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Provider liefert falsche IP ans BKA: Unschuldiger wegen Kinderpornografie im Verdacht

Udo Vetter berichtet aus dem täglichen Wahnsinn, der passieren kann, wenn die Provider als Hilfspolizisten herangezogen werden. Das Bundeskriminalamt hatte die Auskunft verlangt, weil bei “anlassunabhängiger Recherche” die IP-Adresse in einer Tauschbörse aufgefallen war. Über den zugeordneten Rechner standen eine Menge Kinderpornos zum Download bereit. (…) Für den (…) Kunden hatte die Auskunft dramatische Folgen.…

  • Ralf Bendrath

Udo Vetter berichtet aus dem täglichen Wahnsinn, der passieren kann, wenn die Provider als Hilfspolizisten herangezogen werden.

Das Bundeskriminalamt hatte die Auskunft verlangt, weil bei “anlassunabhängiger Recherche” die IP-Adresse in einer Tauschbörse aufgefallen war. Über den zugeordneten Rechner standen eine Menge Kinderpornos zum Download bereit. (…) Für den (…) Kunden hatte die Auskunft dramatische Folgen. Hausdurchsuchung, Beschlagnahme des Heim-PCs und des Firmennotebooks, Vernehmung und sicherlich auch einige nicht sehr lustige Gespräche im Familienkreis. Das volle Programm eben, mit all seinen mitunter katastrophalen Folgen.

Das ganze kam nur raus, weil der Datenschutzbeauftrage des Providers sich um die Sache wirklich gekümmert hat. Das ist durchaus nicht Standard.

In seiner Sprache: “Die Prozesse bei der Überprüfung von IP-Adressen liefen nicht optimal. Die operative Einheit hat sich vertan.” Mit anderen Worten: Irgendwo beim Blick ins Firmennetz (es handelte sich um eine Echtzeit-Abfrage), der Dokumentation der Daten oder der Zuordnung zu den Kundenstammdaten ist geschlampt worden.

Über die Autor:innen

  • Ralf Bendrath

    Ralf ist seit Jahren in Zusammenhängen wie DigiGes, EDRi, AK Vorrat, AK Zensur aktiv. 2011 wurde er in den Beirat von Privacy International berufen. Nach einer soliden Grundausbildung als Nerd am Commodore C-64 und dem Studium der Politikwissenschaft in Bremen und Berlin hat er zehn Jahre lang zu Datenschutz, Internet-Governance und Cyber-Sicherheit geforscht, u.a. in Berlin, Bremen, Washington und New York City. Von 2002 bis 2005 hat er für die Heinrich-Böll-Stiftung den Weltgipfel Informationsgesellschaft begleitet. Im Hauptberuf arbeitet er seit Sommer 2009 für den Abgeordneten Jan Philipp Albrecht im Europäischen Parlament, ebenfalls zu Themen der Internetfreiheit und der digitalen Bürgerrechte. Wenn er Zeit findet, bloggt er hier auf deutsch oder auf englisch auf http://bendrath.blogspot.com. Häufiger twittert er als @bendrath.


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6 Kommentare zu „Provider liefert falsche IP ans BKA: Unschuldiger wegen Kinderpornografie im Verdacht“


  1. ‚Macht nichts’, dachte der kleine Angestellte, ‚wir sind die Stärkeren.’ – IMO wird die Exekutive, die die Überwachungsdaten tatsächlich nutzt, ihrerseits viel zu schwach unter Kontrolle gehalten.


  2. Wenn die Zusammenarbeit bei der Vorratsdatenspeicherung genauso gut läuft kann man die ganze Maßnahme so oder so in den Müll werfen. Wäre zumindest eine gute Sache :)


  3. […] Unschuldiger wegen Kinderpornografie im Verdacht. So schnell kann es gehen. Heute denkt er noch: “Wer nichts zu verbergen hat, hat nichts zu befürchten”, morgen steht das BKA auf der Matte: wegen Kinderpornografie. Am Ende kommt raus, dass die falsche IP übermittelt wurde. Was auch nur rauskommt, weil der Datenschutzbeauftrage nachforscht. Geil! Hey, das ist Realsatire! Erinnert sich jemand an die Szene in mit der Hausdurchsuchung in Brazil? Buttle, Tuttle, wo ist da schon der Unterschied? Morgen kommt der Nächste unter die Räder der Überwachungsmaschinerie. […]


  4. @erlehmann

    Hey, an Brazil musste ich spontan auch denken. Buttle, Tuttle, wo ist der Unterschied? Morgen gerät der Nächste unter die Räder der Überwachungsmaschinerie (Frau weg, Job weg, Kinder weg), und keiner wird Notiz davon nehmen.

    Im vorliegenden Fall ist ein halbes Jahr ins Land gegangen, bis die Sache aufgeklärt wurde. Sehr unlustige Sache. Aber wer nichts zu verbergen hat, hat nichts zu befürchten, oder wie war das noch?


  5. […] Provider liefert falsche IP ans BKA: Unschuldiger wegen Kinderpornografie im Verdacht. […]

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