Chris Köver Danke. Ich brauche. Danke. Okay, das läuft. Fühlt ihr euch bereit? Das ist bereit, dass ihr könnt. Wenn man sich fühlen kann, ist bone ready. Alles gut, bone ready, ja. Hallo und herzlich willkommen zu OffOn, dem Podcast von Netzpolitik.org. Heute wieder mit einer Folge von Off the Record. Das ist das Format, bei dem wir euch Einblicke in die Hintergründe unserer Arbeit bei Netzpolitik.org gewähren. Und genau das tun wir heute. Nur geht es diesmal nicht um Recherchen. Wir sprechen hier ja sehr oft über aktuelle Recherchen. Heute geht es aber vor allem um Menschen. Und zwei von diesen Menschen habe ich hier bei mir im Podcaststudio. denn wir arbeiten mit einem tollen Team und einige der Menschen aus diesem Team sind heute mit mir hier, nämlich Denis, der gerade bei uns Praktikum gemacht hat. Hallo Denis. Denis Glismann Hallo. Chris Köver Und Daniel, der seit Mai unsere IT betreut. Hallo Daniel. Daniel Tippmann Hallo zusammen. Chris Köver Hallo ihr beiden. Ich bin übrigens Chris, ich bin Redakteurin bei Netzpolitik.org und werde heute durch die Sendung führen. Wir sprechen darüber, wie es so ist, bei Netzpolitik.org zu arbeiten. was ihr vielleicht gelernt habt so in den letzten Wochen über uns was ihr vielleicht auch für Tipps habt für Menschen, die sich bei uns bewerben wollen und all solche Dinge aber bevor es losgeht ihr wart ja beide noch nie in diesem Podcast zu hören was macht ihr denn eigentlich so bei Netzpolitik.org Daniel Tippmann Ich mache den Anfang ja das stimmt, ich war noch nie im Podcast ich war noch nie im Team von Netzpolitik.org Ich freue mich einfach total toll, dass ich dabei sein darf. Ich bin, wie du gesagt hast, Christ seit Mai da, habe die Stelle der Systemadministration übernommen und bedomptiere hier den Technik-Zoo, sorg dafür, dass alle Dienste sicher sauber, stabil laufen und alles so funktioniert, wie es sein soll hier in der IT. Denis Glismann Ja, ich war ja eigentlich bis zuletzt noch Praktikant, bis gestern genau genommen. Also meine Zeit ist eigentlich schon vorbei. Chris Köver Das heißt, du kannst jetzt ganz frei sprechen. Das ist eigentlich optimal. Denis Glismann Ja, ich merke schon super viele M's dazwischen. Die werden hoffentlich alle später rausgeschen. Chris Köver Jedes einzelne M würden wir liebevoll rauszuzieren. Also ein Podcast, der das ist. Nein. Denis Glismann Aber das Schöne ist, ich bin eigentlich noch nicht ganz weg. Das Schöne ist, ich darf mich noch weiter mit netzpolitischen Themen beschäftigen, weil ich auch nächstes Wochenende jetzt am Samstag auf die Demo nach Erfurt fahre zum Protest, zu den Demonstrationen gegen den AfD-Parteitag in Erfurt, der dort stattfindet. Und das heißt, ich darf eigentlich genau da weitermachen, wo das Praktikum aufgehört hat. Und darüber freue ich mich sehr. Chris Köver Was war noch mal die Frage? Genau das, darüber freuen wir uns auch sehr. Du hast auch die nächste Frage schon vorweggenommen eigentlich, denn die nächste Frage wäre gewesen, woran arbeitest du gerade? Woran arbeitest du denn gerade, Daniel, wenn man das so sagen kann? Gibt es Dinge, an denen man gerade arbeitet in der IT? Ja, sicher auch. Daniel Tippmann Ja, das hört sicherlich nie auf. Also keine IT ist vollkommen, da gibt es immer was zu tun. Ja, also wie schon gesagt, meine Hauptaufgabe ist hier dafür zu sorgen, dass alle IT-Dienste rund laufen und dass wir sicher funktionieren, dass wir zuverlässig funktionieren. Und genau, das sind eine ganze Menge Hintergrundaufgaben, die da zu bewältigen sind. Und darüber hinaus versuchen wir das auch zu optimieren. Also wir wollen noch mehr selbst hosten, noch mehr selbst übernehmen, noch weniger outsourcen. Wir haben den Anspruch, dass wir datensouverän sind, dass wir unsere eigenen Dienste hosten, dass wir alles auf Open-Source-Basis betreiben. Und ja, dann so schöne Sachen wie ein internes Projektmanagement-Ticketsystem, was man mal aufräumen oder neu starten könnte. Chris Köver Ja, wir reden ja gleich nochmal ausführlicher über genau diese ganzen Dinge, die du da gerade betreust und aufsetzt. Bevor wir damit einsteigen, machen wir ja erst diese Rubrik Blattkritik. Für alle, die das nicht kennen, Blattkritiken, das ist so ein Format, gibt es in vielen Redaktionen. Und die Idee dahinter ist, dass man gemeinsam kritisch auf die eigene Arbeit schaut, um zu gucken, was gut lief, was vielleicht auch besser hätte laufen können. und viele Redaktionen laden sich dafür eine Person von außen ein, die dann diese Blattkritik macht mit so einem frischen Blick. Wir machen das hier in einem kleinen öffentlichen Format. Das heißt, jeder von uns sagt einmal, was in den letzten Wochen gut lief und eine Sache, die vielleicht weniger gut lief. Denis, magst du anfangen? Was lief bei dir gut? Beruflich oder privat? Nee, jetzt in Bezug auf Netzpolitik.org. Du musst jetzt nicht anfangen. Denis Glismann Weniger gut lief wahrscheinlich die Vorbereitung auf dem Podcast. Aber nee, Spaß beiseite. Chris Köver Bei mir oder bei dir? Denis Glismann Bei mir. Also erstmal lief ganz grundsätzlich, also das Praktikum lief aus meiner Sicht hervorragend, ich hoffe auch aus eurer Sicht. Nee, das war ein super Praktikum. Ich durfte wirklich neben all dem, was so alltäglich angefallen ist, in journalistischer Arbeit auch ganz schwer eigene Schwerpunkte setzen und an eigenen Themen, an eigenen Recherchen arbeiten. Und das hat sehr viel Spaß gemacht. Und ich glaube, ich kann auch wirklich mit Fug und Recht behaupten, dass das wirklich ein sehr spannendes Praktikum war, was auch das beste Praktikum, ehrlich gesagt. Und ja, ich kann jedem nur empfehlen, sich