0zapftis: Bayern als erstes Bundesland im Verdacht

Es gibt einen ersten Spitzenkandidaten unter den Bundesländern bei der Suche, wer den Bundes- / Staatstrojaner illegal eingesetzt hat. Sowohl Erich Moechl bei FM4 als auch die Frankfurter Rundschau von Morgen tippen auf Bayern. Das ist natürlich vollkommen überraschend, wenn man den Hashtag #0zapftis genauer betrachtet. Erich Moechl verweist auf Dokumente der Firma Digitask aus Hessen, die seit 2008 bei Wikileaks liegen. Digitask bietet die passende Software an, die alle Spezifikationen erfüllt, die der CCC entdeckt hat.

In eben diesem Zusammenhang ist das deutsche Unternehmen DigiTask bereits 2008 aufgefallen, als ein diesbezügliches Angebot an die bayerischen Strafverfolger in Wikileaks erschien. Aus den Dokumenten geht hervor, dass DigiTask eine spezielle “Skype Capture Unit” anbietet, die 3.500 Euro pro Monat und Arbeitsplatz kostet. Damit könnten nicht nur 10 Skype-Telefonate parallel abgehört werden, der Trojaner übermittelt auch alle anderen Skype-Dienste wie Chat oder Dateitransfers, ebenso wie die Buddy-List, also das Adressbuch.

Die Frankfurter Rundschau hat ebenfalls DigiTask und Bayern im Verdacht:

Interne Schriftwechsel aus dem Bayerischen Justizministerium zeigen, dass schon vor vier Jahren mit der Entwicklung und dem Einsatz von rechtswidriger Überwachungssoftware begonnen wurde – und dass der Staat die Kontrolle über das Programm der Trojaner in die Hände privater Firmen legte. In dem Schriftwechsel zwischen Ministerium, Oberlandesgerichtspräsidenten und Generalstaatsanwälten, der der FR vorliegt, geht es um eine Spionagesoftware, die von der Firma DigiTask im hessischen Haiger entwickelt wurde.

Mal schauen, was noch alles rauskommt und ob noch weitere Bundesländer in den Verdacht geraten. Über den Bayerntrojaner wurde bereits im Sommer berichtet, die bayrische Regierung hat wohl auch eine handvoll Fälle zugegeben. Dazu passt auch: Landgericht: LKA Bayern setzt rechtswidrig Screenshot-Trojaner ein.

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25 Kommentare

  1. Erstellt am 9. Oktober 2011 um 21:23 | Permanent-Link

    Es spricht vieles für Bayern – die Parallelen sind ja offensichtlich:

    http://ijure.org/wp/archives/476

  2. Val
    Erstellt am 9. Oktober 2011 um 21:25 | Permanent-Link

    Die Staats-Malware wird mit 0zapftis (mit Null) bezeichnet, nicht als Ozaptis.

    • Erstellt am 9. Oktober 2011 um 21:31 | Permanent-Link

      @Val: Stimmt, aber als gebürtiger Rheinländer hab ich eine gute Ausrede.

      • Bruno
        Erstellt am 10. Oktober 2011 um 09:59 | Permanent-Link

        nix genau’s woa ma’ ned,
        aber soweit ich verstanden habe, ist das Listing des Quellcodes aus Reverse Engineering entstanden, d.h. die angegebenen Labels wie u.a. ozapftis sind vom CCC hineingeschrieben!

  3. Sebastian
    Erstellt am 9. Oktober 2011 um 21:28 | Permanent-Link

    Vor allem auch mit “f”! Markus, du solltest mal aufs Oktoberfest.

  4. Erstellt am 9. Oktober 2011 um 21:30 | Permanent-Link

    Noch ein interessantes Puzzle-Stück: das bayerische Landeskriminalamt hat einen Verdächtigen mit einem illegalen Trojaner ausspioniert!
    http://ijure.org/wp/archives/476
    Der Fall passt zur Leistungsbeschreibung des vom CCC gefundenen Staatstrojaners.

  5. Marcel
    Erstellt am 9. Oktober 2011 um 22:05 | Permanent-Link

    Mein Tipp, wie das ganze abgelaufen ist:

    1. Bayern lässt einen Trojaner entwickeln: Bayerntrojaner
    2. Man will auch in anderen Bundesländern sowas und statt nochmal zu zahlen, nimmt man sich einfach den Bayerntrojaner.
    3. Der CCC kriegt aus ganz Deutschland infizierte Festplatten zugeschickt.
    4. Der CCC analysiert diese und findet den Bayerntrojaner, den man jetzt auch Bundestrojaner nennen kann, da er ja offensichtlich bundesweit eingesetzt wird.

