Tina Guenther hat sich im Sozlog ausführlich mit De-Mail und dem ePostbrief auseinandergesetzt: Heitere Postkarten – ePost und De-Mail für mehr Vertrauen im Netz? Interessant sind ihre soziologischen Gedanken zu Verläßlichkeit und Vertrauen. Sie kommt zu dem Fazit:
Auf ihrem gegenwärtigen Entwicklungsstand sind ePostbrief und De-Mail eine prima Sache für heitere Postkarten und liebevolle Grußkarten, doch sie stellen keine überzeugende Alternative zu E‑Mail dar. Im Gegenteil: Sie sind der Versuch, gut etablierte Möglichkeiten zur Schaffung von mehr Vertrauen und Kooperation im Netz wie z.B. Informalität und Netiquette, Pseudonymisierung, Anonymisierung, offener Quellcode, offener API-Schlüssel etc. durch eine Form der Kommunikation zu ersetzen, wie man sie aus formalen Organisationen kennt und von der sich die Internetkommunikation klar abgrenzt. Sie sind darauf ausgerichtet, das Internet im Grundsatz zu verändern, hin zu einem dezidiert kommerziellen Internet, in welchem die Interessen großer Unternehmen und staatlicher Behörden gegenüber denen einfacher Bürger bevorzugt behandelt werden. Den Nachweis ihrer eigenen Vertrauenswürdigkeit müssen die Anbieter von ePostbrief und De-Mail erst noch erbringen, auch ihren Nutzen im Gegensatz zu E‑Mail erst einmal überzeugend nachweisen – die bisherige öffentliche Resonanz lässt erahnen, dass die Anbieter davon noch weit entfernt sind.