hier zu bewerben. Und jeder, der Interesse hat an journalistischer Arbeit, sollte da einen Blick drauf werfen. Chris Köver Hört auf den, das geht gut runter. Denis Glismann Und ja, und auch, dass ich jetzt einfach zum Beispiel jetzt auch nach dem Praktikum noch weitermachen darf an diesem nächsten Wochenende. Das kam unerwartet und kommt erfreulich. Chris Köver Sag mal kurz, du fährst zum AfD-Parteitag. Denis Glismann Genau, richtig. Darüber können wir gleich noch sprechen. Was lief weniger gut? Das weiß ich jetzt auch nicht. Chris Köver Hast du irgendwas so richtig schön versemmelt in der Zeit? Denis Glismann Es gibt eine Sache, die fand ich nervig, aber ich weiß nicht, ob ich die erzählen sollte im Podcast. Chris Köver Jetzt wollen das natürlich alle hören. Denis Glismann Es ist wahrscheinlich so ein ärgerliches journalistischer Arbeit generell. Also es geht im Prinzip darum, dass ich hatte Kontakt mit einer Quelle und es ging so ein bisschen um den Wortlaut. Und ich hatte das Gefühl, dass da jemand sehr, sehr doll gemikromanagt hat, wie genau die Worte lauten sollen. Und das hat sich ein bisschen gezogen. Chris Köver Ja, gibt es immer wieder Interviewpartner, Partnerinnen, die ein sehr großes Kontrollbedürfnis haben. Das ist manchmal ein bisschen anstrengend, das stimmt. Daniel, was lief denn bei dir gut in letzter Zeit? Daniel Tippmann Also ich fange mal lieber mit dem an, was nicht so gut lief, weil man soll mir mal das Schöne am Ende sagen. Also was nicht so gut lief, da muss ich gar nicht lange nachdenken. Wir hatten im Mai einen kleinen Vorfall hier, als ich anfing mir die IT hier anzugucken und mich überall einzuarbeiten und mich einzufinden. Da ist mir aufgefallen, dass es ein paar Zugriffsberechtigungen gab, die mir nicht gefallen haben, die mir nicht dicht genug waren. Und dann habe ich angefangen, in unserem Produktionscluster die Firewall-Einstellungen zu regeln und habe den ganz, ganz klassischen Anfängerfehler begangen und habe an der Firewall eingestellt, ohne dass mir bewusst war, dass die sofort aktiv ist, wenn ich da was dran ändere, ohne dass man da irgendwas neu starten muss. Chris Köver Also du hast es so gut gemacht, dass du am Ende dann alle von der Seite aus gesperrt hast? Daniel Tippmann Genau, also der war dann komplett abgeregelt so. Also man kam weder von außen kam man drauf, noch konnten die einzelnen Nodes von diesem Cluster untereinander kommunizieren. Und das gefällt so einem System natürlich überhaupt nicht. Das heißt, der hat innerhalb kürzester Zeit alle vier von sich gestreckt. Unser Produktionscluster, auf dem läuft so ziemlich alles, also alle unsere Dienste, die von außen erreichbar sind. Also sprich die Website und Mail und was nicht sonst noch alles. Ja, das heißt, wir waren dann plötzlich offline und ich war ausgesperrt und es ging gar nichts mehr. Ja, dann war ich dann plötzlich sehr wach. Chris Köver Ich wollte gerade sagen, was passiert mit dir in so einem Moment? Also flutet Adrenalin dann deinen Körper oder wie geht es einem dann da in dem Moment? Daniel Tippmann Genau, das ist dann ein Gefühlsbad. Also man stolpert dann von Wahnsinn und Aufregung und Adrenalin hinzu. Okay, also jetzt alles ausblenden, jetzt totaler Fokus. Und jetzt nicht überrollen lassen von allem, sondern klaren Kopf bewahren und versuchen, das zu beheben. Und dann startet das Programm, dann fährt man Notfallsysteme hoch und fährt erstmal alles runter und dann die einzelnen Nodes wieder hoch. Und versucht das alles rückgängig zu machen, lernt dabei sehr viel in kürzester Zeit. Und ja, genau, das waren die längsten 40 Minuten meines Lebens. Chris Köver 40 Minuten, in denen die Seite offline war. Daniel Tippmann Genau. Chris Köver Wann war das unter der Woche, am Wochenende? Daniel Tippmann Das war mitten unter der Woche, an einem Dienstagmittag. Chris Köver Man kann nicht sagen, dass ihr nicht sicher war. Daniel Tippmann Ja, das war der sicherste Moment in der Netzpolitik.org wahrscheinlich. Völlig unangreifbar. Ja, genau. Chris Köver Weil einfach komplett offline. Daniel Tippmann Ja, genau. Und ja, dann habe ich das Gott sei Dank irgendwann wieder zum Laufen bekommen. Und es wurde dann langsam alles wieder hoch und wir waren wieder da. Und ja, das war wohl mein Negativbeispiel aus der Anfangszeit. Chris Köver Damit bist du sozusagen angekommen. Das ist relativ schnell am Anfang passiert. Ja, genau. Schön. Daniel Tippmann Aber ich habe super viel Unterstützung bekommen in der Zeit davor und auch danach. Und ja, genau. Das war mein Lehrgeld hier sozusagen. Chris Köver Und lief dann auch was gut? Du wolltest dir ja noch was aussparen Daniel Tippmann für das Ende. Genau, das Happy End, ja. Naja, also erstmal ganz allgemein, es ist natürlich so, dass wenn ein Administrator oder eine Administratorin gut arbeitet, im besten Fall bekommt man davon nichts mit, weil dann alles zuverlässig funktioniert und sich niemand beschwert. Das ist das größte Lob eigentlich, was ein Admin bekommen kann. Und deswegen ist, Ja, wenn was gut funktioniert, davon kriegt niemand was mit und das ist gut so, so soll das sein. Aber trotzdem, also ein Beispiel zu nennen, was schön lief. Wir wollten hier, wir verwenden, oder das Team in der Redaktion verwendet öfter mal so eine KI-LLM-basierte Transkriptionssoftware. Also wenn Audiodateien umgewandelt werden sollen in Text mit Sprecherkennung und so weiter. Und da wurde auf externe Dienste zugegriffen, die auch bezahlt wurden und so weiter. Und das wollten wir ersetzen. Da haben wir so einen selbst gehosteten Open-Source-Dienst ausgerollt bei uns. Der kommt sehr gut an, das funktioniert