Remote Chaos ExperienceProgrammempfehlungen für Pandemie-kompatibles Online-Chaos

Während wir uns letztes Jahr mit Tausenden anderen in Leipzig in vollen Sälen versammelt haben, fehlt uns dieses Jahr der Chaos Communication Congress. Aber auf Talks müssen wir nicht verzichten, die Remote Chaos Experience steht bevor!

CCC-Rakete in der Leipziger Messehalle, bunt beleuchtet
Hoffentlich können wir uns im nächsten Jahr wieder an der Rakete treffen. CC-BY-SA 3.0 Freddy2001

Alles ist anders. Nicht nur Weihnachten verbringen viele 2020 unter besonderen Pandemie-Bedingungen, auch die Jahresend-Veranstaltung, die für viele aus unserer Redaktion fester Bestandteil des Jahres geworden ist, kann so nicht stattfinden. Der Chaos Communication Congress muss ausfallen, aber die RC3 – Remote Chaos Experience – ist angetreten, uns mit spannenden Vorträgen, virtuell-distanziertem Socialising und kreativem Durcheinander aus dem Jahr herauszugeleiten.

Wir haben uns für euch das vielfältige Programm angesehen und geben einige Empfehlungen. Natürlich ohne Anspruch auf Vollständigkeit.

Auch aus unserem Redaktionsumfeld werden einige vertreten sein. Der altbewährte netzpolitische Wetterbericht von Markus Beckedahl findet natürlich auch in diesem Jahr statt, am 28.12. um 18 Uhr. Gleich im Anschluss um 19 Uhr wird Lennart Mühlenmeier gemeinsam mit dem freien Reporter Timo Stukenberg über das „Virus hinter Gittern“ berichten. Dabei geht es auch um hilflose Digitalisierungsversuche in deutschen Gefängnissen. Und im Spätprogramm ab 22 Uhr erklärt Matthias Monroy, wie sich europäische Geheimdienste in undurchsichtigen „Gruppen“ und „Clubs“ organisieren.

27. Dezember, Tag 1

Gleich zu Beginn des RC3 könnt ihr euch über den aktuellen Stand rund um die Wikileaks-Ermittlungen und das Assange-Auslieferungsverfahren informieren. Außerdem erklärt jiska, warum Bluetooth eine gute Wahl für die Corona-Warn-App war. Über diese App, die in vielen Vorträgen Thema sein wird, berichtet auch ein Beteiligter in „Die Geschichte der Corona-Warn-App“.

Elektronische Auszählungshilfen für Wahlen scheinen hingegen nicht die beste Idee zu sein, meinen Johannes und Tobaem in ihrem Talk „Hacking German Elections“.

Strategien gegen „Schwurbeldemos der Neuen Rechten“ gibt es um 18 Uhr. Was man gegen Gesichtserkennung tun kann, berichten Aktivist:innen der #ReclaimYourFace-Kampagne.

Um 20 Uhr naht Entspannung beim Fireside Chat mit dem Science-Fiction-Autor Cory Doctorow, und wer um 22 Uhr noch aufnahmefähig ist, kann sich „Oh du fröhliche, oh du smarte Welt…“ von Barbara Wimmer anschauen.

28. Dezember, Tag 2

Am Montag gibt es gleich zwei Vorträge zu einem Dauerbrenner, den Crypto Wars. Die IT-Sicherheits-Koryphäe Ross Anderson führt in die Geschichte vom Kalten Krieg zum Kryptokrieg und zurück ein und Erich Möchel erklärt, warum das Thema heute leider wieder aktuell geworden ist.

Kurt Opsahl von der Electronic Frontier Foundation klärt über Überwachungsmethoden der Polizei bei Demonstrationen auf und gibt Hilfestellung, wie man diese erkennen kann. Der Anti-Gesichtserkennungs-Aktivist Paolo Cirio referiert über Strategien, wie man die Ermittler mit Gesichtserkennung zurücküberwachen kann.

Zum Rückblick auf die deutsche EU-Ratspräsidentschaft gibt es eine Diskussion, in der auch Matthias Monroy und Vertreter:innen von EDRi dabei sein werden. Moderieren wird Tom Jennissen von der Digitalen Gesellschaft. Parallel läuft ein Klassiker, der Überblick über Netzpolitik in der schönen Schweiz. Wer sich nicht zwischen den beiden Angeboten entscheiden kann, muss keine Angst haben, sondern kann danach die Aufzeichnungen schauen.

Spannend wird sicher auch der Vortrag von Markus Kompa über Cryptoleaks, die Enthüllung einer BND-CIA-Spionagekooperation, die zu lange im Verborgenen blieb.

29. Dezember, Tag 3

Am dritten Tag könnt ihr euch über einige netzpolitische Schwergewichte informieren: die EU-Verordnung gegen terroristische Inhalte, das geplante „Plattformgrundgesetz“ Digital Services Act und die Fingerabdruckpflicht in Personalausweisen zum Beispiel.

Auch zu Verschwörungserzähler:innen und der Repräsentation von Nazis in Computerspielen gibt es frisches Wissen. Schmerzhaftes gibt es aus der Gesundheits-IT und wer dann in Katastrophenstimmung ist, dem erzählt kritis gern, wie Nerds überleben, wenn pizza.de down ist. Und gibt ausnahmsweise eine Empfehlung dazu, etwas auszudrucken.

Außerdem gibt es Vorträge über digitale Gewalt gegen Frauen und Recherche-Einblicke zu dem neugierigen Tech-Helferlein Alexa.

30. Dezember, Tag 4

Am letzten RC3-Tag gibt es nochmal eine Ladung Infos zum Corona-Contact-Tracing und einen Blick über den Tellerand zum Stand der digitalen Freiheitsrechte in Lateinamerika.

Aktivisten eines Berliner Tech-Kollektivs klären über Smartphone-Nutzung bei politischen Aktionen auf und möchten nicht nur auf Gefahren, sondern auch auf kreative Ideen zur Nutzung der digitalen Begleiter aufmerksam machen. Beenden möchten wir unsere Empfehlungen mit „Inside xHamster“, einem Bericht von Sebastian Meineck und Yannah Alfering, die sich als Löscharbeiter bei der Pornoseite eingeschleust und einige Probleme aufgedeckt haben.

Wir wünschen euch eine gute Remote Chaos Experience!

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7 Ergänzungen

  1. Bei der #ReclaimYourFace-Kampagne geht der Link nicht.

    Vielen Dank für die Empfehlungen! Der Kalender wurde gefüllt und ein Plan für die Flucht aus den Familienvideokonferenzen ist geschaffen.

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