Suche nach Zeugen der G8-Demo in Rostock am 02.06.07

Das kommt hier wahrscheinlich etwas spät, aber der Fall ist sehr bizarr. Die Person, um die es hier geht, ist mir bekannt und sie steht kurz davor, eine Vorstrafe zu erhalten. Und das auch nur, weil sie bei der Demonstration in Rostock gegen den G8-Gipfel dabei war, dort festgenommen wurde und beschuldigt wird, Steine geschmissen zu haben, was nicht der Wahrheit entspricht. Zu den Geschichte gehört übrigens das ganze Programm mit Käfighaltung & Entzug von Bürgerrechten. Mehr Details gibt es, wenn der zweite Prozesstag vorbei ist.

Kontaktadresse: zeugeng8@gmail.com

Suche nach Zeugen der G8-Demo in Rostock am 02.06.07

Ich habe eine dringende Anfrage bzw. Bitte an Euch. Bei der G8-Großdemo in Rostock am 02.06.07 bin ich verhaftet worden und mir wird nun zu Unrecht schwerer Landfriedensbruch und Widerstand vorgeworfen. Ein Polizist behauptet, ich hätte einen Stein auf die Einsatzkräfte geworfen,ein weiterer, ich hätte mich bei der Verhaftung massiv und aggressiv widersetzt. Die Aussagen der Polizisten sind, abgesehen davon, dass sie unwahr sind, allerdings völlig widersprüchlich und ich erhoffe mir, sie mit weiteren Zeugenaussagen entkräften zu können.

Konkret geht es um die Situation von 18:30 bis 19:15 Uhr im Rostocker Stadthafen. Ich befand mich zwischen der großen Straße (Am Strande) und dem großen Flachdachgebäude (Garagen). Ein blauer Lautsprecherwagen fuhr vor, gleichzeitig kam ein (oder zwei?) Wasserwerfer in die Menge gefahren. Es gab Durchsagen vom Lauti-Wagen, in denen die Polizisten gebeten wurden, doch mal anzusagen, was genau sie jetzt von uns wollten. Dann hat ein Polizist/Einsatzleiter durchgesagt, dass die Leute hinter eine gelbe Linie gehen sollen, um Einsatzfahrzeuge nicht zu behindern. Es lief Musik vom Band (Ton Steine Scherben: Schritt für Schritt ins Paradies, sowie Bob Marley: No woman, no cry).

Ich brauche Menschen, die in der Situation anwesend waren, Bilder gemacht oder Videos gedreht haben. Oder die mir bspw. sagen können, welcher Gruppe der blaue VW-Bulli zuzuordnen ist (es war nicht der Hedonisten-Wagen), um mit diesen in Kontakt treten zu können. Es geht zum einen um die Beschreibung der allgemeinen Stimmung zu dieser Zeit sowie um evtl. Beobachtungen und
Dokumentation meiner Verhaftung. Habt ihr Material von dieser Zeit oder kennt Menschen, an die ich mich diesbzgl. wenden könnte? Ihr wärt mir eine Riesenhilfe, um meine Unschuld zu beweisen.

Als Anhaltspunkte der Situation könnten folgende Video- und Fotolinks dienen: – G8 Demo 2. Juni 2007 in Rostock Belagerungsähnlicher Zustand am Kundgebungsplatz” http://tinyurl.com/2q3vjz (ab ca. Photo Nr. 30) – Solidarität gegen Polizeizugriffe inmitten der Kundgebung
http://tinyurl.com/2s78e8 – Video G8TV http://tinyurl.com/34ttzx, ab Minute 11:00. Ich freue mich über jegliche Hinweise und danke Euch im Voraus für Eure Unterstützung.

Dieser Eintrag wurde veröffentlicht in Aus der Reihe. Bookmarken: Permanent-Link. Kommentieren oder ein Trackback hinterlassen: Trackback-URL. Dieser Beitrag steht unter der Lizenz CC BY-NC-SA: Markus Beckedahl, Netzpolitik.org.

16 Kommentare

  1. blubb
    Erstellt am 18. Januar 2008 um 13:20 | Permanent-Link

    Hoffentlich findet der noch viele Zeugen, wenn er unschuldig ist.