alles wunderbar. Das wurde vom Team sehr gut angenommen, da gab es auch viel Lob und darüber habe ich mich sehr gefreut. Das war ein schöner Erfolg. Chris Köver Ja, ich habe es noch nicht ausprobiert, aber ich habe sehr viel Gutes darüber gehört auf jeden Fall und das ist was, was für unsere tägliche Arbeit extrem wichtig ist. Ein gutes Transkriptionstool, kann ich aus persönlicher Erfahrung sagen, weil es sehr lange dauert, oder früher hat es einfach sehr lange gedauert, Interviews zu transkribieren und jetzt passiert das halt sehr schnell. Deswegen ist es eine extrem große Erleichterung und cool, dass wir jetzt ein eigenes System dafür haben. Ja, bei mir, ich fange glaube ich mit dem Guten an. Ich mache es einfach andersrum. Ich hatte irgendwie eine sehr belebte Woche in der letzten Woche, weil ich zum Wochenende auf die Fusion gefahren bin. Und zwar nicht nur privat, sondern tatsächlich auch, um dort im Auftrag von netzpolitik.org einen Vortrag zu halten. war schon auf meinem Haupt. Ich wusste bis vor kurzem gar nicht, dass es Vorträge auf der Fusion gibt oder Workshops. Es gibt sie aber anscheinend. Und ich durfte dort auf einer sehr, sehr schönen kleinen Bühne einen Vortrag über digitale Gewalt halten. Das heißt, ich habe parallel diesen Vortrag vorbereitet und wusste währenddessen, dass super viel los ist in einem anderen Beat, um dem ich mich auch kümmere, beim Thema Jugendschutz. Nämlich, da war vorher schon angekündigt, dass an dem Mittwoch eine Expertinnenkommission, die das Familienministerium eingesetzt hatte. Die haben jetzt ein halbes Jahr an Empfehlungen gearbeitet. Und ich wusste, dass diese Empfehlungen am Mittwoch erscheinen würden. Und dass ich aber super wenig Zeit habe an dem Tag. Und ich habe es dann trotzdem relativ gut hingekriegt. Teilweise auch war es Glück, weil wir die einfach vorher schon bekommen haben mit Sperrfrist. Und ich habe dann wirklich alles vorgeschrieben, so dass ich dann an dem Tag oder wir dann irgendwie nur noch auf Publish drücken mussten irgendwie zum Mittag. Und habe mich sehr gefreut, dass es alles geklappt hat. Und auf der Positivseite ist auch definitiv, dass ich die Fusion überstanden habe. Zwischenzeitlich bin ich mir nicht ganz sicher. Vor allem bei diesem Samstag. Ich glaube, andere Menschen hier im Raum waren ja auch dort. Also es war die körperliche Extremerfahrung in vielerlei Hinsicht. Aber wir sind ja nach wie vor hier. Das ist sicherlich auch sehr gut gelaufen, würde ich sagen. Denis Glismann Nicht vertrocknet. Chris Köver Nicht vertrocknet auf der Fusion, genau. Ja, weniger gut lief, was uns dann doch durch die Lappen gegangen ist. Ich glaube auch vor ungefähr einer Woche, zehn Tagen kursierte ja plötzlich diese Liste aus dem Dialognetzwerk von, also ein Netzwerk, das von Peter Thiel mitgegründet wurde und da wurden die Mitglieder geleakt. Es war nicht ganz klar, wer da überhaupt teilgenommen hat an diesen Treffen. Und Jens Spahn fand sich auf dieser Liste und wir haben das sehr früh mitbekommen und haben es dann aber irgendwie nicht hingekriegt, rechtzeitig anzufragen. Und dann haben halt andere Medien die Geschichte dann tags darauf oder zwei Tage später relativ groß gefahren. Das hat mich so ein bisschen geärgert, weil wir da einfach früh hätten dran sein können und das auch hätten melden können. Das Wichtigste ist aber eigentlich vor allem, dass es andere gemacht haben und dass es nicht untergegangen ist und dass öffentlich geworden ist, dass Spahn eben bei diesen Treffen war auch mehrfach, ja, ich hoffe, dass Menschen da jetzt weiter noch zu recherchieren werden und wir mehr darüber erfahren, was er dort eigentlich getan hat und mit wem er da zusammen abhängt. So, jetzt aber Thema des Monats, das kein Thema des Monats ist, sondern Mitarbeiter des Monats. Ihr seid die Mitarbeiter des Monats. Denis, du bist der erste Mitarbeiter des Monats. Das ist schön. Du warst ja jetzt gerade bei uns in der Redaktion und gestern war dein letzter Tag. Erinnerst du dich noch, was der allererste Beitrag war, den du geschrieben hast? Denis Glismann Ja, doch. Chris Köver An Tag 1? Denis Glismann Ja, der hat tatsächlich auch interessanterweise direkt eine Verbindung zu dem Überwachungsthema in Thüringen. Das ging darum, dass zivilgesellschaftliche Organisationen gewarnt haben vor dem Einsatz von Verhaltensscannern und biometrischen Massenabgleich und so weiter in der Öffentlichkeit. Es wurde gewarnt vor dem Einsatz dieser Technologie und es war im Prinzip, waren es mehrere Stellungnahmen, zu denen ich dort einen Beitrag geschrieben habe. Und genau, das war meine erste Meldung und die hat mich auch entsprechend zu dem Zeitpunkt sehr nervös gemacht. Und ich dachte eigentlich, dass, oh weia weia, das sieht nicht gut aus, aber sie hat es trotzdem irgendwie auf die Seite geschafft. Also war offenbar doch ganz in Ordnung. Chris Köver War es da denn nicht gut aus an der? Denis Glismann Das war einfach mein erstes Gefühl. Chris Köver Erstmal reinkommen irgendwie und sich freischauen. Ja, also ich muss sagen, wenn das dein erstes Gefühl war, dann war dein zweites Gefühl dann eigentlich wahrscheinlich schon ziemlich gut. Du hast dir nämlich als nächstes dann gleich ja schon eine größere Recherche vorgenommen und hast dich eigentlich auch so ein bisschen auf dieses Thema spezialisiert, nämlich sogenannte Prediction Markets. Kannst du was dazu sagen? Was ist das? Was sind Prediction Markets? Denis Glismann Also das ist vor allem erstmal ein Phänomen, das ist jetzt vielleicht in Deutschland und auch in Europa noch nicht so relevant, aber vor allem, weil es hier dazu noch nicht so