NPP 228 zu freier medizinischer BildungAus der Notaufnahme ins Internet

Eine kleine, aber aktive Bewegung will medizinische Inhalte besser zugänglich machen. Auf Blogs, in Podcasts und über soziale Medien teilen Ärztinnen und Sanitäter ihr Wissen miteinander. Ein Einblick in die faszinierende Welt von FOAM – voller Abkürzungen, Fachwörter und Humor.

Ein Rettungswagen mit der Aufschrift 112
Im Rettungsdienst muss es oft schnell gehen. Vereinfachte Pixabay Lizenz Golda Falk


FOAM heißt auf Englisch eigentlich Schaum, dabei geht es bei „Free Open Access Medical Education“ um ziemlich handfeste Inhalte. Die Bewegung, die medizinische Bildung frei zugänglich machen möchte, ist vielleicht klein, dafür aber umso aktiver. In einem Universum aus Podcasts, Youtube-Kanälen, Blogs, Chatgruppen und verteilt über viele soziale Medien stellen Ärztinnen, Sanitäter und Pflegekräfte medizinisches Wissen bereit.

Doch genauso wichtig wie die Inhalte ist in der Community die gemeinsame Diskussion: Was steckt hinter einem bestimmten EKG? Wie geht ihr vor, wenn eine Patientin Bauchschmerzen hat? Was haltet ihr von dieser neuen Studie? Wir sind in eine Welt eingetaucht, in der wir manchmal vor lauter Fachwörtern und Abkürzungen kaum etwas verstanden haben. Und doch haben wir gemerkt: Was da passiert, ist ziemlich cool und wichtig für uns alle. Denn im Rettungswagen entscheiden zwar manchmal Sekunden über das Leben eines Patienten, aber bis Wissen aus der Forschung in der klinischen Praxis ankommt, vergehen nicht selten Jahre. FOAM beschleunigt nicht nur den Wissenstransfer, sondern überwindet Hierarchien: Hier fachsimpeln langjährige Chefärztinnen mit jungen Rettungssanitätern, die gerade ihre Ausbildung begonnen haben.

Wir haben für diese Podcast-Folge mit Leuten geredet, die sich mit FOAM auskennen: Philipp Gotthardt und Martin Fandler vom Blog Nerdfallmedizin berichten von ihrem Projekt. Die beiden Ärzte erklären regelmäßig in Videos, was sie bei Krampfanfällen tun oder was man beim Intensivtransport beachten muss. In ihrem Team ist auch Wiebke Turner, die zuerst im Rettungsdienst gearbeitet hat und jetzt Medizin studiert. Sie betreut die Nerdfälle – die man sich vielleicht am besten als Telegram-Gruppen-True-Crime-Rätsel für Mediziner:innen vorstellen kann. Wiebke erzählt uns außerdem, wie sie FOAM während ihrer Ausbildung entdeckt hat und wie sie das Wissen auch im Studium nutzen kann.

Ein besonderes Thema haben sich die zwei Rettungsaffen Sven Heiligers und Tobias Feltus gesucht. Tobi, einer der beiden Notfallsanitäter, war früher Jurist. Beide klären auf ihrem Blog und in Podcast oft über rechtliche Themen auf. Und auch wenn es in der FOAM-Bewegung eine auffällige Häufung an Notfallmediziner:innen gibt: Am Ende sprechen wir noch mit dem Psychiater Jan Dreher. Auf seinem Blog Psychiatrie to Go und im Psychcast von ihm und dem Alexander Kugelstadt, Arzt für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie, dreht sich alles um die Psyche.

Hier ist die MP3 zum Download. Es gibt den Podcast wie immer auch im offenen ogg-Format.

Shownotes

Einleitung

Nerdfallmedizin

Nerdfälle

Die Rettungsaffen

Psychiatrie To Go


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Quellen

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Eine Ergänzung

  1. Wie wirkt sich FOAM auf das Interrese vom Nachwuchs/ Schülern an (Rettungs-) Medizin aus?
    Denn mein Interesse an Mathematik wurde größtenteils durch Videos und Vorträge auf YouTube für Studenten geprägt. Ich glaube ich bin damit nicht alleine.
    Gilt das gleiche für die FOAM Subkultur?

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