Besetzt die Blockchain!Ende Kryptogelände

Bitcoin und Ethereum sind die neue Kohle: Äußerst profitabel, aber schmutzig. Für das Klimaproblem durch Kryptowährungen brauchen wir eine politische Lösung. Ein Kommentar.

Bitcoin und Kohle
Krypto ist die Kohle des 21. Jahrhunderts: Wertvoll, aber dreckig – Alle Rechte vorbehalten IMAGO / agefotostock

Wer wissen will, wie groß Kryptowährungen sind, muss auf den Fußball kucken. 24 Klubs in fünf europäischen Ligen geben Fan Tokens heraus, eigene Kryptowährungen, die frei gehandelt werden. Damit lässt sich, wie mit anderen Fanartikeln, prima Geschäft machen. Nach Schätzungen im Auftrag des Senders BBC brachte der Handel mit den Tokens bislang mehr als 300 Millionen Euro ein. Ein Bombengeschäft für Klubs und Handelsplätze. So bombig, dass Fanverbände inzwischen vor Abzocke warnen.

Nicht nur vor Fan Tokens wird gewarnt. Auch große Kryptowährungen wie Bitcoin und Ethereum gelten als riskant. Extreme Kurssprünge machten Bitcoin 2021 zu einem aufregenden, aber für Handelnde gefährlichen Geschäft. Trotzdem, Kryptowährungen werden immer mehr Mainstream. Im Vorjahr handelten Kryptobörsen Coins im Wert von 14 Billionen US-Dollar – mehr als die Haushaltsausgaben aller EU-Länder zusammen. Die Wirtschaftspresse jubelt.

Silicon-Valley-Talente wechseln in Scharen zu Krypto-Startups. Diese hoffen, nicht nur mit Spekulation zu verdienen, sondern auch mit Milliardenanlagen aus der Altersvorsorge. Vom Nischenphänomen soll bald ein Massenprodukt werden, das weltweit abhebt.

2021 war das Jahr der Schürfverbote

Das Geschäft mit Krypto ist nicht nur finanziell riskant. Der Boom steigert auch seinen immensen Energieverbrauch. Denn die meisten Kryptowährungen werden nur durch permanente Rechenoperationen am Laufen gehalten, die täglich viele Gigawatt Strom fressen. Strom, der oft aus schmutzigen Quellen stammt. Wie viel Strom, das berechnen Forscher*innen der Universität Cambridge in ihrem Bitcoin Electricity Consumption Index. An einem Tag sind es derzeit schätzungsweise 14 Gigawatt – so viel wie alle Gaskraftwerke des Konzerns RWE zusammen produzieren. Und die Tendenz steigt weiter. Bitcoin und andere Kryptowährungen müssen sich den Ruf gefallen lassen, ein globaler Treiber der Erderwärmung und eine Belastung für die Stromnetze zu sein.

2021 war daher das Jahr der Schürfverbote: China, wo bislang 20 Prozent des Kryptomining stattfand, hat es untersagt. Das Geschäft geht nun heimlich weiter, sagen Eingeweihte. Im öl-und gasreichen Kasachstan, wo mit billigem Strom viel nach Krypto geschürft wird, brachten Aufstände den Bitcoin-Kurs ins Wanken. Der Kosovo verbot Mining nach Stromausfällen, auch der Iran geht gegen ungezügelte Schürfaktionen vor.

Selbst in Europa und den USA kocht das Thema hoch. Das kleine Island, wo durch Erdwärme-Kraftwerke der Strom billig ist, zog kürzlich als Erstes die Reißleine: Miningfirmen aus Hongkong und Kanada hatten sich zum Schürfen angesiedelt, derzeit lehnt der größte Stromkonzern aber neue Kryptokundschaft ab. Wie viel in einzelnen Ländern geschürft wird, lässt sich schwer sagen, doch verlagern sich die globalen Zentren: Immer dorthin, wo es erlaubt ist, und der Strom billig. Aktuell beliebt ist der US-amerikanische Ölstaat Texas, wo die regierende Republikanische Partei trotz massiv überlastetem Stromnetz um neue Krypto-Schürfunternehmen wirbt.

„Wenn der Strom nur grün wäre,…“

Das Goldfieber rund um Krypto erschwert es mitunter, kritische Fragen zu stellen. Das gilt besonders für die Technologiebranche. Ein Beispiel liefert das weithin geschätzte Non-Profit Mozilla, dass den Firefox-Browser fertigt. Es bittet auch in Bitcoin um Spenden, blieb jedoch trotz heftiger Kritik von Unterstützer*innen eine Antwort schuldig, ob es eine saubere Art gibt, schmutziges Geld zu nehmen. Kurz vor Erscheinen dieses Textes kündigte Mozilla an, solche Spenden vorerst nicht mehr annehmen. Das Branchenmagazin Wired, das technologische Innovation zum Kult machte, fordert unterdessen eine „nuancierte“ Betrachtung von Kryptowährungen ein – so als wäre es einseitig, auf krasse Spekulation und verheerende Klimafolgen von Kryptowährungen hinzuweisen. (Aus dieser Reihung können wir uns selbst nicht ausnehmen: Auch netzpolitik.org akzeptiert bislang „ungern“ Spenden aus Kryptowährungen.)

Die Gretchenfrage an Kryptowährungen ist der Energieverbrauch. „Wenn der Strom nur grün wäre,…“ werden diejenigen einwenden, die an die leuchtende Zukunft dezentralen Geldes glauben. Doch genau da liegt das klaffende, gähnende, solarsystemgroße Problem: Der Menschheit fehlt bislang eine saubere und unendlich skalierbare Art, Energie zu erzeugen. Wenn wir die hätten, bräuchten wir keine doofen Klimakonferenzen, keine Milliardenfonds, keine Dokus von Al Gore. Dann wäre es nur eine Frage, wie schnell wir die Orbit-Kraftwerke bauen können, die verlustfrei Solarstrom nach unten funken können. Doch solange es die nicht gibt, bleibt die Energiewende das Jahrhundertprojekt schlechthin.

Klar, vermutlich gibt es Methoden, den Energieverbrauch von Kryptowährungen drastisch zu senken. Etwa modernere Rechner oder eine ressourcenschonendere Rechenmethode. Doch Ethereum, nach Bitcoin die bekannteste Kryptowährung, hat seine „von Anfang an geplante“ Umstellung auf die weniger rechenintensive Proof-of-Stake-Methode wegen technischer Schwierigkeiten verschoben. Das folgt der klassischen Logik der Tech Bros aus dem Silicon Valley: Erstmal rausballern – und wesentliche Probleme später lösen, irgendwann halt.

Dabei würde sich die umgekehrte Logik besser anbieten: Lasst Kryptowährungen laufen – aber erst, wenn der Energieverbrauch gering ist. Oder wir unendlich gratis Strom haben. Erste Stimmen in Europa folgen dieser Logik. Die schwedische Finanzaufsichtsbehörde forderte vor einigen Wochen erstmals ein Verbot von Kryptomining in der ganzen EU, bis weniger energieintensive Methoden verwendet werden. Applaus dafür gibt es von der norwegischen Regierung, die das bald europaweit zum Thema machen will.

Auch jenseits vom Klima gibt es berechtigte Kritik an Kryptowährungen. Dezentrale Geldtransfers, die von Behörden schwer kontrolliert werden können, mögen für manche eine Utopie sein. Für andere sind sie schlicht ein Einfallstor für organisierte Kriminalität. Etwa für Hacker, die mit Ransomware Milliarden in Kryptocoins erpressen. Nicht zuletzt deshalb plant die EU bereits eine Regulierung von Krypto-Börsen: Anonyme Transfers sollen erschwert werden.

Was nun fehlt, ist ein nächster Schritt: Nämlich darauf zu pochen, dass der Kryptoboom nicht unseren Planeten zum Kochen bringt. Die Klimabewegung, die bei Ende Gelände und vielen anderen Protesten Großes geleistet hat, könnte hier vorangehen. Erstmal brauchen wir ein Moratorium für Kryptomining in Europa – selbst wenn das Bitcoin, Ethereum und Co. nicht stoppt, setzen wir damit ein Zeichen: Dass uns Klimafolgen von Technologie nicht egal sind.

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67 Ergänzungen

  1. Der Anteil an erneuerbaren Energien am Bitcoin ist ein Scheinargument gegen die Kritik des hohen Stromverbrauchs. Der Ökostrom wird dem Markt für echte Wertschöpfung entzogen. Statt „Spielgeld“ damit zu machen, könnte der Strom Aluminium oder Stahl erzeugen, Züge fahren lassen usw. Der Strom ist im wahrsten Sinne des Wortes „verbrannt“.

    1. Stimmt nicht ganz. Dadurch das Kryptowährungen und das damit verbundene Mining ein relativ stabiles Einkommen bieten welches direkt an den Strom gekoppelt ist, wird in vielen Ländern überschüssiger Strom über crypto mining verwertet, oder sogar direkt ein Kraftwerk von Crypto farmen gefördert welches dann günstiger Strom produzieren soll. In den allermeisten Fällen Grünen Strom.

