Dieser Artikel ist mehr als 18 Jahre alt.

Heiligendamm: Champagner und dpa für die Journalisten

Eine Mitarbeiterin von newthinking ist mit einer netzpolitik.org – Medienakkreditierung (Hat tatsächlich problemlos geklappt!) in Heiligendamm, um dort ein Video-Kunstprojekt zu machen. Nachdem ich dadurch regelmässig am Telefon erfahre, was gerade passiert, hat sie mir eben den ersten kleinen Erfahrungsbericht geschickt: „Die heutigen Blockaden, die rund um Heiligendamm die Anreise der Delegierten zum G8 Gipfel…

  • Markus Beckedahl

Eine Mitarbeiterin von newthinking ist mit einer netzpolitik.org – Medienakkreditierung (Hat tatsächlich problemlos geklappt!) in Heiligendamm, um dort ein Video-Kunstprojekt zu machen. Nachdem ich dadurch regelmässig am Telefon erfahre, was gerade passiert, hat sie mir eben den ersten kleinen Erfahrungsbericht geschickt:

„Die heutigen Blockaden, die rund um Heiligendamm die Anreise der Delegierten zum G8 Gipfel behinderten, verliefen zum grossen Teil friedlich und im Grossen und Ganzen enorm erfolgreich. Die Organisation der G8-Kritiker ist beeindruckend.

Nur der NDR sah es anders. Wir beobachteten vor dem Tor 2 einen Redakteur dabei, wie er Live fuer die Abendnachrichten von angeblichen Molotowcocktails und Schlagstöcken berichtete, von denen bei den fröhlichen Sitzblockaden, die wir gerade besucht hatten, nichts zu sehen gewesen war. Das 10-köpfige Fernsehteam des NDR, das eigens aus Hamburg angereist war, stand jedoch samt Übertragungswagen beinahe 2 km von dem Geschehen entfernt und traute sich nicht weiter vor. Wie sie sagten „aus Sorge“, dass die Polizei sie nicht weiter durchlassen würde. Da sie aus dem Team niemanden entbehren konnten, der vorne am Beginn der Demonstration mal genauer nachsieht, mussten sie also notgedrungen auf Informationen des dpa zurückgreifen, wie mir die Redakteurin auf Nachfrage berichtete. Da auch die dpa nicht vor Ort gesehen worden war, im Gegensatz zu Reuters, muss man annehmen, dass die Informationen direkt aus den Presseinformationen der Polizei weitergeleitet wurden…

Schöne alte Medienwelt. Im Medienzentrum in Kuehlungsborn gibts dafuer den ganzen Tag Champagner kostenlos und Häppchen.. Wenigstens gibts das dann auch fuer die Blogger, sofern sie sich akkrediert haben..“

Mal schauen, ob sie die nächsten Tage noch zu mehr Kurzberichten kommt. Ansonsten freue ich mich auf die Videobilder.

Über die Autor:innen

  • Markus Beckedahl
    Darja Preuss

    Markus Beckedahl hat schon 2003 in der Ur-Form von netzpolitik.org gebloggt und hat zwischen 2004 bis 2022 die Plattform als Chefredakteur entwickelt. Seit 2024 ist er nicht mehr Teil der Redaktion und schreibt einen Newsletter auf digitalpolitik.de. Kontakt: Mail: markus (ett) netzpolitik.org, Presseanfragen: +49-177-7503541 Er ist auch auf Mastodon, Facebook, Twitter und Instagram zu finden.


Veröffentlicht

Kategorie

Schlagwörter

Ergänzungen

Wir freuen uns auf Deine Anmerkungen, Fragen, Korrekturen und inhaltlichen Ergänzungen zum Artikel. Bitte keine reinen Meinungsbeiträge. Unsere Regeln zur Veröffentlichung von Ergänzungen findest Du unter netzpolitik.org/kommentare. Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

