Schöne Instagram-Welt. Es gibt nicht nur auf der Foto-Plattform selbst Filter, die Bilder goldener, farbenfroher oder dynamischer erscheinen lassen. Es gibt daneben zahllose Apps, mit denen sich Gesichter verschönern lassen: weißere Zähne, größere Augen, reinere Haut. Und dann gibt es Apps, mit denen man sich schminken kann. Wieder andere Apps versprechen längere Beine, Wespentaille, Idealfiguren. Alles, damit wir uns mit mehr Likes von unserer idealisierten Schönheit überzeugen.
Und dann gibt es noch Apps, um Umgebungen und Hintergründe von Bildern zu verändern. Eine dieser Apps hat eine Funktion namens „Sky Control“, mit der die Nutzer:innen den Himmel noch aufregender machen können. Denn was wäre das Bild vom thailändischen Strand schon wert, wenn nicht die Wolken zum türkisblauen Wasser passen würden?
Die argentinische Reise-Influencerin Tupi Saravia ist mit immer gleichen Wolkenformationen aufgefallen. Auf Twitter posteten Menschen Bilder von ihr, auf denen sie vor immer gleichem Himmel posierte. Buzzfeed News ging der Sache nach.
Sie habe doch nur eine App genutzt, um die Bildkomposition zu verbessern, sagte sie gegenüber Buzzfeed. Auf Twitter löste der Fall eine Debatte über die Integrität von Bildern und Influencern aus. Die Instagrammerin ist sich keiner Schuld bewusst, sie habe immer ihren Followern offengelegt, dass sie Bilder bearbeite.
Banale Scheinwelt mit negativen Folgen
Instagram steht schon länger in der Kritik, weil das Netzwerk einerseits zu einer Fixierung auf Körper und Schönheit und außerdem zu einem Auseinanderklaffen von inszeniertem Bild und Realität führt. So entsteht eine Scheinwelt, in der das Besondere banalisiert wird.
Es gibt zahlreiche Studien dazu, wie Instagram auf Menschen wirkt. Die Royal Society for Public Health in Großbritannien hatte 2017 in einer Umfrage unter knapp 1.500 jungen Menschen festgestellt, dass Instagram von allen untersuchten sozialen Netzwerken die negativsten Effekte auf die Psyche der Befragten habe. Junge Frauen, die Influencern oder Models folgen, machen sich in der Fotonachbearbeitung die Zähne weißer und fühlen sich weniger wohl im eigenen Körper (PDF). Durch das Fotografieren für soziale Netzwerke machten sich die Nutzerinnen selbst zum Objekt, das sie dann für die Evaluation durch andere Nutzer mit Foto-Effekten optimierten, sagt die Autorin Rachel Cohen.
Der argentinischen Influencerin hat das Fälschen der Bilder übrigens nicht geschadet. Die Zahl ihrer Follower stieg seit dem Vorfall von 280.000 auf 292.000. Wer durch ihre Bilder scrollt, merkt schnell, dass der Himmel nicht das einzige Inszenierte ist.
