Seien wir doch mal ehrlich: DDoS-Attacken sind ziemlicher Pipifax im Vergleich zu Massenleaks, dem Hacken von Servern der Bundespolizei oder Playstation-Netzwerken. Sie erfordern keine besonderen Fähigkeiten und sind sogar eigentlich ziemlich ehrlich, weil sie von den meisten (nur) ohne Anonymisierung vorgenommen werden (können).
Vor allem in den letzten 12 Monaten hat sich die gemeinschaftliche DDoS-Attacke immer mehr als Protestform herauskristallisiert. Das lag vor allem an ihrer medialen Wirkung: „Anonyme Hacker attackieren Mastercard, Visa & Amazon“ landet unter Garantie auf Seite 1. Das ist der gewünschte Effekt einer Demonstration – auch wenn das nicht heißt, dass der Effekt auch unbedingt positiv sein muss.
Dabei wird von den Opfern der angebliche Schaden in Millionenhöhe beziffert. Auch wenn das der Fall wäre: Wenn einer Seite für ein paar Stunden Ausfall direkt ein paar Millionen entgehen, dann sollte das in Anbetracht der 364 anderen Tage, an denen sie erreichbar ist, nicht allzu sehr ins Gewicht fallen.
Aber wie das so ist mit politischen Ausdrucksformen: Allzu oft hat man es mit der Polizei zu tun – und am Ende zählt die öffentliche Darstellung auch für den Erfolg des Protests. Bei DDoS-Attacken ist diese Berichterstattung eher so heiter bis wolkig. So ganz ist in der breiten Öffentlichkeit noch nicht angekommen, „was die da eigentlich machen.“ Selbstwahrnehmung, Fremdwahrnehmung und wahrgenommene Fremdwahrnehmung scheinen bei Anonymous nicht auf einer Line zu sein.
Das war vor vielen Jahren mit Sitzblockaden nicht anders – und auch heute noch gibt es zu Genüge Menschen, die Sitzblockaden als aggressives Verhalten sehen [Hier gibt es zu dem Thema eine ausführliche Diskussionsrunde u.a. mit Anne Roth und André Meister].
Gestern nun wurden insgesamt 21 Personen in Holland, England und den USA verhaftet. Update: Bei Cryptome gibt es die Anklageschrift.
Es ist wohl auch im Rahmen eines gemäßigten Sachverstandes ziemlich offensichtlich, wie übertrieben und unsinnig das ist. Eine hilflose, überzogene Reaktion auf ungewohnte Protestformen, seien sie von mir aus auch etwas plump und bei großzügiger Interpretation einiger Gesetzestexte vielleicht am Rande der Legalität – ernsthaft bestraft oder verhaftet gehört dafür niemand.
Im Internet tauchte als Reaktion dieses Video auf:
