Sebastian Meineck Okay, wollen wir loslegen? Anna Biselli Ja. Sebastian Meineck Hey und willkommen zu OffOn, dem Podcast von Netzpolitik.org. Heute mit einer Ausgabe Off the Record. Also wir nehmen euch mit hinter die Kulissen unserer Arbeit. Ich bin Sebastian Meineck. Aufnahmedatum dieser Folge ist Dienstag, der 1. September 2026. Also wenige Tage vor der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt. Wir sprechen heute unter anderem darüber, wie wir als Redaktion mit unserem Fokus auf digitale Freiheitsrechte, auf Grundrechte in diesen September starten. Was treibt uns an? Was macht uns Sorgen? Und wie begegnen wir journalistisch der möglichen Machtübernahme durch Rechtsaußen in einem deutschen Bundesland? Mit mir im Podcast-Studio sind zwei KollegInnen aus der Redaktion, die zugleich die Chefredaktion bilden. Das war keine Absicht. Anna Biselli und Daniel Leisegang. Hallo. Hallo. Hallo. Anna, woran arbeitest du eigentlich gerade? Anna Biselli Ich arbeite an einem Text zur Historie von Protesten gegen Überwachung. Sebastian Meineck Schick. Bin ich gespannt drauf. Ich auch. Und du, Daniel? Daniel Leisegang Ich auch. Ich mache gerade ein Interview fertig, was ich geführt habe, auch zum Thema Geheimdienstreform. Und danach fahre ich vier Tage an die Ostsee. Deswegen viel Zeit ist nicht mehr, aber das schaue ich noch. Sebastian Meineck Und ich bin gerade mit dem Kollegen Ingo unter anderem dran an einem Weiterdreh unserer Data Broker Files Recherchen. Freut euch drauf. Wird wahrscheinlich noch ein kleines bisschen dauern, bis die rauskommt. Willkommen zu unserer Rubrik Blattkritik. Einer der Fälle, in der wir das tun, was sonst Redaktionen nur hinter verschlossenen Türen tun, unsere Arbeit reflektieren. Was lief gut, was lief schlecht an etwas, das wir selber gemacht haben. Möchtest du vielleicht den Anfang machen, Anna? Anna Biselli Ja, was gerade schlecht oder schleppend läuft, ich arbeite gerade an einem ganz interessanten Thema, finde ich eigentlich nämlich ein neues polizeiliches Konzept. Davon hatte ich glaube ich auch schon mal erzählt und ich habe jetzt mit vielen interessanten Gesprächspartnerinnen gesprochen und manche Sachen verzögern sich aber noch und es macht mich ein bisschen ungeduldig, weil ich eigentlich das Gefühl hatte, dass man das bald mal veröffentlichen können sollte. Aber das ist dann immer so die Frage von, ja, das würde ich dann gerne schon noch wissen oder von Menschen erklärt bekommen und dann muss man leider warten und manchmal macht Warten keinen Spaß. Sebastian Meineck Und was lief gut? Anna Biselli Ich hatte ja relativ früh über dieses sogenannte KI-Migrationsverwaltungsgesetz oder KI-Verwaltungsgesetz, das Gesetz, wo man irgendwie jetzt KI in der Migrationsverwaltung einsetzen können soll, das als Entwurf der Bundesregierung raus ist. Und ganz am Anfang, als ich darüber berichtet hatte, hat sich da kein Mensch für interessiert. Da gab es ganz, ganz wenig Rückmeldung und das hat sich mittlerweile geändert und es gibt jetzt bald Veranstaltungen dazu. Bei ein paar davon bin ich auch dabei und ich finde es super gut, dass sich da jetzt so eine Art Interessensbündnis bildet, was das eigentlich heißt und wie man damit umgehen soll. Das finde ich lief gut. Sebastian Meineck Und Daniel, was gibt es bei dir zu berichten? Daniel Leisegang Ich glaube so ein bisschen mein Schmerz in den vergangenen Wochen oder eine. Ich erinnere mich an eine Situation, wo es einfach zu schnell, zu hoch die Schlagzahl war, trotz Sommerloch und so weiter. Und wo ich tatsächlich merkte, da war ich nachlässig bei einem Text und da haben sich Sachen eingeschlichen, die hätte ich gerne früher bemerkt. Und da habe ich tatsächlich begonnen, mal darüber nachzudenken, wie kann ich das Feste bei mir eintakten, dass ich mir dafür Zeit nehme, also wirklich mal eine Insel schaffe nach dem Schreiben, Redigieren, wirklich mal ganz in Ruhe. Und so, das war das, wo ich mich im Kopf mit beschäftige. Gut lief, mir macht es gerade Spaß, Lücken, die da sind, mit Interviews zu füllen tatsächlich. Ich mag das Format und rede gern mit Leuten, versuche sie so ein bisschen zu befragen zu Themen, wo vielleicht ein Artikel nicht ganz so gut passt und wo man dann eine persönliche Einschätzung bekommt. Und ich finde das ein sehr angenehmes Format zu bearbeiten und auch im Gespräch mit anderen Leuten darüber zu sein. Sebastian Meineck Ich denke da als erstes an das Interview, das du geführt hast zum Thema Gesundheitsdaten und Geheimdienstreform zum Beispiel. Daniel Leisegang Beispielsweise. Das ist so ein Thema, wo ich sagen würde, vielleicht muss dazu kein Artikel her, sondern man kann es kompakt im Interview machen. Und wenn man dann einen schönen Partner, eine schöne Partnerin an einem Ende der Leitung hat, die das gut auf den Punkt bringt, dann ist das echt ein sehr schönes, angenehmes Format. Sebastian Meineck Der Link kommt natürlich in die Shownotes für euch. Was ich mitgebracht habe, eine Sache, die ganz gut lief. Ich erinnere mich, das war ein Freitag und da kam gerade die Nachricht rein. Der französische Verfassungsrat hat das dortige nationale Social Media Verbot gekippt. Und das erste, was ich gemerkt hatte, war, ich habe jetzt keine Zeit darüber zu schreiben. Es war schon später Nachmittag, ich war auf dem Sprung in den Feierabend und dachte mir, ist das wirklich alles, was mir einfällt? Und natürlich einen Ticker haben wir geschrieben, als politischen Ticker. Und dann dachte ich mir, nee, der nächste Woche, Sebastian, wird dem Freitags-Sebastian sehr dankbar sein, wenn es nur ein bisschen Material gibt. Dann habe ich kurzfristig Folgendes gemacht. Ich habe nach ein paar JuristInnen gesucht, die das einschätzen können. Was bedeutet dieses Urteil? Ist das eigentlich überraschend? Was heißt das für die deutsche Debatte? und habe denen einfach mal E-Mails geschrieben mit Bitte, Antwort, Anfang nächster Woche. Um zu gucken, naja, vielleicht liegt dann ja nächste Woche was vor der Tür, aus dem ich was machen