viele Gesetze gibt. Es gibt aber immer mehr Länder, die das hier verbieten. Und im Prinzip geht es darum, dass es gibt Online-Plattformen, auf denen man Wetten abschließen kann, auf Ereignisse, sogenannte Ereigniswetten wird das auch in Deutschland genannt. Es ist vor allem in den USA möglich, obwohl es auch da rechtlich nicht ganz klar ist. Es ist vor allem über VPN möglich, an diesem Angebot teilzunehmen. Und es geht dabei, das Perfide ist dabei so ein bisschen, erst mal gibt es nicht nur das Problem von Insider-Trading, Das hat man ja bei regulären Anlagemärkten oder Investitionsmärkten auch, wenn man so möchte. Das trifft dann nochmal in besonderer Weise zu, weil wenn zum Beispiel Donald Trump selber darauf wetten kann, ob er nächstes Wochen das Wort China benutzt, dann liegt ein offensichtliches Problem vor. Aber es geht auch darum, dass dort auf Ereignisse gewettet werden kann, wie Raketeneinschläge oder den Beginn oder das Ende von Kriegen. Und da kommt man einfach ganz schnell in Bereiche rein, die einfach moralisch sehr fragwürdig sind. Chris Köver Es gibt da wirklich auch keinerlei ethische Einschränkungen oder so, was dort als Wetter eingestellt werden kann? Denis Glismann Das liegt so weit den Plattformbetreibern selbst offenbar. Es gab zum Beispiel den Fall, wo der damalige, als im Iran ein Jab abgeschossen wurde, wurde nach diesem Überlebenden gesucht. Und dann konnte man auf der Plattform Wetten abschließen, wer ihn zuerst findet oder wann er gefunden wird. Und das war ein Angebot, wo die Plattform das zurückgezogen hat. Aber das ist auch eher, weil Abgeordnete in den USA darüber gesprochen haben. Also wenn etwas Wellen macht, dann wird vielleicht auch mal was eingestampft. Und es gibt vielleicht auch einige Wetten, die mittlerweile nicht mehr möglich sind. Aber grundsätzlich gibt es da aus rechtlicher Perspektive erstmal keine Einschränkung. Zumindest nicht in den USA. Chris Köver Eine sehr lustige Wette hast du ja auch als Überschrift verarbeitet, glaube ich. Die war Wetten, dass Jesus vor 2027 auf die Erde zurückkommt. Genau. Da gibt es tatsächlich Menschen, die Wetten darauf abschließen, wann Jesus zurückkommt. Denis Glismann Ja, ich glaube, zu dem Zeitpunkt lag die Chance bei 4 Prozent. Chris Köver Das heißt, wenn er dann zurückkommt, dann sandt man richtig ab, oder? Denis Glismann Genau, also weil dann, wenn man wettet, ja, auf eine sehr geringe Wahrscheinlichkeit dann. Also es läuft doch alles über Kryptowährungen. Es ist teilweise anonym möglich, soweit ich weiß, immer noch. Und auch in den USA ist es eigentlich eine Grauzone, aber es ist halt sehr easy möglich, dort teilzunehmen. Und es erscheint auch der Fall, dass auch die Behörden unter Trump dadurch sozusagen das grüne Licht bekommen haben, das alles einfach durchzuwinken. Und auch die Familie Trump da sozusagen selber auch investiert in diesen Markt oder in die Unternehmen oder auch das selbst teilnehmen möchte an diesem Geschehen. Und entsprechend gibt es dort wenig Widerstand gegen diese Branchen aus den Behörden. Chris Köver Über diese Verstrickung der Regierung und auch von Trumps Familie selbst hast du ja dann noch einen zweiten Beitrag geschrieben, der ja auch so ein bisschen kommentierend war, wo man durchaus gemerkt hat, du hast ja auch eine eigene sehr starke Meinung dazu. Aber wenn ich es richtig verstanden habe, ist ja die Argumentation der USA, dass sie sagen, das muss man nicht so streng regulieren. Also anders als eben in der EU viele Staaten das machen. Und die sagen, das ist eben ein ganz normales Finanzprodukt, wie andere auch. Du scheinst das aber anders zu sehen. Warum? Denis Glismann Naja, also zunächst mal könnte man argumentieren, dass es bei Wetten gibt es immer jemanden, der verliert. Also es gibt ja Anlageberater oder Betreiber oder so, die das einfach als normales Investitionsprodukt sehen, um sich zukünftig, also als wenn man einfach dieses Produkt zu seinem Portfolio hinzufügen könnte und dadurch irgendwie sich absichert in Zukunft gegen oder bei Ereignissen. Chris Köver Siehst du das anders? Weil du sagst ja, es ist nicht einfach ein Finanzprodukt und es sollte strikt reguliert werden. Denis Glismann Naja, weil vor allem erstmal die moralischen und ethischen Grundsätze, die verletzt werden, die wir gerade gesehen haben, aber auch weil Insider-Trading in einem ganz anderen Umfang möglich ist. Es gibt eigentlich gar keine Einschränkung in dem Sinne, dass es entstehen eigentlich Personenkreise, die über Wissen verfügen, die keinen anderen Menschen zur Verfügung stehen. Und die Möglichkeiten von Insider-Trading sind eigentlich nicht überschaubar. Hinzu kommt, dass alles stattfindet über den Einsatz von Kryptowährungen hauptsächlich. dass es nicht nachvollziehbar ist, wer überhaupt wettet. Also es gibt natürlich einzelne Fälle, in denen das Menschen nachgewiesen wurde. Das ist auch verboten. Aber es ist trotzdem, bleibt es einfach ein riesiger Graubereich, in dem, glaube ich, wenn das ein Trend ist, der sich festsetzt, auch hier, glaube ich, dann kommen wir einfach in einen Bereich rein, Eine Gesellschaft, wo alles verwettbar wird. Also jedes Ereignis, nichts ist einfach nur mehr ein Ereignis. Alles hat irgendwie einen Hintergrund, der monetarisierbar ist. Und in so einer Welt möchte ich einfach nicht leben, ehrlich gesagt. Chris Köver Ja, die Beiträge von Denis empfehle ich euch sehr. Ihr könnt sie nachlesen. Wir verlinken die in den Shownotes. Die Überschriften sind sehr gut, aber auch der Rest lohnt sich. Also nicht nur die Überschriften lesen. Was ich mich noch gefragt habe ist, wie bist du zu dem Thema gekommen