      Natürlich ist der Stromverbrauch trotzdem immens. Ich muss allerdings gestehen dass das Hauptproblem bei der Debatte sauberer vs dreckiger Strom, mMn nicht die großen Verbraucher sind sondern eher dass es keine Regulierung gibt die dreckigen Strom anständig bepreist.

      Worauf ich hinaus will, wenn aller Strom grün ist, kanns auch egal sein wie viel Bitcoin verbraucht, nur dafür braucht es Anreize, die könnte Bitcoin sogar direkt selbst schaffen, eben weil es so eine direkte übersetzung von kWh zu Geld gibt.

      1. Dreckigen Strom bepreisen… mit der U.S. Army oder was?
        Wer soll den denn nehmen müssen und nach welcher Definition…

        Bisher: alles wird teurer, weil es Steuern auf dreckigen Strom gibt.
        Und jetzt?

    2. Das ist sachlich falsch.
      Der steigende Anteil grüner Energie bei BTC ist der Tatsache geschuldet, das es immer interessanter wird die Erzeugungsspitzen statt durch Abschaltung von Windräder (z.B.) in das Mining umzulenken um schlicht produktiv zu sein.

  2. Der Energieverbrauch von Proof of Work Blockchains wie Bitcoin sinkt entgegen der obigen Darstellung nicht, wenn Server moderner oder Algorithmen effizienter werden. Es gibt aber bereits viele Kryptowährungen unter den Top 20, die erfolgreich Proof of Stake verwenden – diese brauchen weniger als ein tausendstel der Energie von Proof of Work Blockchains. Mehr Infos dazu gibt es u.a. in https://link.springer.com/article/10.1007/s12599-020-00656-x.

    1. Die anderen Coins in den „Top 20“ eignen sich aber genau deswegen nicht als sicherer Hafen. Die Autoren leisten zwar recht gute Arbeit bei der Analyse des Energieverbrauchs, verkennen aber, das der Mainlayer von Bitcoin (also die Bitcoin Blockchain) explizit nicht für hohe Transaktionsvolumen erdacht wurde. Die Bitcoin Blockchain muss man als „Settlement Layer“ betrachten. Die Transaktionsleistung dann für einen Vergleich mit dem Bankensystem heranzuziehen, ist natürlich nicht in Ordnung. Transaktionen in Bitcoin werden über einen Second Layer wie das Lightning Netzwerk effizient und sehr kostengünstig abgewickelt. Die Bürger von El Salvador demonstrieren das gerade sehr öffentlich.

      Die Diskussion, ob PoS eine geringere Neigung zur Zentralisierung hat als die Bitcoin Blockchain, kann wohl als entschieden gelten, wenn man sich die Entwicklungen und die Entscheidungsprozesse der Projekte ansieht. Keines der anderen Projekte in den Top 20 bietet die für ein „Store of Value“ notwendige Sicherheit. Man muss nur mal schauen, wie viele der Projekte bereits ihre Chain „anhalten“ oder „bereinigen“ mussten. Bei Bitcoin ist das in seiner Existenz nicht vorgekommen.

      Die Kritik an Kryptos und vor allem an Bitcoin auf den Energieverbrauch zu fokussieren, führt meines Erachtens nicht zu einer sinnvollen Verbesserung. Hinzu kommt, dass es für dir Produzenten neuer Coins ohnehin aus Kostengründen ein Anreiz ist, den Ressourceneinsatz zu optimieren. Insofern braucht es hier auch keinen politischen Druck. Der wäre bei der Eliminierung des Stand By Verbrauchs von Elektrogeräten, der tatsächlich größtenteils sinnfrei ist, besser aufgehoben. Der weltweite Stromverbrauch von Standby Geräten ist nämlich noch weitaus höher als der von SoW Kryptos.

      1. Die Vergleichsbasis für den Energieverbrauch ist übrigens interessant. Die Summen sind ja immer imposant, aber schon bei Betrachtung der aktiv Beteiligten Menschen gegenüber der Zahl der Transaktionen, wird ein Canyon sein.

        Klar, high frequency trading ist auch noch mal eine Sache für sich, aber fokussieren wir mal auf die Menschen, unter der Annahme, dass bestimmte Cryptogeldsachen Menschen nutzen sollen. Jetzt gucken wir, wie der Standbyverbrauch dieser Menschen im Vergleich zu dem ihnen zuzuordnenden Verbrauch an Crypto ist, würden sie soundsoviel mit Crypto machen. Dann nochmal gucken welchen Overhead die Dickfische dann haben, und wer oder was die so sind.

        Dann kommt doch noch die Nutzenrechnung. Nehmen wir eine stabile Währung an? Sonst wären wir wohl fertig. Wieviel bringt das wem mehr, als eine andere weniger verbrauchende Anlagetechnik? Hat es mehr Nutzen als eine Kaffeemaschine oder ein Fernseher, oder Biblis-II oder was auch immer bei „standby“ reingerechnet wird? Zudem: Ist der Standbybetrieb gegenüber der normalen Nutzung signifikant, also habe ich ein A-Gerät dessen Standby bei mir kein Prozent des Verbrauches ausmacht (Zahlen zunächst beliebig), dann sind wir bei einer Nutzen-Prozent-Overhead-Rechnung. Nice to have weniger standby, but depends…

        Ja und der hohe Nutzen für einige Länder… ähnlich wie beim mobilen bezahlen, beginnt das zunächst oft oder verbleibt dort sogar, mit externer hochrisikobehafteter Technologie. Ähnlich wie Widerständler, die Facebook benutzen. Die Interessen anderer Teilnehmer, bzw. bei Interesse anderer Kapabler, würden diese Systeme am nächsten Tag quasi abgeschaltet oder ins Gegenteil verkehrt. Bei mancher Cryptowährung ist gewisse Resilienz vorhanden, bei mancher effektiv dann doch nicht so, spätestens Regulierung bei Industrienationen kann es dann zersägen. In einer Friß-oder-stirb-Welt verstehe ich ja, dass ganze Länder auf externe risikobehaftete Technologien zurückgreifen, weil z.B. auch nichts besseres existiert, weil die Menschen es viel nutzen da für sie die Alternativen nicht gegeben sind, aber das können wir wohl kaum nachhaltig nennen (in sich, unabhängig vom Strom). Das sind Versuchskaninchen.

    2. Ähm „In this article, we first analyzed the energy consumption of today’s prevailing PoW blockchains, which underly most cryptocurrencies. While their energy consumption is, indeed, massive, particularly when compared to the number of transactions they can operate“ bedeutet, es gibt energiesparendere Lösungen. Das Allein reicht dafür aus, den Cryptocurrency Unsinn abzustellen.

      CCs lösen kein Problem, das nur sie lösen könnten.

  3. Wie hoch ist eigentlich der Stromverbrauch von „normalem“ (Fiat-)Geld? Also all die Rechenzentren der Banken, Produktion/Vernichtung von Geldscheinen, Gewinnung der Metalle und Verarbeitung zu Münzen, Transport von Bargeld, Betrieb von Geldautomaten, Zahlungsgeräten, etc. – Das wäre mal eine interessante Frage.

    1. Auf jeden Fall verbraucht eine einzelne Transaktion damit nicht so viel Strom wie eine ganze Stadt in derselben Zeit.

      Gegen das „Fiatgeld“ zu ätzen mag Teil der Marketingstrategie im Krypto-Business sein, so oft wie man derartige Phrasen zu Gesicht und um die Ohren geschlagen bekommt, aber jeder weiß, dass der ganze Wert von Bitcoin & Co. dadurch entsteht, dass die Leute sie heute für das ach so verhasste Fiatgeld kaufen, weil sie hoffen, morgen für den Verkauf ihrer Kryptocoins mehr Fiatgeld zu bekommen als sie heute ausgeben; was die „pöses Fiatgeld“-Unkenrufe zu einem einzigen großen Bluff macht.

    2. In der Diskussion über den ‚digitalen Euro‘ gibt’s so Zahlen als Motivation vom Bargeld wegzukommen. Ist aber nicht ganz so überzeugend.

      Im Sedlmeier Paper gibt’s eine Übersicht, was Transaktionen geschätzt an Energie kosten (für elektronischen Zahlungsverkehr) und das geht von 10^-2 für Datenbank Transaktionen (d.h. Bank-intern oder Bank-zu-Bank im Inland) zu 10^9 für klassisches Bitcoin.

      Elektronisches Zentralbankgeld ist wahrscheinlich die energiesparendste Variante.

