ÜberwachungSingapur testet Polizeiroboter gegen „unerwünschtes Sozialverhalten“

In Singapur will die Polizei in Zukunft auf Überwachungsroboter setzen, die im öffentlichen Raum patrouillieren. Gerade haben die Behörden ein solches System getestet.

Überwachungsroboter Xavier
Ein Hauch von Robocop in Singapur: der Überwachungsroboter „Xavier“ – Alle Rechte vorbehalten Singapur SFA

Im September hat der Stadtstaat Singapur einen Polizeiroboter namens „Xavier“ getestet, der gegen „unerwünschtes Sozialverhalten“ eingesetzt werden soll. 

Laut einer Pressemitteilung der Behörden soll der weiß-dunkelblaue Roboter gegen Rauchen, Hausieren, unsachgemäß abgestellte Fahrräder und Motorräder sowie Ansammlungen von von mehr als fünf Personen vorgehen. Sobald Xavier eine der oben genannten Situationen erkenne, löse er Echtzeitwarnungen an die Kommandozentrale aus und zeige je nach Szenario die entsprechende Meldung an. Zusätzlich spricht das System die betroffene Person an.

Angebliches Ziel der Behörden: die Öffentlichkeit aufklären und von den unerwünschten Verhaltensweisen abbringen. Singapur verspricht sich von solchen Robotern, den Personalbedarf für Fußpatrouillen zu verringern und die „Überwachungs- und Durchsetzungsressourcen“ zu verstärken. Singapur hat ein eigenes Kompetenzzentrum für Polizei- und Überwachungsroboter eingerichtet.

Das System soll laut den Behörden in Singapur autonom navigieren können. Die Kamera ist um 360 Grad drehbar, der Videostream wird laut den Behörden mit „künstlicher Intelligenz“ ausgewertet, aber gleichzeitig auch Polizist:innen vorgespielt, um das System zu verbessern. Xavier ähnele dem „Multi-purpose All-Terrain Autonomous Robot“ (M.A.T.A.R.), der von HTX und dem Institute for Infocomm Research (I2R) entwickelt wurde.

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Wie der Guardian berichtet, habe sich „Xavier“ bei einer Patrouille durch eine Wohnsiedlung fortbewegt und blieb vor einer Gruppe älterer Bewohner stehen, die sich ein Schachspiel ansahen. Dann sagte er mit Roboterstimme: „Bitte halten Sie einen Meter Abstand, bitte halten Sie sich an fünf Personen pro Gruppe.“ Dabei richtet das System die Kamera auf die Personengruppe.

Die Bürgerrechtlerin Lee Yi Ting sagte gegenüber der Nachrichtenagentur AFP, die Geräte seien die neueste Art und Weise, wie Menschen in Singapur überwacht würden. „Das alles trägt zu dem Gefühl bei, dass die Menschen in Singapur viel mehr darauf achten müssen, was sie sagen und tun, als dies in anderen Ländern der Fall wäre.“

In Singapur regiert seit 1959 die People’s Action Party (PAP), die Organisation Freedom House stuft den Staat als nur „teilweise frei“ ein. Das Versammlungsrecht und andere bürgerliche Freiheiten sind stark eingeschränkt. Mit dem „Protection against Online Falsehoods and Manipulation Act“ verabschiedete die Regierung 2019 ein Gesetz gegen Fake News, das Bürgerrechtler in Singapur und internationale Organisationen als Einschränkung der Meinungsfreiheit- und Pressefreiheit werten.

18 Ergänzungen

  1. Da vereint sich die Abneigung gegen Massenüberwachung, blind Befehlen folgende Polizisten und e-Scooter in einer Box… Ich übernehme keine Garantie für Sicherheit von Polizei-Toastern in meiner Reichweite.

  2. Hacken, diese dystopischen Dinger. Dann illegales tun lassen und schon bald hat sich der Spuk wieder erledigt. Aber wahrscheinlich bin ich ja nur ein Technikverweigerer und der Zukunft gegenüber unaufgeschlossen und Freiheit und Datenschutz ist eh sowas von 1800…

    Schöne Neue Welt!

  3. Wie uns Maschinen zu immer mehr Unmenschlichkeit erziehen… So geht Technik … nicht.
    Die sozialen Entwicklung hinkt der technischen sehr weit hinterher.

  4. Aber guckt doch mal, wie schön sauber es dort ist! Kein einziger Kaugummi, Zigarettenkippe etc.! Ein paar Millionen von den Robotern könnten wir auch in Deutschland brauchen. Jeder der was hinpfeffert, kriegt vom Roboter-Taser eine gewischt! So manch einer wäre dann wirklich bald Toast :-) Die könnte man dann gleich als Soylent Green recyceln.

    1. Genauso ist es, sowas wäre hier auch nicht schlecht. Das Ordnungsamt schafft ja die Arbeit nicht, also muss so ein Roboter ran. Vielleicht kann er es besser.

