Es ist ein Hammer, den der Chaos Computer Club gestern Abend im Zusammenspiel mit verschiedenen Medien veröffentlicht hat: Deutsche Sicherheitsbehörden setzen offensichtlich einen Bundestrojaner ein, der weit über die engen verfassungsgemäßen Vorgaben des Bundesverfassungsgerichtsurteils von 2008 hinausgeht und damit illegal eingesetzt wird. Bisher hat sich das Bundesinnenministerium noch nicht dazu geäußert (BMI sagt, sie waren es nicht, dann sind wir mal auf die Dementis der Landesinnenministerien gespannt) und viele Sachen liegen dadurch auch noch im Dunkeln. Und doch könnte diese Geschichte weitreichende Folgen haben. Vor allem emotional.
Man kann sich natürlich auch vorstellen, wie die Trojaner-Software programmiert wurde: Wahlweise als Ausschreibung, bei denen Behörden das günstigste Angebot gewählt haben oder selbstprogrammiert von den IT-Experten bei den Sicherheitsbehörden. Also von denjenigen, die für wenig Geld in den Öffentlichen Dienst gehen und das schlechte Image auf sich nehmen, bei Überwachungsmaßnahmen beteiligt zu sein. Das sind nicht immer die Besten. Auch ein Kombination kann man sich vorstellen, dass die Software von einem privaten Anbieter kam und dann niemand in den Behörden in der Lage war, die Sicherheitslücken und die Verfassungswidrigkeit zu erkennen. Auch in diesen Fällen wäre es ein Skandal.
Aber, ob die entdeckten Trojaner ein Ergebnis von skandalösem Dilletantismus oder vorsätzlicher Verfassungsbruch waren:
Es ist dieses diffuse Gefühl der Angst und Ohnmacht, dass nach zehn Jahren Ausbau des Überwachungsstaates durch unzählige Sicherheitsgesetze, diese gegen die eigene Bevölkerung eingesetzt werden. Es ist dieser weiterer Schritt, weniger Vertrauen in unsere Sicherheitsbehörden zu haben, weil diese ja (zumindest in den dokumentierten Fällen) offensichtlich machen, was sie wollen. Und das ist gefährlich für einen Rechtsstaat, der davon lebt, dass die Bürger an ihn glauben.
Wer übernimmt eigentlich die politische Verantwortung?