      1. Je länger der Umlauf des physischen Geldes ist desto umweltfreundlicher ist es.
        Sieht natürlich irgendwann nicht mehr schön aus.
        Ich habe noch iranisches Geld rumliegen, welches kaum noch als Geldschein erkennbar ist.
        Wurde aber ohne Probleme dort als Zahlungsmittel akzeptiert.
        Interessant wäre auszurechnen, wie sich die Ökobilanz bei kurzer und langer Nutzung des Bargeldes zum elektronischen Geld darstellt.
        Dort muss man ja nicht nur die eingesetzte Energie pro Transaktion sehen, sondern auch die Erstellungs/Produktionskosten für die Server und anteilig die Kosten für die Infrastruktur (die Gelddruckereien verbrauchen allerdings auch Strom) wie Kabel, Router, Mobilfunkmasten usw.
        Generell kann aber muss man das Bargeld nicht elektronisch verwalten.
        Das durchzählen und Buchführung ganz altmodisch mit Stift und Kontobuch verbraucht erstmal keinen Strom, eine Kontoabfrage schon. Ein Sicherungsausdruck (Stichwort Ausfall der Infrastruktur) der Kontostände verbracht Strom und Rohstoffe.
        Man kann aber muss nicht die Einnahmen speziell sichern. Wie schlau das ist steht auf einem anderen Blatt.
        Das alles wären Punkte um die Ökobilanz zu ermitteln.

        Bei Cryptogeld entstehen schon beim verwalten des Geldes immer Energiekosten.
        Ganz zu schweigen davon das es zwingend erforderlich ist Rechner (ein Mobiltelefon ist ein Rechner) und Netzzugang zu haben.
        Der kleine aktuelle Konflikt in Asien zeigt ja gerade am Beispiel des Bitcoins wie anfällig solche Systeme bei Störung der Netzinfrastruktur sind. Das, obwohl das ja angeblich dezentral und ausfallsicher sein soll.
        Virtuelles Zentralbankgeld wäre tendenziell noch anfälliger.
        Zieht der Betreiber (Zentralbank/Staat) den Stecker (richtig oder beschränkt die Nutzungsmöglichkeiten > zum Beispiel nur 50 € am Tag zum ausgeben oder kein Geld für beispielsweise Kondome oder was auch immer) oder wird die zentrale Infrastruktur angegriffen ist schnell Schicht im Schacht.

        1. „Der kleine aktuelle Konflikt in Asien zeigt ja gerade am Beispiel des Bitcoins wie anfällig solche Systeme bei Störung der Netzinfrastruktur sind. Das, obwohl das ja angeblich dezentral und ausfallsicher sein soll.
          Virtuelles Zentralbankgeld wäre tendenziell noch anfälliger.“

          Ich bin nicht im Bilde worum es bei der kleinen Störung in Asien geht – etwa ein Miningverbot in China o.ä.? Das wäre eine ganz andere Kategorie, die mit Zentralbankgeld nichts zu tun hat, denn in China saßen sehr große Miner. „Bitcoin zentral“ ist natürlich unsinning, die Rechenpower kann man sich da ganz gut sparen.

          DDOS halte ich auch nur für so mittelmäßig möglich, im Zweifel weichen wir die Netzneutralität etwas auf und machen „virtuelle Standleitungen“ mit garantierter Bandbreite vieler Banken zur Zentralbank, da ist dann nicht mehr so viel mit „alles blockieren“. Zuzüglich state of the art Zeugs, was man halt so macht.

  4. Ethereum hat die Umstellung auf PoS nicht auf den St. Nimmerleins-Tag verschoben, wie im Artikel suggeriert wird – das ist auch nicht dem verlinkten Artikel zu entnehmen. Laut den veröffentlichten Einschätzungen von Vitalik Buterin und anderen dürfte der sogenannte Merge, mit dem die Umstellung tatsächlich im Verlauf des ersten Halbjahres stattfinden.

  5. Derzeit kann man an Sci-Hub nur via Kryptowährungen spenden. Das zuvor verwendete PayPal-Konto wurde eingefroren. Auch von Wikileaks wurden bereits Paypal-Konten eingefroren und Kreditkartenunternehmen beendeten den Zahlungsverkehr mit Wikileaks.

    Wie sollen sich kriminalisierte oder terrorisierte Organisationen finanzieren, wenn Kryptowährungen verboten werden?

    1. Sehr richtiges und wichtiges Argument. Der Energieverbrauch von Kryptowährungen ist nämlich keine verschwendete Energie. Bitcoin ermöglicht nahezu unzensierbare Transaktionen. Ohne sie sind Visa, Mastercard und Paypal die defacto Richter darüber was man mit seinem Geld kaufen kann (zumindest online und dank Barzahlungsobergrenzen zunehmend auch offline) . Außerdem ermöglicht es Menschen, die keinen Zugang zu traditionellen Finanzisystemen haben Souveränität. In vielen Südamerikanischen Ländern können sich Menschen mit Bitcoin und co. gegen die katastrophale Geldpolitik ihrer Regierungungen und Inflation schützen. Bitcoin verbraucht zwar viel Energie aber erfüllt auch einen wichtigen Zweck, dieser Aspekt kommt mir im Artikel deutlich zu kurz.

      1. „unzensierbare Transaktion“

        Solange nicht einer zu viel vom System stellt. Solange die Währung in „echte“ Währungen umtauschbar ist, oder etwas davon gekauft werden kann (Regulierung?).

        Der Stromverbrauch ist technisch gesehen eher willkürlich und das Unzensierbare ist schnell verpufft, wenn Bitcoin in der Realität (legal?) Anwendung finden soll. Zudem sind die Transaktionen so offensichtlich öffentlich, was ein weiteres Problem darstellt.

        Anonymität gegenüber Zahlungsempfängern wäre für eine potentiell funktionierende Welt interessanter, als ein System ohne Anbindung an die gängigen Währungen (weil es dazu kommen wird). Für potentiell adversariale Umgebungen (z.B. Stützpunkte in Licht-Minuten/Stunden/… Entfernung, wird es wieder interessant mit Resourcen so umzugehen, dass sie zumindest für eine Zeit lang keine zentrale Instanz benötigen, ähnlich aber anders im Falle eines wirtschaftlichen Kontakts zu ganz anderen Spezies oder JWD-Völkern, von denen wir nicht wissen, was die machen. 51% Regeln aber ergeben da keinerlei Sinn, soweit ich das überblicken kann, Energieverschwendung per se auch nicht. Der Witz ist allerdings, dass wir es dorthin wohl nicht schaffen.

    2. Eine Bank zu gründen ist erstens kein Leichtes und aus der Position von Wikileaks oder Scihub eher ein ding der Unmöglichkeit. Außerdem reicht es nicht aus um Spenden zu akzeptieren. Visa, Mastercard und Paypal haben ernomen Einfluss darauf welche Zahlungspartner sie akzeptieren und welche Auflagen diese erfüllen müssen. Und sobald eine US-sanktion ins spiel kommt, ist die Sache ohne Kryptowährungen in jedem Fall gelaufen.

    3. „Wie sollen sich kriminalisierte oder terrorisierte Organisationen finanzieren, wenn Kryptowährungen verboten werden?“

      Naja. Als wäre Geldwäsche nicht doch schon ohne Cryptowährungen existent.

    4. @Philip Engstrand
      Ja und so armselig wie N26 enden. Holen sich jetzt analog Banker ins Haus, weil Sie keine Ahnung vom Bankgeschäft haben. Die beiden Erfinder sind auch nur Kapitalverbrenner und Schlupfloch-Anbieter für Geldwäscher.

  6. Es ist längst überfällig, dass das Thema Energieverbrauch bei Blockchains thematisiert wird. Derart Energie intensive Technologien bieten kaum einen Nutzen, der nicht auch effizienter zu erlangen wäre.

    Blockchains sind Relikte einer Zeit, in der noch mit Energie verschwenderisch umgegangen wurde, als diese im Überfluss verfügbar schien. Das passt überhaupt nicht mehr in ein Bewusstsein, dass Klimaerwärmung und „Treibhausgas-Problematik“ nicht mehr weglächeln kann.

    Für jene, die Blockchains grün-waschen wollen fehlt die Einsicht, dass ein Watt nur einmal verbraten werden kann und immer auch Wärme erzeugt. Das Problem ist, dass klug produzierter Strom ziemlich dumm vergeudet wird. Grüner Strom braucht auch eben auch eine kluge Verwendung, weil er bei Verschwendung an anderer Stelle dann fehlt.

    1. In Ihrem Kommentar scheren Sie alle Blockchains über einen Kamm und verkennen dabei, dass es viele verschiedene Ausprägungen der Blockchain- bzw. Distributed Ledger Technologie gibt. Unter anderem mit stark voneinander abweichenden Energieverbrauch. Mitnichten sind alle Blockchains Energiefresser wie Bitcoin.
      Ich empfehle Ihnen auch Mal die Betrachtung von Anwendungsmöglichkeiten von Blockchains im Umwelt- und Klimaschutz. Bspw. Stichwort „Regenerative Energiesparene“.

