Christian Bahls vom Verein „MissbrauchsOpfer gegen InternetSperren“ (MOGIS) ist von der ZEIT interviewt worden. Lesenswert. Ein kurzer Auszug:
Bahls: (…) Am 27. März, als die Kinderhilfe so publikumswirksam im Familienministerium aufgetreten ist, ist mir das Essen hochgekommen.
ZEIT ONLINE: Warum?
Bahls: Wegen der Instrumentalisierung dieser lächelnden Kinder und Ursula von der Leyens Aussagen. (…) Die Diskussion, wie sie gerade läuft, ist nicht hilfreich. Die ist schlimm für die Opfer, ihnen wird damit noch ein zweites Mal wehgetan. Ich fühle mich wieder zum Opfer gemacht. Ich fühle mich in der Debatte für ein politisches Ziel missbraucht.Denn die Regierung will nur die Verbreitung der „Dokumentation des Missbrauchs“ einschränken, nicht den Missbrauch selbst. Sie können natürlich vor das Bild ein Laken hängen, das Bild aber hängt dann noch immer dort. Die Inhalte werden weiter verbreitet. Statt nur Listen auszutauschen, könnte man doch mit vereinten Kräften daran arbeiten, diese Inhalte dauerhaft aus dem Netz zu entfernen. Denn bisher geht es nur um diese Sperrlisten, nicht um Ermittlungsverfahren.
Das BKA ist noch dazu beim Aufhängen dieses Lakens Ankläger, Ermittler und Richter in einer Person. Wo bleibt da die Gewaltenteilung, wenn kein Gericht eingeschaltet wird? Wo bleibt die grundgesetzliche Rechtsweggarantie? Die wird damit ausgehebelt. Es wird eine schleichende Internetzensur aufgebaut, keine Strafverfolgung. Das alles ist nur möglich, weil das Tabu Kinderpornografie instrumentalisiert wird: Das ist so böse, da darf man gar nicht offen drüber diskutieren. Das ist das gleiche Muster wie in den Familien, in deren Umfeld Missbrauch geschieht.
Damit ist spätestens klar, dass es keine „Bedenkenträger“ oder „Zauderer“ sind, wie Frau von der Leyen die Gegner einer BKA-Zensur-Infrastruktur im Bundestag kürzlich nannte .
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17 Kommentare zu „Interview: Missbrauchsopfer gegen Internet-Zensur“
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[…] “INTERVIEW: MISSBRAUCHSOPFER GEGEN INTERNET-ZENSUR“ […]
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Meine Fresse! (´tschuldigung)
…da versteht jemand was von Öffentlichkeitsarbeit!
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[…] auf Netzpolitik entdeckt – Die ZEIT hat Christian Bahls von “MOGIS”, einem Zusammenschluss von […]
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Es ist Schlicht und Einfach eine Schade, nicht nur für die Macher, sonder auch für unsere Politik und somit für ganz Deutschland. Ich schäme mich dafür, weiß Gott warum.
Ich kann es einfach nicht verstehen, das BKA ist Monate lang hinter den Leuten her um die Trahtzieher zu bekommen. Sie wissen teilweise das es mit Blocklisten nicht getan ist und trotzdem wird sowas jetzt umgesetzt. Im Durchnitt braucht man 1 Tag um eine gesperrte Seite mit ihren Inhalten wieder online zu bringen.
Wie bereits oben erwähnt ist das ein Tabuthema und somit fällt die Kritik mäßig aus. Ich könnt hier gerade kotzen…entschuldigt.
