EU-Kommissarin bezeichnet Copyright als “Hasswort”

Die Einsicht, dass es ein kleines Akzeptanzproblem beim Urheberrecht gibt, was wiederum auch nicht mehr ganz so zeitgemäss ist und dringend reformiert werden müsste, ist jetzt auch bei Neelie Kroes, EU-Kommissarin für die Digitale Agenda, angekommen. Heise fasst eine aktuelle Rede von ihr zusammen: EU-Kommissarin bezeichnet Copyright als “Hasswort”.

“Millionen US-Dollar, die für die Durchsetzung von Urheberrechten ausgegeben wurden, hätten die Piraterie nicht aufgehalten … Verstärkt steige in Bürgern Hass auf das auf, was sich hinter dem Wort Copyright verberge … sähen viele das gegenwärtige Regime nur noch als Werkzeug zum Bestrafen und zum Entziehen … auch bei der Vergütung von Künstlern versage das aktuelle Copyright-System … die Hälfte der bildenden Künstler in Großbritannien, weniger als 50 Prozent der “professionellen” Autoren in Deutschland und 97,5 Prozent der Mitglieder einer der größten Verwertungsgesellschaft in Europa verdienten weniger als 1000 Euro pro Monat mithilfe ihrer geschützten Werke, monierte Kroes.”

Dieser Eintrag wurde veröffentlicht in Digital Rights, EU, Urheberrecht. Bookmarken: Permanent-Link. Kommentieren oder ein Trackback hinterlassen: Trackback-URL. Dieser Beitrag steht unter der Lizenz CC BY-NC-SA: Markus Beckedahl, Netzpolitik.org.

11 Kommentare

  1. Kinch
    Erstellt am 20. November 2011 um 18:28 | Permanent-Link

    Hm, ja, wenn „jetzt” ungefähr ein Jahr erfasst, dann kann man tatsächlich sagen, dass das „jetzt” bei Neelie Kroes angekommen ist:

    http://www.heise.de/newsticker/meldung/EU-Kommissarin-fordert-neuen-Ansatz-fuers-Copyright-1132168.html

  2. icke
    Erstellt am 20. November 2011 um 18:34 | Permanent-Link

    Interessant finde ich, dass sie mit keiner Silbe ACTA oder SOPA dabei erwähnt. Lösungsansätze generell werden nur sehr indirekt erwähnt:

    “In particular, we should make it as easy as possible to license, not obstruct that process while making sure that the system efficiently secures the interests of artists themselves. This is what we are doing at the Commission with our future legislative proposal on collective rights management.”

    Kommt da noch etwas Neues? Kennt jemand schon das “future legislative proposal”?

  3. RA_Dury
    Erstellt am 21. November 2011 um 00:15 | Permanent-Link

    Tja, die Hoffnung stirbt zuletzt. Bei uns in der Kanzlei melden sich täglich Abgemahnte, die teilweise aus heiterem Himmel mit den Ergebnissen des aktuellen Urheberrechts konfrontiert werden, (sog. Filesharing-Abmahnungen.

    Meiner Meinung nach wird die massenhafte Abmahnerei nur dazu führen, dass die Leute derart gefrustet sind, dass sie nie wieder einen Cent für Produkte des Abmahners ausgeben. Ich halte es da eher mit Lawrence Lessig:

    WIPO Keynote 2010

  4. fritzdermeckerer
    Erstellt am 21. November 2011 um 06:22 | Permanent-Link

    die lobby wird sie schon noch auf die richtige einstellung dazu bringen. das eine oder andere schwarze köfferchen soll da wunder bewirken…..

  5. Erstellt am 21. November 2011 um 08:25 | Permanent-Link

    Aber aber – Die Rechte der Künstler der Abmahnindustrie müssen doch geschützt werden.

    (Sorry, kann mir hier einen gewissen Sarkasmus nicht ganz verkneifen)

  6. Nao
    Erstellt am 21. November 2011 um 10:34 | Permanent-Link

    Ich für meinen Teil warte ja immernoch darauf, dass ich mir Filme auf legalem (gerne auch angemessen bezahltem) Wege endlich auch DRM-frei herunterladen kann. Aber als ehrlicher Käufer hat man ja heutzutage weniger vom Material als als “Raubkopierer”. Da wundert man sich, dass die Leute ungehalten auf diese künstliche Verknappung reagieren? Nein! Echt jetzt!?

  7. John Steiner
    Erstellt am 22. November 2011 um 10:35 | Permanent-Link

    Sehr geehrte Frau Kroess,
    stimmt, es ist immer noch einfacher einen Rapidshare Account für 10 Euro zu kaufen als eine Folge the Wire auf Itunes für 1.99 $ .

    Rapidshare wird derzeit ungefähr 40-60 Mio weltweite Bezahlnutzer haben = 400- 600 Mio Euro Umsatz allein IM MONAT !!! und kein Cent davon fliesst zurück in die Verwertungskette , sondern in irgendwelche schweizer Chalets , Gulfstream 5 Jets etc..

    allerhöchsten 5% der Files die Rapidshare anbietet verletzen keine Copyrights ” , 95 % der Files verletzt eindeutig Copyrights,
    wieso klopft denen keiner auf die Finger ? Wär doch mal Zeit da aufzuräumen, aber die scheinen einige gutbezahlte Lobbyisten im Rennen zu haben…

    • tm78654
      Erstellt am 22. November 2011 um 13:34 | Permanent-Link

      wenn du hier rapidshare erwähnst, solltest du auch dabei sagen, dass es kein premiumacc mehr benötigt. auch ohne lässt sich inzwischen mit über 12Mbit mehrere GB pro Tag ziehen, wenn man es denn möchte.

      den vergleich find ich nicht so prall. rapidshare erreicht den umsatz aufgrund der aktuellen rahmenbedingungen, die sie zu ihrem vorteil nutzen, nicht weil sie ein tolles langfristig ausgelegtes geschäftsmodell haben, dass sich zu kopieren lohnt ;)

    • loboto
      Erstellt am 23. November 2011 um 10:01 | Permanent-Link

      ich für meinen teil würde empfehlen jemand von rapidshare (o.ä) abzuwerben. möglicherweise haben die jemand der weis wie man geld in den internets verdienen kann, nein?

  8. Erstellt am 23. November 2011 um 13:37 | Permanent-Link

    Neelie Kroes hat gestern auch auf Twitter um Input zum Thema Urheberrecht gebeten: http://l.fsfe.org/neelie-c

    Dann mal los – aber lasst uns bitte immer schön sachlich und höflich bleiben.

  9. Erstellt am 23. November 2011 um 17:15 | Permanent-Link

    Copyright ein Hasswort? Nunja, wenn man es mag, sehr negativ zu denken, dann vielleicht schon. Ich jedenfalls habe kein Problem damit. Wenngleich an der Gesetzgebung schon das eine oder andere verbessert werden könnte. Aber as ist ja fast immer so :-)

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