    1. Das steht ja auch im Text und da steht auch, dass wir „ungern“ solche Spenden annehmen. Und außerdem ist es innere Pressefreiheit, wenn ein Redakteur eines Mediums auch ungeachtet solcher Tatsachen, schreiben kann, was er will.

      1. Damit positioniert sich netzpolitik.org halt pro-Crypto, ungeachtet der Meinung einiger Autoren.

        Mozilla hat dafuer uebrigens gerade massiv Aerger bekommen, aber ihr wisst bestimmt, was ihr tut.

  7. Kurze Anmerkung. Ich möchte nicht dem generellen Aufruf des Artikels widersprechen, dem ich mich in Teilen sogar gerne anschließe.

    Aber es gibt einige kleine faktische Fehler. Es wurden auf Kryptobörsen im Vorjahr keine „Coins“ im Wert von 14 Billionen US-Dollar gehandelt, sondern Kryptowährungen oder Kryptowerte. Coins sind „nur“ die native Währung einer Blockchain. Aber das Handelsvolumen schließt auch Token-Währungen wie etwa Shiba Inu mit ein, das sind keine Coins.

    Bei „die meisten Kryptowährungen werden nur durch permanente Rechenoperationen am Laufen gehalten“ bin ich unsicher, was genau gemeint ist. Denn natürlich werden alle Kryptowährungen durch Rechenoperationen am Laufen gehalten. Wie sollte es bei einem digitalen System anders sein!?

    Wenn sich diese Satz aber auch Proof-of-Work-Währungen bezieht, ist die Aussage zumindest irreführend und möglicherweise auch falsch. Denn mittlerweile überwiegt die Anzahl der Proof-of-Stake/Proof-of-irgendwasanderesalswork-Blockchains – zumindest, was aktiv genutzt und gestützte Blockchains angeht. Es gibt zwar unendlich viele Proof-of-Work-Blockchains, aber Hunderte davon sind praktisch tot. Dazu laufen zwar Tausende von Token-Währungen auf Ethereum, aber diese werden nicht aktiv gemined, sondern existieren einfach auf der Ethereum-Blockchain, weil sie da sind.

    1. Wie sollte es bei einem digitalen System anders sein!?

      Naja nicht ganz. Einige Systeme könnten im Eischrank Zeit verbringen, ohne digital angefasst zu werden, schaltet man sie ein, funktionieren sie wieder 100%. Andere erfordern ständiges Überprüfen aller Transaktionen durch möglichst viele Teilnehmer mit unterschiedlichen Zielsetzungen – bekommt ein Teilnehmer die Überhand, werden plötzlich Manipulationen möglich und das System ist kaputt. Da muss ständig die Bude geheizt werden.

    2. Diese Anmerkungen sind, mit Verlaub, eine Form der Beckmesserei. Auch wenn nicht alle Kryptowerte Coins sind, ist doch klar was hier gemeint ist – denn der überwältigende Teil der Werte sind halt Coins, und daher auch fast das komplette Handelsvolumen (prove me wrong) .

      Und ja, die „meisten“ Kryptowährungen werden durch dauernde Rechenoperationen am Laufen erhalten, es mag aber Ausnahmen geben, zum Beispiel derzeit inaktive Kryptowährungen, für die braucht es keine Rechenoperationen.

      Und der dritte Punkt ist überhaupt nicht irreführend, denn egal wie viele Kryptowährung es da draußen geben mag, die zwei mit Abstand wichtigsten verwenden (zumindest derzeit) Proof of Work und haben einen Hammer-Energieverbrauch.

      Diese angeblichen „Fehler“ sind einfach nur ein Versuch, den Autor anzugreifen, weil er kein Coin-Bro ist.

      1. Oh, zunächst vielen Dank. Das Wort „Beckmesserei“ kannte ich noch nicht. Und ja, der erste Punkt mag Beckmesserei sein. Aber es ist ein Fehler, der mir immer wieder in der Berichterstattung auffällt und aufstößt.

        Und du hast recht, dass es natürlich inaktive Kryptowährungen gibt. Aber die „laufen“ dann halt auch nicht mehr, oder? Das ist der Punkt. Und ich habe übrigens nochmal kurz recherchiert … und nur ein sehr, sehr kleiner Teil dieser Kryptowährung mit Proof of Work ist so populär, dass, wie der Autor schreibt, „täglich viele Gigawatt Strom fressen“.

        Natürlich stimmt es, die zwei wichtigsten Chains sind Proof of Work – und die Kritik daran ist richtig und wichtig, das bestreite ich gar nicht und will ich auch nicht kleinreden. Aber die Zahl und Wichtigkeit von Chains wie Polkadot, Tezos, IOTA und anderen wächst stark. Und die Summe der darin laufenden Assets könnte Bitcoin und Ethereum alsbald überholen.

        Oh, und übrigens. Ich bin selbst kein Krypto-Bro, sondern Kryptowährungen gegenüber eigentlich recht skeptisch. Umso mehr liegt es mir am Herzen, dass die Fakten bei einer solchen Kritik stimmen.

        1. Naja „inaktiv“ – die Frage ist vielleicht auch die Definition von Cryptowährung.

          Irgendwie Crypto hätte auch ein zentrales Ding, oder Multistakeholder mit Zentralbanken o.ä., da müssen natürlich die zentralen Server laufen. Aber es müssen nicht unzählige Teilnehmer dauerhaft herumrechnen, damit die Integrität von Transaktionen überhaupt geprüft bzw. aufrechterhalten werden kann. Das zentrale System könnte pausieren, und wieder hochfahren, ohne die Probleme, die das Szenario z.B. bei Bitcoin hätte, z.B. nach einem besonders heftigen Sonnensturm :). Nur als ein Beispiel.

  8. Die EU sollte Konzessionen für Miner erteilen, und sich dann am Profit beteiligen lassen. So bekäme sie wenigstens einen Überblick, wer wo wie viel Spielgeld druckt, und der Steuerhinterziehung wird ein Riegel vorgeschoben.

  9. Ich muss leider sagen, dass die Formulierung ‚Doch Ethereum (…) hat seine „von Anfang an geplante“ Umstellung auf die weniger rechenintensive Proof-of-Stake-Methode wegen technischer Schwierigkeiten verschoben.‘ etwas manipulativ kommt. Besonders, wenn das so als einzelner Satz steht. Das gilt auch für die ein oder andere Stelle im Kommentar. Hier und da wirkt es als wären gezielt Infos herausgelassen, um das eigene Narrativ zu stützen – und das sage ich als jemand, der echt keine Freundin von Kryptowährungen ist.

    Es wäre beispielsweise durchaus fair gewesen zu erwähnen, dass die Proof-of-Stake-Version von Ethereum schon auf einem Testnetzwerk läuft und wohl noch in diesem Jahr auf die Haupt-Blockchain migriert werden wird. Oder auch dass zahlreiche der anderen großen Kryptowährung schon mit Proof of Stake oder Proof of Proof oder was auch immer laufen, das ohne heisslaufende Computer auskommt.

    Bitcoin und Ethereum und ihr Proof of Work sind ein fettes Problem, da wären solche schreiberischen Tricks vollkommen unnötig.

  10. so ganz habe ich es noch nicht kapiert:

    * die frage nach erneuerbarer energie ist ein ganz allgemeines problem das auch andere ökonomien betrifft? sehr gerne hätten wir mehr davon!
    * stromerzeugung ist ein geschäft. durch den verbrauch (auch durch crypto) wird dieses geschäft angekurbelt. dh es fliesst geld in die erzeugende wirtschaft. ein teil der strom-verbrauchenden wirtschaft produziert mithilfe des stroms mehrwert. durch 24h-mining werden hier und da evtl stromerzeugungs überschüsse abgebaut. evtl wird strom deswegen aber teurer, was wiederum zur einsparung von energie führt, aber auch zu erhöhung der stromerzeugung (gerne erneuerbar!!).
    * letztendlich entsteht aus dem verbrauch (den investierten kosten) diese cryprowährung. (kann jemand sagen aus wieviel kosten für strom+hardware wieviel cryptowert entsteht? ). es findet also auch hier eine wertschöpfung statt. dieser wert fliesst in grossen teilen wieder zurück in die wirtschaft, weil zb sachwerte oder services dafür gekauft werden.

    vielleicht klingt das alles ein bischen dumm, aber ich teile nicht die meinung, dass der energieeinsatz für cryptowährung einfach verbrennt. ich vermute, dass der hohe wert von BTC von dem hohen energieeinsatz kommt. es ist wie beim gold (dessen schürfung auch milliarden kostet) ein seltenheits- und deshalb wertschätzungsproblem. dennoch: der energieeinsatz fliesst wieder zurück „in die gesellschaft“.

