Kafka in den USA

Der oberste Gerichtshof in Washington hat der ACLU das Recht abgesprochen, gegen das Programm der Bush-Regierung zu klagen, das ein Abhören von Telefonanschlüssen ohne Richterbeschluss ermöglicht. Letztes Jahr war die ACLU in erster Instanz damit erfolgreich gewesen. Der Supreme Court hat nun das Argument des Berufungsgerichts übernommen, dass die Kläger nicht nachweisen konnten, dass sie betroffen waren, also selber überwacht wurden.

Nochmal im Klartext: Die Regierung darf unkontrolliert und ohne gerichtliche Aufsicht ihre Bürger abhören. Die Bürger werden nicht darüber informiert, ob sie abgehört werden. Deswegen kann man nicht wissen ob man betroffen ist und kann sich nicht dagegen wehren. Damit haben aber auch die wirklich real von Abhörmaßnahmen Betroffenen keine Möglichkeit sich zu wehren. Man kann also die Verfassungskonformität dieser drastischen Maßnahme nicht mehr effektiv überprüfen lassen. Das ist wirklich kafkaesk.

Zum Vergleich: Das Bundesverfassungsgericht in Deutschland hat die Klage gegen den NRW-Trojaner angenommen, ohne dass nachgewiesen werden musste, dass die Kläger bereits Opfer einer Online-Durchsuchung waren. Es reichte, dass man potenziell betroffen ist und davon unter Umständen nichts erfährt.

Dieser Eintrag wurde veröffentlicht in Datenschutz und getagged . Bookmarken: Permanent-Link. Kommentieren oder ein Trackback hinterlassen: Trackback-URL. Dieser Beitrag steht unter der Lizenz CC BY-NC-SA: Ralf Bendrath, Netzpolitik.org.

4 Kommentare

  1. Torsten
    Erstellt am 19. Februar 2008 um 19:52 | Permanent-Link

    Kafka? Oder Hauptmann von Köpenick?

  2. USA = Keine Demokratie !
    Erstellt am 19. Februar 2008 um 20:00 | Permanent-Link

    naja die USA sind ja auch keine wirkliche Demokratie falls dieses Land überhaupt jemals wirklich demokratisch war….

  3. Ich
    Erstellt am 19. Februar 2008 um 21:49 | Permanent-Link

    Die USA sind weder eine Demokratie noch ein Rechtsstaat. Was soll man da noch erwarten?

  4. Erstellt am 4. März 2008 um 20:12 | Permanent-Link

    Perfide Argumentation. Das wundert mich aber nicht. Die Bush-Administration hat es erfolgreich geschafft den Supreme Court mit ein paar Richtern zu besetzen, die teilweise leider nicht nur eine konservative Weltanschauung haben, sondern auch offenbar auch eine politische Agenda.

2 Trackbacks

  1. Von Links 51 « FreiheIT-Blog am 21. Februar 2008 um 04:37

    [...] up, spied on entire email network Bruce Schneier über “gutartige” Computer-Würmer Kafka in den USA 10 Ways We Get the Odds Wrong Easterhegg 2008 in Köln: Call for Participation Gestohlene Daten- [...]

  2. [...] man doch froh sein, hier zu leben! [...]

Ihr Kommentar

Ihre E-Mail wird niemals veröffentlicht oder verteilt. Benötigte Felder sind mit * markiert

*
*

Du kannst diese HTML Tags und Attribute verwenden: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>

Anzeige
Die von uns verfassten Inhalte stehen unter der Lizenz CC BY-NC-SA.
Netzpolitik.org nutzt Wordpress. Das Design ist ein Thematic-Kind von Linus Neumann.