Eigentlich ist ja schon alles gesagt worden zum Thema Studiverzeichnis. Vor allem der Don hat die Sache mit der Nazi-Parodie und der bevorstehenden Übernahme durch Facebook schön auf den Punkt gebracht. Ich will hier auf einen Aspekt hinweisen, der von der Firma nun doch auf überraschend positive Weise behandelt wurde: Der Datenschutz. Nachdem über die Klauseln in den AGBs, die mögliche Übernahme durch eine amerikanische Firma, die Identität der Postanschrift mit Parship in Paris, Rom und Barcelona reichlich spekuliert wurde, hat man sich zur Offensive entschlossen. Unter der Überschrift „So stellen wir den Schutz eurer Daten sicher“ gibt es im Firmenblog eine ausführliche Behandlung der Frage „Was passiert mit den User-Daten“. Dort wird auch der firmeneigene Datenschutzbeauftragte – sogar mit Foto – vorgestellt. Das mag vielen noch nicht reichen, und es ist natürlich billig zu sagen
steht auf und sucht Euch Leute, die bereit sind, sowas autark und sicher selber zu machen. Ihr seid erwachsen, Ihr könnt das, Ihr seid als Studenten mehr als ein Stück Datendreck in der Verwertungskette, und Ihr seid besser als die Personalities, für das Web2.0 nur eine gigantische Abzocke und Menschen eine nach Belieben anlügbare Masse sind.
Aber erstens bin ich mir nicht sicher, dass die meisten Studenten bessere Menschen sind, und zweitens ist das „selber machen“ nur begrenzt skalierbar. Irgendwann kommt die Rechnung vom Provider, und man muss sich Gedanken über die Einnahmen machen.
Relevant ist dann bei solchen Diensten nicht, ob man die Daten der Kunden überhaupt sammelt, sondern welche Stellung der Datenschutz innerhalb der Unternehmenshierarchie und ‑ziele hat. Das hängt u.U. auch daran, wie stark der Datenschutzbeauftragte ist, und ob er in der Technik-Abteilung oder im Management angedockt ist. Aber unter Web2.0‑Bedingungen hängt es auch daran, wie prominent und publikumswirksam er agieren kann. Interessant und auch aus PR-Sicht sinnvoll wäre es daher, wenn jede Web2.0‑Bude ein eigenes Blog des Datenschutzbeauftragten hätte. (Wie sieht eigentlich der Datenschutzbeauftrage des PennerVZ aus?)
Update: Offenbar habe ich mich missverständlich ausgedrückt oder nicht genügend gegen StudiVZ polemisiert – es gibt jedenfalls bei Don Alphonsos Blogbar nun eine angeregte Diskussion über dieses Posting.
Update 2: Unser Mitblogger Jörg-Olaf Schäfers denkt bereits etwas konkreter über eine dezentrale, selbstgemachte, VC-freie Alternative zum StudiVZ nach und stößt auf viel Interesse. Ich bin immer noch skeptisch (ich muss hier an der Uni gezwungenermaßen auch Stud.IP nutzen und finde es ganz widerwärtig), aber ich hoffe, dass Jörg-Olaf uns auf dem Laufenden hält. Als Merksatz sei ihm und den Mitstreitern nur mitgegeben: Eine dezentrale Datenkrake auf Basis freier Software ist nicht zwingend besser als eine zentrale, proprietäre. Und bei der letzteren hat die Staatsgewalt in Form der Datenschutzgesetze wenigstens einen Ansatzpunkt.