Anleitung: so verschlüsselt ihr eure E‑Mails mit PGP [UPDATE: Video-Tutorial hinzugefügt]

Das gesamte Ausmaß des US-Datenschutzskandals ist längst noch nicht ersichtlich. Doch eine Sache scheint klar: auch in Deutschland ist der NSA sehr aktiv und überwacht den Internetverkehr so massiv wie in kaum einem anderen Land. Sich in Gänze vor der Überwachung zu schützen ist sicherlich nicht möglich, doch es gibt Wege wenigstens bestimmte Bereich seiner Kommunikation im Internet vor der Spionage der Geheimdienste zu schützen. Beispielsweise durch die Verschlüsselung seiner E‑Mails mittels PGP. Auch wenn PGP mittlerweile mehr als 15 Jahre alt ist, bietet es immer noch ausgezeichneten Schutz – selbst vor Geheimdiensten wie der NSA, wie auch Edward Snowden im Q&A mit dem Guardian noch einmal bestätigte:

Is encrypting my email any good at defeating the NSA survelielance? Id my data protected by standard encryption?

Snowden: „Encryption works. Properly implemented strong crypto systems are one of the few things that you can rely on. Unfortunately, endpoint security is so terrifically weak that NSA can frequently find ways around it.“

Einen ausführlichen Artikel zum Thema E‑Mailverschlüsselung hat daMax auf seinem Blog veröffentlicht, den wir an dieser Stelle mit freundlicher Genehmigung ebenfalls veröffentlichen:

PGP jetzt!

Ihr wollt nicht, dass jeder Staatsbüttel eure Mails mitliest? Dann wäre jetzt ein guter Zeitpunkt, endlich mal PGP zu benutzen. Damit könnt ihr schon seit achwasweißichwievielen Jahren eure Mails so verschlüsseln, dass kein Schlapphut mitlesen kann. Der Haken: ihr müsst ca. 15 Minuten eures Lebens investieren, um euch mit dem Prinzip vertraut zu machen und noch einmal ein paar Minuten, um das auf eurem Rechner zu installieren.



Da in den letzten Tagen wenigstens einige der mir bekannten Blogger anfangen, PGP einzusetzen, dachte ich mir, ich klopp’ jetzt noch mal eine Anleitung heraus, wie PGP funktioniert und wie ihr das selbst einsetzen könnt.

Die Voraussetzungen:

Die Funktionsweise:

Das Prinzip der Mailverschlüsselung ist schnell erklärt. Jeder Teilnehmer hat 2 Schlüssel: einen privaten und einen öffentlichen. Der öffentliche wird an alle Leute gegeben, mit denen ihr kommunizieren wollt. Den privaten behaltet ihr immer nur für euch. Nie rausgeben. Klar?

Nehmen wir an, ihr wollt mit Berta verschlüsselt kommunizieren. Ihr gebt Berta euren öffentlichen Schlüssel, Berta gibt euch ihren öffentlichen Schlüssel. Nun könnt ihr Berta eine Mail schicken, die ihr mit Bertas öffentlichem Schlüssel abschließt.

Der Clou: Mails, die mit Bertas öffentlichem Schlüssel verschlüsselt wurden, können nur mit Bertas privatem Schlüssel wieder lesbar gemacht werden. Will Berta antworten, so verschlüsselt sie mit eurem öffentlichen Schlüssel, diese Mail ist nur mit eurem privaten Schlüssel zu öffnen. Das Ganze nennt sich Asymmetrische Kryptographie und wird bei Wikipedia nochmal mit anderen Worten erklärt.

Das Prinzip der öffentlichen und privaten Schlüssel setzt voraus, dass jeder Teilnehmer seinen privaten sowie die öffentlichen Schlüssel aller anderen Teilnehmer hat. Solche Schlüssel sind reine Textdateien und können prinzipiell per Mail verschickt werden. Komfortabler ist es jedoch, seinen öffentlichen Schlüssel auf einen sogenannten Keyserver hochzuladen, wo sich dann jeder andere den Schlüssel „abholen“ kann. ACHTUNG: bevor ihr den letzten Schritt geht, möchte ich euch dringend raten, ein „Widerrufszertifikat“ (revocation certificate) für euren Schlüssel zu erstellen, denn nur damit könnt ihr einmal auf Keyservern veröffentlichte Schlüssel wieder „aus dem Verkehr ziehen“.

Der praktische Einsatz:

Wie ihr nun PGP auf eurem Rechner installiert, euch einen (oder mehrere) private und öffentliche Schlüssel generiert und diese dann einsetzt, haben andere schon besser beschrieben als ich das könnte.

Nur Mut. Macht es! Wenn ihr noch niemanden zum Testen habt, hinterlasst hier einen Kommentar mit Mailadresse, ich helfe euch gerne bei den ersten Schritten ind die kryptographische Welt. Natürlich ist Mailverschlüsselung nur ein kleiner Teil des Bildes, ein sicheres Passwort gehört z.B. zwingend dazu. Wie ihr euch ein solches erstellt und es euch trotzdem merken könnt und viele weitere Tipps für den Digitalen Survivalist findet ihr hier.

In diesem Sinne:

mQENBE8Lc4MBDADA/TMcFWnNu5i7OtxxmJA3fxdVjYjwRjqJsSuzI7pSYfAMLbWNeLGo/dHW

WCGO1RZT3bupUo8qfa8bL0wjjoH+q0CGMNZQMXyxH1cMILFMiWsL7eqCbHxfb68VGDgYhkgP

BhmEBxesMr5C2YVPjLkP4hAizi4/Uavn0yWUy0WDn7TN8wiSqV666nTMjdAuHPzT3gTNDd+v ;)

PS: dieser Text darf so oft kopiert, angepasst, zensiert, restauriert, ausgedruckt, geschreddert, wiedereingescannt, verschickt, verfaxt und verbloggt werden bis das Internet platzt.

Update: Matze weist mich darauf hin, dass ich das wichtigste Vergessen habe: Fingerprints, gegenseitiges Unterschreiben der Schlüssel etc.

Dieses Video erklärt das Prinzip der asymmetrischen Verschlüsselung noch einmal auf anschauliche Art und Weise:

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Der digitale Briefumschlag (deutsch) from Linuzifer on Vimeo.

Weitere Hinweise wie man sich als Nutzer im Internet schützen kann lieferte heute auch der Bundesdatenschutzbeauftragte Peter Schaar in einem Interview mit der Welt.

UPDATE: und noch ein schönes Video mit dem Titel „Mails verschlüsseln leicth gemacht“:

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