Was vom Tage übrig blieb

Taiwan, TikTok und Todesdrohungen

Ermittler nehmen rechten Hass im Netz nicht ausreichend Ernst, die taiwanesische Digitalministerin und Ex-Hackerin Audrey Tang macht vieles richtig und TikTok bläst in den USA zum Gegenangriff. Die besten Reste des Tages.

Ausblick auf Fernsehturm
Elegant geschwungene Wolkenlinien durchziehen heute den Berliner Himmel.

Rechtsextreme Morddrohungen: Hass 2.0 (Zeit online)
Die Zeit hat Rechtsextremen im Internet nachrecherchiert, die dort in Foren wie „Deutschland im Deep Web 2“ unter Nutzernamen wie „Stahlgewitter“ Hass verbreiten, sich organisieren und versuchen, Waffen zu kaufen. Inzwischen ist einer davon, André M., auch bekannt als „Nationalsozialistische Offensive“, angeklagt, weil er vermeintlich anonym Drohbriefe verschickt haben soll. Doch hängt er auch bei den Drohschreiben mit drin, die seit zwei Jahren verschickt und mit „NSU 2.0“ unterschrieben wurden? Möglich. Die Recherche kommt zu dem Schluss, dass die Ermittlungsbehörden die rechtsextremen Bedrohungen – wieder mal – nicht Ernst genommen haben. Das berichten die Betroffenen, denen wie der Kabarettistin Idil Baydar nahegelegt wurde, einfach die Handynummer zu wechseln. Und das zeigt, dass es bis heute gibt es keine zentrale Ermittlungsgruppe gibt, die die Fäden aus Berlin und Hessen und Bayern zusammenführt.

How Taiwan’s Unlikely Digital Minister Hacked the Pandemic (Wired)
Dieses Stück über die taiwanesische Digitalministerin Audrey Tang ist zwar schon eine Woche alt, wurde uns jedoch von einem Leser mit Bitte um Weiterverbreitung ans Herz gelegt. Bei Jubelportraits über Tech-Genies ist der Sachverständigenrat sonst eher skeptisch. Dieses hier aber ist wirklich lesenswert. Nicht nur, weil die ehemalige Hackerin so eine spannende Person ist („Tang ist zugleich sonderbar und ernstzunehmend; ein Schmetterling, der auch vor Schwergewichten nicht zurückschreckt.“) Sondern vor allem, weil sie politisch ziemlich viel richtig macht. Konsequent auf Open Data setzen, zum Beispiel. Oder Gelder locker machen, um damit Menschen zu empowern, die Technologie für das Gemeinwohl entwickeln. Oder auf Communities hören, die das Internet als ihre Heimat betrachten.

TikTok blasts ‚copycat‘ Facebook as US starts probe (BBC)
Die Videoschnipsel-Plattform TikTok geht in den USA zum Gegenangriff über und wirft Facebook vor, an einer Kopie des Dienstes zu arbeiten. Gegen das aus China stammende Unternehmen war kürzlich eine Untersuchung eingeleitet worden, die das Aus für die Plattform in den USA bedeuten könnte. „Reels“ soll der TikTok-Klon heißen und in Instagram eingebunden sein, ärgert sich der TikTok-Chef Kevin Mayer, der sich um den freien Markt und Verbraucherrechte in den USA Sorgen macht. Derweil stellt sich auch hierzulande die Frage, wie man mit dem sozialen Netzwerk umgehen soll. Dennis-Kenji Kipker und Michael Walkusz haben es bei Beck zusammengeschrieben: „TikTok-Verbot: nun auch in Deutschland?“

Jeden Tag bleiben im Chat der Redaktion zahlreiche Links und Themen liegen. Doch die sind viel zu spannend, um sie nicht zu teilen. Deswegen gibt es jetzt die Rubrik „Was vom Tage übrig blieb“, in der die Redakteurinnen und Redakteure gemeinschaftlich solche Links kuratieren und sie unter der Woche um 18 Uhr samt einem aktuellen Ausblick aus unserem Büro veröffentlichen. Wir freuen uns über weitere spannende Links und kurze Beschreibungen der verlinkten Inhalte, die ihr unter dieser Sammlung ergänzen könnt.

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2 Ergänzungen
  1. Danke für den Verweis auf den Artikel über Audrey Tang. Sie macht einen tollen Job als Digital-Ministerin und ist in Taiwan sehr populär.

  2. > Oder Gelder locker machen, um damit Menschen zu empowern,
    > die Technologie für das Gemeinwohl entwickeln.
    „empowern“ => „fördern“/“unterstützen“

    Bitte, gern geschehen :-)

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