Transparenzbericht Januar 2021Unsere Einnahmen und Ausgaben und eine Million

Im Januar werden Entscheidungen getroffen, die das ganze Jahr bestimmen und gestalten und sogar die nächsten zwei oder fünf Jahre beeinflussen. Und deswegen ist diese eine Zahl nicht nur eine Zahl, sondern das Ergebnis zahlreicher Überlegungen. Im Januar legen wir das Spendenziel fest. 2021 wird unser Ziel eine Million sein. Wie wir zu dieser Zahl kommen, erfahrt ihr hier.

The Great Wave von Katsushika Hokusai
Der Anfang von etwas Neuem, das Freilegen des Alten – eine Welle kann vieles bewirken. CC public domain Katsushika Hokusai

Spendenziel siebenstellig?

Es ist Zeit, sich für dieses Jahr festzulegen. Das Spendenziel ist Ergebnis vieler Abwägungen. Zum einen verzeichnen wir in den letzten vier Jahren ein Spendenwachstum von durchschnittlich 22 Prozent. Das ist erstaunlich und freut uns enorm. Im Jahr 2020 haben wir rund 887.000 Euro Spenden erhalten. Eine Steigerung von 22 Prozent in diesem Jahr würde ein Spendenziel von 1.082.000 Euro bedeuten. Zum anderen wäre das jedoch eine „passive“ Rechnung, denn es würde maßgeblich darum gehen, was wir bekommen – nicht darum, wer wir sein wollen, wohin wir uns entwickeln wollen und was wir brauchen, um gut zu arbeiten.

Wie schon im Transparenzbericht aus dem Dezember angedeutet, wollen wir unbedingt nachhaltig wachsen – ohne allzu große Wachstumsschmerzen. Und wir wollen sinnvoll wachsen. Der entscheidende Faktor hierfür ist, die bestmöglichen Bedingungen zu schaffen, um unsere Rolle gut auszufüllen. Wenn die gesamte Redaktion denkt, dass wir ein Thema unbedingt hätten machen müssen, aber keine Ressourcen dafür vorhanden waren, müssen wir damit umgehen. Wenn die IT-Abteilung und die Verwaltung der Redaktion so dünn besetzt sind, dass eigentlich niemand aus diesen Bereichen ausfallen darf, müssen wir darauf reagieren. Das sind zwei von vielen Beispielen, die uns zeigen, dass wir aus unseren Schuhen herausgewachsen sind und neue brauchen.

Nach vielen Überlegungen haben wir für uns zusammengestellt, was netzpolitik.org – bei allen unterschiedlichen Sichtweisen – auf jeden Fall braucht, um funktionsfähig und robust zu bleiben. Nach Umsetzung all dieser Neuerungen würde am Ende dieses Jahres ca. eine Million Euro an Ausgaben stehen. Voraussichtlich werden wir nicht alles davon in diesem Jahr schon verwirklichen können, aber in diese Richtung müssen und wollen wir uns bewegen. Eine Million als Spendenziel liegt also einerseits im machbaren Bereich der Spendensteigerung und entspricht andererseits unserem Entwicklungswunsch.

Ein Schritt nach dem anderen

Je mehr Menschen zusammenarbeiten, desto klarer müssen auch Wege, Prozesse, Zuständigkeiten koordiniert sein. Stellt euch vor, in der Bauphase eines Flughafens müssten die Elektriker:innen bei jedem Kabelschacht erst einmal rausfinden, welche Kabel dort verbaut werden sollen, wer befugt ist, das zu entscheiden, wer überhaupt die Informationen darüber hat – und müssten herausfinden, ob die Kabel bestellt werden müssen und wo. Ich weiß nicht, wie nah diese Vorstellung an der Realität ist, aber gewiss ist, dass sie so nicht sein sollte.

Neue Menschen einzustellen, ist nicht der Bau eines Flughafens, aber doch ein Projekt, bei dem klar sein sollte, was die neue Person hier tun soll, an wen sie sich wenden kann, wo Entscheidungen getroffen werden, was ihr Aufgabenbereich ist und nicht ist. Kurz – die Vorbereitung sollte so sein, dass diese Person unter bestmöglichen Bedingungen den Job antreten kann. Das können wir nicht mehr für jeden Bereich gewährleisten, da nicht mehr alle alles machen und die Wege nicht mehr immer kurz sind. Wir müssen also erst die Bedingungen für ein sinnvolles Wachstum schaffen. Das tun wir gerade und sind ganz gespannt, was dabei rauskommt, wo es uns zum Umdenken oder Festhalten bewegt.