    • awmrkl
      Erstellt am 12. Oktober 2011 um 15:52 | Permanent-Link

      Respekt, Du hast reichlich gut getippt!
      Wie sich nach und nach rausstellt.

      Wie geht’s nun weiter?
      Leider wird es wohl allenfalls in der bay. (vllt auch anderen) Staatsregierung und evtl beim Zoll rumpeln (hoffentlich heftig)!

      Hosenanzug&Co werden wohl leider nicht einzubeziehen sein :-(

  6. Bernd
    Erstellt am 9. Oktober 2011 um 22:17 | Permanent-Link

    Der CCC sollte bekanntgeben, aus welchen Laendern die Pakete stammen, damit man bei den jeweiligen Innenministerien den Druck erhoehen kann.

  7. Erstellt am 9. Oktober 2011 um 22:25 | Permanent-Link

    Bundesländer, Markus, nicht Bundesstaaten ;)

  8. icke
    Erstellt am 9. Oktober 2011 um 22:49 | Permanent-Link

    Hat Frank Rieger in seinem FAZaS Artikel nicht selber auf einen “internen Schrifwechsel einer Jusitzbehörder” von 2008 hingewiesen?

  9. Stefan
    Erstellt am 10. Oktober 2011 um 00:38 | Permanent-Link

    mal zu erwähnen
    es wird nicht nur skype ausgecheckt
    sondern auch xlite und msn etc.

    wenn man sich den Timestamp der dll anschaut so ist die dll am
    24. September 2008
    compiliert worden.

  10. fritzdermeckerer
    Erstellt am 10. Oktober 2011 um 06:18 | Permanent-Link

    naja. bayern. dort hat man es eh nicht so mit den sachen, die da so aus karlsruhe kommen. sche..s drauf.

  11. mind machine
    Erstellt am 10. Oktober 2011 um 10:24 | Permanent-Link

    Auf dem Wiki der PiratenPartei findet sich eine Version der .pdf-Datei, die auch urspruenlich WikiLeaks zugespielt wurde.
    Sie wurde wahrscheinlich vom Bayerischen Justizministerium verfasst und and die Generalstaatsanwaelte sowie die Praesidenten der OLGs in Muenchen, Nuernberg und Bamberg adressiert.

    Im Anhang, ab Seite 5 des Schreibens, findet sich der “Leistungskatalog” des Trojaners. Er sieht dem Trojaner, der dem CCC zugespielt wurde, wirklich verdaechtig aehnlich.

    WikiLeaks hatte zu diesem Thema damals mehrere Artikel veroeffentlicht; die Uebersicht ueber das Thema findet sich hier.

  12. guran
    Erstellt am 10. Oktober 2011 um 10:30 | Permanent-Link

    warum kommen die piraten nicht endlich mal aus dem schrank?! pennt ihr?! eine bessere gelegenheit profil zu gewinnen kann es doch gar nicht geben. so wird das nix mit dem bundestag…

    • Erstellt am 10. Oktober 2011 um 11:51 | Permanent-Link

      äh hallo ?

      Die Piraten haben dazu eine Pressemitteilung rausgegeben, eine eigene Pressekonferenz aufgesetzt. Der Bundesvorsitzende Nerz ist sogar im Interview in den Abendnachrichten auf ZDF/ARD erschienen.

      Von daher, die Piraten sind es nicht die pennen ;)

      • KH
        Erstellt am 10. Oktober 2011 um 11:55 | Permanent-Link

        Dann ist jetzt Druck-machen ohne Ende angesagt, oder? Das ist ja wohl eine Steilvorlage für die Piraten, erst recht zum jetzigen Zeitpunkt, wo sie ohnehin in den Medien sind. Verwandeln, bitte! *ein Piraten-Wähler*

      • guran
        Erstellt am 10. Oktober 2011 um 12:01 | Permanent-Link

        ist das Dein ernst? zahmer gehts jawohl nicht mehr. da kann gleich grün wählen.

      • lach
        Erstellt am 10. Oktober 2011 um 12:20 | Permanent-Link

        CCC so “ham da den Bundestrojaner oder sowas in der Art gecrackt.”

        Piraten so “mimimimi aber vielleicht isses ja garnicht der BT!!1!! mimimi wann kommt denn eigentlich das iPhone5!!!??111 mimimimi besucht uns auf facebook!!11einhundertelf mimimimi”

        Jetzt will man wohl nicht mal mehr für die Kernthemen kämpfen. Gut, dass wir den CCC und die Leutheuser-Schnarri haben, die machen wenigstens ihren Job.