9 Kommentare zu „Heiligendamm: Champagner und dpa für die Journalisten“


  1. […] block“ hat sich…joMontag, Juni 4, 2007, 13:20Der verlinkte Beitrag…Die neuesten EinträgeQualifikation? Journalist!Legal, Illegal? Das ist jetzt egal.ZahlenspieleDemonstrationsrecht 2007GEZahltes BloggingReineSchlagzeilenFiktion und Realität im Medienzeitalter   Qualifikation? Journalist! (0) Mittwoch, Juni 6, 2007, 23:49 – G8, Medien Was kann man eigentlich heute noch glauben?ImTagesverlauf, Spiegel Onlines G8-Ticker von Zeit zu Zeit quer gelesen, stolperte ich schon über den Bericht über M*A*S*H in Heiligendamm: +++ Verletzte Polizisten mit Helikoptern ausgeflogen +++[14:15] Mehrere verletzte Polizeibeamte sind mit Hubschraubern aus der Umgebung von Heiligendamm ausgeflogen worden. Ein Polizeisprecher bestätigte entsprechende dpa-Informationen. Über die Zahl der verletzten Beamten machte er keine Angaben. Beobachter vor Ort melden weiter, dass Polizisten zur Verstärkung der Kräfte vor Ort mit Hubschraubern eingeflogen werden.Ein wenig später das Dementi der Bestätigung: +++ Polizei: Keine Verletzten ausgeflogen +++[15:23] Die Polizei meldet, die Lage rund um Heiligendamm habe sich beruhigt. Polizeisprecher Axel Falkenberg wies auf die anhaltende Gesprächsbereitschaft gegenüber den Demonstranten hin. […] Die Polizei revidierte ihre Angaben, dass mehrere verletzte Polizisten mit Hubschraubern ausgeflogen worden seien. Es gebe acht verletzte Beamte. Diese würden vor Ort ambulant versorgt.Weiter geht es am Abend: +++ Freiberg nennt Polizei „personell am Ende“ +++[18:49] Die Polizei rüstet personell nach. Für den Einsatz in Heiligendamm wurden nach Informationen des „Hamburger Abendblattes“ bundesweit Polizisten nachgefordert. Der Vorsitzende Gewerkschaft der Polizei (GdP), Konrad Freiberg, wies darauf hin, dass dafür das „letzte Aufgebot“ mobilisiert werden musste. Der Zeitung sagte er: „Die Polizei ist personell am Ende.“ Zu den bereits 16.000 Polizisten werde nach Informationen des Blattes eine vierstellige Zahl von Einsatzkräften hinzukommen. Aus Hamburg und Berlin machten sich demnach jeweils zwei Hundertschaften auf den Weg.+++ Polizei dementiert Einsatzkräfte-Mangel +++[22:45] Die Polizei demonstriert [*kicher* War das freud? ;)] Berichte, sie habe Verstärkung aus dem gesamten Bundesgebiet geordert. Die 16 000 Polizisten reichten aus, es sei keine Verstärkung angefordert worden, sagte eine Sprecherin der Polizei- Sondereinheit Kavala. Das „Hamburger Abendblatt“ hatte berichtet, es solle eine vierstellige Zahl von Einsatzkräften hinzukommen, Hundertschaften aus Hamburg und Berlin seien unterwegs.Diesmal kommt die Bestätigung nach dem Dementi, was es nicht einfacher macht: +++Polizei fordert Verstärkung an+++[23:31] Die Polizei hat nach Informationen der Deutschen Presseagentur zwei weitere Hundertschaften zur Verstärkung beordert. Es kämen Einheiten aus Bremen und Schleswig-Holstein, die besonders mit Deeskalationsstrategien erfahren seien, erfuhr die Agentur aus Polizeikreisen. Die Einsatzleitung „Kavala“ dementierte allerdings Berichte, sie habe Verstärkung aus dem gesamten Bundesgebiet angefordert. Die genannte vierstellige Zahl zusätzlicher Polizisten könne logistisch gar nicht bewältigt werden, hieß es. „Für so viele hätten wir gar keine Unterkünfte mehr.So richtig knuffig ist aber die Geschichte vom möglichen Schwarz-Blocker in Polizeidiensten: +++ Polizei befürchtet Eskalation an der Rennbahn +++[18:35] Am Sicherheitszaun um Heiligendamm droht am Blockadepunkt Rennbahn nach Einschätzung der Polizei eine Eskalation. Wie die Polizei mitteilte, würden sich vor dem Durchgang in einer Gruppe von 9000 bis 10.000 Demonstranten Autonome vermummen und bewaffnen. Die Bewaffnung bestehe aus Molotow-Cocktails und Steinen.+++ Erneuter Sturm auf den Zaun +++[18:45] Die Lage am Sicherheitszaun hat sich weiter zugespitzt. Hunderte Demonstranten stürmten auf die Sperr-Einrichtung zu und rissen auf rund 200 Metern Maschendraht ab. Ein Vermummter versuchte, den 2,50 Meter hohen Sicherheitszaun zu erklettern. Dutzende Vermummte riefen: „Der Zaun muss weg.„Ich finde ja auch, daß der Zaun weg muß — allerdings schon jetzt und nicht erst in einer Woche –, aber das nur am Rande. Doch was muß man dann lesen? Erst Terror-Clowns, die keine waren und jetzt ein enttarnter Provokateur vor dem Zaun? +++ Möglicherweise Polizist verprügelt +++[19:41] Am Sicherheitszaun um Heiligendamm ist die Situation kurzzeitig eskaliert. Am Blockadepunkt Galopprennbahn wurde eine Person von mehr als einem Dutzend vermummter Demonstranten angegriffen. Möglicherweise handelte es sich um einen Polizisten, der in der Autonomen-Kleidung unter den Blockierern war. Der Mann wurde von Kräften des anwaltlichen Notdienstes der Demonstranten aus der Notlage befreit und zur Linie der Polizisten gebracht, die ihn in ihre Reihen zogen.+++ Vorwürfe gegen Polizei +++[21:37] Der Anwaltliche Notdienst der Demonstranten erhebt schwere Vorwürfe gegen die Polizei. Demnach sollen während der Blockadeaktion vor dem Zaun in Heiligendamm vermummte Zivilpolizisten in die Demonstrantenmenge eingeschleust worden sein. Augenzeugenberichten zufolge fiel am Abend eine Gruppe von vier bis fünf schwarz gekleideten jungen Männern auf, die sich außergewöhnlich aggressiv gegenüber der Polizei verhielten. Als Protestler die Männer nach ihrer Herkunft und Identität befragt hätten, seien diese geflohen. Einer sei jedoch festgehalten und als Zivilpolizist erkannt worden.Aktuell letzte »keiner weiß was«-Nachricht: +++ Beamte dringen in G‑8-Gegner-Camp ein +++[21:19] Die Polizei ist am Abend mit einer großen Zahl von Beamten in eines der drei Camps der Gipfelgegner eingedrungen. Die Beamten hätten eine Begehung im Camp Rostock gemacht, sagte eine Sprecherin der Polizei-Sondereinheit Kavala. Der Einsatz sei inzwischen abgeschlossen, fügte sie hinzu. Camp-Verantwortlicher Andi Henner sagte, rund 120 Beamte hätten das Camp betreten. „Sie hatten keinen Durchsuchungsbeschluss“, so Henner. Nachdem die Camp-Verantwortlichen der Begehung widersprochen hätten, habe sich die Polizei nach einigem Zögern zurückgezogen.+++Verwirrung um angebliche Camp-Durchsuchung+++[23:46] Am Camp Grenzschlachthof Rostock unternahm die Polizei „Maßnahmen zur Aufklärung der Störerlage“. Gipfelgegner sprachen von einer Begehung der Polizei ohne Durchsuchungsbeschluss. Die Polizei berichtete dagegen, sie habe keine Begehung gemacht. „Auch war zu keinem Zeitpunkt eine Räumung beabsichtigt“, erklärte Polizeiführer Knut Abramowski. Nach übereinstimmenden Angaben beider Seiten war die Aktion am Abend bereits wieder beendet.Auffallend war bislang, siehe nervige <blink>-Tags, daß Falschmeldungen überwiegend von dpa stammten …So langsam frage ich mich ernsthaft: was zeichnet einen Journalisten aus? Fantasie?Die habe ich. Überbordend. Wie bekommt man einen Presseausweis? […]