    1. Goldschürfen ist ja auch kein Eingriff in die Landschaft ;).

      Stromverbrauchsgetrompete ist mir auch immer etwas suspekt, vermutlich dann auch kein Zuheizen mit Strom mehr, wenn die Gasheizung es nicht bringt, z.B. bei -20 Grad. Monitore über 20 Watt auch nur noch für das Business. Und alle zwei Tage kommt dann die Strompolizei vorbei, und blockwartet herum, ob wirklich Kaffee gekocht wurde, oder doch heimlich entarteter Verbrauch stattgefunden hat.

      Ansonsten sind Kryptowährungen in dieser Form schon so ziemlich das Unnützeste was es an derzeit legalem Großverbrauch gibt. Was auch immer daran negativ ist, sollte auch so bewertet werden. Schlecht ist schon mal die Natur der Sache (unnötiger Verbrauch bei einem überhaupt nicht sicheren Konzept, nicht gebunden an Fortschritt, nicht mal zur Belustigung, d.h. es verbraucht nicht Strom wo ICH mich aufhalte, wie ein Gaming-PC oder ein Kino, sondern immer und dann auch noch immer mehr), der Gesamtverbrauch ist riesig und steht zunächst in Konkurrenz zu allem anderen (Strom wegschmeißen mit X könnte ja diskutiert werden, so läuft es aber nicht, u.a. wegen Sicherheit z.B. bei Bitcoin), zudem fegt es Märkte leer (Grafikkarten) und spätestens bei Spezialgrafikkarten ist auch eine Weiterverwendung nach dem Hype so eine Sache – jedenfalls bindet es viel Energie und Material bei kaum gegebenem Nutzen, während der Schaden im Wesentlichen berechenbar war (abzüglich der Akzeptanz in der Praxis, sowie der Betriebssicherheitsfrage bzlg. „Betreiber“ und „System“).

      Wenn die jetzt ein Atomkraftwerk dafür gebaut haben, und dann macht niemand mehr Krypto, haben die immerhin Strom, bzw. stellen halt eine Rechenzentrum hin. Andererseits haben die eben dann sehr viel Strom, bei hohen Anschaffungskosten und hohem initialen CO2-Ausstoß.

      Aus meiner Sicht geht nur, Stromproduktion ins absolut Grüne zu versetzen, und ziemlich unendlich viel davon zu haben. Private Erzeugung überzureglementieren ist auch ziemlich dämlich. Großverbraucher sollten allerdings unter die Lupe, bzw. müssen.

      1. Was Nutzen betrifft, gibt es sicherlich so einige Beispiele, was man noch abschalten oder verbieten könnte.

        Wie steht es z.B. um den Stromverbrauch, der durch Datensammlung und personalisierte Werbung/Suchergebnisse entsteht. Nicht nur die Datenhaltung, sondern auch die angepassten Such- und Präsentationsalgorithmen, inklusive JavaScript u.ä., mit milliardenfachem täglichen Ablauf?

  11. Es gibt aber auch Coins wie Gridcoin die im Gegensatz zu Bitcoin eben nicht sinnfreie Krypto Hashes berechnen um die Währung zu erzeugen. Sondern z.B. als Aufgabe Proteinfaltungen für die Corona Forschung simulieren. Das erzeugt dann ebenfalls hohen Stromverbrauch aber jedoch mit einem Benefit für die Wissenschaft.

    D.h muss man sich da schon die einzelnen Coin Projekte gegebenenfalls einzeln ansehen und Bewerten und keinesfalls alle über einen Kamm scheren. Die Funktionsweisen des Mining unterscheiden sich ja mittlerweile erheblich.

    1. Und wenn die wissenschaft keine Hilfe braucht, z.B. weil alle rechenaufwändigen Probleme gelöst sind? Werden dann einfach keine Transaktionen eingetragen? Das scheint mir mehr ein PR trick, das eigentliche Problem wurde nicht gelöst.

      1. Wenn ich es richtig verstanden habe, ist das proof of resarch bei Gridcoin sicherheitstechnisch nur optional, die Verifikation läuft über proof of stake, somit kann die Währung, sollten alle Rechenaufgaben der Wissenschaft gelöst sein, auch ohne resarch eigenständig und dann sogar recht stromsparsam betrieben werden. Und wegen des Einwandes des PR-Tricks… anscheinend besteht das Boinc-Netzwerk schon um einiges länger (2002), als es den Bitcoin gibt, von Gridcoin ganz zu schweigen.

        LG

    2. Danke für den Tipp mit Gridcoin, hatte aus ausgemusterter Hardware (alte Desktops und Handys) eine kleines Mining Rig (Bitcoin) gebastelt, das im Winter zum mitheizen anspringt (es ist nicht viel, aber ehrliche Arbeit), wenn mein kleines Windrad im Garten (meistens das im Winter) und oder die Solaranlage Überschussstrom liefern. Hatte heute ein wenig Zeit, um mich ins Thema einzulesen und bin direkt von Bitcoin auf Gridcoin umgestiegen, die Boinc-Projekte, bei denen man zum Minen mitrechnen kann, scheinen ja tatsächlich sehr sinnvoll zu sein!

  12. Das Problem-chen, was ich sehe, ist vorzuschreiben wofür wer, auch Privat, Strom verbrauchen darf. Sollte es dort entlang gehen, sind wir einen Schritt näher an der Business-only Welt. Dann noch die Regularien zur eigenen Stromerzeugung, und es wird kaum jemanden mit Interesse oder Spass mehr geben, im Bastel/Erfindungsbereich. „Braumernetland“.

    Technische Schwierigkeiten zeien sich, wenn Kryptofarmen und Rechenzentren in einen Topf geworfen werden. Natürlich könnte hier eine Genehmigung für größere (Einzweck-) Anlagen auf den Tisch gebracht werden. Das wird doch niemand unterscheiden können. Darf ich als nächstes keine Cloudkapazität mehr mieten, weil der Stromverbrauch dann hoch ist, also z.B. als Astro/Seti-Fan mit Budget o.ä.? Die Miner würden im Zweifel als Privatleute mieten von irgendwo aus, oder als Firma bei Firma/en usw. Was wäre die Folge? Jedes Unternehmen muss registrieren, wann genau es was im Internet macht? Auf der Kinderpornobugwelle geht das bestimmt, oder die Hüllen fallen, und wir können mit Klimawandel alles machen (bis auf Hirn zuschalten).

    „Forschung“ oder Erfindung wird damit noch weiter eingeschränkt, auf dem Weg zur Konzernwelt, klar geht „alles“ an Universitäten, alles andere eben nicht mehr. Vermutlich habe ich den eleganten Lösungsansatz überlesen. Sicherlich können Regierungen und Zusammenschlüsse solche „Währungen“ ächten.

    Ich halte das Konzept „Rechenpower für Währung“ für ansolut blödsinnig. Gegenwert = Rechenzeit und Glauben. Not worth considering.
    Sinnvoll wären temporär vergebene sinnvolle Tätigkeiten, gewissermaßen saisonal wechselnd, die es aber als Währung ad absurdum führen, zudem auch nicht wirklich überprüfbar sind. z.B. Strand X von Öl befreien, Plastik im Wald Y sammeln, Rechenpower für Forschungsprojekt Z bereitstellen, u.ä. Die „Miner dieser Zeit“ würden Plastik in ihrem Wald verstreuen, und eine lustige Geschichte erzählen, in der Hoffnung, das dann als Säuberungsauftrag gegen Cryptowährung zu erhalten. Im Grunde wie die Big Tech dieser Zeit ;).

  13. Wer „ungern“ aber doch Kryptospenden akzeptiert und gleichzeitig von den Behörden schwer oder nicht zu kontrollierende „anonyme Geldtransfers“ unterbinden will, der dürfte auch irgendwann gegen verschlüsselte Kommunikation sein. „Ungern“ natürlich! Oder zumindest nur mit bei den Behörden hinterlegtem Schlüssel. Was ist mit Netzpolitik.org los??

    1. Mal eine Anmerkung von einem nicht an diesem Kommentar beteiligten Redakteur: Ganz unbenommen des Themas, haben wir in der Redaktion auch einen Pluralismus der Meinungen und sind nicht alle auf einer Linie in den Positionen. Das ist in ganz vielen Redaktionen so und das ist prinzipiell auch etwas Gutes. Deswegen ärgere ich mich immer, wenn Menschen anhand eines Artikels, der ihnen nicht gefällt, das gesamte Medium über einen Kamm scheren. Das ist doch viel zu einfach und wird Medien nicht gerecht. Und ich bin selbstverständlich für anonyme Geldtransfers und respektiere trotzdem die Position meines Kollegen Alexander Fanta.