  13. perrit
    Erstellt am 10. Oktober 2011 um 12:15 | Permanent-Link

    wieso überrascht mich das nicht?

  14. Wikinger
    Erstellt am 10. Oktober 2011 um 14:22 | Permanent-Link

    Nachdem sich ja jetzt die erste Quelle geoutet hat war es wohl Bayern und es wurden auch die verfassungswidrigen Funktionen benutzt.

    http://ijure.org/wp/archives/727

    Der Fall ging durch die Presse weil der Anwalt bei der Einsicht in die Akten Screenshots gefunden hat. Er hat in Rücksprache mit seinem Mandanten die Festplatte nach der Rückgabe durch die Polizei an den CCC weitergegeben damit die sie analysieren können.

    Ach ja, ein kleiner Rechtschreibfehler hat sich noch eingeschlichen.
    Frankfurter Rundschau

  15. Erstellt am 10. Oktober 2011 um 15:17 | Permanent-Link

    Passend dazu sucht DigiTask gerade (?) Mitarbeiter in der Qualitätssicherung:

    Für die Erweiterung unseres Teams suchen wir einen
    Techniker Qualitätssicherung (m/w)

16 Trackbacks

  1. [...] Zwei: Die Dokumente zum Bayerntrojaner bei Wikileaks. [via] [...]

  2. [...] [...]

  3. [...] Wer mehr lesen möchte: CCC.de: Chaos Computer Club analysiert Staatstrojaner (mit Analysebericht als PDF-Dokument) Frank Rieger (CCC): Anatomie eines digitalen Ungeziefers FAZ: Der deutsche Staatstrojaner wurde geknackt Kai Biermann, Zeit Online: CCC enttarnt Bundestrojaner Matthias Thieme, Frankfurter Rundschau: Die Privaten hinter dem Bundestrojaner Frank Schirrmacher, FAZ: Code ist Gesetz Markus Beckedahl, netzpolitik.org: 0zapftis: Bayern als erstes Bundesland im Verdacht [...]

  4. [...] eingesetzt wurde. (taz.de + zeit.de + faz.net + tagesschau.de + sueddeutsche.de + fr-online.de + netzpolitik.org + [...]

  5. Von unkreativer weblog » Erwartete Reaktionen am 10. Oktober 2011 um 08:01

    [...] Theoretisch müsste man jetzt alle Bundesländer durchgehen, heute morgen twittert man schon den Verdacht, der Trojaner wäre aus Bayern. [...]

  6. Von » Staatstrojaner in DreiEinhalb Minuten am 10. Oktober 2011 um 08:01

    [...] Frank Schirrmacher, Herausgeber der FAZ: Code ist Gesetz Markus Beckedahl, netzpolitik.org: 0zapftis: Bayern als erstes Bundesland im Verdacht Posted by me at 07:42  Add [...]

  7. Von Bundestrojaner « Wir sprechen Online. am 10. Oktober 2011 um 08:03

    [...] mitten in Deutschland? In Bayern? Der Bundestrojaner: verfassungswidrig im BKA-Einsatz; [...]

  8. [...] könnte es sich nicht um einen Staatstrojaner, sondern lediglich einen Bundeslandstrojaner handeln? Indizien weisen nach Bayern, nicht weil man es dem Freistaat eh zutrauen würde, sondern vor allem auch, weil man im Gewählten [...]

  9. Von » Atari Teenage Riot am 10. Oktober 2011 um 10:41

    [...] wurde. Man kann gespannt sein, wie das weiter geht. Und wer dafür die Verantwortung getragen hat. Erste Gerüchte gibt es natürlich auch schon. Und es werden mit Sicherheit noch mehr davon [...]

  10. Von Bundestrojaner am 10. Oktober 2011 um 10:49

    [...] Netzpolitik [...]

  11. [...] genau diesen Fall hatten wir übrigens bereits gestern spekuliert. Beim CCC sollen aber noch mehr Festplatten von mehr Betroffenen, auch aus anderen Bundesländern [...]

  12. [...] Ob diese Software von einem Privatunternehmen aus Hessen stammt, wie die Frankfurter Rundschau und Netzpolitik vermuten, wird sich bestimmt bald klären lassen. Zudem wird gemunkelt, dass auch aus anderen [...]

  13. Von Staatstrojaner kurz erklärt | das blogbrot am 10. Oktober 2011 um 14:35

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