Etwas verwundert habe ich mir heute die Augen gerieben, als ich bei Cicero.de ein Interview mit dem CDU-Bundestagsabgeordneten Peter Tauber gelesen habe, wo er meine Positionen zum Urheberrecht kommentierte:
Sind Sachverständige wie Markus Beckedahl, obwohl Grünenmitglied, nicht vor allem Technokraten?
Herr Beckedahl und andere haben einen anderen Zugang zum Thema. Er meint beispielsweise, dass Kultur – also die Ergebnisse eines künstlerischen Schaffensprozesses – der Allgemeinheit gehört, nicht mehr dem Künstler, dem Urheber oder demjenigen, dem der Künstler die Rechte an der Verwertung abgetreten hat.In Sachen Urheberrecht haben er und seine Mitstreiter einen eher sozialistischen Wertehorizont. Die Frage ist doch: Negieren wir das geistige Eigentum als Grundbegriff, ist es erledigt und obsolet? Oder hat es eine Berechtigung, dass Menschen die etwas schöpfen oder schaffen auch die Deutungshoheit darüber haben, wie mit ihren Erzeugnissen umgegangen wird. Ich würde die letzte Frage mit ja beantworten, auch wenn ich glaube, dass das Urheberrecht dringend überarbeitet gehört.
Nun frage ich mich natürlich, wo ich denen verkündet haben soll, dass Kultur der Allgemeinheit gehöre? Sicherlich gibt es die einen, die das Urheberrecht vor allem unter dem Aspekt Privatisierung von Wissen diskutieren, während ich den Aspekt Zugang zu Wissen spannender finde. Aber deswegen gleich die Sozialismus-Keule rausholen?
Ich setze mich klar für die Weiterentwicklung des veralteten Urheberrechts in Richtung eines Kreativnutzerrechts ein. Fast jeder ist heutzutage ein Urheber im Sinne des Gesetzes, auch oft kleiner Werke wie die Alltagsfotoschnappschüsse vom Mobiltelefon, die er selbst vielleicht gar nicht urheberrechtlich geschützt wissen will, aber das System ist nicht dafür gemacht. Und zugleich darf man nicht vergessen, dass es nur einen Zustand gibt, in dem ich als Urheber von etwas die uneingeschränkte Verfügungsgewalt darüber habe: wenn ich es für mich behalte. Die Veröffentlichung ist der Wunsch nach Öffentlichkeit. Verbunden sind damit daher beispielsweise Forderungen auf ein Recht auf Remix, diese Position dürfte im Übrigen auch nicht so weit von den Fair-Use-Regeln entfernt sein, die Tauber mit der Unions-Initiative faires-urheberrecht.de fordert.
Wie man davon auf einen sozialistischen Wertehorizont kommt, ist mir zwar schleiferhaft, aber als Historiker wird Peter Tauber sicherlich irgendwo einen entsprechenden Bezugspunkt ausfindig machen können – ich werde ihn fragen.