Unser Team
Unser Team - CC-BY-NC-SA 4.0 owieole

Ein großer Schritt für gemeinwohlorientierten Journalismus

Es ist nicht selbstverständlich, dass ein Medium ohne Werbung, Tracking, Datenverkauf und gleichzeitig 100 Prozent frei verfügbaren sowie offen lizenzierten Inhalten funktioniert und nun die Million anstrebt. Es ist eher höchst unwahrscheinlich. Wir sind sehr stolz, dass das mit netzpolitik.org gelungen ist und unglaublich froh, dass ihr dieses Projekt für unterstützungswürdig haltet.

Bis heute sind wir keine Kompromisse eingegangen – im Gegenteil. Auf dieser Webseite gibt es nichts außer den redaktionellen Inhalten, die ihr lest. Von allen Seiten, auf die du heute klicken wirst, wird netzpolitik.org vielleicht die einzige sein, die nichts von dir will, auf der nichts aufploppt – selbst wenn du gerade den Cache geleert und die Cookies gelöscht hast.

Deswegen ist diese eine Million nicht nur eine Zahl, sondern ein Silberstreif am Horizont des gemeinwohlorientierten Journalismus. Die Entwicklung von netzpolitik.org zeigt, dass Journalismus nicht der Honeypot für Werbepixel und Datenerfassung sein muss, sondern um seiner selbst willen existieren kann.

Die harten Zahlen

Der Januar war eine Punktlandung. Spenden in Höhe von 68.800 Euro standen Ausgaben in Höhe von 67.228 Euro gegenüber. Nach einem so erfolgreichen Jahresende ist es sehr spannend zu beobachten, welche Spenden davon einmalig waren und welche Unterstützung uns dauerhaft bleiben wird. Im vorigen Januar lagen die Spenden 5.000 Euro höher, aber dieses Ergebnis war etwas verzerrt, da einige Dezemberspenden erst im Januar gebucht wurden. Das war in diesem Jahr anders – die Lastschriften wurden zeitnah eingezogen. Im Januar wird insgesamt mehr gespendet als in vielen anderen Monaten. Erfahrungsgemäß zeigt sich erst im Februar und März, auf welchen Wert sich die regelmäßigen Spenden ungefähr einpendeln.

Spendenentwicklung 2020/2021
Spendenentwicklung 2020/2021 - CC-BY-NC-SA 4.0 owieole

Zusätzlich zu den Spendeneinnahmen haben wir im Januar noch einmal einen dreiviertel Bitcoin verkauft. Der Kurs war recht hoch, und man weiß ja nie, wie sich das noch entwickelt. Neben den üblichen Ausgaben für Personal in Höhe von 52.168 Euro und der Miete in Höhe von 4.797 Euro für Berlin und Brüssel (Miete für Brüssel wurde für zwei Monate bezahlt) fällt vor allem die Summe für Infrastruktur auf. Etwas über 4.000 Euro kostete uns der Umzug und die Modernisierung unserer IT-Infrastruktur inkl. monatlicher Gebühr. Alles in allem haben wir im Januar durch den Bitcoin-Verkauf und durch Merch 28.654 Euro mehr eingenommen als ausgegeben. Der Januar war ein guter Start in das Jahr, 7 Prozent vom Jahresspendenziel sind schon erreicht.

Unsere Einnahmen und Ausgaben im Januar 2021
Unsere Einnahmen und Ausgaben im Januar 2021 - CC-BY-NC-SA 4.0 owieole

Dieses Jahr wird nicht weniger aufregend als letztes. Vermutlich wird es nie weniger aufregend. Dieses Jahr wird eher aufregender – denn es wird darum gehen, die Weichen für die nächsten fünf Jahre zu stellen. Wir freuen uns, wenn ihr uns auf diesem Weg begleitet. Wir können nur so planbar und transparent wie möglich mit eurer Unterstützung umgehen und euch bei allem, worüber wir nachdenken, wohin wir uns entwickeln, mitnehmen. Wenn ihr schon immer etwas loswerden wolltet – was netzpolitik.org sein sollte oder für euch schon ist –, dann ist jetzt der richtige Zeitpunkt, das unten in die Ergänzungen zu schreiben.

Danke für Eure Unterstützung!

Wenn ihr uns unterstützen wollt, findet ihr hier alle Möglichkeiten. Am besten ist ein Dauerauftrag. Er ermöglicht uns, langfristig zu planen:

Inhaber: netzpolitik.org e. V.
IBAN: DE62430609671149278400
BIC: GENODEM1GLS
Zweck: Spende netzpolitik.org

Wir freuen uns auch über Spenden via Bitcoin oder Paypal.

Wir sind glücklich, die besten Unterstützerinnen und Unterstützer zu haben.

Unseren Transparenzbericht aus dem Dezember findet ihr hier.

2 Ergänzungen

Ergänzung an Stefanie Talaska Ergänzung abbrechen

Wir freuen uns auf Deine Anmerkungen, Fragen, Korrekturen und inhaltlichen Ergänzungen zum Artikel. Unsere Regeln zur Veröffentlichung von Ergänzungen findest Du unter netzpolitik.org/kommentare. Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.