kann. Und dann kam der nächste Woche, Sebastian, auf die Arbeit und hat sich sehr gefreut, denn es hat funktioniert. Es hat mich sehr gefreut, dass Leute trotz Wochenende sich die Zeit genommen hatten. Auch dieser Link kommt in die Shownotes. Und wo ich sehr gefailt hatte letzte Woche, ich habe einfach versehentlich alle meine Favoriten aus dem Browser gelöscht. Durch so einen Mausrutscher. Wenn man irgendwie auf Profil klickt bei Firefox, dann kommt da, wenn man, ich weiß nicht, was ich noch geklickt habe, ja, wollen sie eigentlich alles löschen, Profil? Und ich weiß nur, wie ich dachte, das habe ich ja noch nie gesehen, einfach alles löschen. Da waren meine Favoriten weg. Wie viele waren das? Mehr als 100. Unter anderem so direkt Links zu Gesetzen, die ich dann immer in Artikeln verlinkt habe. Gesetz über digitale Dienste, AVMD, RL und sowas. Und selbstverständlich habe ich immer mal wieder Backups meiner Favoriten erstellt. Aber ich werde jetzt nicht näher darauf eingehen, ob diese Backups in diesem konkreten Moment noch zugänglich gewesen sind. Und damit kommen wir zu den Hausmitteilungen. Ich sehe den tadelnden Blick vom Kollegen Daniel auf der anderen Seite des Tisches. Daniel Leisegang Ich finde, dieser Datenschutzimpuls, irgendwo drauf zu klicken und zu denken, damit lösche ich irgendwas, was mir helfen könnte, den habe ich ja auch mal nicht mal. Und da ist mir auch schon mal sowas passiert. Aber noch nichts in diesem Ausmaß. Sebastian Meineck Stichwort Flüchtigkeit, wenn sich das Karussell schnell dreht. Wir kommen zu den Hausmitteilungen. Ein paar kurze Punkte diese Woche. Wer unsere Seite verfolgt, hat es vielleicht gesehen, der Kollege und häufige Podcast-Host Ingo hat seine Texte über KI und Wasserverbrauch wirklich veröffentlicht. Da haben wir euch in den letzten Episoden immer mal wieder tröpfchenweise informiert. Pun intended. Vielleicht sprechen wir bei passender Gelegenheit auch nochmal mit Ingo darüber. Neu schon seit unserem Relaunch, aber ich finde mal einen aktuellen Fingerzeig wert, das sind unsere Themenpillen. Das sind diese Buttons, die ihr seht, wenn ihr unsere Seite öffnet, ganz oben mit Stichworten, die zu aktuellen Themen führen, zu den Artikeln dazu. Und das ist ein Angebot von uns für euch, in die Dinge einzutauchen, die gerade wichtig sind. Wir pflegen das immer liebevoll. Und diese Pillen sind zugleich die Antwort auf die Frage, sag mir mal in einem Wort, was gerade wichtig ist. Und dann ist die Antwort zum Beispiel Geheimdienstreform oder Landtagswahlen, über die wir heute noch sprechen. Und die letzte Hausmitteilung, wenn ihr das hört, wenn ihr diese Folge hört, dann wird unsere Sommerkampagne bereits gestartet sein. Über die sprechen wir aber heute noch ganz ausführlich. Das Thema des Monats in dieser Folge Off the Record sind die Wahlen in Deutschland. Kurz, um alle abzuholen, am 6. September ist die Wahl zum Landtag in Sachsen-Anhalt. Am 20. September ist die Wahl in Mecklenburg-Vorpommern zum Landstag und in Berlin zum Abgeordnetenhaus. In Mecklenburg-Vorpommern liegt die AfD in den Umfragen vorne und auch in Sachsen-Anhalt liegt die dort als gesichert rechtsextrem eingestufte Partei in den Umfragen vorne. Je nach Ausgang der Wahlen und Verteilung der Sitze kann es entweder zu ganz schwierigen Mehrheitsverhältnissen kommen oder die AfD könnte in Sachsen-Anhalt möglicherweise alleine regieren. Das würde bedeuten, rechtsextreme PolitikerInnen könnten in dem Bundesland die Macht übernehmen und einen autoritären Staatsumbau einleiten. Auch wir bei Netzpolitik.org beschäftigen uns intensiv damit. Und darüber, wie wir das eigentlich machen, wollen wir jetzt sprechen. Daniel, Anna, wer von euch weiß das noch? Wann haben wir uns zuerst als Redaktion dem Thema gewidmet, dass dieser September eine besondere Bedeutung für unsere Berichterstattung haben wird? Anna Biselli Eigentlich haben wir darüber zuerst geredet bei unserer Redaktionsklausur Anfang des Jahres, weil da haben wir ja geguckt, was wird denn dieses Jahr passieren, was uns auf jeden Fall beschäftigen wird. Sebastian Meineck Ich erinnere mich, ja. Anna Biselli Und da haben wir ja auch darüber geredet, da war ja die ganze Trump-Sache auch noch ein Thema mit so einem autoritären rechten Umbau, wo man dann gesagt hat, okay, was passiert denn eigentlich in Deutschland und wie sieht es eigentlich aus und was machen wir damit? Das war so der Punkt, wo wir glaube ich zuerst darüber geredet haben. Daniel Leisegang Ja, und dann gab es ein Brainstorming-Treffen irgendwann tatsächlich. Also als der Termin näher rückte, ich glaube das war sogar noch vor der Sommerpause, haben wir uns hingesetzt und überlegt, wie kriegen wir das eigentlich sortiert. Da wurde es dann konkreter an der Stelle. Sebastian Meineck Ich erinnere mich an das Brainstorming-Treffen, da war ich nämlich dabei. Ich erinnere mich, erwünscht waren ausdrücklich alle Ideen im Vorfeld der Landtagswahlen, auch wenn wir manches dann am Ende vielleicht nicht schaffen oder nicht hochpriorisieren. Wie hast du dieses Brainstorming erlebt, Daniel? Daniel Leisegang Tatsächlich hat es sehr offen. Also es war sehr breit erstmal Ideen gesammelt und da ist man ja nicht ganz frei davon, was in anderen Medien läuft und das macht aber durchaus Spaß. Also ich weiß noch, dass wir auch Vorschläge da drin hatten, die durchaus eher für tonistisch sind. Also die haben wir dann, glaube ich, das haben wir nicht geschafft bislang, dass wir zum Beispiel mal mit Autorinnen sprechen, die Science Fiction schreiben und mal gucken, wie schauen die eigentlich auf diese Entwicklungen, die dystopischer kaum sein könnten, zumindest aus der heutigen Warte. Aber wir haben viele andere Dinge auch gesammelt und haben die auch ziemlich gut umgesetzt, ist mein Eindruck. Aber das Brainstorming war sehr breit, es war auch sehr kurz, so wenn ich mich richtig erinnere. Es war, glaube ich, sogar nur eine Stunde, eine halbe Stunde getrennt. Dann haben wir das gesammelt, dann zusammengeführt und ich fand