oder was interessiert dich daran, weil du bist ja eigentlich schon mit einem großen Interesse hier angekommen und hast sehr schnell losgelegt damit. Denis Glismann Es ist eigentlich auch ein Thema gewesen, an dem ich anfänglich auch nicht so viel darüber wusste. Ich habe es immer nur wieder gesehen und dass da was passiert in dem Bereich und ich wollte eigentlich selber gerne erfahren, worum es da genau in der Tiefe geht. Aber es hat mich vor allem auch interessiert, dass das schon wieder ein Bereich ist, in dem die USA vor allem diesen rechtsfreien Raum gestalten. Das hat eigentlich so sehr viele Analogien auch zum Bereich künstliche Intelligenz. Also die Philosophie dahinter ist, es soll möglichst wenig Schranken geben für diesen Bereich, damit die Unternehmen sich vor allem in den USA ansiedeln, damit die USA quasi in diesem Wirtschaftsbereich die Oberhand behält und genauso trifft das ja auch auf den KI-Sektor zu. und dass da einfach mit der Trump-Regierung so ein Konstrukt entsteht, wo Unternehmen möglichst schalten und walten können, wie sie wollen, Konzerne einfach machen können, was sie wollen. Und solange auch die Trump-Familie oder die Administration oder seine Freunde, Verwandte, wer auch immer, daran auch noch mitverdienen dürfen, das ist einfach prinzipiell eine Sache, die mich wütend macht und deswegen interessiere ich mich auch dafür. Chris Köver Du hast eingangs auch schon gesagt, was du jetzt als nächstes machst. Du wirst morgen nach Erfurt fahren. Am Samstag. Und zum AfD-Parteitag. Und was genau hast du dort vor? Was wirst du dort tun für Netzpolitik.org? Denis Glismann Wir oder ich, ich widme mich ja vor allem in den Kontext dem Thema Überwachung. Also Thüringen hat unter der derzeitigen Regierung, die Promja-Koalition hat vor, mit neuen Polizeigesetznovellen die Überwachungskompetenzen deutlich auszubauen. Also es soll Verhaltensscanner geben, es soll biometrischen Abgleich geben, also zum Beispiel automatische Stimmerkennung, Gesichtserkennung. Drohnen, die sollen eingesetzt werden, also Videodrohnen, die auch gleichzeitig noch Handydaten orten und zuordnen können. Und all das gibt es noch nicht, aber all das soll kommen und das angesichts des möglichen Machtwechsels, gerade in Thüringen, wo die AfD in die Regierung kommen könnte und sozusagen in dieser Regierung so eine Infrastruktur schon direkt passgenau zur Verfügung gestellt wird. Das finde ich sehr bedenklich. Und unter dem Gesichtspunkt fahren wir dorthin und natürlich werde ich dort auch einige Kameras sehen, nicht mit dieser Technologie unbedingt ausgestattet, aber es geht schon darum, auch die Stimmung der Menschen einzufangen und wie sie sich damit fühlen, dass das dort bald möglich ist. Denn im Prinzip könnte solch eine Technologie auch in Zukunft auf genau solchen Demonstrationen und Protesten eingesetzt werden. Das heißt, auf dem Platz sind dann nicht mehr zwölf Kameras, die sind da eh schon, aber auf dem Platz sind dann zwölf Kameras, die auch alle noch Verhalten scannen und Gesichter erkennen und zuordnen können. Und ich finde das gruselig, ich möchte das nicht. Chris Köver Und ich will... Wäre es wir in dem Fall? Kommen noch mehr Leute mit? Denis Glismann In dem Fall nicht. Leider nein. Chris Köver Also wir im Sinne von royales Wir-Netzpolitik-Punkt. Denis Glismann Also ich und andere Kollegen, Chris Köver mit denen ich darüber gesprochen habe. Und das heißt, du bist dann dort am Rande der Widersetzen-Demo auch? Oder ist das gar nicht unbedingt auf die Demo bezogen? Denis Glismann Es sind ja mehrere Demonstrationen Und die Polizei hat, beziehungsweise das Landesverwaltungsamt hat vor kurzem eine Sperre. Chris Köver Eine ist verboten worden oder irgendwas ist verboten worden. Denis Glismann Es ist verboten worden, soweit ich weiß. Also dieser Parteitag findet ja auf dem Messegelände statt. Und es ist verboten, dort jetzt sich im Bereich dieser Zufahrten zu diesem Gelände dort Veranstaltungen durchzuführen. oder halt eben die Blockaden, die auch von mehreren Gruppen angekündigt wurden, dort durchzuführen. Das ist aber die, soweit ich weiß, bleiben die Demonstrationen jetzt im Stadtkern und so weiter, bleiben davon unberührt. Und ich versuche natürlich möglichst von allem etwas mitzunehmen. Also ich möchte natürlich selber nicht festgesetzt werden von der Polizei. Ich versuche mich von Ärger fernzuhalten, aber ich möchte schon natürlich dort sein, wo die Polizei auch ihre Technik einsetzt oder dort, wo die Menschen eine Meinung haben. Chris Köver Ja, und dafür musst du ja schon relativ nah dran. Denis Glismann Genau. Chris Köver Ja, du hast es schon gesagt, das Praktikum ist jetzt fertig. Du arbeitest weiter frei für uns. Hast du darüber hinaus schon irgendwelche Pläne, wie es jetzt weitergeht für dich? Das ist so eine, man ist so besucht bei deinen Eltern-Fragen, ne? Sorry dafür. Du kannst ja aussuchen, ob und wie ausführlich du die beantwortest. Denis Glismann Also ich bin ja eigentlich immer noch Student erst mal. Das heißt, ich schließe jetzt erst mal in aller Ruhe meinen Master ab. Das wird bis September der Fall sein. Es gibt ja noch eine Leistung, die noch zu erbringen ist. Die werde ich mich widmen in aller Ruhe. Und dann werde ich schauen, wie es weitergeht. Wenn mich jemand hören kann, ich suche nach Arbeit aktuell. Also ich bin ein guter Journalist. Chris Köver Das könnt ihr bei uns auf der Seite nachlesen. Schaut in die Shownotes. Jawohl, Prädikat. Okay, vielen Dank dir. Dann machen wir jetzt ein kurzes Intermezzo mit den Hausmitteilungen. Das sind so die News. Eigentlich ist ja die gesamte Folge diesmal eine einzige