  14. Mir egal, ich kaufe weiter BTC. Proof-of-Stake kommt mir nicht ins Haus. Ich ziehe ein Netzwerk vor, das wirklich Arbeit leisten muss, um mein Geld zu sichern. Ansonsten könnte ich auch einfach mehr Aktien kaufen. Und wenn die EU das Bitcoin-Mining verbietet, machen es andere Länder, und die verdienen dann halt die ganze Kohle. Auch tippe ich mal, dass sich ein Verbot auf das großgewerbliche Mining beziehen würde, denn im privaten Rahmen kann das sowieso niemand kontrollieren. Dann verbieten sie es dir höchstens nach der ersten Steuererklärung – wenn überhaupt. Bis dahin könnte ich aber privat ziemlich sicher weiter schürfen, mit Mining-Pool & Ökostrom, aber halt mit mieser Performance wegen der hohen Strompreise hierzulande. So oder so: Die Staaten werden ihre Politik, was primär natürlich Energiepolitik bedeutet, am Ende Bitcoin anpassen müssen. Außerdem müssen die Politiker berücksichtigen, dass sie von mehr und mehr Bürgern auch nicht mehr gewählt werden, wenn sie versuchen, Bitcoin und das Mining einzuschränken und damit die Sicherheit des Vermögens ihrer Wähler zu verringern. PS: Das Schürfen und Bearbeiten von Gold verbraucht mehr als doppelt so viel Energie wie Bitcoin. Es würde mich echt mal interessieren, was Edelmetallinvestoren sagen würden, wenn die EU den Goldhandel und Investitionen in diesem Sektor deswegen einschränken/verbieten würde. Müsste man dann nicht auch meinen Global-Mining-ETF verbieten? Wo zieht man die Grenze?

  15. Es gibt direkt viele Stimmen nach dem Motto „nicht alles ist so energieintensiv“, „es kann doch auch ganz anders laufen“, …

    Der Status quo sieht aber einfach anders aus und der ist aus: Viel Spekulation und massiver Energieverbrauch.

    Es mag weit hergeholt erscheinen: Aber von „besseren“ Möglichkeiten zu sprechen, hört sich für mich genau so an, wie wenn man auf Fusionsenergie warten will, statt einfach mal Windräder aufzustellen. Die Probleme bestehen jetzt und nicht irgendwann. Damit will ich Kryptowährungen (ja, es ist verallgemeinert) nicht per se verteufeln. Aber viele Erläuterungen von Alternativen ändern am akuten Problem erstaunlich wenig.

  16. hi Netzpolitik, ein kleines Galaxy Brain Meme für euch:

    „Blockchain“ „besetzen“ bedeutet am besten, selber anfangen zu minen.

    Your miner, your choice (der Nachhaltigkeit der Energiequelle).

    Die „bösen“ Miner werden dann verdrängt.

  17. Ihr habt euch bei den Einheiten vertan:

    > An einem Tag sind es derzeit schätzungsweise 14 Gigawatt

    Watt sind Leistung, nicht Energie. Also laufender Verbrauch statt gesammelter.
    Wenn Bitcoin einen Tag lang 14 GW verbraucht, dann sind das 14GW * 24h = 336 GWh.

  18. Schade, von euch hätte ich eine differenziertere Betrachtung des Themas erwartet.

    Wenn ihr das Geld so ungern annehmt, gibts halt von mir erstmal keine Spenden mehr.

    Der Kommentar von Olaf Scherdin beschreibt es ganz gut, dem habe ich nichts mehr hinzuzufügen.

  19. Ja, Bitcoin kostet viel Energie. Ja ein Auto kostet mehr Energie als ein Pferd. Im technologischen Fortschritt steigt historisch der Energieverbrauch pro Mensch (=Fortschritt). Wohnen, Elektrogeräte, warmes Wasser etc.

    Bitcoin (oder sagen wir mal allgemein dezentrales kryptogeld) löst sehr wohl einige Probleme, die auch „digitales“ Zentralbankengeld nicht lösen kann. Dies ist die Speicherung von menschlicher geleisteter Arbeit und der Schutz vor Entwertung eben dieser durch den Staat. Hier genügt es zum Verständnis her natürlich nicht nur auf Deutschland zu schauen, sondern in afrikanische oder südamerikanische Länder. Die Leute dort brauchen an so etwas wie eine Altersvorsorge überhaupt nicht denken, da mit wahnwitzigen Inflationsraten (= ihr Staat druckt Geld) täglich ihr Geld vernichtet wird. Ähnliches, aber nicht „so weit weg“ sehen wir ja heute bereits in der Türkei. Auch bei uns wird höchstwahrscheinlich im Rahmen unseres kaputten Geldsystems (man muss sich nur die Entwicklung der Schulden der EZB der letzten Jahre anschauen) spätestens dann mit einem digitalen Zentralbankgeld (= niemand kann sein Geld mehr anheben und unter dem Kissen verstecken) mit Negativzinsen eine noch größere Enteignung der Sparer vollzogen werden. (Dabei soll Konsum angeregt werden, was ja auch sinnvoll ist, da ich so mein Geld eher heute ausgebe als morgen, auch wenn ich es evtl morgen mehr benötige als heute. Punkt 2: Schulden werden auf Kosten der Bevölkerung auf wundersame Weise weginflationiert). Davor schützt natürlich ein dezentrales und somit nicht korrumpierbares Netzwerk. Kurz zum Punkt illegale Aktivitäten: hier wurde leider wirklich sehr kurzsichtig recherchiert, da natürlich die meisten illegalen Aktivitäten (auch wissenschaftlich nachlesbar, habe mal den zweiten google Eintrag randomly rausgegriffen https://blog.coinbase.com/fact-check-crypto-is-increasingly-being-used-for-criminal-activity-and-is-a-haven-for-illicit-856a71dfb399 ) mit Fiat Geld stattfinden und Bitcoin = finanziert böse böse Sachen schon lange nicht mehr stimmt.
    Weitere Gedanken die man in einschlägiger (und zugegebenermaßen cryptofreundlicher) Literatur lesen kann: 1. Kriege (teurer Spaß) : da sich Staaten ohne Notenpresse nicht mehr so einfach verschulden können und im Falle eines Krieges des eigenen Landes eben jene Notenpressen historisch immer angeworfen werden, ist die Annahme, dass sich mit einer Bitcoin Basiswährung die Anzahl reduziert bzw die Dauer abnehmen muss (bzw Staaten effizientere Methoden entwickeln müssen um „Unstimmigkeiten“ zu klären)
    2. Überwachungsstaat. China (entwickeln gerade CBDCs) + e-Yuan wird die perfekte Überwachung der Gesellschaft und dank Scorecard in loyale und weniger loyale Bewohner und entsprechendem Zugang zu Krediten, Bildung,.. das größte Social Engineering Projekt der Menschheit (ich erziehe mir meine Bevölkerung). Deswegen würde NATÜRLICH hier der Bitcoin mehr oder weniger verboten, Gift für autoritäre Überwachugsstaaten.

    Dazu noch die Argumente, dass Bitcoin mehr und mehr auch aus erneuerbaren Energien kommt (Fakt), da hier einfach ein ökunomischer Anreiz besteht. Argument was ich irgendwo oben gelesen habe mit „Strom wird System entzogen, könnte für was anderes genutzt werden“ auch nur bedingt richtig, da oftmals (weltweit!) die Energieerzeugung von Erneuerbaren Energien a) einen Überschuss erzielt, der Aufgrund nicht vorhandener Netzkapazitäten gleich verbrannt wird b) der Staudamm oft nicht da steht wo später die Energie benötigt wird (zb in der Stadt) und es einfach sehr viele ineffizienzen gibt, die man nutzen kann, ohne dass der Strom „hätte für etwas anderes genutzt werden können“. Solcher Strom ist dann sehr günstig, und da das Mining ein hoch kompetitiver Wettbewerb ist, gehen die Miner zu solchen „für die Gesellschaft unschädlichen Quellen“. Niemand betreibt in Deutschland mit KWh Preisen von 30ct ernsthaftes Bitcoin Mining.

    Wer sich mal etwas tiefer mit der Materie beschäftigt, sieht hoffentlich Nutzen und Chancen. Das hier uninformierter Widerstand entsteht ist aber (auch historisch) auch ganz normal. Wie sagte schon Paul Krugman von der New York Times 1998 „Internet wird sich nicht durchsetzen“.

    1. Kurzer Abriss:
      – Vorsorge: Dafür wirklich geeignet? Es ist ziemlich volatil.
      – Schutz: Bei Bitcoin steht im Raum, wie das System vor großen Akteuren beschützt werden soll. Konzeptionell ist das nicht wirklich vorgesehen, es sei denn s. nächster Punkt.
      – Alle machen mit: Das ist nicht nur etwas mehr Stromverbrauch für fast keinen Fortschritt.
      – Technische Lösung für Überwachungsstaat? Willkommen im Selbigen! Hier wurde bereits auf das falsche Pferd gesetzt, denn es wird zu eng, um sich da herauszuhacken, bzw. andere, bzw. viele.

      Klar für einzelne (+CIA+Mafia) immer interessant usw.

  20. Sicher assoziiert man Kryptowährung schnell mit Bitcoin & Co und Kryptomining zu verbieten ist ein Möglichkeit der fulminanten Energieverschwendung Einhalt zu gebieten.