es auf Anhieb ergiebig. Sebastian Meineck Ich fand, das war mal ungewöhnlich, dass wir es so machen in dieser Form, aber angemessen. Denn es ist ja so, wir haben eine Aufteilung in Thementeams. Es gibt einige Themen, die wir permanent beackern, weil es einfach permanent Neuigkeiten dazu gibt. Staatliche Überwachung, Jugendmedienschutz und so weiter. Und hier haben wir nun ein politisches Ereignis, das eine besondere Aufmerksamkeit erfordert und gleichzeitig erfordert, dass Leute aus dem Team einfach Dinge, die sie sonst machen, mal kurz beiseite lassen und den Fokus auf was anderes richten. Und was ich stark fand bei dieser Idee, dass wir gesagt haben, wir trennen die Verantwortlichkeit über die Artikel von der Ideengenerierung. Also Brainstorming erstmal einfach nur Ideen generieren, auch anders als bei einer Morgenkonferenz, wo wir im Grunde genommen nur pitchen, was wir wirklich gerne auf der Seite sehen würden. Also da haben wir eine deutlich höhere Schwelle, bevor wir auch nur ein Thema verbalisieren würden. Und hier haben wir erstmal gesagt, lasst mal alles raus und wir sortieren hinterher. Und am Ende hatten wir dann eine Liste von Artikelideen. Und dann war für mich das Meeting vorbei, denn ich war nur Teil der Ideengenerierung, aber nicht Teil der Umsetzung. Da wisst ihr wahrscheinlich mehr drüber, wie es dann weiterging. Anna Biselli Ja genau, wir haben ja gesagt, wir priorisieren dann erstmal so vor. Das heißt, wir haben ja schon in dem Treffen selber gesagt, wir gucken mal, was ist uns denn besonders wichtig. Das haben wir noch in dieser Gruppe gemacht. Und dann haben wir die Ergebnisse insgesamt Team getragen, also unverbindlich vorpriorisiert. Also nicht im Sinne von, das muss jetzt jemand tun. Sebastian Meineck Wir haben so ein Plus daneben geschrieben. Anna Biselli Ja, ja, genau. Sebastian Meineck Ich erinnere mich an das Plus. Ich bin gerade überrascht, dass du dabei warst. Ich habe, glaube ich, zu intensiv auf die Themenideen und nicht auf die Gesichter. Ich bin echt überrascht, dass du gerade Insiderwissen von dem Meeting hast. Anna Biselli Ja, überrascht mich. Ich warst dann ganz, ganz unauffällig hinter der Wand. Aber erzähl weiter. Genau und wir haben ja dann das A auch nochmal dem Team vorgestellt und dann eben ein temporäres Thementeam gegründet, weil wir damit auch bei der Bundestagswahl schon gute Erfahrungen gemacht haben. Das heißt, unsere Thementeams laufen ja eigentlich ein bisschen länger. Das heißt, die haben ja kein Ablaufdatum in der Regel. Aber bei der Bundestagswahl haben wir das zum ersten Mal gemacht, dass wir ein Team mit einem festen Ablaufdatum hatten. Nämlich wenn so die Aufregung um die Bundestagswahl rum ist und haben das dieses Mal wieder gemacht. Und ich glaube, das war eine ganz gute Idee, um einfach zu gucken, okay, wer kann denn dafür verantwortlich sein, diese Dinge teilweise umzusetzen. Das heißt jetzt nicht, dass andere das dann nicht dürfen, wenn sie nicht Teil dieses Teams sind, aber schon, dass sich dann Menschen dazu verantwortlich bekennen, dass gewisse Dinge in diesem Team dann auch passieren. Und dann haben wir tatsächlich einige dieser Ideen auch umgesetzt, beziehungsweise sind gerade noch, wir sind ja gerade am Dienstag, sind noch in der Umsetzung und viele Sachen werden diese Woche auch noch erscheinen und auch sicherlich später noch, weil auch wenn die Ballen-Sachsen-Anhalt vorbei ist, es gibt ja auch noch Mecklenburg-Vorpommern und Berlin. Und was nach der Wahl passiert, wissen wir auch noch nicht. Sebastian Meineck Ich möchte gerne noch ein paar einzelne Artikel oder Artikelgruppen herausgreifen und darauf gemeinsam den Blick werfen. Eine ganze Artikelreihe im Vorfeld hat von den Wahlprogrammen gehandelt in allen drei betroffenen Ländern. Geschrieben hat das der Kollege Martin, der ist jetzt heute nicht dabei im Studio. Aber jemand von euch hat das bestimmt begleitet und redigiert, oder? Das war Daniel. Fantastisch. Könntest du ein bisschen was über den Ansatz dieser Artikel sagen? Die sind ja schon ein Stück weit besonders. Daniel Leisegang Ja, weil in der Regel ist ja unser Fokus eher Digital- und Netzpolitik. Das heißt, wir schauen, was haben die Parteien eigentlich auf dem Feld so vor, dass wir auch täglich beackern. In dem Fall war der Fokus ein leicht anderer. Wir haben uns angeschaut, welche Konzepte und welche Ideen haben die Parteien, die sich in den Bundesländern zur Wahl stellen, eigentlich zur Rettung der Demokratie, um es mal so vereinfacht zu sagen. Und da hat Martin sehr tief in die Wahlprogramme geblickt, manchmal zu tief. Er fand es auch desillusionierend und nicht immer ermutigend und viel Neues war mitunter da auch nicht dabei. Aber letztlich konnte er schon so einen Überblick schaffen, was die Parteien jeweils vorhaben. Und da stecken, glaube ich, und das ist das Interessante vermutlich für die Leserinnen und Leser, einfach mal Ansätze drin, was können wir eigentlich aus zivilgesellschaftlicher Perspektive unterstützen, was können wir stark machen, wo sind Hebel in der Schule, in Vereinen, auf dem Dorf sozusagen. Und zum Beispiel eine Sache, die ich überraschend fand in einem Artikel war, dass das Thema Einsamkeit eine große Rolle spielte. Das war etwas, was ich erstmal nicht erwartet hätte. Das ist ja so ein Thema, was lange so rumschwählt, auch in den Medien, aber jetzt jetzt plötzlich politisch aufgegriffen und auch als Ursache für den Abbau oder den Rückgang demokratischer Partizipation gesehen oder eben auch den Aufstieg autokratischer Antworten, autokratischer Systeme. Und das fand ich interessant, dass das so gleich im ganz Kleinen entdeckt wird und gesehen wird. Und ja, der Prozess war etwas mühsam am Anfang. Es war auch einfach sehr breit, aber später beim dritten Wahlprogramm wusste dann Martin, glaube ich, auch, wo er genauer hingucken kann. Und da ging es auch viel schneller in der Bearbeitung, weil das sind natürlich mehrere hundert Seiten Text, die man da durchflügt. Sebastian Meineck Ein Stück weit