  2. blablub
    Erstellt am 18. Januar 2008 um 13:52 | Permanent-Link

    …unschuldig? :-/
    Das System ist das groessere Verbrechen – nicht die paar Steine die da geflogen sind!

  3. erlehmann
    Erstellt am 18. Januar 2008 um 14:33 | Permanent-Link

    @2: Unabhängig davon, ob der Typ jetzt geworfen hat oder nicht: Steine schmeißen ist Gewalt. Gewalt ist in den allermeisten Fällen keine nachhaltige (d.h. problemlösende) Maßnahme.

  4. Erstellt am 18. Januar 2008 um 15:00 | Permanent-Link

    Die Frage ist dann nur, wie eigentlich Gewalt entsteht? Ganz unbeteiligt wird die Polizei dann an dieser Gewalt nicht gewesen sein.

  5. Erstellt am 18. Januar 2008 um 15:23 | Permanent-Link

    Mal abgesehen davon, wer da Schuld an der Gewalt hatte: Die Person, um die es geht, wollte dort friedlich demonstrieren und hat jetzt ein riesiges Problem, weil andere nicht friedlich demonstriert und Steine geschmissen haben. Im Extremfall bekommt sie halt eine Vorstrafe und das macht sich nicht gut im Lebenslauf. Abgesehen von dem ganzen Stress und Ausgaben, den sie jetzt wegen des Gerichtsverfahrens hat.

  6. blacky
    Erstellt am 18. Januar 2008 um 15:25 | Permanent-Link

    Die beste Beweislage ergibt sich aus dem Polizeivideo.
    Dieses muß ! vorliegen und kann durch den eigenen Anwalt eingesehen werden.

  7. Everythere
    Erstellt am 18. Januar 2008 um 17:09 | Permanent-Link

    Nur komisch das Polizeivideos des öfteren an genau den Stellen wo es für Polizisteb brenzlig wird abbrechen. Komischer Zufall, kommt immer wieder vor…

    Wenn ich den Link zu nem ähnlichen Fall wiederfinde poste ich es an dieser Stelle.

  8. Daniel
    Erstellt am 18. Januar 2008 um 19:37 | Permanent-Link

    Hi, hier kannst du noch um Rat fragen: http://www.rote-hilfe.de/. Wir waren mit einem Kamerateam vor Ort (http://www.droppingknowledge.org/g8), ich werd bei unseren Leuten nochmal nachfragen.

    Viel Glück!

    Daniel

  9. Monty
    Erstellt am 18. Januar 2008 um 22:49 | Permanent-Link

    Fall es sich um einen blauen Lauti mit zwei Boxen (Monitorgröße, eine nach vorne eine nach hinten gerichtet handelt) der in dem Zug gefahren ist, an dem auch die Hedonisten beteiligt waren, so glaube ich, dass er entweder vom “ums ganze”-Bündniss oder von den “Internationalen Kommunisten” war. Kann mich aber auch irren.
    Ich würde bei den beiden Gruppen trotzdem nochmal nachfragen.

  10. Karen
    Erstellt am 19. Januar 2008 um 00:19 | Permanent-Link

    Der blaue Bulli war nicht vom umsGanze-Bündnis. Die hatten einen weißen Laster.

  11. SirB
    Erstellt am 19. Januar 2008 um 15:48 | Permanent-Link

    Die Leute die da hingehen wissen doch was da abgeht ?
    Wenn Leute in meiner nähe Steine werfen distanziere ich mich von denen, so einfach ist das.
    Zu einem Teil ist er also selber dran Schuld.

    Leider ist es so, dass 80% der Leute, nicht mal wussten was dort besprochen wurde. Hauptsache dabei sein, Spaß haben und vor allem erstmal dagegen sein.

    Das merkt man auch daran, dass sich niemand für eben so wichtige Themen interessiert.
    Demo für die Änderung des Organspenderegesetztes… „ach ne da ist ja keine Aktion… dann gehen wir da auch nicht hin …“

    • Thomas R.
      Erstellt am 1. Dezember 2008 um 08:59 | Permanent-Link

      @13
      Wer auf einer Demonstration festgenommen und unschuldig eines Verbrechens angeklagt wird, ist selbst Schuld, weil er hätte wissen müssen, dass die Chance besteht, dass andere Demo-Teilnehmer Verbrechen begeht und darüber hinaus die Chance besteht, dieser Verbrechen vorsätzlich wahrheitswidrig beschuldigt zu werden ?