    Weil es hier wenig Erwähnung fand, wollte ich aber den Hinweis darauf geben, dass eine Kryptowährung nicht per se umweltschädlich sein muss. Zwei Beispiele die hier noch nicht genannt wurden die ich aber gerne nennen möchte sind zum einen „Fair-Coin“, eine Cryptowährung bei der bereits am Anfang alle Coins generiert wurden und zweitens „GNU-Taler“ ein virtuelles Mikrotransaktions- und Zahlungssystem.

  21. Der Energieverbrauch ist sicherlich eine Herausforderung wenn wir uns mit Bitcoin und Ethereum beschäftigen.
    Aber die Frage ist, welcher Sinn und Zweck soll eine Blockchain erfüllen. Ist dies

    1. Um zu schürfen und Tokens zu generieren, oder aber
    2. Um Lieferketten sicherer zu machen?

    Im White Paper vom Deutschen Marketing Verband (DMV) wird darauf hingewiesen, wie die Blockchain effektiv und energieeffizient genutzt werden kann, um Lieferketten zu sicheren:
    https://drkpi.com/de/produkt/blockchain-im-marketing-white-paper/

    Zu Beginn des Jahres 2021 wusste nur Blockchain Enthusiasten, was nicht-fungible Token (NFT) sind.

    Doch Ende 2021 wurden den neuesten Daten zufolge fast 41 Mrd. USD für NFT ausgegeben. Das heisst, der Markt für digitale Kunstwerke und Sammlerstücke ist fast so wertvoll, wie der globale Kunstmarkt mit 50 Mrd. USD.

    Dieses Development ist im Blockchain Wiki erwähnt:

    https://drkpi.com/de/blockchain-wiki/

    Was uns klar erscheint ist, dass Bitcoin und andere Tokens ein Finanzinstrument sind, dass gleich wie Fiat Geld der Finanzmarktaufsicht unterstellt sein sollte. Das wird womöglich schon dieses Jahr in den USA geschehen.

    Was mir klar erscheint ist das kein Unternehmen das sich der Nachhaltigkeit verschrieben hat, zur Zeit Kryptowährungen nutzen kann. Diese sind nicht nachhaltig und werden es wohl kaum werden.

    Freundlichst
    Urs
    DrKPI

  22. Der Stromverbrauch eines mittleren Rechenzentrums beträgt ca. dem einer Kleinstadt mit 50000/100000 Einwohnern. Und von denen werden immer mehr gebraucht, wie es Planungen z.B. in Hanau oder Hattersheim bei Frankfurt vorsehen. Wie gut das Atomstrom jetzt wenigstens als saubere Energiequelle deklariert wurde, sonst käme man da noch in Erklärungsnot.

  23. Ich lese Netzpolitik regelmäßig und spende jährlich bis zu 150 Euro – im letzten Jahr stammte alles davon aus dem Handel mit Kryptowährungen, mit denen ich mich seit einigen Jahren mehr oder minder intensiv beschäftige.

    Daher muss ich leider sagen, dass dieser Beitrag wirklich nicht gut ist. Die Intention, das Problem des Stromverbrauchs anzusprechen ist total richtig und wichtig. Aber mir scheint es so, als hätte der Autor nur sehr, sehr oberflächlich recherchiert, wichtige Informationen weggelassen oder „verpeilt“, die ein Bild zeichnen, das so einfach nicht korrekt ist.

    Einige der Fehler wurden hier schon angemerkt. Andere finden sich auf Twitter.

    Für Menschen, die sich mit Krypto etwas auskennen, macht das den Beitrag daher unglaubwürdig.

    Ich würde mir echt wünschen, dass der Autor sich vielleicht nochmal in das Thema eingräbt und vielleicht nochmal einen Kommentar nachliefert. Das wäre sehr wünschenswert.

    1. Auf halbem Auge, aber welche Stellen stoßen bei „etwas Kenntnis von Krypto“ denn besonders auf?

      Nur die etwas polemische Vermischung von Blockchain und Crypto und Coins, oder ein konkreter Absatz, oder eine spezifische Formulierung?

      Ich sehe, dass der Artikel ungefähr den Energieverbrauch als Schwerpunkt hat, an anderen Stellen eher darstellt, was (u.a.) passiert ist. Fehlt da jetzt die Einordnung, dass Rauchen auch entspannen kann oder sowas?

  24. Hi Alexander. Der vom Menschen verursachte Klimawandel ist eine reale Bedrohung und wir müssen ihn bekämpfen. Aber wie stark tragen Kryptowährungen wirklich zum Klimawandel bei? Ich glaube, dass die Realität derzeit etwas verzerrt dargestellt wird.
    Die weltweite Stromproduktion beträgt 160.000 Terawattstunden pro Jahr. 50.000 TWh werden nicht genutzt, sondern laufen ins Leere (Strom kann nur über eine Distanz von rund 1000km transportiert werden.) Das Bitcoin-Netzwerk verbraucht derzeit 120 TWh pro Jahr. Das sind 0,075% der Energieproduktion der Welt oder 0,24% des verschwendeten Stroms. Bitcoin-Schürfer tendieren dorthin zu gehen, wo Überkapazitäten existieren, schließen dort langfristige Verträge ab und bezahlen den Strom im Voraus. Bitcoin-Schürfer nutzen einen zunehmenden Anteil nachhaltiger Quellen (Wind, Sonne, Wasser, Geothermie, Kernkraft) in ihrem Energiemix. Bitcoin wird von einem höheren Mix an nachhaltiger Energie (56%) angetrieben als jede andere Industrie.
    Ich finde, dass das Narrativ über den angeblich zu hohen Energiehunger von Bitcoin der Kritik am Internet in den neunziger Jahren in den neunziger Jahren ähnelt: Wenn E-Mail von allen Menschen weltweit genutzt würde, so wurde damals gewarnt, würde die Technologie bald den gesamten Strom der Welt verbrauchen – das Internet wäre nicht skalierbar und eine Bedrohung für die Menschheit. Tatsächlich wurde das Internet immer effizienter und wir schicken heute nicht nur E-Mails, sondern sprechen über Zoom, streamen Videos und Musik, sind mit Smartphones rund um die Uhr online. Die Effizient des Bitcoin-Netzwerks wird auf ähnliche Weise erhöht wie die des Internet: durch zusätzliche Protokoll-Layers (z.B. Lightning), die sehr energieeffizient sind. Bitcoin (und ähnliche Kryptowährungen) entwickeln sich in den nächsten zehn Jahren zu streamendem Geld, analog der Entwicklung von Musik und Videos zu streamendem Content.
    In der Kritik am Stromverbrauch des Bitcoin-Netzwerks fehlt mir oft auch der Vergleich mit den CO2-Emissionen jener, die die Hegemonie des Petrodollars ermöglichen. Der Dollar ist durch nichts anderes gedeckt als durch Männer mit Waffen. Ihre Kampfjets, Hubschrauber, Panzerfahrzeuge, Flugzeugträger und Netzwerke gehören zu den größten CO2-Verursachern der Welt. Ebenfalls selten verglichen wird der Stromverbrauch Bitcoins mit den Serverfarmen von Banken, den ständig beleuchteten Wolkenkratzern, dem Energiehunger und den ökologischen Folgen des Schürfens von Edelmetallen, dem Stromverbrauch des SWIFT-Netzwerks, den CO2-Emmissionen von Geldtransportern, dem Energiehunger von Geldautomaten und deren Servern oder dem Stromverbrauch der Netzwerke von Visa, Mastercard und Paypal.
    Letztlich will auch noch auf die Ursache des ständigen Raubbaus an den Resourcen unseres Planeten hinweisen: den Zwang zu ständigem Wachstum. Er entsteht, weil unser herkömmliches Geld ausschließlich durch Kreditvergabe geschöpft wird. Schulden und die sich daraus ergebende Notwendigkeit, Zinsen zu bedienen, führen zu immer neuen Schulden, zur unaufhaltsamen Erhöhung der Geldmenge durch noch mehr Kredit und damit zum Wachstumswahnsinn, der unseren Planeten zerstört. Meiner Meinung nach ist ein neutrales Internetprotokoll für streamendes Geld, dessen Menge nicht durch Kredit vermehrt werden kann, Teil der Lösung, nicht des Problems.

    1. Der Stromverbrauch ist ohne realen Nutzen aber nun mal sehr hoch, dazu Hardwareverbrauch u.a. Da geht auch nichts argumentativ dran, das ist einfach nur im Weg. Nett für ein Experiment, aber Raubbau im industriellen Maßstab (bzw. skaliert).

      Kommunikation ist wichtig, da darf es etwas overhead sein. Aber im Sommer heizen für … nichts?

