Reisepässe in die Mikrowelle

Die Taz hat im Vorfeld des 24. Chaos Communication Congress Frank Rosengart vom Chaos Computer Club interviewt: “Reisepässe in die Mikrowelle”.

Trotz aller Proteste – auch von Hackern – hat der Bundestag beschlossen, dass im neuen Jahr alle Verbindungsdaten gespeichert werden. Warum hat die öffentliche Diskussion nichts bewirkt?

Darüber werden wir auf unserem Kongress natürlich reden müssen. Ich will gar nicht leugnen, dass wir etwas ratlos sind. Schließlich haben die Medien ausführlich über die Gefahren berichtet, die entstehen, wenn ab nächstem Jahr gespeichert wird, wer, wann mit wem per Telefon oder Internet Kontakt hatte. Passiert ist dennoch nicht viel. Wir wissen von einigen Politikern, die wider besseres Wissen für das Gesetz über die Vorratsdatenspeicherung gestimmt haben. Ihnen war die Fraktionsdisziplin wichtiger als eine Gefährdung des Datenschutzes. Also hat weder das Lobbying im Bundestag noch der Protest auf der Straße bei den Verantwortlichen dazu geführt, ihre Entscheidungen zu überdenken.

Aber was folgt für Sie daraus?

Aus der Zeit der RAF wissen wir: Der bewaffnete Kampf bringt nichts (lacht). Aber im Ernst, vielleicht müssen wir versuchen, die Menschen mehr zu radikalisieren. Das heißt, ihnen mehr Mut zu zivilem Ungehorsam zu machen. So kann man den Chip, der auf den neuen Reisepässen die gespeicherten Fingerabdrücke enthält, zu Hause in der Mikrowelle zerstören. Möglicherweise sollten auch Organisationen wie der Chaos Computer Club und der AK Vorratsdatenspeicherung über radikalere Formen des Protestes nachdenken.

Dieser Eintrag wurde veröffentlicht in Datenschutz, Deutschland, Digital Rights, Events und getagged , . Bookmarken: Permanent-Link. Kommentieren oder ein Trackback hinterlassen: Trackback-URL. Dieser Beitrag steht unter der Lizenz CC BY-NC-SA: Markus Beckedahl, Netzpolitik.org.

15 Kommentare

  1. Darkapitude
    Erstellt am 26. Dezember 2007 um 17:10 | Permanent-Link

    Youtube Video Zum Thema RFID und Reisepass:

    http://de.youtube.com/watch?v=ZqbpLiCsF1A

  2. Darkapitude
    Erstellt am 26. Dezember 2007 um 17:13 | Permanent-Link

    Download des RFID Songs auf der Myspace Seite von Ecoluddit:

    http://www.myspace.com/ecoluddit

  3. bby
    Erstellt am 26. Dezember 2007 um 17:29 | Permanent-Link

    Ich dachte den neuen Pass kann man mit der Mikrowelle auslesen, einfach reinlegen und auf dem Display wird dann alles angezeigt? Stimmt aber wohl nicht …

  4. kaputnik
    Erstellt am 26. Dezember 2007 um 17:56 | Permanent-Link

    ich steck meinen Pass gerne in die Mikrowelle, wenn es denn der guten Sache dient, und was aber passiert dann an der Grenze? Sonderbehandlung? Gleich Knast?

  5. Mulder
    Erstellt am 26. Dezember 2007 um 19:25 | Permanent-Link

    EMP wär doch was…

  6. Jakob
    Erstellt am 26. Dezember 2007 um 19:25 | Permanent-Link

    Der Pass bleibt auch mit “defektem” Chip gültig.

  7. heilik
    Erstellt am 27. Dezember 2007 um 04:15 | Permanent-Link

    @4: Der Pass ist auch ohne Chip gültig, aber vielleicht musst Du mit intensiveren Kontrollen rechnen: Bis zum Ellenbogen ist Freundschaft. ;)

  8. Viktor
    Erstellt am 27. Dezember 2007 um 10:13 | Permanent-Link

    “Der Pass bleibt auch mit “defektem” Chip gültig.”
    das sag Du mal den arabischen Zöllnern!!!