      Außerdem kann immer der Fall eintreten, dass irgendein Neunmalkluger im Internet die eigenen Beweggründe in Frage stellt und einen lieber auf irgendeiner anderen Demo sehen würde, was dann bedeutet, dass sowieso alles, was einem passiert, die eigene Schuld ist ?

      Mensch SirB, denk doch mal nach !

  12. Erstellt am 8. März 2008 um 14:01 | Permanent-Link

    Ich brauche diene nummer zum anrufen mir wurde so etwas auch vorgeworfen am 12.12.2007 habe ich vom 02.06.2007 eine anzeige wegen Landesfriedenspruch körperverletzung und Sachbeschädigung bekommen melde dich ich würde fei gesprochen

  13. Nicole G.
    Erstellt am 6. September 2009 um 12:45 | Permanent-Link

    Mich würde interessieren, was aus der Anzeige geworden ist. Konntest Du Zeugen finden? Wie ist das Verfahren ausgegangen?

    • markus
      Erstellt am 6. September 2009 um 13:20 | Permanent-Link

      @Nicole G.: Die Anzeige hat ein Jahr auf Bewährung gebracht, die beiden Zeugen stehen gerade wegen Meineids vor gericht. Es wurde Berufung eingelegt, die Verhandlung ist demnächst. Kann man sich kaum vorstellen, wie absurd das Ganze ist.

  14. Mork(vomOrk)
    Erstellt am 10. September 2009 um 09:27 | Permanent-Link

    Unabhängig davon, ob Deine Darstellung korrekt ist, halte ich die ganze Sache für eine Behinderung der Demokratie. Wenn Bürger dieses Landes an einer Demonstration teilnehmen, dann ist das zum einen ein Grundpfeiler dieser Demokratie und darf nur in Extremfällen sanktioniert werden.
    Ein Extremfall kann meines Erachtens auch ein Steinwurf sein. Es kann aber nicht sein, daß ohne nachvollziehbare Beweise (klar und deutlich erkennbare Videoaufzeichnung) eine Verurteilung ergeht. Darüber hinaus sollte der Staat seine Bürger schützen und ihnen in solchen Fällen kostenfrei einen fähigen Anwalt stellen. Denn auch die Verteidigungskosten sind ja bereits eine (präventive Verhinderung) Bestrafung.
    Diese offensichtlich nicht vorhandenen Regelungen verhindern nachhaltig eine größere Beteiligung der Bürger an Demonstrationen und behindern somit den demokratischen Willensbildungsprozess, weil unsere Politiker nicht mehr mitbekommen, wie viele Leute gegen etwas sind.
    Ich wünsche Dir viel Erfolg und hoffe, daß unser Staat, vertreten vom Gericht sich für mehr Demokratie entscheidet.

5 Trackbacks

  1. [...] Markus berichtet über eine ihm bekannte Person, die dort festgenommen wurde und beschuldigt wird, Steine geworfen zu haben, was aber wohl nicht der Wahrheit entspricht. Deshalb werden dringend Zeugen gesucht: Suche nach Zeugen der G8-Demo in Rostock am 02.06.07 [...]

  2. [...] Siehe auch: netzpolitik.org [...]

  3. [...] wenigen Wochen hatte ich über den Fall einer Freundin geschrieben, die in Rostock angeklagt wurde, weil sie einen Stein auf der G8-Gipfel-Demo geschmissen haben [...]

  4. Von antischokke » Wer lügt sagt die Wahrheit am 26. November 2008 um 20:11

    [...] erinnert das Ganze sehr an die laufenden Verfahren gegen die Gegner des G8-Gipfels im Jahr 2006. Und es macht mich fassungslos, traurig und [...]

  5. Von antischokke » Mein G8-Verfahren in Rostock am 9. September 2009 um 13:56

    [...] Vorlauf der Verhandlung habe ich versucht, weitere Zeugen zu finden, dazu unter anderem einen (anonymen) Aufruf auf netzpolitik.org gestartet, viel recherchiert, FotografInnen, Videomenschen und andere AktivistInnen sowie die Rote Hilfe [...]

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