erweitern wir ja auf diese Weise den thematischen Fokus unserer typischen Berichterstattung. Das ist nicht mehr ein sehr enges Verständnis von Netzpolitik, blinkenden Serverräumen, aus guten Gründen. Mich würde interessieren, wie zieht ihr da die Grenze? Also welche Themen passen zu unserem selbstgesteckten journalistischen Auftrag als Netzpolitik.org und wo würde man dann sagen, okay, das geht jetzt ein Stück weit zu weit darüber hinaus? Habt ihr euch dazu Gedanken gemacht? Anna Biselli Ich glaube, die Grenze verläuft immer da, wo es dann gar nichts mehr damit zu tun hat und wo es auch nicht relevant für unser gesellschaftliches Zusammenleben ist, dass es ja einfach nicht mehr nur im analogen Raum passiert, sondern eben auch im digitalen. Und ich glaube, da lassen sich die Sachen auch gar nicht mehr so richtig abgrenzen. Das heißt, wenn wir jetzt das Beispiel Einsamkeit nehmen, da kann es eben sein, okay, ich habe in meinem Dorf oder in meiner näheren Umgebung einen Raum, wo ich mich treffen kann. Da gibt es aber eben auch die Möglichkeit, das in irgendeiner Art und Weise digital zu organisieren. Und deshalb finde ich da eine Abgrenzung gar nicht so besonders sinnvoll. Und das, was uns halt eben wichtig ist, ist der Schutz von Grund- und Freiheitsrechten. Und wenn wir das Gefühl haben, da gibt es eine Lücke, die zu uns passt und darüber redet man vielleicht zu wenig, dann ist das was, was wir auch betrachten. Wir haben früher, also früher vor zehn Jahren, haben wir auch Landtagswahlprogramme tatsächlich sehr, sehr ausführlich nach allen möglichen Aspekten verglichen, nach Breitbandausbau und nach diesem und jenem und überhaupt. Ich habe aber das Gefühl, das ist jetzt nicht mehr das Allerallerwichtigste, weil wenn wir quasi eine demokratische Basis verlieren, dann können wir uns unseren Breitbauausbau in die Haare schmieren. Wo ich mir denke, das ist halt so eine Frage, was ist denn jetzt gerade wichtig? Und wenn wir die ganze Basis dafür verlieren, was wir denn darauf aufbauen, dann ist das eben auch für uns ein Problem und dann brauchen wir über den Rest auch nicht mehr berichten. Sebastian Meineck Ich habe gerade kurz die Hand in die Luft geworfen, weil deine Formulierung in die Haare schmieren mir im Kopf ist, seit du das schon mal gesagt hast. Ich weiß nicht, ob du dich erinnerst, da saßen wir zu zweit im Podcast. Ich glaube, das war ein Jahresvorausblick, ein oder zwei Jahre her. Anna Biselli Keine Ahnung. Sebastian Meineck Das Thema war sehr ähnlich. Und da hast du auch gesagt, wenn sinngemäß, wenn Grundrechte, wenn Demokratie in Gefahr sind, dann können wir uns unsere dezidiert netzpolitischen Themen und das weiß ich noch genau, in die Haare schmieren. Das habe ich mir gemerkt. Denn an dem Moment habe ich sozusagen das erste Mal das so klar vor Augen gesehen und musste schlucken. Und da habe ich schon ein Stück weit selbst etwas in meine Haare geschmiert, glaube ich. Anna Biselli Ja, wenn man mal so Silikon in den Haaren hatte, ist das auch sehr unangenehm. Sebastian Meineck Du sprichst aus Erfahrung. Ja. Das ist vielleicht etwas für einen anderen Podcast. Ein Artikel, der mir sehr gefallen hat, der mir auch im Gedächtnis geblieben ist, im Vorfeld, war das Interview mit Radio Korax. lokales Radio aus Halle, die schon jetzt Anfeidungen ausgesetzt sind, die dezidiert im Wahlprogramm der AfD erwähnt werden. Es geht darum, wie kann man diesem Radio den Geldhahn abdrehen, aber es geht natürlich nicht nur um dieses Radio, sondern dahinter steckt generell der Gedanke, welche Rolle haben unabhängige freie Medien, welche Rolle hat eine kritische Zivilgesellschaft, die auch den Blick auf marginalisierte Gruppen richtet. Und das fand ich toll, dass wir das gemacht haben. Wenn ich mich erinnere, wir haben zumindest auf dem Wunschzettel noch mehr Pläne, mit Menschen und Initiativen vor Ort zu sprechen, richtig? Anna Biselli Genau, es wird auch noch ein Text kommen, der allerdings mit stärkerem Mecklenburg-Vorpommern-Fokus ist, wo es auch so ein bisschen geht, was macht denn auch so die digitale Community, wie verhält die sich so zu den Problemen, die entstehen, wenn eben Rechtsradikale die führende, also zumindest den Stimmen abgegebenen Stimmen nach oder Vorumfragen nach führende Kraft sind. Das ist was, was wir tun wollen. Und ansonsten gibt es noch welche Stimmen? Du hast jetzt noch ein Interview geführt, das bald erscheint. Daniel Leisegang Genau, ich habe mit Menschen darüber gesprochen, was eigentlich passiert, wenn die AfD in Sachsen-Anhalt an der Landesregierung beteiligt ist und was das für den öffentlich-rechtlichen Rundfunk bedeutet. Also Verwandt mit Radio Korax. Beide sind ja quasi direkt im Visier, also wirklich buchstäblich im Visier der AfD bei der Radiostation und Radiosender Korax eben aus dem von dir genannten Grund. Und ich glaube, das ist auch das, warum uns das interessieren muss, über das in die Haare schmieren Grund hinaus. Das hat die Zivilgesellschaft mit zu tun. Die Radio Korax ist eine Stimme oder ist ein Verstärker der Zivilgesellschaft und sehr nah dran. Und das hat was mit Medien zu tun, mit unabhängigen Medien. Und deswegen sind beide, der öffentlich-rechtliche Rundfunk und eben Radio Korax, den Rechtsradikalen einen Dorn im Auge. Und es ist nur eine Frage der Zeit, bis auch wir irgendwann mal, ist meine Vermutung, ins Visier geraten. Sebastian Meineck Gibt es noch etwas aus dem Vorfeld der Landtagswahlen, über das ihr sprechen möchtet? Anna Biselli Was ich ganz beeindruckend fand, ich habe mit einem Polizeirechtler geredet, das heißt einem Menschen, der Professor an der Polizeihochschule ist für öffentliches Recht, Markus Thiel. Und habe mit ihm darüber geredet, was könnte man denn bei so einer autoritären Machtübernahme, was sind denn so die Möglichkeiten, die offen stehen und die Sachen, wie man das verhindern kann. Das kann man alles in dem Text nachlesen, den können wir euch verlinken. Was ich aber total beeindruckend fand, ist, dass der Professor Thiel, mit dem wir