  9. ninjaturkey
    Erstellt am 27. Dezember 2007 um 10:51 | Permanent-Link

    “…das sag Du mal den arabischen Zöllnern!!!…”

    @Viktor: im Zweifelsfall tuts auch ein amerikanischer Imigration Officer, oder ein (Achtung Vorurteil) ostdeutscher oder süddeutscher Polizist.

  10. anonymous
    Erstellt am 27. Dezember 2007 um 13:11 | Permanent-Link

    Reisepass in die Mikrowelle schön und gut. Bleibt das Ding denn dann auch sonst unversehrt? Denn mit einem schönen Brandloch ist das ne andere Frage, ob der dann noch gültig ist. Hat das schon mal jemand versucht?

  11. ninjaturkey
    Erstellt am 27. Dezember 2007 um 15:39 | Permanent-Link

    (Ich nochmal)
    Reicht es nicht auch, einen
    dicken Magneten ein paar mal
    über das Teil zu ziehen?

    Physiker und Elektrotechniker vor!

  12. Jakob
    Erstellt am 27. Dezember 2007 um 16:00 | Permanent-Link

    @ninja

    http://www.foebud.org/rfid/faq-frequently-asked-questions-zu-rfid#frage4.1

    @anonymous

    Immer wieder wird empfohlen, RFID-Chips in einer normalen Küchen-Mikrowelle zu zerstören. Wir raten dringend davon ab! Es dauert nur wenige Sekunden, bis Ihr Chip in Flammen aufgeht – und das “Trägermaterial” drumherum auch. Joghurtbecher, Kundenkarten oder Schuhsohlen bekommen sehr häßliche Löcher und die Schweinerei müssen Sie auch noch selbst wegmachen…

  13. Jakob
    Erstellt am 27. Dezember 2007 um 16:01 | Permanent-Link

    Das Zitat obige Zitat ist http://www.foebud.org/rfid/was-kann-ich-tun
    entnommen.

  14. kobalt
    Erstellt am 28. Dezember 2007 um 09:44 | Permanent-Link

    Möglicherweise ist diese Software interessant:
    http://www.hackerscenter.com/downloads/search.asp?id=1506

    “(…) It provides functionality to manipulate data stored on RFID tags, proximity cards, etc..”

  15. Trac3R
    Erstellt am 28. Dezember 2007 um 15:29 | Permanent-Link

    Ziviler Ungehorsam und radikalere Formen des Protestes? Bin ich dabei, melde mich hiermit freiwillig.

    Eine Möglichkeit wäre ja z.B. eine Abwandlung von Guerilla Marketing so wie auf den Demos (T-Shirts etc.). Bei uns wurde schon mal über Dummy-Kameras auf Toiletten nachgedacht, das wäre doch ne lustige Aktion, die die Leute auch zum Nachdenken bringt, hoffentlich. Privatsphäre war schließlich gestern…

3 Trackbacks

  1. Von Stefans Home am 27. Dezember 2007 um 00:27

    Köhler unterschreibt Gesetz zur Vorratsdatenspeicherung…

    Unser “Bundes-Horschtl”, wie Urban Priol unseren Bundespräsidenten Horst Köhler so nett bezeichnet, hat das Gesetz zur Vorratsdatenspeicherung unterzeichnet – man sieht keine verfassungsrechtlichen Bedenken. Damit wird das Gesetz zum 1.1.08 in Kraft …

  2. [...] …gefunden bei netzpolitik.org [...]

  3. [...] Yesbumbang: Reisepässe in die Mikrowelle. Ergebnis – auch wenn optisch unverändert – unbedingt im Fenster ausstellen – das müsste unter die unbeschränkte Kunstfreiheit (Art 5 GG) fallen. (Via Netzpolitik) [...]

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