BDK: “Der Gipfel war sein Geld nicht wert”

Der Datenschutz-Gipfel von Innenminister Schäuble ist vorbei und viele Datenschützer sind zufrieden mit den erreichten Ergebnissen.

Konkrete inhaltliche Kritik kommt nun ausgerechtet vom Bund Deutscher Kriminalbeamter. So erklärt dessen Bundesvorsitzender Klaus Jansen:

Die Ergebnisse des gestrigen Gipfels helfen dem Bürger in der konkreten Situation nicht. Seine Daten sind im Zweifelsfall schon im Umlauf, können national oder international genutzt werden, heute oder erst in 20 Jahren. Diese vagabundierenden Datensätze sind nicht wieder einzufangen.

Die Einrichtung von Arbeitskreisen, die dann die unterschiedlichen Regelungen der Bundesländer i.S. Datenschutz unter einen Hut bringen sollen, zeigt mit welchen folkloristischen Ansätzen Deutschland kriminellen Machenschaften im Internet und im internationalen Datenhandel zu begegnen beabsichtigt. Kann die Erhöhung von Bußgeldern bei unerlaubtem Datenhandel angesichts der Gewinnmargen in diesem Bereich ernsthaft abschrecken, persönliche Daten von Kunden an weitere Interessenten weiterzugeben? Der Bürger sollte nach diesem Datengipfel nicht auf eine spätere Wirksamkeiten der Beschlüsse von Datenschützern und Politik hoffen.

Er empfiehlt den Wechsel von Konto- und Telefonnummer, Datensparsamkeit und eine Quittierung für herausgegebene Daten. Achja, und eine flächendeckende Nutzung der E-Signatur.

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5 Kommentare

  1. Erstellt am 7. September 2008 um 13:39 | Permanent-Link

    Verstehe ich das richtig, dass diese E-Signatur fast so wie GnuPG (PGP) funktioniert, nur ohne Web-of-Trust, sondern mit Zertifizierungsstellen? Und dass man den privaten Schlüssel nicht durch ein Passwort, sondern durch Chip-Karte + Lesegerät entschlüsselt?

  2. Erstellt am 8. September 2008 um 10:19 | Permanent-Link

    Selten klare Worte, finde ich. Kritik, konkret, angemessen pessimistisch und mit Alternativvorschlag. :)

    Interessant auch deshalb, weil die Polizei als Organ ja dem BMI unterliegt (wenn auch in der föderalen Struktur eigentlich den Bundesländern). Fürchtet er um die relative Anonymität seiner Beamten? Oder darf er das alles nur sagen, weil ihm keinerlei politische Weisungskraft zukommt?

    Dabei ist im Hinterkopf zu behalten, dass vor dem Gipfel der BDI und der … vor einem “Eingriff in den funktionierenden Markt” (des Adresshandels) gewarnt haben und nach dem Gipfel weitgehend verstummt sind.

  3. Erstellt am 8. September 2008 um 12:38 | Permanent-Link

    Viel trauriger, als das die von blankem Aktionismus getriebenen Aktionen Schäubles nicht helfen ist, dass man uns auch noch belügt und betrügt.
    Angeblich kann man Firmen damit beauftragen, die Spuren, die man im Internet hinterlässt, zu tilgen.
    Das ist totaler Unsinn.
    Es gibt so viele Archive, so viele Verlinkungen, dass selsbt wenn man genau wüsste, auf welchen Seiten man wann war, niemand alles löschen könnte. Warum sagt einem das Niemand vorher?
    Da werden dann blindlings Aktionen angehebelt, die ins Leere laufen. Hauptsache Publikumswirksam…

  4. Erstellt am 8. September 2008 um 13:13 | Permanent-Link

    “oder erst in 20 Jahren”

    Da kann ich nur teilweise zustimmen, viele Daten verlieren ihren Marktwert sehr schnell.

    Am besten wechselt man Konto- und Telefonnummer wie seine Passwörter alle drei Monate, nur um auf Nummer sicher zu gehen =)

    • Erstellt am 8. September 2008 um 15:47 | Permanent-Link

      Das dumme daran ist, dass man bei häufigem Wechsel die Daten zusätzlich streut… und immer wieder neu solche komischen Erklärungen ankreuzen muss, ohne die ja kaum noch was geht.

      Und: ältere Leute ziehen seltener um, und die “Zielgruppe 50+” wird für Werber immer attraktiver.. und Namen ändern sich tendenziell seltener. Aber man kann immer dann immer noch zum Teil nachvollziehen, was Du letzten Sommer vor 20 Jahren getan hast..

Ein Trackback

  1. [...] Über “das Ding” des GSP, das ein Gewaltmonopol braucht, konnte man im ersten Satz des Artikels lernen, dass es da einen Antagonismus, einen unvereinbaren Gegensatz in der Gesellschaft geben muss, wo es dieses “Ding” gibt. Zu diesem Zweck etabliert “das Ding” ein Gewaltmonopol und unterdrückt damit die von seinem Interesse abweichenden Interessen. Was will also dieses “Ding” und was ist es? «Wir erschiessen immer die falschen Leute – und meistens versehentlich. Ein Typ in meiner Einheit fuhr mit seinem Panzer über eine Familie», so Hicks. Trotz oder wegen dieser allgemeinen Übereinkunft, klingt ein Polizist, der mit dem Messer auf Demonstranten einsticht, im ersten Moment nach einer Gruselgeschichte, die junge Antifas am Abend ihren Eltern erzählen. Diese vagabundierenden Datensätze sind nicht wieder einzufangen. Er empfiehlt den Wechsel von Konto… [...]

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