sicherlich bestimmt nicht in allem übereinstimmen, weil er beispielsweise auch sagt, ja, wenn die Polizei neue technische Sachen hat, wenn das eben verfassungsrechtlich möglich ist, soll das auch dann alles denen gegeben werden, damit sie besser Verbrechen bekämpfen können. Und da gibt es bestimmt Punkte, wo wir so von der Grundlinie nicht übereinstimmen würden. Ich fand es aber total spannend auch zu sehen, dass er dann sagt, ja manche Sachen sieht er jetzt vielleicht auch ein bisschen anders, weil wir beispielsweise in den USA gesehen haben, wie schnell so ein Umbau passieren kann. Und ich fand das ein total gutes Gespräch und habe dann kein direktes Interview, sondern einen Text rausgemacht mit ganz, ganz vielen spannenden Erkenntnissen. Auch ein Satz, den er gesagt hat, der mir so im Gedächtnis geblieben ist, ist eben sinngemäß, dass quasi unsere Systeme darauf ausgelegt sind, dass alle sich an die Regeln halten. Und dass wir eigentlich, glaube ich, zu wenig Antworten haben, was denn passiert, wenn sich plötzlich Leute nicht mehr an die Regeln halten. Und das hat mir schon irgendwie zum Nachdenken gegeben und ich fand das irgendwie sehr interessant so als Denkanstoß, ja was macht man denn dann eigentlich und finde es auch ganz spannend, das ist was, was ich glaube ich gerne gemacht hätte, was ich aber nicht geschafft habe. Es gibt jetzt so einen, ich glaube nicht vereint, aber zumindest so einen Zusammenschluss, der nennt sich Verwaltung für Demokratie, wo sich so Verwaltungsangestellte auch irgendwie mit dem Schutz der Demokratie beschäftigen, weil das glaube ich auch Dinge sind, die Menschen gerade sehr beschäftigen. Was mache ich denn vielleicht als Person, wenn ich jetzt Person in der Verwaltung wäre? Was mache ich denn dann, wenn jetzt irgendwie plötzlich die in meiner Landesregierung Rechtsextreme sind? Wie verhalte ich mich denn? Ist es dann sinnvoll irgendwie, weiß ich nicht, sofort irgendwie wegzulaufen oder ist es dann sinnvoll, dem ganzen Sand ins Getriebe zu streuen oder versuche ich es über den Dienstweg? Und das sind so Gedanken. Sebastian Meineck Also auch Stichwort remonstrieren. Man ist sogar verpflichtet, grundrechtswidrige Anweisungen nicht auszuführen. Geht es darum? Anna Biselli Da geht es auch drum. Ich glaube aber, ich finde, wir sollten da überhaupt drüber reden. Also ich finde es auch total ungeheuerlich, dass man jetzt beispielsweise auf der letzten Innenministerkonferenz nicht offiziell darüber geredet hat, was denn passiert, wenn jetzt irgendwo eine AfD an der Macht ist und Zugriff auf ganz viele Daten hat. Und da wird mir viel zu viel irgendwie totgeschwiegen. In der gefühlten Hoffnung, vielleicht kommt es ja nicht so weit, aber wir haben ja nicht nur ein Problem, wenn es so weit kommt, sondern wir haben das Problem ja schon längst. Und wir sollten uns da schon längst wirklich drüber Gedanken machen und auch öffentlich drüber Gedanken machen und das als Gesellschaft diskutieren. Sebastian Meineck Prepping für eine Zukunft, in der die Demokratie besonders in Gefahr steht. Mich erinnert das an eine Studie, ich habe vor kurzem die Schlagzeile gelesen, ich habe mir nicht im Detail die Details der Studie angeschaut. Die Schlagzeile war, ein Fünftel der Deutschen würde auswandern, wenn die AfD eine Bundesregierung stellen würde. Und ich erinnere mich noch an den ersten Gedanken, den ich hatte. Liebe 20 Prozent, wir brauchen euch eigentlich vor Ort, um die Demokratie zu verteidigen. Und warum wird überhaupt schon als erstes diese Frage gestellt? Also das ist höchstens Kapitel 20 von Zukunftsentwicklung. Also es hat Gefühle in mir geweckt, diese Zahl. Anna Biselli Ja, verstehe ich. Sebastian Meineck Das ist ein fließender Übergang in unsere Rubrik Maschinenraum, bei der wir das Thema nicht verlassen, aber die Perspektive. In der Rubrik Maschinenraum schaffen wir Transparenz über die Vorgänge von uns als Organisation. Und in dieser Ausgabe vom Maschinenraum geht es um unsere aktuelle Kampagne. Zu dem Zeitpunkt, an dem ihr die Folge hört, also am Samstag, wird die schon da sein. Vielleicht habt ihr sie schon bemerkt. Ein paar ungewöhnliche Farben auf unserer Webseite. Rosa und Gelb. Und ein paar ungewöhnliche Worte. Allen voran drei Wörter. Die Hütte brennt. Dahinter steckt unsere aktuelle Spendenkampagne. denn unsere gesamte Arbeit, unsere Artikel und Recherchen, auch dieser Podcast jetzt hier gerade, das ist nur möglich, weil Menschen uns spenden. Wir sind LeserInnen finanziert. Und wir nutzen die Gelegenheit, um über diese Die-Hütte-Brennt-Kampagne zu sprechen. Eine Kampagne, die wir wahrscheinlich mit diesen Worten vor drei Jahren so nicht gemacht hätten. Und vielleicht auch nicht vor einem Jahr. Daniel, Anna, warum brennt die Hütte? Daniel Leisegang Ja, das sind diese Überschneidungen, die wir gerade erleben. Also es ist einerseits eben das, was Anna gerade beschrieben hat, dass wir Debatten führen, die wir sonst aus dem fernen Amerika vielleicht noch kennen. Was passiert eigentlich, wenn die Regeln gebrochen werden? Wie kann sich die Demokratie dagegen wehren? Die Debatte ist längst hier angekommen. Das heißt, wir haben ein ganz grundlegendes Demokratieproblem hierzulande und das betrifft die Grundrechte, das betrifft die Freiheitsrechte, die wir ja auch verteidigen als Medium. Und zum anderen haben wir eine Entwicklung, die wir auch deutlich seit gut einem Jahr sich zuspitzen sehen. Das ist nämlich, dass die schwarz-rote Regierung die Grundrechte einschränken und auch den zivilgesellschaftlichen Raum massiv einschränken. Und das verzahnt sich an dieser Stelle und das ist eine hochdramatische Entwicklung, die wir da haben, weil in dem Moment, wo Rechtsradikale in Regierungen sitzen, ihnen quasi schlüsselfertig etwas übergeben wird, was sie dann nutzen können. Und das sind eben Mittel der Überwachung, der Ausspähung und auch der Ausgrenzung und das ist, worauf sich der Fokus dieser Kampagne auch richtet. Anna Biselli Genau und es gibt ja noch weitere drei Worte, die nach