Vereinigte Arabische EmirateAmazon zensiert LGBTQ-Produkte

Die Regierung der Vereinigten Arabischen Emirate hat Amazon zum Einknicken gebracht. Das Unternehmen zensiert sein LGBTQ+-Angebot und verweist auf die Gesetze des Landes. Aktivist:innen aus dem Nahen Osten sind empört.

Regenbogenflagge vor Wolkenhimmel im Sonnenschein
Amazon schränkt sein LBGTQ+-Angebot auf Druck der Vereinigten Arabischen Emirate ein. – Alle Rechte vorbehalten IMAGO / Wolfgang Maria Weber

Amazon hat in seinem Online-Geschäft in den Vereinigten Arabischen Emiraten Suchergebnisse, Keywords und Produkte im Online-Geschäft zensiert, die einen Bezug zu LGBTQ+ haben. Das Unternehmen hat Produkte wie regenbogenfarbene Flaggen, feministische Bücher oder Filme mit gleichgeschlechtlichen Liebesgeschichten geblockt. Suchbegriffe wie „lgbtq“, „pride“, „closeted gay“ oder „transgender flag“ ergeben keine Treffer mehr.

Laut Berichten der New York Times reagierte das Unternehmen auf die Androhung von Strafen seitens des Golf-Staates. Dort ist Homosexualität illegal und steht unter Strafe, wie in 68 anderen Ländern weltweit. Nicht destotrotz eröffnet der Konzern ein neues Datencenter in den Vereinigten Arabischen Emiraten. Ob die Zensurmaßnahme im Warenhaus auch damit zusammenhängt ist nicht bekannt.

Amazons Pressesprecherin Nicole Pampe erklärt gegenüber der Zeitung, dass das Unternehmen zwar zu seinen Bemühungen um Gleichheit, Diversität und Inklusion stehe, sich aber an die Gesetze und Vorschriften der einzelnen Länder anpassen müsse.

Amazon knickt ein

Rechtlich ist Amazon aber zu so einem Schritt nicht verpflichtet, wie Jillian York von der Electronic Frontier Foundation auf Twitter kommentiert. Das Unternehmen könne sich wie viele andere auch zu den eigenen Prinzipien bekennen und dies aufgrund seiner Macht auch riskieren. Dass Amazon dazu bereit ist, Zensur auf Regierungsdruck hin durchzusetzen, sieht Mohamad Najem mit großer Sorge. Er ist Geschäftsführer der libanesischen NGO Social Media Exchange (SMEX). Das ist eine Organisation mit Sitz in Beirut, die sich für digitale Rechte einsetzt mit dem Ziel im arabischsprachigen Raum selbstregulierende Informationgesellschaften zu fördern. Er befürchtet, dass Amazons Entscheidung Zensurforderungen von staatlicher Seite Tür und Tor öffnet. Den Druck aus den Vereinigten Arabischen Emiraten bezeichnet er als „digitalen Autoritarismus“.

Petition gegen Zensur

Er hat eine Petition gestartet, um Amazon zum Einlenken zu bewegen. Indem es sich repressiven Gesetzen unterwerfe, mache sich das Unternehmen zum Komplizen. Dabei sei es dazu verpflichtet sich dem Druck zur Zensur zu widersetzen, erklärt er im Text zur Petition. Amazon solle LGBTQ-Inhalte nicht mehr blockieren und unabhängig von politischem Druck seiner menschenrechtlichen Sorgfaltspflicht gerecht werden, fordert er.

Diese Forderung erscheint auch vor dem Hintergrund dringlich, dass Behörden im Nachbarstaat Saudi-Arabien Anfang Juni damit begonnen haben Spielzeug und Kinderkleidung in Regenfogenfarben zu beschlagnahmen. Der staatliche Fernsehsender Al Ekhbariya verbreitete Nachrichten dazu, dass sie Homosexualität fördern würden. Auch Artikel wie T-Shirts und Hüte nahmen Beamte des Handelsministeriums aus Geschäften in der Hauptstadt Riad.

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6 Ergänzungen

  1. Nun wissen wir, was folgen kann, wenn man Entwicklungen in Ländern, die nicht in unmittelbarer Nachbarschaft liegen, ignoriert. Ignoranz und Wegschauen, weil die Geschäfte doch so gut laufen. Billiges Gas macht bequem und duldsam zugleich.

    Daher ist es so wichtig zu erfahren, wie sich die globalen Tech-Konzerne in fernen Ländern „benehmen“. vielen Dank für diesen Artikel, und für den Blick über den üblichen Tellerrand hinaus.

    Aber auch im nahen Rotterdam konnte man kürzlich erkennen, wie die Digital-Ologarchisten so ticken – auf der persönlichen Ebene. Einfach mal mit der datensparsamen Suchmaschine nach Bezos+Rotterdam suchen.

    Diese Typen sind so gestrickt, dass sie ihre Hindernisse aus ihrem weg räumen, koste es was es wolle. In Roterdam wollte Bezos eine unter Denkmalschutz stehende historische Hubbrücke abbauen lassen, weil die Masthöhe seiner Super-Segelyacht nicht darunter passt. Der Bürgermeister wollte bei dem Coup mitmachen, bis die Bürger drohten, die Yacht mit faulen Eiern zu bewerfen.

    1. >> Diese Typen sind so gestrickt, dass sie ihre Hindernisse aus ihrem weg räumen, koste es was es wolle. <<

      … und schaffen es damit ins Wikipedia:
      Die Brücke: https://en.wikipedia.org/wiki/De_Hef
      Die Yacht: https://en.wikipedia.org/wiki/Y721

      Welcher Skipper kommt auf die Idee, eine Brücke abbauen zu lassen, weil er nicht darunter passt?
      Die Frage ist, was bewegt einen Menschen dazu das nicht nur anzudenken, sondern auch noch verwirklichen zu wollen? Zu wessen Nutzen?

  2. Wundert das wirklich jemanden? Unternehmen sind durch und durch opportunistisch. Die machen diese LGBTQ-Welle im Westen auch nur mit, weil sie glauben, damit ihr Image und ihre Umsätze zu verbessern. Ich finde, Unternehmen sollten sich aus der Politik raus halten, und solche Artikel weder gesondert bewerben noch blockieren.

    1. >> Unternehmen sind durch und durch opportunistisch. <<

      Das ist nicht falsch, aber warum? Opportunismus ist doch kein Selbstzweck, wohl aber eine Methode.
      Weshalb tendieren Unternehmen zu Opportunismus? Alle? Warum manche mehr und andere weniger?

      Was treibt Unternehmen zu opportunistischem Handeln? Welche Alternativen gäbe es?

      1. > Weshalb tendieren Unternehmen zu Opportunismus? Alle? Warum manche mehr und andere weniger?

        Opportunismus: Die Unternehmen wägen ab, mit welchem Handeln sie den meisten Profit erzielen, denn nur das zählt. Auf der anderen Seite der Waagschale ist dabei vielleicht noch der Imageschaden, den es in manchen Ländern deswegen zu verkraften gilt. Je größer das Unternehmen, desto opportuner können sie sich verhalten.

  3. Unglaublich, heute 15.07. 2022 hat der WDR (Rundfunk) um 18:00 Uhr Ihre Nachricht über Homophobie in den VAE aufgegriffen. Freundliche Grüsse an Ihre Redaktion!

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