Am 23. Juni möchte der Springer-Verlag bekanntermaßen alles Haushalte in Deutschland mit einer Gratis-Bild-Zeitung versorgen. Schon seit einigen Monaten existiert dazu die Kampagne von Campact, mit der man der Zustellung widersprechen, und gegen Spende einen kleinen Aufkleber für den Briefkasten bekommen kann.
Vor einigen Tagen wurde dann bekannt, dass der Springer-Verlag allen Widersprechern am Stichtag „eine adressierte, großformatige Infopostsendung in einem auffälligen roten Umschlag“ zukommen lassen wollte. Zeit für einen erneuten Widerspruch.
Um eine eingehende Bearbeitung meines Schreibens sicherzustellen, versah ich es außerdem mit allen Forderungen, die das Bundesdatenschutzgesetz hergibt. Ein Eingehen auf diese Forderungen ist für den Verlag nicht optional, das heißt, die Datenschutzabteilung muss die Daten prüfen und nach Vorgabe löschen, sowie darüber Rückmeldung geben.
Um sicherzugehen, dass mein Schreiben auch ankommt, sendete ich es per Email an Hamburg@bild.de, Berlin@bild.de, redaktion@bild.de, leserbriefe@bild.de, service@axelspringer.de, ir@axelspringer.de, info@axelspringer.de und information@axelspringer.de (sicher ist sicher). Zeitaufwand: ca. 1 Minute.
Heute kam dann ein korrekt frankiertes und eigenhändig unterschriebenes 2‑seitiges Schreiben der Datenschutzabteilung des Springer-Verlages:
Durch die Aufnahme in die Robinson-Liste habe ich nun Gewissheit (und nach meinem Widerspruch auch einen rechtlichen Anspruch darauf) vom Springer-Verlag nicht belästigt zu werden.
Da die Gratisbild in 3 Tagen geliefert werden soll, halte ich den heutigen Tag für einen besonders günstigen, um einen vergessenen Widerspruch nachzuholen, oder einem bereits erfolgten Widerspruch Nachdruck zu verleihen.
Hier der Text:
Hiermit untersage ich der Axel Springer AG, Tochtergesellschaften, eventuellen Auftragsnehmern und anderen Vertragspartnern ausdrücklich, mir an die oben genannte Anschrift am 23.06.2012 oder an einem anderen Tag ohne meine vorherige schriftliche Einwilligung die BILD-Zeitung oder andere Erzeugnisse,insbesondere eine adressierte, großformatige Infopostsendung in einem auffälligen roten Umschlag, der Axel-Springer AG oder ihrer Tochtergesellschaften zuzustellen oder in den Briefkasten einzulegen oder durch Dritte zustellen oder in den Briefkasten einlegen zu lassen.
Gemäß Bundesdatenschutzgesetz (BDSG) fordere ich Sie auf:
1. Sie haben mir gegenüber unverzüglich offenzulegen, welche Daten außerden oben aufgeführten Adressen Sie über meine durch diesen Namen/dieseAdressen identifizierte Person gespeichert haben, und aus welchenQuellen sämtliche mich betreffenden Daten stammen.§ 6 Abs. 2, § 28 Abs. 4, § 34 Abs. 1–3 BDSG
2. Sie haben den Verwendungszweck sämtlicher mich betreffenden Daten ebenfallsunverzüglich mir gegenüber offenzulegen.§ 34 Abs. 1, § 43 Abs. 3 BDSG
3. Sie haben sämtliche meine Person/meine Adressen betreffenden Datenunverzüglich zu sperren und mir diese Sperrung zu bestätigen.§ 28 Abs. 4, § 30 Abs. 3, § 43 Abs. 3, ferner § 4 Abs. 1 BDSG
4. Ich untersage Ihnen jedwede zukünftige Speicherung meine Person bzw.meine Adressen betreffenden Daten ohne meine vorherige ausdrücklicheschriftliche Genehmigung.§ 28 Abs. 4, § 4 Abs. 1,2 BDSG
5. Ich untersage Ihnen die übermittlung dieser Daten an Dritte. Fürbereits an Dritte übermittelte Daten fordere ich eine unverzüglicheSperrung.§ 6 Abs. 2, § 28 Abs. 4 BDSG
6. Ich setze Ihnen zur Erfüllung dieser Forderung eine Frist von zweiWochen beginnend mit dem Datum dieses Schreibens.
7. Für die aus diesem Schreiben resultierende, selbstverständlichausdrücklich erwünschte Kommunikation benutzen Sie bitte ausschließlichmeine Adresse.
Bitte haben Sie Verständnis dafür daß ich, sollten Sie dieses Schreibenignorieren, mich gezwungen sehe, den zuständigenLandesdatenschutzbeauftragten zu informieren. Weitere rechtliche Schrittebehalte ich mir vor.§38 Abs. 4, § 43 Abs. 3