die Hütte brennt kommen und die heißen ja, wir gehen rein und ich finde das ist was ganz, ganz wichtiges, weil dieses, ich glaube dieses Gefühl, dass die Hütte brennt, das können viele gerade nachvollziehen, auf verschiedensten, weiß ich nicht, der Wald brennt, ganz viele Sachen brennen, politisch brennt alles und alles ist nicht schön. Und man kann dann, glaube ich, schnell das Gefühl bekommen, so was soll ich denn jetzt noch tun? Und ich glaube, das Einzige, was wir jetzt machen können, ist zu sagen, wir gehen da halt rein. Das geht nicht anders und wir müssen da was tun und dafür brauchen wir eben auch Unterstützung, weil das macht niemand alleine. Sebastian Meineck Die Hütte brennt ist ein Sinnbild und ich erinnere mich noch, wie dieses Sinnbild entstanden ist. Ich war da nicht unbeteiligt. Auch das war ein Brainstorming, bei dem wir saßen und jetzt will ich nicht den gleichen Fehler nochmal begehen. Warst du da doch dabei? Nee. Aber du warst dabei. Ich war dabei. Und ich erinnere, ich weiß gar nicht mehr, von wem es kam, aber ich kenne noch. Es kam von dir. Ja? Okay, das war kein Fishing for Compliments. Ich erinnere mich noch an den Gedankengang. Wir hatten mit dem Bild der Brandmauer gearbeitet. Ein Bild, das seit Jahren schon ziemlich abgeschmackt geworden ist. Inzwischen oft auch als Feigenblattdienst. Und wir haben erst mal beim Brainstorming kundgetan, eigentlich können wir das Wort nicht mehr hören. Das funktioniert so nicht mehr. Die Brandbauer gibt es nicht mehr in der Form. Ja, dann gibt es noch die kommunale Zusammenarbeit. Ja, und dann stimmen wir vielleicht noch mit oder wir können ja nichts dafür, wenn die auch. Also ich verzettel mich. Also es geht darum, wir waren nicht mehr zufrieden mit diesem Bild. Und dann dachte ich mir, was stattdessen. Und dann kam anscheinend, ich wusste nicht mehr, dass ich das gesagt hatte, ich erinnere mich, dass es plötzlich da im Dokument stand, die Hütte brennt. Also wir bleiben bei dem Bild von Brand und von Feuer, sind aber nah dran geblieben an der Frage, was ist denn eigentlich das treffende Sinnbild, wenn die Brandmauer es nicht mehr ist. Aber so drei Wörter sind ja erstmal noch keine Kampagne, sondern erstmal nur drei Wörter oder ein Sinnbild. Könnt ihr beschreiben, was wird danach daraus? Wie wird aus so einem Kern eine veritable Kampagne? Daniel Leisegang Das ist immer eine sehr schöne Entwicklung, finde ich, weil wir sind in diesem Brainstorming, dann fällt plötzlich ein Satz, an den du dich ja vielleicht auch nicht mal daran erinnerst, weil irgendwann fällt er auf fruchtbaren Boden und dann sagt jemand, Moment, den halten wir mal gerade kurz fest, den arbeiten wir aus und dann wird er verfeinert. Und dann gibt es zehn Varianten davon, die stehen in diesem Pad. Und dann hält man das so fest und sagt sich, okay, wir treffen uns in einer Woche nochmal wieder. Und bis dahin entwickelt Ole beispielsweise, der bei uns für die Kampagnen zuständig ist, entwickelt das nochmal ein bisschen weiter. Dann ruft Ole irgendwann jemanden hinzu und sagt, hier, ich habe hier was, guck da mal drauf. Und dann kommt plötzlich eine Zünderidee dazu. Und so hat sich dann, so ist meine Erinnerung, das herausgebildet, was wir auf der Seite sehen. Wir hatten nämlich plötzlich das Bild der Freiwilligen Feuerwehr vor uns, das Logo. Und das ist so viergeteilt und das sind so vier unterschiedliche Instrumente, Tools, die Sie nutzen oder Herangehensweisen. Ich weiß nicht ganz genau aus dem Kopf, aber es ist so ein Kreis, der viergeteilt ist. Und da haben wir überlegt, das ist im Grunde das, was wir ja auch tun. Wir haben verschiedene Werkzeuge und löschen diese Brände. Wir gehen rein in die Hütte und vielleicht ist das ein Bild, mit dem wir beschreiben können, wie wir arbeiten. Und daraus hat sich dann was entwickelt, dass wir eigens gesucht haben, die das veranschaulichen, die dafür stehen. Und das sind eine Sirene, eine Taschenlampe, eine große Zange und eine Gruppe von Menschen. Sebastian Meineck Darf ich kurz mal die vier Punkte vorlesen, damit das alle vor Augen haben? Also wir sind nicht die freiwillige Feuerwehr, sondern wir machen Journalismus. Und angelehnt an die Dinge, die eine freiwillige Feuerwehr tut, gemünzt auf uns, sind das die folgenden vier Punkte. Erstens, wir schlagen Alarm. Zweitens, wir durchleuchten Gesetze. Drittens, wir befreien Dokumente. und viertens, wir machen Menschen sichtbar. So, jetzt haben es alle vor Augen. Ich wollte dich nicht unterbrechen, Daniel. Daniel Leisegang Nein, das war sehr gut, weil genau diese vier Schlaglichter, die beschreiben unsere Arbeit so zumindest oder wir können diese Bilder nutzen, um unsere Arbeit zu beschreiben. Also wenn wir sagen, wir schlagen Alarm, dann heißt das nicht, dass wir alarmistisch durch die Gegend laufen und auf den Topfdeckel hauen, sondern es heißt, dadurch, dass wir mitunter sehr früh in Gesetzestexte, auch im frühen Gesetzgebungsprozess reinschauen, sehen wir Entwicklungen, die vielleicht andere nicht sehen oder die sie auch vielleicht nicht sehen sollen, weil sie in Artikel 25 Absatz 2 versteckt sind und dann auch sehr verklausuliert. Oder dass wir sagen, wir durchleuchten Gesetzesvorhaben, das heißt, wir stiefeln wirklich durch diesen Gesetzestext durch und versuchen so viel wie möglich davon zu verstehen. Und das Ganze, vielleicht um das abzurunden mit dem Wir machen Menschen sichtbar, bedeutet halt, wir machen das nicht abstrakt, wir machen das nicht in luftiger Höhe, sondern wir schauen uns an, welche Auswirkungen hat das eigentlich auf Menschen. Und vielleicht können wir diese Menschen sogar direkt zu Wort kommen lassen in Form einer Reportage, ein Interview oder auch eines Zitats und deutlich machen, das ist nicht abstrakt, das ist nicht eine Wolke, die sich da zusammenbaut, sondern das hat ganz, ganz konkrete Auswirkungen. Sebastian Meineck Ich bin ja, um direkt auf diesen Wir-machen-Menschen-sichtbar-Punkt zu sprechen zu kommen, ich bin aus zwei Gründen großer Fan davon, dass wir