große Hausmitteilung auf eine Art, aber es gibt noch darüber hinaus weitere Hausmitteilungen. Wir haben eine neue Praktikantin, deine Nachfolgerin, Rika, Rika Back, die hat gerade angefangen und wird uns die kommenden drei Monate über in der Redaktion begleiten. Schaut auf der Seite vorbei, wenn ihr sehen wollt, was Rika so schreiben und berichten wird. Wir haben neue Spendenbanner auf der Seite mit einem Farbverlauf. Findet ihr jetzt vielleicht nicht so spannend, hat aber intern für große Kontroversen gesorgt. Es gibt auch neue Slogans. Ja, was ist sonst noch passiert? Genau, wir waren auf der Fusion, das hatte ich eben schon gesagt. Einige aus dem Team waren auf der Fusion vertreten, aber wir waren auch inhaltlich auf der Fusion vertreten. Ich weiß gar nicht, ob das überhaupt schon mal vorgekommen ist. Soweit ich weiß, war es das erste Mal, dass ein Netzpolitik.org Beitrag auch auf der Fusion war und wir als Artists mit dabei waren. Und dann die vielleicht durchschlagendste News von allen. Wir haben einen neuen Tiefkühler in der Redaktion. Er steht auf Rollen. Er hat für sehr große Freude gesorgt bei mehreren Menschen im Team, auch bei mir. Genau, ich hätte mich nach der Fusion auch gerne reingelegt. Ganz so groß ist er nicht. Aber es ist toll. Wir haben jetzt eine Tiefkühl-Unit das erste Mal im Büro und können sowas wie Eis und andere tiefgefrorene Dinge verwahren. Wie findet ihr den Tiefkühler? Fantastisch. Super. Habt ihr ihn schon genutzt? Denis Glismann Na klar. Daniel Tippmann Natürlich für den Sekt. Chris Köver Naja, stimmt. Ich erinnere mich zur schnellen Rutterkühlung. Daniel Tippmann Nee, auf jeden Fall unser liebstes Teammitglied, der neue Tiefkühle. Wenn man möchte, kann man ihn direkt an den Platz rollen. Das ist doch schön. Chris Köver Mobil. Wir brauchen jetzt nur noch eine mobile Energieeinheit, die dranhängt, damit wir ihn tatsächlich auch komplett frei hin und her bewegen können. Oder Tiereschlanges Verlängerung. Willkommen, willkommen im Team, liebe Tiefkühleinheit von Netzpolitik.org. Wir mögen dich. Daniel, du bist ja schon ein bisschen länger da als der Tiefkühler. Daniel Tippmann Ich bin aber noch viel cooler als der Tiefkühler. Du bist noch viel cooler. Chris Köver Auch dich können wir zum Runterkühlen verwenden. Du hast dich beworben auf eine Stelle bei Netzpolitik.org. Was hat dich denn dazu bewegt, dich zu bewerben? Was hat dich daran gereizt? Warum wolltest du zu uns kommen als Team? Daniel Tippmann Ja, ich kenne Netzpolitik Orgen natürlich schon sehr lange und folge euch, uns, auf allen möglichen Kanälen. Und ja, ich war gar nicht so super groß auf der Suche nach einer neuen Stelle, aber nur so latent eigentlich. Und ja, als ich die Ausschreibung gesehen habe, habe ich gedacht, ich schreibe einfach mal hin und das ging eigentlich ganz schnell. Und ja, so bin ich hier gelandet. Das hat mich dazu bewegt. Also ich engagiere mich schon seit Lebens für offene Standards, für Open Source, freie Software, eine selbstbestimmte digitalisierte Gesellschaft und so weiter. Ich bin in allen möglichen Gremien organisiert und deswegen fand ich, das passt doch total gut, das probiere ich jetzt mal aus. Chris Köver Was für Gremien sind das denn, in denen du sonst noch so drin bist? Daniel Tippmann Ich bin Sprecher einer Fachgruppe der Gesellschaft für Informatik und soziale Entwicklung. Da kümmern wir uns auch um informatische Themen in der Gesellschaft, vor allem auch in der Entwicklungszusammenarbeit. Da ist KI jetzt auch ein großes Thema. Natürlich machen wir einen Workshop auch Ende des Jahres. Genau. Chris Köver Und wenn du sagst, du arbeitest auch sehr lange an Open Source-Themen und Projekten. Was für Projekte, würdest du sagen, haben dich denn besonders geprägt bisher? Daniel Tippmann Also ich fand von Anfang an, ich meine, wir sind jetzt 2026, wir sind einen weiten Weg gegangen mit der Softwareentwicklung, mit der freien Software und dem Open Source. Das hat sich schon sehr verstetigt und ist auf jeden Fall schon lange in der Mitte der Gesellschaft angekommen, der Gedanke, gemeinsam offen und frei zu arbeiten an offener Software, an offenen Standards. Und diese Form der Kollaboration, der offenen Kollaboration, die hat mich schon immer fasziniert. Und was daraus entsprungen ist, so wie seinerzeit die Wikipedia und ähnliche Projekte aus dem Dunstkreis. Genau diesen Gospel, den singe ich schon seit vielen, vielen Jahren und ziehe da immer noch meine Energie draus. Chris Köver Nostalgiefrage, weißt du noch, was dein erster Computer war und welche Erinnerung verbindest du mit diesem Stück? Daniel Tippmann Oh ja, ob ich das weiß, auf jeden Fall, genau. Linus Trowals, der Erfinder und Gründer von Linux, hat mal gesagt, die coolen Leute, die machen die Geschichte ihrer Jugend daran fest, welche Freundinnen sie hatten. Die Nerds und Geeks, die machen die Geschichte ihrer Jugend darin fest, welche Computer sie hatten. So einer war ich auf jeden Fall. Mein erster Computer war der Commodore C64. Auf dem habe ich meine ersten Gehversuche gemacht. Danach kam der Commodore Amiga und die Demoszene. Chris Köver Lass kurz, was die Demoszene ist für Menschen, die die Demoszene nicht kennen. Die Demoszene ist toll. Daniel Tippmann Genau. Da geht es darum, aus den grafischen und rechnerischen Möglichkeiten von Computern das rauszuholen, alles rauszukitzeln, was geht, um damit schöne farbenfrechtige Animationen, bewegte Bilder, Musik und dergleichen zu zaubern, die dann geteilt werden, die veröffentlicht werden. Da gibt es dann Rankings, da gibt es dann auch Challenges, wer ist der Beste, da gibt es Competitions, da