  2. […] Update 3: Interessant ist der Blick auf das ganze aus Sicht der internationalen Presse — die scheint sich mehr oder weniger komplett auf die Polizeiberichterstattung zu verlassen (oder kennt von zu Hause aus deutlich heftigere Proteste). Aber manchmal muss gar nicht so weit weg geschaut werden — laut netzpolitik.org griff selbst der örtliche NDR für eine Reportage auf direkt von der Polizei kommendes dpa-Material zurück, statt selbst zu recherchieren — inklusive nicht vorhandener Molotow-Cocktails. […]


  3. […] Zum Kotzen, Teil 1: Journalisten schlürfen Chanpagner, und winken dpa-Meldungen ungeprüft durch “Die heutigen Blockaden, die rund um Heiligendamm die Anreise der Delegierten zum G8 Gipfel behinderten, verliefen zum grossen Teil friedlich und im Grossen und Ganzen enorm erfolgreich. Die Organisation der G8-Kritiker ist beeindruckend. […]


  4. chab-neffo

    ,

    ähm mal ne frage:

    woher weiß denn die eine bploggerin alles besser?
    sie ist überall / sieht alles / weiß alles /
    ist womöglich gar eine neutrale beobachterin des geschehens?

    macht sie sich denn nicht lächerlich,
    wenn sie genau so arbeitet wie die „kollegen“?