  5. Der Roboter ist ja nur ein verlängerter Arm der Polizei. Und wer noch nie in Singapur war, kann über die Sauberkeit und Ordnug bzw. (DROGEN) u.s.w. nicht mitsprechen. Kein Verständnis für Proteste. Reisen Sie einmal nach Singapur und machen Sie sich vor Ort ein Bild. Ich hoffe ich werde verstanden. Danke !

    1. Kunde erkannt. Bestätigt. Zugriff auf Projekt „Planetbreaker“ erteilt.
      Alles klar, kein Problem. Also die Mitte bis zu einer Tiefe von 2000m mit Wasser umsetzen?

  6. Schöne neue Welt, sauber und adrett mit lauter gehorsamen und sich vorschrifts-adäquat verhaltenden Menschen. Gottlob bin ich bereits alt und nimmer so agil – sonst waere ich bei derartigen Zuständen wohl Staatsfeind
    und gewalttätiger Terrorist. Des Menschen Naturell ist nun mal nicht gemäss einem politisch verfügten erwünschten Sozialverwalten, weder im konfuzianisch geprägten Singapore noch erst Recht nicht im Westen
    irgendwo. Dabei muss man auch sehen das Singapore zwar durch eine parlamentarische, demokratisch
    gewählte Regierung und deren Präsident regiert wird. Es handelt sich sich aber um einen Einparteienstaat in dem auch Vorwürfe wie Repression und Korruption im Umgang mit der Opposition und Andersdenkenden im Raume stehen. So ist die Entwicklung zum Überwachungs- und Repressions-Staat
    sogar im fernen Singapore bedenklich, zumal bestimmte politische Kreise die Technik und deren Möglichkeiten weit weg ganz sich auch hier überaus aufmerksam verfolgen und damit liebäugeln.

    1. Technik und Techniküberschätzung.
      Das ist die optimistische Fassung. In aller Regel dürften die gesellschaftlich oder freiheitlich negativen Effekte ziemlich exakt so gewollt sein. Auf welcher Ebene ganz genau dürfte inzwischen irrelevant sein.

      Gibt das nicht so Sticker, die die Teile Triggern, zum Anheften an anderer Leute Hintern?

  7. Selbst mal ganz unabhängig und abgesehen von der insgesamt wohl nicht erst seit Kurzem allg.-bekannt sowieso stark meinungs-freiheits-restriktiven Umgebung Singapur, wo der Einsatz laut Bericht erstmals erprobt wurde und nun tatsächlich umgesetzt zu werden scheint, bekommt man bei Begriffen wie „unerwünschtem Sozialverhalten“ auch exponenziell zunehmend in die Freiheit ja achso groß schreibenden Ländern westlicher Regionen – wie z.B. Absurdistan, äh sorry Deutschland, ein immer bedrückenderes Gefühl in der (v.a. intuitiven freigeistlichen) Magengrube.

    Hätte man den Begriff „unerwünschtes Sozialverhalten“ vor erst 20 Jahren zu genauerer Beschreibung, und was man sich darunter vorstelle, zur Erklärung/Definition aufgegeben bekommen, so hätte man sicher beschrieben, dass dies „rücksichtsloses, flegelhaftes, oder gar einschüchterndes, bedrohlich wirkendes asoziales Verhalten“ wohl meint… Doch das war einmal… …HEUTE meint „unerwünschtes Sozialverhalten“ – wie man ja unschwer daran erkennen kann, in welch´ Schubladen man von „political Correctness“, das lediglich eine einzige Meinung akzeptiert, und quasi auf der Stelle gesteckt, man auf Übelste stigmatisiert wird, wiederholt man nicht rückgratlos Mehrheitsmeinungen in Themen Asyl, Klima und Corona – schlicht und ergreifend noch „eigenbrötlerisch, verweigernd, querdenkend, rechtsradikal und sicher sehr sehr gefährlich“.
    Ganz nach Kurt Tucholskys Zitat: „In Deutschland gilt der, der auf den Schmutz hinweist für viel gefährlicher als der, der den Schmutz macht“…

    An wirklich abgrundtief bösartige, eiskälteste soziopathische Schwerstkriminelle traut man sich doch immer weniger heran… Stattdessen werden aufgrund aufgrund lethargisch-ohnmächtigen juristischen Unvermögens „unbequeme“, da nur ehrliche Menschen, die sich NICHT zum „Sprachrohr“ hochkorrupter Politiken verbiegen lassen, mit überwiegend Paradox-Vorschriften gegängelt… (!!)

    1. Wie man unschwer auch an der deutschen Gesetzgebung ablesen kann, bedeutet der Wirkungsraum folgende: denken wir oder unsere Vertreter uns DANN aus. Also Checko Blanko Alles?

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