Kultur

Reihe auf ARD-alpha zu „Medienethik“

Medienethik. Quelle: br.de

Im ARD-Bildungskanal alpha (ehemals BR-alpha) wird seit gestern eine sechsteilige Reihe zum Oberthema „Medienethik“ ausgestrahlt. In der ersten Folge befasst sich Philosoph und Medienethiker Alexander Filipović mit Journalismus als „Dienst an der Gesellschaft“.

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Zunächst wird Immanuel Kant herangezogen, um zu verdeutlichen, dass Journalismus gesamtgesellschaftlich der Wahrheitsfindung dienen soll. Darüber hinaus wird auch kurz deutsche Journalismus-Geschichte rund um die Spiegel-Affäre gezeigt. An und für sich erstmal nicht verkehrt und nicht uninformativ.

Der Informationsgehalt bleibt aber enttäuschenderweise konsequent oberflächlich. Allein die eingespielte Straßenumfrage – leider kein valides Instrument der Wahrheitsfindung – böte genügend Diskussionsstoff für eine konkrete inhaltliche Arbeit in der Sendung: Vorwürfe eines Jugendlichen über eine einseitige Informationspolitik hinsichtlich des jüngsten Ukraine-Konflikts oder das Missfallen über eine Verteufelung Putins wären schon ein ordentlich großes Fass. Wenn er außerdem großen deutschen Medienanstalten das Vertrauen abspricht, dann könnte man auch als öffentlich-rechtlicher Sender auf die Idee kommen, in einer Sendung über „Medienethik“ und „Journalismus“ das eigene Verhalten wenigstens ansatzweise zu thematisieren. Das passiert aber nicht.

Bob Ross vermittelt nachts immer noch die Freude am Malen. Quelle: br.de

Stattdessen versprüht die viertelstündige Sendung auch formal den Charme der 1980er, was zumindest theoretisch ein bewusst eingesetztes und unterhaltsames Stilelement in der Tradition des beliebten Telekolleg-Sedativs sein könnte. Jan Böhmermann beispielsweise bedient sich in seiner Show Neo Magazin Royale sehr offensiv an Sendungen der frühen TV-Neunziger (hier ein Segment aus der Vorgänger-Show Neo Magazin). Die avisierte Zielgruppe von „Medienethik“ hingegen scheint jene zu sein, die auch Bob Ross irgendwann mal abgreifen sollte. Der betont beruhigende Tonfall des moderierenden Philosophieprofessors („Man bekommt unmittelbar mit, wie mitgenommen Horst Köhler in diesem Moment ist“) und die ausufernden Bildbeschreibungen bieten immerhin für sich genommen durchaus Unterhaltungspotenzial (wenn auch eher unfreiwillig).

Aber im hier präsentierten Verbund wirkt „Medienethik“ weder unterhaltsam noch informativ und lässt daher eigentlich nur den Schluss zu: Die zuständige Redaktion hat den Auftrag, eine gute Sendung zu produzieren, schlicht verfehlt.

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4 Kommentare
    1. Zu aufwendig … und als Praktikant darf man das und es kann einem noch nichtmal vorgehalten werden, nicht gelegentlich „das eigene Verhalten wenigstens ansatzweise zu thematisieren“. Egal, merkt kaum einer ;-(

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