  5. markus

    ,

    Es geht hier nicht darum, was sie besser weiss. Ich vertraue ihr und hab sie gebeten, das was sie mir am Teleofn erzählte von vor Ort, nochmal kurz aufzuschreiben. Ansonsten ist dies hier ein Blog und wir schreiben deutlich darein, dass dies hier alles subjektiv ist und keinerlei „objektiven“ Anspruch hat.


  6. […] Interessant in dem Zusammenhang auch netzpolitik.org – Heiligendamm: Champagner und dpa für die Journalisten: […]


  7. Die Medien in Heiligendamm…

    Der NDR traut sich nicht an die Frontlinie der Demonstrationen, und bezieht sich bei seiner Berichtserstattung vom Ort des Geschehens deshalb auf Meldungen der DPA. Derweil kann man aus sicherer Entfernung einen Gefangenensammelstelle inspizieren, die …


  8. Es stimmt – und ist aber nicht neu: immer weniger Reporter „trauen“ sich dorthin, von wo sie „eigentlich“ berichten sollten.

    Punkt 1: Nicht wenige KollegInnen haben einfach „Angst“, dass sie physisch zwischen die Fronten geraten könnten. Also: in ein Handgemenge geraten, nass werden oder – wie die anderen, die protestierenden Mitbürger auch – mit Tränengas oder CS-Reizgas eingenebelt werden.

    Punkt 2: Die Chefs-vom-Dienst (Koordinatoren der Reporter-Tätigkeiten) in den Redaktionen hören dann allerlei wüste Geschichten von den Reportern, warum sie nicht zum eigentlichen Ort des Geschehens vordringen können. Weil aber die CvDs ihre Sendungen / Seiten füllen müssen, werden halt die Reporter zu anderen, „erreichbaren“ Orten und Themen geschickt. Und statt dessen die Agentur-Berichte genommen – beziehungsweise von den für Live-Schalten vorgesehenen Kollegen als „Faktum“ dargestellt – meist ohne Zitatangaben.

    Punkt 3: Für nicht wenige Reporter gilt es als „Adelung“, wenn sie bei einem solchen „Groß-Ereignis“ unmittelbar „vor Ort“ berichten dürfen (macht sich gut für’s Image und die Heldengeschichten in den Funkhaus-Kantinen). Motto: „I survived Heiligendamm“. Nicht weiter verwunderlich in einer Image-Gesellschaft, in der das Schmücken mit fremden – aber beeindruckenden – Federn zum ganz normalen Procedere gehört. Ich kenne selbst ehemalige „Pseudo-Reporter“, die ihren Karrierweg mit Legenden unter dem Label „Ich berichtete mitten aus dem Stahlgewitter“ nachhaltig gepusht haben…aber nach Möglichkeit lieber auf Pressekonferenzen oder am liebsten „koordinierend“ am Schreibtisch abhingen.

    Punkt 4: Die Regel ist mittlerweile die, daß die Reporter gefälligst die Stories „zu bringen“ haben, die sich CvDs und deren Alpha-Tierchen in den Redaktionshierarchien ausdenken oder vorstellen. Sei es aus politischer Tendenz oder schlicht aus quoten-/auflagenbewusstem Kalkül. Motto: DAS müssen wir bringen, das wollen die Leute sehen“. Man kann auch „wollen“ durch „sollen“ ersetzen.

    Im Übrigen scheinen mir insbesondere Nachrichten-Sender – als Spartensender meist am unteren Ende der Quoten- und damit „Erfolgs“-Skala – eine Fluchtburg für ganze Hierarchien von ehemaligen oder aktiven „Pseudo-Reporter“.

    Mehr zu der Rolle der Medien in Heiligendamm und Rostock unter
    http://etiennerheindahlen.wordpress.com/2007/06/08/boulevard-heiligendamm
    http://etiennerheindahlen.wordpress.com/2007/06/06/nachrichten-sender-n-tv-und-informationsvielfalt
    http://etiennerheindahlen.wordpress.com/2007/06/04/massives-unbehagen


  9. […] Juni 4, 2007, 13:33der „schwarze block“ hat sich…Die neuesten Einträge»Journalisten-Oase Kühlungsborn«Kavala-Sprecher: »Was ich gestern gesagt habe, war gestern zutreffend. Was ich heute sage, istDas ist jetzt egal.ZahlenspieleDemonstrationsrecht 2007   »Journalisten-Oase Kühlungsborn« (0) Freitag, Juni 8, 2007, 23:34 – G8, Fundstücke Das Video zum Bericht.Nicht, daß jemand nichtglaube, das die Bundesregierung Journalisten lieber im Pressezentrum denn auf den Wiesen bei den G8-Gegnern gesehen hätte … […]

Dieser Artikel ist älter als 18 Jahre, daher sind die Ergänzungen geschlossen.