das an dieser Stelle in den Mittelpunkt drücken. Erst einmal geht es um Sichtbarkeit von Menschen, die sonst vielleicht einfach in der breiten Öffentlichkeit, in traditionellen Nachrichtmedien unter den Tisch fallen und nicht so zu Wort kommen. Ich denke an den wundervollen Text auch vom Kollegen Martin. Wie ist das, wenn man mit einer Bezahlkarte im Supermarkt einkaufen muss? Bezahlkarte für Geflüchtete. Und die zweite Funktion des Sichtbarmachens. Viele Menschen denken wahrscheinlich, ich würde gerne auch irgendwas machen. Ich fühle mich wie gelähmt. Mir gefällt das nicht. Wo kann ich mich engagieren? Und auch hier kann Sichtbarkeit helfen, weil gezeigt wird, es gibt Initiativen, es gibt Projekt- und Ansprechpersonen. Man kann sich auch involvieren, teilweise mit ehrenamtlichem Engagement. Nun würde ich das gerne als Vorteil nutzen, Anna, dass du nicht dabei warst bei einigen Entwicklungsschritten, beim Entstehen und dich fragen, ja, wie findest du das eigentlich? Erinnerst du dich noch an deine ersten Eindrücke, als du es das erste Mal gesehen hast? Anna Biselli Ja, das Obo ist ganz schön pink. Das war mein allererster Eindruck. Aber das war eine rein farbliche Eindigung. Ich fand das ziemlich, ziemlich cool, weil das halt auch keine Reduktion auf ein bestimmtes Problem ist. Also wenn wir sagen, die Hütte brennt, dann beschreiben wir eben auch die Komplexität des Gesamtproblems. Also die Hütte brennt, weil irgendwie das IFG, also das Informationsfreiheitsgesetz angegriffen wird. Die Hütte brennt, weil wir gerade diese Wahlen haben, bei denen es nicht gut aussieht. die Hütte brennt, wegen der Sozialpolitikpläne der Bundesregierung. Und ich finde, das trifft einfach den Gesamtzustand und auch dieses Gefühl, das ich gerade habe, total gut und ermutigt mich aber trotzdem und gibt mir nicht dieses Hoffnungslosigkeitsgefühl oder dieses rein alarmistische von wegen, alles ist zu spät und wir können eigentlich einpacken. Also ich fand das tatsächlich sehr überzeugend. An die Farben habe ich mich gewöhnt. Sebastian Meineck Es gibt noch einen Punkt, den ich an der Stelle gerne ansprechen will. also warum ich diese vier Punkte mag. Bei so einer Kampagne will man ja immer was in den Mittelpunkt rücken, was man irgendwie gut macht, ist ja klar. Und was ich so stark finde an diesen vier Punkten, das sind Dinge, die wir wirklich tun. Und darum geht es. Wir sprechen nicht über die langweiligen Dinge, die wir auch tun. Ja, wir gehen ins Büro und wir kochen Kaffee und wir korrigieren Rechtschreibfehler und dann löschen wir versehentlich mal unsere Browser-Favoriten. Das gehört natürlich auch zur Wahrheit. Manches ist auch notwendig, Aber es ist nicht der springende Punkt. Diese vier Aspekte, wir schlagen Alarm, wir befreien Dokumente, wir machen Menschen sichtbar, das ist der springende Punkt unserer Arbeit. Das passiert wirklich und wir überhöhen uns damit jetzt auch nicht und machen uns irgendwie größer als wir wären. Deshalb bin ich sehr froh, dass es diese vier Punkte geworden sind. Anna Biselli Und es ist eigentlich auch eine ganz schöne Art, wie wir Journalismus verstehen. Weil ich glaube, das sind ja auch einfach ganz unterschiedliche Vorstellungen von, wie definiert man denn Journalismus und aus was besteht der? Und die machen das eigentlich ganz schön konkret, wie wir den umsetzen und für uns leben. Sebastian Meineck Ein Stück weit, das will ich aber auch nicht ganz unerwähnt lassen in diesem positiven Schub, den wir da gerade haben. Ich fühle mich überfordert als Journalist. Ich fühle mich auch frustriert angesichts der Verantwortung, die wir haben. Es gab Jahre, da konnte ich mal so interessanten Service-Journalismus machen. Hey, wusstest du eigentlich, es gibt noch bessere Messenger als WhatsApp? Oder Influencer verbreitet, seltsame Lügen über Milch. Das waren auch Themen, über die ich mal als Journalist berichtet hatte. Und mein Gefühl ist, also nicht nur, weil ich mich inzwischen in anderen thematischen Feldern umtreibe, mein Gefühl ist, das ist auch einfach nicht mehr Zeitgeist, so fluffige Dinge zu schreiben. Es ist ernster geworden. Seht ihr das auch so? Oder ist das eher so meine aktuelle persönliche Befindlichkeit mit dem Zeitgeist? Anna Biselli Ich weiß nicht. Also ganz ehrlich, manchmal bin ich schon froh, wenn da einfach irgendwo ein fluffiger Text kommt und ich den lesen kann. Also das ist ja auch so eine Art Eskapismus, aber das ist vielleicht nicht das, was man selber tun will. Also ich würde die Texte gerade auch nicht schreiben wollen, weil ich mir denke, ich habe eine begrenzte Energie und die würde ich gerne dafür einsetzen, dafür zu kämpfen, dass wir irgendwann noch eine demokratische Gesellschaft haben. Also das ist gerade meine Priorität. Ich finde aber nicht, dass die Gesamttendenz weg von fluffigen Servicetexten ist. Und ich lese mir dann auch Sachen durch, wo ich gute Pommes in Berlin essen kann, auch wenn es nicht das prägende politische Problem unserer Zeit ist. Sebastian Meineck Auf der Skala von fluffig bis schwere Weste. Wie geht es dir gerade, Daniel? Daniel Leisegang Ne, ich bleibe daran hängen, dass du sagst, es sei frustrierend. Das stimmt, das ist es. Man läuft gerade gegen Wände und die werden immer höher und man versucht sie zu überwinden und irgendwie was zu erreichen. Aber auf der anderen Seite, ich merke, dass trotz des ganzen Shits, der da draußen passiert, ich es als sehr befriedend empfinde, dass ich jetzt an diesem Ort und an dieser Stelle bin und wirken kann. Weil wenn ich das nicht hätte, dann wäre meine Verzweiflung groß. Aber so habe ich zumindest den Eindruck, ich kann meine Energie in etwas reintun, was vielleicht ein bisschen was bewirkt und Schlimmeres noch abwenden könnte. Und daraus schöpfe ich tatsächlich sehr viel Energie, die ausreicht, um dann weiterzumachen. Sebastian Meineck Ich schneide mir eine Scheibe von eurem Schwung ab. Danke, dass wir darüber kurz sprechen konnten. Wir kommen zu den hörenden Fragen. Zuletzt in der Folge zum Geheimdienstgesetz