Schusserkennung
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: Akustische Überwachung: In der Stadt verteilte Mikrofone sollen Schüsse erkennen
: Akustische Überwachung: In der Stadt verteilte Mikrofone sollen Schüsse erkennen Die New York Times und die Post Gazette berichten über eine Technologie zur akustischen Erkennung von Schüssen aus Schusswaffen. Diese wurde im letzten Jahr für Kommunen erschwinglich, welche das System zunehmend einsetzen – in den USA seien es bislang knapp 70 Städte. Erste Systeme wurden bereits nach Großbritannien und Brasilien verkauft.
Um die Schüsse erkennen zu können werden Mikrofone meist auf Gebäuden, in Überwachungskameras, welche dann auch in die Richtung der Schüsse schwenken, aber auch an Zaunpfählen oder anderen Objekten, versteckt angebracht. Die Orte werden nicht bekanntgegeben. Erkennt ein Mikrofon einen vermeintlichen Schuss wird die Ton-Sequenz gespeichert und ausgewertet. Dabei unterscheidet das System die Schussgeräusche von ähnlichen Geräuschen wie beispielsweise Feuerwerk oder Baustellengeräuschen und kann sogar einschätzen um welche Waffenart es sich handelt. Gleichzeitig wird der Schuss lokalisiert – mit einer Genauigkeit von mindestens 25 Metern, häufig genauer. Die Geodaten, Geschwindigkeit und Richtung des/der Schützen, Waffenart und eine Audioaufnahme wird dem zuständigen Polizisten oder Mitarbeiter angezeigt, der die Aufnahme dann nochmals überprüfen kann.
Der selbsternannte Weltmarktführer SST mit seinem System ShotSpotter bietet aber nicht nur das System zum Verkauf an, sondern auch ein rundum sorglos Paket (ShotSpotter Flex), bei welchem die Sensoren nur gemietet werden. Die Auswertung der Daten findet komplett bei SST statt, die der Polizei nur noch einen Hinweis zukommen lässt. Privatisierte Sicherheit zum Dienstleistungs- und Leasingpreis zwischen 40’000 und 60’000 Dollar pro Quadratmeile und Jahr. Durch die gesenkten Anschaffungskosten können sich auch kleinere oder nicht so liquide Städte das System leisten.
Das System nimmt allerdings nicht nur Schussgeräusche auf, sondern auch andere Geräusche in der Umgebung. Erste Fälle, bei denen die Aufnahmen auch verbale Streitigkeiten und Rufe enthalten, sind bereits bekannt geworden. Laut Aussage eines Polizisten könne man auf den Aufnahmen auch Vogelgezwitscher, das Schlagen von Türen oder vorbeifahrende und hupende Autos hören. Der Vizepräsident von ShotSpotter James G. Beldock betont, dass das System nur zur Aufnahme von Schüssen ausgelegt sei:
There are people who perceive that these sensors are triggered by conversations, but that is just patently not true. They don’t turn on unless they hear a gunshot.
Das System kann aber auf jeden Fall auch bei vermeintlichen oder richtigen Schusswechseln beispielsweise Gespräche von Passanten aufnehmen und auswerten. Eine grundsätzliche Gefahr bei derartigen Systemen besteht darin, dass die Systeme in Zukunft auch zu anderen Zwecken verwendet werden können. Einmal installierte Mikrophone können die Umgebung auch nach anderen Geräuschen, Gesprächsfetzen oder Schlagwörtern filtern und auswerten. Das eine Ausweitung solcher Überwachungsmechanismen auf ursprünglich nicht vorgesehene Bereiche stattfindet ist nicht auszuschließen, vielmehr zeigt die Erfahrung dass dies nicht unwahrscheinlich ist.