gibt es ganze große Veranstaltungen, wo es dann Wettbewerbe gibt und so weiter. Chris Köver Und es läuft auch alles wahrscheinlich immer noch live in Kicking, weil ich hatte das letzte Mal ungefähr vor 20 Jahren mit der Demoszene zu tun. Daniel Tippmann Das gibt es noch, es ist eine kleine, aber doch sehr aktive Bubble. Wenn man da eintaucht, dann tut sich da eine Welt auf, wo man die verrücktesten Leute und die verrücktesten Aktivitäten findet. Das ist ganz fantastisch. Chris Köver Auch das verlinken wir den Show Notes. Du musst mir dann sagen, was es dann gut ist zu verlinken. Aber da finden wir sicher was. Zu deinen ersten Wochen bei Netzpolitik.org hast du ja eben schon berichtet, wie entspannt die verlaufen sind, kurz nach deiner Ankunft. Gibt es irgendwas bei der Infrastruktur von Netzpolitik.org, wo du sagen würdest, das ist irgendwie besonders und ungewöhnlich Und hat dich vielleicht auch ein bisschen überrascht, als du angekommen bist? Daniel Tippmann Genau, ich hatte ja schon gesagt, also eins der Ziele oder der Paradigmen hier ist, möglichst selbst zu hosten, alles mit Open Source und selbstverwaltet. Souverän sozusagen, wie man so schön sagt. Chris Köver Das kann einen auch ein bisschen im Wahnsinn treiben, oder? Daniel Tippmann Genau, genau. Und das ist natürlich eine Aufgabe und eine halbe so, weil es natürlich echt eine Menge ist. Also als ich hier ankam und mir das alles angeguckt habe, ich dachte, das hört überhaupt nicht aus. Da kommt noch und noch und noch mehr. Ach und das auch noch und das läuft ja auch noch. Das muss auch noch gepflegt werden. Das ist schon... Chris Köver Aber du bist nicht sofort wieder gegangen. Nein, nein. Daniel Tippmann Ich stelle mich der Herausforderung auf jeden Fall. Chris Köver Das ist sehr freulich für uns. Daniel Tippmann Kurz gesagt für die Non-Geeks. Also wenn du in eine normale kleine Firma oder Organisation kommst, da läuft dann halt irgendwie Microsoft Office 365 oder da wird alles mit Google gemacht und so weiter. Und das gibt es hier nicht. so, was ich wunderbar finde. Großartig. Kann mich da sehr mit identifizieren. Genau. Weil man davon natürlich sehr viel unabhängiger und autonomer ist, aber auch mehr Arbeit hat. Chris Köver Womit verbringst du jetzt gerade so deinen Alltag? Hast du gerade auch schon ein bisschen was erzählt? Aber was wäre so ein normaler Arbeitstag für dich, wenn es den gibt? Wenn du nicht gerade die Seite offline schießt? Oh Gott, das hoffe ich doch mal nicht, dass das der normale Alltag ist. Daniel Tippmann Nein, also der Alltag beginnt damit erstmal aufzuwachen und um die Mails zu checken, ob im Monitoring irgendwas war in der Zeit, in der man geschlafen hat, ob es irgendwelche Auffälligkeiten gab, ob alles rund lief während der Zeit, wo man nicht wach war. Und wenn das dann alles passt, was meistens der Fall ist, dann guckt man ein bisschen tiefer hier und da rein, welche Dienste gerade Aufmerksamkeit brauchen, was getätschelt werden muss, was vielleicht mal ein Update braucht. Und dann klappert man die User ab und fragt die, ob alles passt, ob jemand was braucht. Chris Köver Die User, also uns. Genau, das seid ihr. Kannst du so entspannt ohne Rechner irgendwie in Urlaub fahren? Vielleicht auch wichtig zu erwähnen, Du bist ja nicht alleine in der IT-Abteilung. Es gibt noch einen anderen Kollegen. Stimmt, genau. Daniel Tippmann Wenn ich wir sage, dann meine ich nicht das royale Wir, sondern dann ist das hauptsächlich David und ich. David ist unser städtischen Mitarbeiter in der IT, der mich auch ganz toll unterstützt. Genau, das sind wir. Und wir vertreten uns auch gegenseitig. Also wenn E-Mail-Lob ist, dann springe ich ja nur umgekehrt natürlich. Aber ja, tatsächlich bin ich nie so wirklich richtig offline. Also tatsächlich ist die Fusion somit die einzige Zeitraum im Jahr, wo ich wirklich offline bin. Da bin ich tatsächlich nicht zu erreichen. Chris Köver Gab aber keine Zwischenfälle. Ich glaube, es kam nichts vor. Ja, aber das ist auf jeden Fall ein großer Fortschritt, würde ich sagen. Also ich erinnere mich noch an Zeiten, wo das anders war und wo tatsächlich die gesamte IT an einer einzigen Person hing bei netzpolitik.org, wo ich mir nur andersweise vorstellen kann, was es auch an Verantwortung bedeutet und ja auch der Stress, den es macht. Zu wissen, man muss eigentlich für Notfälle ständig verfügbar sein und so. Daniel Tippmann Ja, ja, das stimmt. Chris Köver Was würdest du denn sagen, sind so die größten Herausforderungen, die du siehst in nächster Zeit, was die Struktur der IT angeht? Daniel Tippmann Ich würde gerne alles noch ein bisschen redundanter und verfügbarer machen. Daran arbeite ich so mittel- bis langfristig. Ja, was ich eingangs auch schon gesagt habe, ich würde gerne so die interne Projekt- und Aufgabenverwaltung ein bisschen auf Vordermann bringen. Da gibt es ein paar Altlasten, die aufgeräumt werden sollten. Dann spielt das Thema KI natürlich eine Rolle. Das ist in dem Umfeld natürlich auch eine besondere Aufgabe, weil, wie du es ja auch schon gesagt hast, da gibt es natürlich eine klare Dominanz der Anbieter aus Übersee. Und da selbst was zu betreiben, selbst was zu hosten, Das ist eine Herausforderung, aber das kann man machen. Das gucken wir uns an, wie wir da datensparsame und souveräne Lösungen für das Team bereitstellen können. Chris Köver Das ist eine klassische Blick-in-die-Zukunft-Frage. Wenn du so drei oder vielleicht auch fünf Jahre in die Zukunft blickst, in einem idealen Szenario, wie wird es dann aussehen? Wie werden wir dann aufgestellt im Bestfall? Okay, vielleicht auch in den sechs Monaten. Daniel