Überwachung im Betrieb: Nicht einzelne Skandale, sondern allgemeines Muster

Analyse & Kritik hat in der aktuellen Ausgabe einen Beitrag zur Überwachung im Betrieb . Auch wenn das die frei flottierenden digitalen Bohemiens nicht mehr interessiert oder sie sogar Wert darauf legen, dass der potenzielle nächste Auftraggeber sie erstmal googelt – für Millionen Menschen ist das immer noch ein riesiges Problem. Und offenbar ist es größer, als einzelne Skandale wie LIDL oder Deutsche Bahn suggerieren:

Die Unternehmen spionieren ihre Lohnabhängigen deutschlandweit aus. (…) Mit immer umfassenderem Zugriff auf das Arbeitsvermögen wird auch die Kontrolle umfassend und das Misstrauen offenbar flächendeckend. Auch dieses Problem besteht natürlich nicht nur in Deutschland (so z.B. auch bei Nokia in Finnland und bei dem Rüstungskonzern Honeywell weltweit). Und es machen alle – die Skandalisierung einzelner Unternehmensverfehlungen darf nicht darüber hinwegtäuschen, auch wenn genau dieses beabsichtigt ist.

Was in diesem Kontext noch nicht ausreichend diskutiert wurde, ist der gezielte Einsatz von Überwachung auf Leute, die versuchen, den innerbetrieblichen Widerstand der abhängig Beschäftigten zu organisieren:

Weit weniger Aufmerksamkeit erfahren in diesem Überwachungsalltag Maßnahmen, die sich vermeintlich gegen betriebliche Einzelfälle und Störenfriede richten, zumal wenn diese auch innerhalb der Belegschaft keine Solidarität genießen. Dabei wird übersehen, dass es um strukturelles Misstrauen geht, das sich gegen alle richtet, obwohl angeblich nur die vermeintlichen "schwarzen Schafe" gemeint sind.

Dieser Eintrag wurde veröffentlicht in Datenschutz, Deutschland und getagged , , . Bookmarken: Permanent-Link. Kommentieren oder ein Trackback hinterlassen: Trackback-URL. Dieser Beitrag steht unter der Lizenz CC BY-NC-SA: Ralf Bendrath, Netzpolitik.org.

2 Kommentare

  1. Erstellt am 16. Mai 2009 um 10:41 | Permanent-Link

    Die etablierten Betriebsräte sind meist bestochen, wie ich aus eigener Erfahrung weiß.Überwacht werden vor allem Leute, die einen neuen ehrlichen Betriebsrat wollen, um sie entweder rauszuschmeißen oder ins Bestechungssystem einzubinden. Selbst ein unangepaßter Betriebsrat wie ich hat dann zur Stablilisierung beigetragen, weil die Belegschaft dann glaubte, es werde ehrliche Politik gemacht. Das war aber gegen die bestochenen Kollegen praktisch nie möglich.In diesem System werde ich mich nie wieder engagieren.

  2. Erstellt am 17. Mai 2009 um 14:45 | Permanent-Link

    Pikant ist ja, wie weit diese Überachungen gehen, sie gehen ja weit über eine rein betrieblice Überwachung hinaus. Warum geht z. B. niemand der Frage nach, wie Lidl an die Krankendaten und die Bahn an die Kontodaten ihrer Zulieferer bzw. Mitarbeiter kommen? Und warum wird – ich kann mir nicht vorstellen, dass die Sache bei Lidl gesetzeskonform war – niemand dort strafrechtlich verfolgt?

2 Trackbacks

  1. [...] Netzpolitik.org hat was Interessantes zum Thema “Überwachung im Betrieb” – Zitat einer Studie: “Die Unternehmen spionieren ihre Lohnabhängigen deutschlandweit aus.” [...]

  2. Von Jahresrückblick 2009 : netzpolitik.org am 21. Dezember 2009 um 21:30

    [...] Überwachung im Betrieb: Nicht einzelne Skandale, sondern allgemeines Muster. [...]

Ihr Kommentar

Ihre E-Mail wird niemals veröffentlicht oder verteilt. Benötigte Felder sind mit * markiert

*
*

Du kannst diese HTML Tags und Attribute verwenden: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>

Anzeige
Die von uns verfassten Inhalte stehen unter der Lizenz CC BY-NC-SA.
Netzpolitik.org nutzt Wordpress. Das Design ist ein Thematic-Kind von Linus Neumann.