Was vom Tage übrig blieb: Verfolgen statt löschen, Flughafen-Irrsinn und Fake-Geldanlagen

Wenn auf einmal die Polizei bei Hass-Postern vor der Tür steht, sind sie überrascht. Überraschend ist auch, wie viel Aufwand es ist, ohne Gesichtserkennung zum Flug zu kommen. Gar nicht so überrascht hat uns, dass hinter Geldanlage-Plattformen mit seltsamen Namen auch seltsame Geschäftsmodelle stehen. Die besten Reste des Tages.

Ein Prachtwetter, trotz der Schäfchenwolken.

Millionengeschäfte im Netz: Ermittler zerschlagen Betrügerring (Tagesschau.de)
Sie hießen „Option888“, „TradeInvest90“, „XMarkets.com“, „ZoomTrader“ und „TradoVest“. Das klingt nicht besonders vertrauenswürdig für solche Seiten und das waren sie auch nicht. International agierende Betrüger haben mutmaßlich trotzdem mit diesen Fake-Geldanlage-Plattformen Millionen-Gewinne gemacht. Ermittler der Staatsanwaltschaft Saarbrücken führen nun gemeinsam mit der Zentralen Wirtschaftsstaatsanwaltschaft aus Österreich ein Verfahren gegen die Anbieter.

I Opted Out of Facial Recognition at the Airport – It Wasn’t Easy (WIRED)
Momentchen mal, die Zukunft ist doch das, was noch weit weg ist, oder? Einen interessanten Eindruck vom Tempo, mit dem einen vermeintlich dystopische Szenarien von rechts überholen können, bekommt man beim Lesen dieses Beitrags. Die Autorin schildert darin ihre Erfahrung mit Gesichtserkennung an US-Flughäfen: Um dem Boarding per Gesicht zu entgehen, musste sie einen Riesenaufriss betreiben. An vielen US-Flughäfen ist Boarding per Gesichts-Scan heute schon Standard. Bis zum Jahr 2023, so erwartet das Department of Homeland Security, sollen 97 Prozent der Flugreisenden bei der Ausreise gescannt werden.

Hetze in sozialen Netzwerken: „Erstaunt, wenn die Polizei vor der Tür steht“ (sueddeutsche.de)
Nur selten haben Hasspostings Konsequenzen. Die SZ hat mit Staatsanwalt Christoph Hebbecker aus Köln geredet, was passiert, wenn strafbare Inhalte wirklich mal verfolgt werden. „Verfolgen statt löschen“, lautet das Motto: „Nur zu löschen und die Urheber nicht zu verfolgen, kann aus Sicht des Strafverfolgers kein zufriedenstellender Lösungsansatz sein. Beim Diebstahl sagen wir ja auch nicht, wenn der Dieb die Beute zurückgibt, dann ist alles in Ordnung.“ Klingt logisch.

TikTok under investigation over child data use (The Guardian)
In den USA hat die Video-App TikTok bereits Anfang des Jahres eine fette 5,7-Millionen-Dollar-Geldstrafe einstecken müssen, weil sie die Daten von Unter-13-Jährigen gesammelt und damit gegen US-Recht verstoßen hatte. Jetzt haben auch die britischen Datenschützer die App im Visier. Bei einer Parlamentsanhörung sagte eine Vertreterin der Behörde, dass eine aktive Untersuchung der App laufe. Nach der Datenschutzgrundverordnung könnte das für Bytedance, der chinesischen Firma hinter TikTok, eine Geldstrafe bis zu 20 Millionen Euro oder vier Prozent des Jahresumsatzes bedeuten. Für das derzeit wertvollste Startup der Welt (75 Milliarden) wäre das wohl verkraftbar.

The Simple Way Apple and Google Let Domestic Abusers Stalk Victims (WIRED)
Und nochmal WIRED: Tech-Reporter Andy Greenberg hat sich von seiner eigenen Frau bespitzeln lassen. Nicht etwa mit irgenwelcher Stalkerware, sondern einfach mit Hilfe der Apps, die er eh schon auf dem Telefon hatte: Google Maps oder Apples Find My Friends. Sein Fazit: Tech-Firmen neigen dazu zu vergessen, dass das Bedrohungsszenario für ihre Nutzer:innen manchmal kein böser Fremder ist, sondern mit im eigenen Bett schäft. Damit machen sie es gewalttätigen Partnern leicht, ihre Produkte zu missbrauchen.

Jeden Tag bleiben im Chat der Redaktion zahlreiche Links und Themen liegen. Doch die sind viel zu spannend, um sie nicht zu teilen. Deswegen gibt es jetzt die Rubrik „Was vom Tage übrig blieb“, in der die Redakteurinnen und Redakteure gemeinschaftlich solche Links kuratieren und sie unter der Woche um 18 Uhr samt einem aktuellen Ausblick aus unserem Büro veröffentlichen. Wir freuen uns über weitere spannende Links und kurze Beschreibungen der verlinkten Inhalte, die ihr unter dieser Sammlung ergänzen könnt.

Eine Ergänzung
  1. > I Opted Out of Facial Recognition at the Airport – It Wasn’t Easy
    Interessanter Artikel. Mir war nicht klar wie weit das bei den Amis schon geht. Aber kann mir bitte jemand erklären worauf sich das „It Wasn’t Easy“ bezieht? Laut Artikel mußte sie lediglich nachfragen und dann eine Paßkontrolle verlangen statt sich ablichten zu lassen. Ich hatte jetzt mit Gezeter und Diskussionen seitens der Sicherheitstheaterleute gerechnet, wie man’s bei uns manchmal erlebt, wenn man den Nacktscanner verweigert.

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