Mir bleibt nur noch zu schreiben: Wer einem Tabu unterliegt der akzeptiert, dass sein Denken beschränkt wird.
subjekt
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[…] beseitigt Kinderpornographie nicht, wenn man ein dickes Laken über das Bild hängt (Quelle). Das ganze “Kampf” gegen Kinderpornographie zu nennen ist wirklich krank in meinen […]
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[…] netzpolitik.org – Interview: Missbrauchsopfer gegen Internet-Zensur: Damit ist spätestens klar, dass es keine “Bedenkenträger” oder “Zauderer” sind, wie Frau von der Leyen die Gegner einer BKA-Zensur-Infrastruktur im Bundestag kürzlich nannte . […]
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Ich lese hier die ganzen Kommentare, und frage mich wie viele Vorschläge zu Lösung des Problems wurden von diesen Schreihälsen an die Bundesregierung unterbreitet?
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@Igor
Aus dem Interview:
[…]
Bahls:
Wir sind für die effiziente Bekämpfung von Straftaten nach Paragraf 184 b. Dazu gehört aber, dass man die Inhalte aus dem Internet entfernt und die Inhaber der Server bestraft. Und über die Inhaber kommt man vielleicht auch an Leute, die so etwas herstellen und kann so verhindern, dass weitere Kinder missbraucht werden. Der Missbrauch muss unterbunden werden. Das aber geschieht nicht dadurch, dass die Bundesregierung ihren Bürgern Scheuklappen aufsetzt.[…]
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Konkrete Vorschläge bitte. Wie willst du persönlich Pädophilie bekämpfen bzw. ausrotten?
Oder willst etwa behaupten, das es dich gar nicht angeht? Um Paranoia los zu werden empfehle ich Yoga.
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[…] werden. Die Frage ist jedoch, ob dies mit einer einfachen Sperre der Inhalte getan werden kann. Netzpolitik.org zitiert aus einem Interview der ZEIT mit Christian Bahls, einem Mitglied des MOGIS, also jemanden […]
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[…] VideoInterview für die dennoch Lesefaulen – nichtsdestotrotz sehr informativ! BKA zensiert das Web Interview: Missbrauchsopfer gegen Internet-Zensur Verschleierungstaktik – Die Argumente für Kinderporno-Sperren laufen ins Leere Internetwirtschaft: […]
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Es ist schon sehr erschreckend wie schnell der Geisteszustand einiger Artgenosse degradiert.
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[…] ignoriert die Ministerin wichtige Fakten: Zensur ist gegen den Missbrauch und die Verbreitung von Kinderpornografie wirkungslos. Außerdem schadet Zensur unserem […]
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[…] Zauderer Verwandte Einträge:Zehn Worte (1)Zehn Worte (2)Zehn Worte (3)Zehn Worte (4)Zehn Worte (5) […]
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Interessant finde ich das ich seit Tagen auf die Seite von MOGIS nicht zugreifen kann!
Hat irgendwer ein ähnliches Problem? Ist deren Server überlastet?
@Igor: Ermittlung und Strafverfolgung nach altbewährtem Muster reicht völlig aus um den Drahtziehern auf die Schliche zu kommen. In jedem Fall ist die Sperrliste in keiner Weise geeignet etwas gegen Kindesmissbrauch zu tun. Wenn schon, dann bitte die Seiten von den Servern nehmen und im Zuge dessen die Verantwortlichen vor Gericht bringen. Bevor du dich über den Geisteszustand von anderen mokierst solltest du besser noch ne Stunde Yoga machen, dann fällt dein Urteil vielleicht nicht ganz so derb daneben aus…
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[…] Interview: Missbrauchsopfer gegen Internet-Zensur […]
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[…] Was haben wir jetzt also? Ein universell einsetzbares Zensurwerkzeug: theoretisch könnte das BKA in Zukunft jede beliebige Seite “aus Versehen” und bis zum Beweis des Gegenteils vorübergehend aus dem Netz verschwinden lassen (ich will jetzt der aktuellen Regierung nicht unterstellen, dass sie derartiges vorhabe. Trotzdem darf man so ein Machtinstrument niemandem in die Hand geben). Dass damit Kinderleid verhindert wird bezweifeln sogar Missbrauchsopfer. […]
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