Konken forderte die Bundestagsfraktion der CDU/CSU auf, die Thesen der Initiative bei der anstehenden Novellierung des Urheberrechts nicht in die Gesetzgebung einfließen zu lassen.

Vielleicht sollte man Herr Konken mal erklären, dass es diese Regeln außerhalb von Deutschland gibt und man auch nicht ständig aus den USA hört, dass damit “Urheber bestohlen werden”. Stattdessen werden hier (junge) Menschen teuer abgemahnt, die kreativ mit dem Internet umgehen.

Dieser Eintrag wurde veröffentlicht in Deutschland, Digital Rights, Urheberrecht und getagged . Bookmarken: Permanent-Link. Kommentieren oder ein Trackback hinterlassen: Trackback-URL. Dieser Beitrag steht unter der Lizenz CC BY-NC-SA: Markus Beckedahl, Netzpolitik.org.

10 Kommentare

  1. Torsten
    Erstellt am 12. Oktober 2011 um 14:04 | Permanent-Link

    Die wenigsten Abmahnungen betreffen etwas, was unter Fair Use fiele. Selbst der Großteil der Marions-Kochbuch-Abmahnungen wäre durch Fair-Use kaum aus der Welt zu schaffen.

  2. Erstellt am 12. Oktober 2011 um 14:39 | Permanent-Link

    Ach, der Konken. Das macht er in regelmäßigen Abständen.
    Erinnert sei an 2009, als er mitten im Kampf gegen Google, Kostenloskultur und Meinungsmonopole stand:

    “Der Gesetzgeber muss einerseits der Gratis-Kultur des Internets zu Gunsten der Urheber einen wirksamen Riegel vorschieben und andererseits die Befugnisse des Bundeskartellamtes so ausweiten, dass die Behörde Meinungsmonopole im Internet verhindern kann.”

    Hier gleich mit passendem offenen Brief dazu:
    http://bjoern-sievers.de/2009/07/17/offener-brief-an-djv-chef-michael-konken/

    Kann man heute, zwei Jahre später, alles genauso wiederholen. Leider.

  3. Erstellt am 12. Oktober 2011 um 14:40 | Permanent-Link

    Austreten halte ich nicht wirklich für eine Lösung, sinvoller halte ich es doch, intern für einen anderen Kurs zu kämpfen. Ich möchte zumindest nicht gleich eines der wenigen Gegengewichte zu den Verlegern komplett aufgeben.

  4. polemos
    Erstellt am 12. Oktober 2011 um 17:38 | Permanent-Link

    Wenn die Wissenschaft Fair Use als Bedrohung betrachten würde, gäbe es jetzt nicht mal die Technologie, mit der ich mir solche unsinnigen Zitate zu Gemüte führen muss … hmm, insofern ist vielleicht doch etwas am Urheberrecht dran…

    Kaufen sie ihre patentierte Steinkeule bei Felsenheim und Ur-Söhne! Seit 100.000 Jahren der einzige Steinkeulenhersteller in der Archaesteinzeit.

  5. Rudolph
    Erstellt am 13. Oktober 2011 um 13:56 | Permanent-Link

    Ja, der DJV. Kann man den überhaupt noch Ernst nehmen?

    Der DJV hat doch noch nicht mal einen Vorstand…
    http://www.stadl.biz/cms/images/stories/stadl/stadl_2011-08.pdf

  6. Erstellt am 14. Oktober 2011 um 12:14 | Permanent-Link

    Im Freienblog des DJV gibt es eine ausführliche Stellungnahme zum Thema: “Warum ‘Fair Use’ unfair für freie Journalisten und auch für die Internetindustrie ist”
    http://frei.djv-online.de/warum-fair-use-unfair-fur-freie-journalisten-und-auch-fur-die-internetindustrie-ist/

  7. Erstellt am 14. Oktober 2011 um 18:49 | Permanent-Link

    Mike Holderness, freier Journalist und in der EJF/European Journalist Federation, hat eine lesenswerte Zusammenfassung der Urheberrechtspraxis in Europa verfasst. Es gibt sie hier zum Download (wahlweise Englisch oder Französisch, die deutsche Übersetzung ist gerade in Arbeit): http://frei.djv-online.de/was-gilt-fur-freie-journalisten-beim-urheberrecht-in-europa-ausfuhrliches-buch-informiert-jetzt-kostenlos-zum-download/

  8. Erstellt am 17. Oktober 2011 um 10:15 | Permanent-Link

    Darf ich das Schweigen so deuten, dass euch der verlinkte Beitrag im DJV-Freienblog überzeugt hat? ;-)

    • Erstellt am 17. Oktober 2011 um 10:24 | Permanent-Link

      @Peter Jebsen: Überzeugt hat mich das nicht.

      • Erstellt am 17. Oktober 2011 um 14:34 | Permanent-Link

        Gibt es denn konkrete Punkte in der DJV-Darstellung z. B. des US-Fair-Use-Prinzips, die du anzweifelst?

        Du schreibst: “Stattdessen werden hier (junge) Menschen teuer abgemahnt, die kreativ mit dem Internet umgehen.”

        An was für Fälle denkst du hier?

        Torsten schrieb: “Die wenigsten Abmahnungen betreffen etwas, was unter Fair Use fiele. Selbst der Großteil der Marions-Kochbuch-Abmahnungen wäre durch Fair-Use kaum aus der Welt zu schaffen.”

        Siehst du das anders?

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