Tippmann Ich muss nicht so weit nach vorne. Fünf Jahre ist eine verdammt lange Zeit. Chris Köver Ende der Woche. Wie werden wir ideal aufgestellt? Sag mal ideal. Daniel Tippmann Also fünf Jahre ist wirklich, fünf Jahre ist eine verdammt lange Zeit in der IT. Also was in fünf Jahren ist, das kann kaum... Chris Köver Man merkt, dass ich das nicht beruflich mache. Daniel Tippmann Das kann kaum jemand sagen. Vor fünf Jahren gab es, guck mal, Chris Köver da gab es noch keine große KI-Modelle und so weiter. Du hast recht, du hast recht. Daniel Tippmann Genau, nee, dass wir da in der Hinsicht planen wir ein bisschen kurzfristiger. Und ich hoffe, dass wir Ende der Woche und auch Ende des Monats und Ende des Jahres immer noch genauso stabil und zuverlässig funktionieren und uns ein kleines bisschen verbessert haben mit all unseren Diensten. Chris Köver Ja, danke für das Teilen dieser Vision. Also wenn ihr diesen Podcast hört und netzpolitik.org weiterhin läuft und online ist, dann hat sich die Vision vielleicht verwirklicht. Daniel Tippmann Darf ich noch eine kleine Anmerkung machen? Chris Köver Du darfst sogar mehrere große Anmerkungen machen. Daniel Tippmann Fantastisch. In total eigener Sache, vollkommen uneinnützig. Jeden letzten Freitag im Juli feiert man den System Administrators Appreciation Day. Chris Köver Den letzten Freitag im Juli? Daniel Tippmann Der wievielte ist das dann? Das habe ich jetzt nicht nachguckt. Ich bin schlecht vorbereitet. Chris Köver Gucken wir nicht. Wir schreiben es euch in die Show Notes. Daniel Tippmann Das ist hier bei uns gar nicht so sehr verbreitet, mehr so im angloamerikanischen Raum. Das ist ein Tag, den hat eine Gruppe von Administratoren ins Leben gerufen, eben um dem Umstand Rechnung zu tragen, dass die Admins selten wertgeschätzt werden, wenn sie ihre Arbeit gut machen, weil man da nichts mitbekommt von ihnen. Und an dem Tag dürft ihr uns gerne Blumen, Bonbons, Pekse, Kaffee, was auch immer vorbeibringen. Wir freuen uns und fühlen uns wertgeschätzt. Chris Köver Das ist super, dass du das sagst. Wir überlegen uns das. Wir dekorieren einen Stuhl, lassen euch hochlegen, tragen euch einmal im Kreis durch die Redaktion. Ihr könnt da gerne nochmal drüber sprechen. Das ist auf jeden Fall super. Es bleibt auch genug Zeit für die Vorbereitung. Also gut, dass du es jetzt schon angebracht hast. Wenn ihr so insgesamt, also vielleicht eine Frage für euch beide noch mal zum Schluss. Insgesamt, was die Arbeitsweise im Team angeht, wie Sachen so bei netzpolitik.org laufen, gab es da Dinge, die euch überrascht haben oder die ihr irgendwie besonders gut oder auch besonders seltsam findet vielleicht? Denis Glismann Also eigentlich eine ganze Menge. Also im Hinblick darauf, wie ich finde einfach, dass hier eine unglaublich kollegiale Atmosphäre herrscht, die, glaube ich, nicht so selbstverständlich ist an vielen Arbeitsplätzen, glaube ich. Also ich habe das Gefühl, dass es hier unglaublich lustig ist und dass die Kolleginnen unglaublich gut mit einem Auskommen. Chris Köver Nachdem du uns gelesen hast, warst du schockiert davon, wie lustig wir privat sind. Nein, das hat mich jetzt nicht überrascht. Denis Glismann Eigentlich habe ich das erwartet sogar im Vorhinein. Aber ich war dann trotzdem überrascht, wie schön das hier ist. Chris Köver Das freut mich zu hören. Ich war jetzt auch länger nicht mehr in anderen Redaktionen tätig. Auch dort wird nicht nur rumgeellbogt, würde ich behaupten. Aber ja, die Arbeitsatmosphäre bei uns ist tatsächlich überdurchschnittlich freundlich und kollegial, das würde ich auch sagen. Denis Glismann Und es gibt eine sehr, sehr gute Kaffeemaschine. Chris Köver Ja, die gehört zur Wellness dazu. Plus eins. Ja. Daniel Tippmann worauf man zeigen muss und aufmerksam machen muss, dass bei all den Missständen, mit denen wir täglich konfrontiert sind, hier noch eine gute Laune zu bewahren und ein freundliches Team zu sein, das ist super. Chris Köver Vielleicht ist es sogar Teil der Bewältigungsstrategie, würde ich sagen, dass es umso wichtiger ist, hier eine gute Laune zu bewahren. Denis Glismann Der morbide Humor wie ein Krankenhaus. Vielleicht. Chris Köver Nicht nur der. Im Krankenhaus der Demokratie. Gut, mit diesem Schlusswort verabschieden wir uns dann für heute. Danke, dass ihr dabei wart. Danke, dass ihr uns Einblicke gegeben habt. Danke auch liebe Zuhörerinnen, dass ihr zugehört habt. Und danke an dieser Stelle nochmal an alle Menschen, die unsere Arbeit auf anderen Wegen unterstützen. Zum Beispiel mit einer Spende. Denn dieser Podcast ist wie alles andere, was wir bei Netzpolitik.org auch machen, finanziert durch eure Spenden. Wir haben keine Paywall, wir schalten auch keine Werbung. Bei uns gibt es auch kein Tracking, sondern alles wird einfach aus Spenden finanziert. Falls ihr jetzt also zuhört und bisher nicht spendet, dann könnt ihr euch auch freuen. Vielleicht ganz kurz innehalten und dankbar sein für all die anderen, die es tun. denn im Umkehrschluss gilt ja auch, jede Spende ist so eine Art Soli-Abo, weil ihr damit auch das finanziert, was ihr selbst dann, nicht nur das finanziert, was ihr selbst lesen und hören könnt, sondern auch möglich macht, dass andere Menschen uns auch lesen und hören können. Ihr könnt uns auch auf anderen Wegen unterstützen. Ihr könnt uns zum Beispiel weiterempfehlen in diesem Internet, auf Plattformen, in eurem Freundeskreis. Ihr könnt diesen Podcast auch bewerten, damit die Empfehlungsalgorithmen uns ebenfalls weiterempfehlen. und wir hören uns dann demnächst wieder. Danke euch beiden. Vielen Dank. Tschüss. Denis Glismann Danke auch. Danke.