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Internet-Sperren in der ganzen EU?

Alvar Freude berichtet : Nun kommt es auch aus Brüssel: der Rat der Europäischen Union (EU-Ministerrat) will die einzelnen EU-Staaten verpflichten, Internet-Sperren einzuführen. Zwar bringt der Vorschlag für einen Rahmenbeschluss des Rates zur Bekämpfung des sexuellen Missbrauchs und der sexuellen Ausbeutung von Kindern sowie der Kinderpornografie einige sinnvolle und unterstützenswerte Forderungen mit. Der vorgeschlagene Rahmenbeschluss…

  • Ralf Bendrath

Alvar Freude berichtet :

Nun kommt es auch aus Brüssel: der Rat der Europäischen Union (EU-Ministerrat) will die einzelnen EU-Staaten verpflichten, Internet-Sperren einzuführen. Zwar bringt der Vorschlag für einen Rahmenbeschluss des Rates zur Bekämpfung des sexuellen Missbrauchs und der sexuellen Ausbeutung von Kindern sowie der Kinderpornografie einige sinnvolle und unterstützenswerte Forderungen mit. Der vorgeschlagene Rahmenbeschluss fordert in Artikel 18 aber auch Internet-Sperren.

Die vorgeschlagene Formulierung der Minister lautet hier:

Sperrung des Zugangs zu Webseiten, die Kinderpornografie enthalten

Jeder Mitgliedstaat trifft die erforderlichen Maßnahmen, damit die zuständigen Justiz- oder Polizeibehörden vorbehaltlich angemessener Schutzvorschriften die Sperrung des Zugangs von Internet-Nutzern zu Webseiten, die Kinderpornografie enthalten oder verbreiten, anordnen oder auf ähnliche Weise erwirken können; insbesondere soll sichergestellt werden, dass die Sperrung auf das Nötige beschränkt wird, dass die Nutzer über die Gründe für die Sperrung informiert werden und dass Inhalteanbieter darüber unterrichtet werden, dass sie die Entscheidung anfechten können.

Über die Autor:innen

  • Ralf Bendrath

    Ralf ist seit Jahren in Zusammenhängen wie DigiGes, EDRi, AK Vorrat, AK Zensur aktiv. 2011 wurde er in den Beirat von Privacy International berufen. Nach einer soliden Grundausbildung als Nerd am Commodore C-64 und dem Studium der Politikwissenschaft in Bremen und Berlin hat er zehn Jahre lang zu Datenschutz, Internet-Governance und Cyber-Sicherheit geforscht, u.a. in Berlin, Bremen, Washington und New York City. Von 2002 bis 2005 hat er für die Heinrich-Böll-Stiftung den Weltgipfel Informationsgesellschaft begleitet. Im Hauptberuf arbeitet er seit Sommer 2009 für den Abgeordneten Jan Philipp Albrecht im Europäischen Parlament, ebenfalls zu Themen der Internetfreiheit und der digitalen Bürgerrechte. Wenn er Zeit findet, bloggt er hier auf deutsch oder auf englisch auf http://bendrath.blogspot.com. Häufiger twittert er als @bendrath.


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8 Kommentare zu „Internet-Sperren in der ganzen EU?“


  1. Ideal zum Nachfragen bei Kandidatenwatch …


  2. Nun kann der neue Wirtschaftsminister unseres Landes auf dem nächsten G8-Gipfel die weltweite Internet-Sperrliste fordern – anstatt sich weltweit für Täterverfolgung einzusetzen. Globalisierung als Schein-Heilung.


  3. Mich würde ja mal interessieren, auf wessen Initiative das auf EU-Ebene in die Wege geleitet wurde. … Da würden sich sicher wieder einmal grandiose Zusammenhänge offenbaren …


  4. Wolfgang

    ,

    Nochmal als zusätzlichen Hinweis.
    Es gibt einen wichtigen Unterschied bei den EU-Aktivitäten zur Sperre:

    Die EU definiert „Kind“ als „Person unter 18 Jahren“!

    Damit verlangt die EU nicht nur Kinderpornographie- sondern auch Jugendpornographie-Sperren!

    Davon wären mit Sicherheit schwule Websites betroffen.

    Siehe auch
    http://blog.beck.de/2009/04/22/gesetzentwurf-zu-internetsperren-im-kabinett-beschlossen#comment-17113


  5. Die Freiheit im Internet muss erhalten werden – und sinnvolle, technisch zu 100% sichere Sperren gibt es sowieso nicht.


  6. […] Der Rat der Europäischen Union (EU-Ministerrat) will die einzelnen EU-Staaten verpflichten, Int… […]

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