      Das ist und bleibt eine Sackgasse, was die Konzeption betrifft. Es gibt auch andere Sackgassen, das ist schon klar. Ohne Ihren Beitrag gelesen zu haben, würde ich auch die Armeen anführen, die wir uns real nicht leisten können, die Werbeindustrie (Javascript und Bilder auf Milliarden von Geräten plus Verkehr + Server + Tracking), u.a. Dennoch müssen schon auch Kriterien in sich her, was Kosten-Nutzen denn bedeuten sollen. Hinzu kommt, was wir in der Hand haben und was nicht.

      Die Miner sind eben noch „vorsichtig“, eben weil Regulierung folgen könnte, und wer ein besseres Konzept mit Rechenzentrum hat, macht vielleicht eher das dann. Währe Bitcoin offiziell als „sicher“ freigegeben, würde die Zahl der Miner und die absolute Zahl damit vielleicht explodieren, oder (und das wäre der Grund für das Zaudern) der Kurs so fallen, dass sich Mining nicht mehr lohnt. Im Moment ist auch noch Hardware knapp (ergo Antivirensoftware, recht logisch…).

      Mit Email sollte man das nicht vergleichen. Der Nutzen ist auch als Idee oder Konzept schon mathematisch bewiesen (bzw. widerlegt), in der Praxis auch +- und auch Funktion, es hat einfach keinen zu Email vergleichbaren Nutzen. Ich würde einen Vibrator höher einschätzen im Nutzen, der Verbraucht bei Gebrauch, nicht immer und immer mehr, und dann ist der Kurs oder mehr in der Hand von X.

      Das ist vielleicht Versteifen auf Sorte Y, es gibt sicherlich bessere Konzepte, die auch real mit höherer Skalierung funktionieren könnten.

    2. „0,075% der Energieproduktion der Welt“

      Das ist ein ziemlich großer Haufen. Riesig. Für … ein weiteres Schneeballsystem on top of the U.S. Army?

  25. Ich denke man sollte 2 sehr verschiedene Dinge trennen:
    1. Wie man zu Kryptos gesellschaftlich steht und
    2. das Problem des hohen Energieverbrauchs

    Die erste Frage wird im Artikel nicht erörtert, daher macht es für mich keinen Sinn, dass in Kommentaren zu diskutieren.

    Bei der zweiten Frage wird sowohl von den Kritikern als auch den vielen Fans von Bitcoin immer wieder vergessen, dass es bereits Kryptos gibt, die wesentlich weniger Energie (etwa 0,001 Prozent!) verbrauchen, z.B. Tezos. Die Kryptowährungen waren ursprünglich eine äußerst innovative Sache aus der Digitalszene. Gerade da ist es doch durch innovative, technische Weiterentwicklung immer wieder gelungen Systeme noch energieeffizienter zu machen. Der Bitcoin ist aber eben nicht mehr innovativ, sondern ein ultrakonservatives Kryptoprojekt in dem Veränderung absolut unerwünscht ist. Auch der Ether scheint ein äußerst träges Ungetüm zu sein und ob die angekündigten Updates das ändern bleibt abzuwarten. Da von den etablierten Kryptos keine vollständige Abkehr ihrer klima- und resourcenschädlichen Praktiken erwartet werden kann, bleibt wohl nichts anderes übrig, als dass das von der Politik reguliert oder beendet wird.
    Für Menschen die an Kryptos interessiert sind, gibt es aber, wie gesagt, längst Alternativen.

    1. „Da von den etablierten Kryptos keine vollständige Abkehr ihrer klima- und resourcenschädlichen Praktiken erwartet werden kann, bleibt wohl nichts anderes übrig, als dass das von der Politik reguliert oder beendet wird.“

      Ich vermute, darum geht es in dem Artikel. Alles andere sind dann vieleicht „Ergänzungen“…

  26. Ich find es echt traurig, dass sich diese Meinung in so vielen Kreisen beginnt breit zu machen.

    1. Ja Bitcoin verbraucht Energie. So wie fast alles, was wir benutzen. Die Frage ist nur, ob diese Energie sinnvoll eingesetzt wird oder nicht. Ich finde schon, aber diese Frage zu beantworten geht nur auf persönlicher Ebene und kein Staat und keine Organisation darf sich anmaßen, das zu entscheiden.
    Katzenmemes verbrauchen auch viel Energie. Ist es das wert? Keine Ahnung, spielt auch keine Rolle. Wenn Leute es nutzen, hat es seine Berechtigung. Genau wie Bitcoin. Alles andere führt in den Autoritarismus.

    2. Die Stromerzeugung ist der entscheidende Faktor. Wir als Menschheit werden die Klimafrage nicht durch irgendwelche kleingeistigen Sparmaßnahmen oder autoritären Verbote lösen. Jedesmal wenn die Menschheit die nächste industrielle Revolution vollzieht, potenziert sich unser Energieverbrauch. Das ist völlig normal und wird auch diesmal in der 4. Revolution nicht anders sein. Ansonsten gibt es keinen Fortschritt und wir werden nie das Weltall erschließen.
    Die Frage ist nur, was wir bis zur Kernfusion machen.

    3. Den Stromverbrauch von Bitcoin durch die Anzahl an Transaktionen zu teilen und dann zu behaupten, dass das der Verbrauch pro Transaktion wäre ist kompletter Blödsinn. Egal wie viele Transaktionen mit welchem Volumen durchgeführt wurden, an der Hashrate und damit dem Energieverbrauch ändert das gar nix. Diese ist dient nämlich nur dazu das Netz abzusichern.

    4. Proof of Stake ist keine Lösung für eine dezentrale Währung, zumindest gibt es keinen einzigen dezentralen Coin, der es bisher erfolgreich eingesetzt hat. Selbst Ethereum ist stark zentralisiert. Generell bleibt zu vermuten, das PoS sehr schnell wieder die Macht über ein Netzwerk in die Hand weniger legen wird. Damit haben wir dann quasi Facebook 2.0, na super. PoS ist eigentlich nichts anderes als eine neue Form von FinTechs. Sie mögen ihre Berechtigung haben, aber unabhängiges Geld können sie meiner Meinung nach nicht gewährleisten.

    5. Das Hauptproblem, warum in Deutschland der Ausbau von Erneuerbaren nicht voran kommt, liegt hauptsächlich an der Volatilität dieser. Es gibt einfach noch keine saisonalen Speicher, die Winter und Sommer ausgleichen können. Momentan lösen wir dieses Problem durch Doppelstrukturen. Das heißt, je mehr Windräder wir bauen umso mehr Kohlekraft oder Gaskraft brauchen wir, um dies auszugleichen.
    Ein andere Maßnahme ist, dass überschießende Spitzen oft weggeschmissen oder zu negativen Preisen verkauft werden. Bitcoin kann an dieser Stelle durchaus als sinnvoller Volatilitätspuffer eingesetzt werden. Da dieser Strom ja quasi extra ist, würde er sich im Miningwettbewerb auch gegen die unsauberen Miner durchsetzen.

    6. Energie kann nie erzeugt oder zerstört werden, nur umgewandelt. (Sollte jedem aus der Schulphysik bekannt sein). Ein Miner wandelt quasi während des Miningprozesses elektrische Energie in Wärmenergie. In Norwegen gibt es schon erste Projekte, wo klassische Elektroheizung durch Miner ersetzt werden. Der Wärmeoutput ist der Gleiche, jedoch wird gleichzeitig ein zusätzlicher Ertrag generiert. Es gibt also viele Möglichkeiten, wie Mining sinnvoll eingesetzt werden kann.

  27. In den USA hat man die Entscheidung – auch wenn es noch rechtlicher Umsetzungsakte bedarf – in Wahrheit mit einigem Kopfschütteln zur Kenntnis genommen. Sie macht weder inhaltlich noch technisch irgendeinen Sinn und wird den Standort EU in Bezug auf diese bahnbrechende Technologie extrem unattraktiv machen.Selbstverständlich geht es um nic anderes als Kontrolle und Überwachung. Ich lebe schon seit einigen jähren in Florida, wir erleben einen heftigen Boom im Bereich der Kryptotechnologie, neue Firmen, Arbeitsplätze, auch für die Menschen tolle Möglichkeiten. Die Menschen in der EU können einem nur leid tun, die Welt um sie herum wird selbstverständlich nicht warten, so wird auch dieser Zug an den EU-Bürgern vorbeifahren – Antworten auf Verarmung und explodierende Altersarmut gibt es keine, dafür umso mehr Ideologie. Davon abgesehen, wird ein riesiger Teil der token ohnehin schon lange auf wallets sein, P2P wird sich niemals aufhalten lassen, man kann auch nicht effektiv verbieten, dass 3+3 gleich 6 ist. Der richtige Ansatz wäre selbstverständlich gewesen, der Kryptotechnologie eine Brücke zu bauen: Regeln ja, aber vernünftig und konstruktiv, gerade der defi Ansatz könnte so unheimlich viel gutes Potenzial entfalten auch für Gemeinwohlaufgaben – statt dessen kloppt die plumper Neidideologie alles platt. Dann eben ohne Dich liebe EU, jeder ist bekanntlich seines Glückes Schmied.

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