Öffentlichkeit

„Topf Secret“: Schau deiner Eckkneipe auf die Finger

Mit einer neuen zivilgesellschaftlichen Online-Plattform können Verbraucher:innen Hygienekontrollberichte zu Restaurants, Supermärkten und anderen Betrieben anfragen. Bisher setzt die Bundesregierung auf ein System der freiwilligen Transparenz. Das aber klappt nicht so recht.

Und wie hygienisch ist die Küche? Gemeinfrei-ähnlich freigegeben durch unsplash.com

FragDenStaat und die Verbraucherorganisation foodwatch haben heute die Online-Plattform „Topf Secret“ gestartet. Über eine Web-Anwendung lassen sich unkompliziert Anfragen zu Ergebnissen von Hygienekontrollen an Behörden senden. Eine Kartenansicht hilft dabei, Lebensmittelbetriebe wie Restaurants, Bäckereien und Supermärkten auszuwählen und die zuständige Kontrollbehörde automatisiert anzufragen.

Laut foodwatch wird derzeit jeder vierte von Behörden kontrollierte Lebensmittelbetrieb beanstandet, größtenteils wegen Hygienemängeln. Die meisten der Mängel bleiben bisher allerdings geheim. Zwar hat sich die schwarz-schwarz-rote Regierung in ihrer Koalitionsvereinbarung darauf verständigt, „eine übersichtliche und eindeutige Verbraucherinformation zu Hygiene und Lebensmittelsicherheit“ zu gewährleisten. Die Betriebe sollen die Ergebnisse von Hygienekontrollen allerdings nur auf freiwilliger Basis veröffentlichen.

Freiwilliges System funktioniert nicht

Das funktioniert offenbar nicht: In Niedersachsen hängten in einem Modellversuch in Braunschweig und Hannover nur vier Prozent aller Betriebe Kontrollergebnisse aus. Die meisten Online-Verzeichnisse zu Beanstandungen bleiben leer.

Daher soll jetzt „Topf Secret“ für Transparenz sorgen. Neben eigenen Anfragen an Lebensmittelbehörden können auch die Anfragen anderer Nutzerinnen eingesehen werden. Auf diese Weise soll Druck auf Ernährungsministerin Julia Klöckner (CDU) aufgebaut werden, damit sie eine verpflichtende Veröffentlichung von Hygienekontrollberichten einführt, die etwa in Dänemark und Wales bereits besteht.

Die gesetzliche Grundlage für Anfragen über „Topf Secret“ ist das Verbraucherinformationsgesetz. Das weitgehend unbekannte Gesetz von 2007 ermöglicht es Menschen in der Regel kostenfrei, Informationen zu Lebensmitteln und Hygienemängeln bei Behörden anzufragen. Der Verband Dehoga, der als Lobbyist Gaststätten in Deutschland vertritt, nannte die Plattform „puren Populismus“ – allerdings noch vor dem Launch, sodass ihm die Funktionsweise der Plattform nicht bekannt war.

3 Ergänzungen
  1. „Auf diese Weise soll Druck auf Ernährungsministerin Julia Klöckner (CDU) aufgebaut werden, damit sie eine verpflichtende Veröffentlichung von Hygienekontrollberichten einführt“

    Ist das nicht eigentlich Landessache? Denn die Bundesgesetze haben schließlich Öffnungsklauseln, die von den Ländern aktiv genutzt werden.

  2. 1) Ein freiwilliges System, dass dazu dient, negative Berichte über mich zu verbreiten, würde ich auch nicht selber füttern wollen. Dazu müsste man mich schon zwingen, nachdem ich mich freiwillig nicht so verhalte, wie es ein anderer es für mich vorgesehen hat :P

    2) Wenn ich eure Formulierung richtig verstehe, dann kommt dazu, dass die Behörde NICHT alle Restaurant kontrolliert, sprich, die negativen Berichte gibt es nur über eine vorausgewählte (nach welchen Kriterien) Gruppe von Nahrungsmittel-verarbeitenden Betrieben. Das schafft eine zu beanstandende Diskriminierung.

    3) Dann stellt sich mir die Frage, ob wir nicht der Behörde vertrauen sollten, wenn sie (temporäre) Mängel feststellt. Vertrauen, dass sie den Betrieb schließen, wenn sie Mangel „Milzbrand“ finden, aber es nicht tun, wenn der Boden der Toiletten etwas besch…eiden aussieht. Die Konsequenzen in unserer heutigen Zeit sind uns doch allen bekannt, wenn man Informationen über jemanden verbreitet, auch wenn sie heute nicht mehr zutreffen: „Was im Internet passiert, bleibt im Internet“ – für immer.

    1. Ich seh das nicht so kritisch.
      Natürlich stimmte ich 3) zu, aber es gibt das recht auf Vergessen und weiterhin, wenn ich sehe „oh da war mal ein Vorfall“ und im Jahr danach gab es keine Beanstandungen, dann ist doch der Ruf wieder hergestellt.

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