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Wikipedia: Wikimedia Foundation geht juristisch gegen PR-Firma vor

Im Oktober sorgte die Aufdeckung eines umfangreichen Netzwerks von Nutzer-Accounts für Aufsehen, mit denen die englische Wikipedia im Sinne der Kunden einer PR-Firma bearbeitet wurde. Nachdem der Fall bisher vor allem journalistisch und nach den Wikipedia-Regeln aufgeklärt und bearbeitet wurde, hat sich die Wikimedia Foundation nun entschlossen, auch zu juristischen Mitteln zu greifen: Mit einem…

  • Kilian Froitzhuber

wiki-prIm Oktober sorgte die Aufdeckung eines umfangreichen Netzwerks von Nutzer-Accounts für Aufsehen, mit denen die englische Wikipedia im Sinne der Kunden einer PR-Firma bearbeitet wurde. Nachdem der Fall bisher vor allem journalistisch und nach den Wikipedia-Regeln aufgeklärt und bearbeitet wurde, hat sich die Wikimedia Foundation nun entschlossen, auch zu juristischen Mitteln zu greifen: Mit einem cease-and-desist-letter der beauftragten Anwaltskanzlei wird der Firma Wiki-PR verboten, sich an dem Enzyklopädieprojekt zu beteiligen, bis sie die Bedingungen der Foundation und der Wikipedia-Community erfüllt hat. Letztere fordert von dem Unternehmen die Offenlegung aller Accounts und bearbeiteten Artikel sowie transparentes Arbeiten in der Zukunft.

Konsequenzen unklar

Was fehlt ist allerdings eine klare Ansage zu den Konsequenzen, die Wiki-PR bei Zuwiderhandlung drohen. Dass eine Firma mit angeblich über 20 Mitarbeitern, deren wohl einziges Geschäftsfeld die Auftragsbearbeitung von Wikipedia-Artikeln ist, mit dieser Tätigkeit vorerst aufhört, dürfte recht unwahrscheinlich sein. Dementsprechend kann man davon ausgehen, dass entweder tatsächlich für Transparenz gesorgt wird, oder der juristische Streit auf höherer Eskalationsstufe fortgeführt werden muss.

Auch in deutschsprachiger Wikipedia Probleme mit PR

Auch in der deutschen Wikipedia kommt es regelmäßig zum Aufeinandertreffen von PR-Menschen und eher altruistischen Schreibern. Das Spannungsverhältnis wird seit geraumer Zeit mit einigem Aufwand von dem Wikipedia-internen Projekt „Umgang mit bezahltem Schreiben“ erforscht, das Grenzen und Möglichkeiten der Zusammenarbeit auslotet. Dass dabei nach wie vor größerer Aufklärungsbedarf besteht konnte man unter anderem an mehreren in PR-Menschen-Filterblasen kursierenden Falschmeldungen bezüglich einer angeblichen „Erlaubnis“ von PR in der deutschen Wikipedia sehen, die einiges an Verärgerung unter den dortigen Mitarbeitern hervorriefen.

Über die Autor:innen

  • Kilian Froitzhuber

    Kilian hat sich während seines Politik-Studiums intensiv mit politischen Partizipationsmöglichkeiten beschäftigt und anschließend unter anderem im Europäischen Parlament an der Reform des Datenschutzrechts gearbeitet. Die Themen Partizipation, Datenschutz und Politik auf Europaebene machen auch deshalb einen wesentlichen Teil seiner redaktionellen Arbeit aus. Bei Twitter findet man ihn hier.


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