hatten wir wieder gefragt nach Fragen und auch nach Feedback zum Podcast. Eigentlich machen wir das immer, aber manchmal machen wir das mit einem besonders lieben Zungenschlag. Und uns hat eine E-Mail erreicht, das hat uns sehr gefreut. Ganz lieben Dank an UggUgg für deine E-Mail, auch für deine Anregung. Wir haben uns alles genau angeschaut und auch herzlichen Dank für deine Frage. UggUgg hat nämlich gefragt, was gibt es denn für Podcast-Empfehlungen aus euren Feeds? Ich mache mal den Anfang, denn Anna und Daniel hören die Frage gerade zum ersten Mal. Dann habt ihr kurz Zeit zum Überlegen. Meinen Podcast-Feed zu öffnen. Oder den Podcast-Feed zu öffnen. Ich habe zwei Favoriten mitgebracht. Der erste, der ist sehr politisch, Deutschlandfunk, der Tag. Höre ich sehr viel, pro Folge gibt es zwei bis drei Themen aus den aktuellen Nachrichten, hintergründig besprochen, immer so mit einem Interviewgast. Und zwar ohne diesen Oldschool-Radiotonfall, der dann total abgelesen klingt, sondern so menschlich. Und einmal war ich sogar selber zu Gast, was mich total gefreut hat. Und mein zweiter Tipp, vor kurzem neu entdeckt, mal ein ganz anderes Thema, wobei wir haben auch vorhin über Einsamkeit gesprochen, hängt doch alles miteinander zusammen. Die Paartherapie, ein Podcast vom NDR. Ich sehe gerade, ihr beide scheint ihn nicht zu kennen. Keine Anflüge von Wiedererkennen in euren Gesichtern. Also da sprechen tatsächlich echte Paare mit einem Paartherapeuten über ihre Probleme. Also erst mal mutig, das auch dann aufgezeichnet zu machen, dass es alle hören können. Es geht um Gefühle und Bedürfnisse, um Verständigung, ums Aushalten von Unterschieden. Und ich finde dafür, dass wir alle Menschen mit Gefühlen und Bedürfnissen sind, ist das ein ziemlich unterrepräsentiertes Thema im Medienalltag. Und jetzt noch ein ganz heißer Hot Take. Vielleicht halte ich mich jetzt für einen Kitschkopf. Aber ich bin überzeugt, wenn Menschen besseren Umgang mit den Gefühlen und Bedürfnissen hätten, dann gäbe es auch weniger Hass und Extremismus auf dieser Welt. Ihr wegt den Kopf. Ich bin zwar auch nicht kitschig. Daniel Leisegang Nicht gerade populär in diesen Zeiten, aber sollte vielleicht populärer sein. Mein Take. Eure Podcast-Tipps? Anna Biselli Ja, so ein Podcast, den ich dauerhaft, also regelmäßig höre, ist Sternstunde Philosophie vom SRF, weil er mich ganz oft in seltsame Gefilde bringt, über die ich mir normalerweise keine Podcasts anhören würde, wenn sie jetzt nicht in einem bestimmten Format kämen. Das heißt, da werde ich dann mit Themen konfrontiert, für die ich mich proaktiv nicht interessieren würde. Also beispielsweise über Körperbilder oder über ganz, ganz, ganz unterschiedliche Sachen. Das heißt, das mag ich, das höre ich dann wöchentlich und gucke mal, was so kommt und was so passiert. Und eine Podcast-Serie, die ich kürzlich gehört habe, die ich total gut fand, war vor 1933. Da ging es eben um die Zeit vor der Machtergreifung. Aus dem aktuellen Anders auch relativ aktuell und einfach auch spannend zu sehen, weil da wurden verschiedene Menschen in den Folgen auch porträtiert. Da gibt es auch eine Kontinuität, aber eben aus verschiedenen Aspekten von einer Gerichtsreporterin, die dann eben gesehen hat, wie mit Schlägern umgegangen wurde, die dann milde Strafen bekommen haben von Menschen, die sich dann eben der NSDAP zugewandt haben, aber auch von Menschen, die dann quasi in der Aktion T4 ermordet wurden. Und das also später nach 33. Und das fand ich einen total beeindruckenden Podcast und auch sehr, sehr einfühlsam, aber es hat mich auch sehr mitgenommen. Sebastian Meineck Das wird eine lange Linkliste in dieser Folge. Wir haben noch Tipps von dir, Daniel. Daniel Leisegang Ja, ich kann erstmal ein Plus Eins hinter der Tag setzen und tatsächlich, das ist wie ich den Tag ausklingen lasse, auf dem Haarhauseweg, also in den Feierabend gehe, super gut, richtig gutes Format, toll und morgens meine Liste, ich habe extra einen Podcatcher, der mir bestimmte Kurzformate morgens zusammenstückelt, auch dass viele Nachrichten, die Interviews des Tages, alles Deutschlandfunk durchdrungen, das ist das, was ich morgens dann mitnehme, aber ich möchte gerne zwei Tipps tatsächlich, die so ein bisschen aus der Reihe sind, nehmen, die nicht so Nachrichten-Junkie-mäßig sind. Das erste ist der Alias-Podcast. Ich gucke wenig Fernsehen, wirklich sehr wenig Fernsehen, Stream-Fernsehen. Der Alias-Podcast nimmt sich immer in Regimes, das macht Stefan Schulz aus Frankfurt am Main, und der nimmt sich immer bestimmte Ausschnitte aus dem Fernsehen vor und kommentiert die. Manchmal ein bisschen zynisch, manchmal ein bisschen abgeklärt, aber so weiß ich, was im Fernsehen läuft und bleibe auf dem Laufenden. Und das Zweite, wo ich auch wenig auf dem Laufenden bleibe, aus zwei Gründen, ist Musik. Und da höre ich sehr gerne nicht das Streaming-Radio, sondern den Podcast dieser Sendung, nämlich Soundcheck Radio 1, jeden Freitag und kurz danach erscheint der Podcast. Vier Menschen reden wie im literarischen Quartett über Musik und die neuen Platten. Und das ist wirklich, das rettet mich in das Wochenende hinein. Sebastian Meineck Ihr möchtet, dass wir auch mal eure Frage am Ende einer Folge Off the Record besprechen? Super gerne her damit. Keine Frage ist zu simpel. Schickt alles, was euch anfällt an podcast.netzpolitik.org. Da nehmen wir auch gerne Kritik oder Lob entgegen. Dieser Podcast und alles, was wir beim Netzpolitik.org machen, ist spendenfinanziert. Tausend Dank an alle, die uns spenden und unterstützen. Wenn ihr uns spenden möchtet, tut das super gerne unter netzpolitik.org.spenden oder erzählt anderen davon, dass es uns gibt und dass wir LeserInnen finanziert sind. Jede Spende ist auch Solidarität für andere. Der Netzpolitik.org ist für alle kostenlos im Netz, ohne Paywall, ohne Werbung, ohne Tracking. Liebe Anna, lieber Daniel, danke, dass ihr dabei wart. Bis zum nächsten Mal. Daniel Leisegang Tschüss. Danke, ciao. Bis zum nächsten Mal.