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Arbeiter, Mittelklasse, Oberschicht: Wie Facebook seine Nutzer einteilen will

Um ihre Aufmerksamkeit erfolgreicher vermarkten zu können, sortiert Facebook seine Nutzer in unterschiedliche Gruppen. Ein öffentlich gewordenes Patent zeigt nun, wie das Unternehmen Menschen auch in gesellschaftliche Klassen einsortieren kann. Grundlage sind unter anderem Informationen darüber, wer wie viele smarte Geräte und wer wo Wohneigentum besitzt.

Karl Marx gefällt das (nicht): Facebook hat eine Methode patentieren lassen, um Menschen auf Basis ihrer Daten in gesellschaftliche Klassen einzusortieren. CC-BY-NC-ND 2.0 Angela Schlafmütze

Ein kürzlich veröffentlichtes Patent gibt Aufschluss darüber, wie Facebook seine Nutzer auf Basis ihrer Daten in soziale Klassen einteilen will. Demnach unterscheidet das Unternehmen in „Arbeiterklasse, Mittelklasse und Oberschicht“. Wie sich aus dem Patent schließen lässt, geht es davon aus, seine Nutzer nicht selbst zu klassifizieren, sondern lediglich deren Zugehörigkeit zu bereits existierenden sozioökonomischen Gruppen zu prognostizieren.

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In die Big-Data-Analyse fließen unter anderem folgende Informationen ein: demographische Informationen wie Alter, Geschlecht, Ethnie, Bildungsstand, Wohnort; Art und Anzahl der internetfähigen Geräte, die jemand besitzt; Internetnutzung; Reiseaktivität; Haushaltsinformation wie Anzahl der Fahrzeuge oder Größe der Wohnung. Informationen über seine Nutzer, die Facebook nicht selbst sammeln oder erschließen kann, kauft das Unternehmen bekanntermaßen von Datenhändlern wie Oracle oder Acxiom.

Je nach Alter könnten verschiedene Indikatoren unterschiedlich stark gewertet werden. In einem Beispielfall beschreibt Facebook, dass bei 20- bis 30-Jährigen beachtet werden könnte, wie viele internetfähige Geräte sie besitzen, während bei 30- bis 40-Jährigen stärker einfließen könnte, ob sie ein Haus besitzen und in welcher Region es sich befindet. Dem Patent zufolge könnten bei der Analyse Machine-Learning-Systeme zum Einsatz kommen, um die Zuordnung zu optimieren. Die Methode könne auch einen Zuverlässigkeitswert liefern, der Auskunft darüber gibt, wie gut die Vorhersagequalität ist. Mehr Daten würden dazu führen, dass die Trefferquote steige.

Besseres Microtargeting

Die Zuordnung zu sozialen Klassen geschieht für unterschiedliche Altersgruppen auf Basis unterschiedlich gewichteter Indikatoren. Facebook vis freshpatents.com

Der Zweck des Verfahrens ist nach Facebooks primär ökonomischen Logik schlüssig: Das Unternehmen möchte damit seine Fähigkeiten zum Microtargeting weiter verbessern. Es verdient den Großteil seines Geldes damit, dass politische und kommerzielle Akteure ihre Inhalte möglichst zielgenau an gewünschte Zielgruppen ausspielen können. Aus dem Patent:

Zu den Inhalten können gesponserte Inhalte gehören, die Drittparteien dem Online-System zur Verfügung stellen. Eine solche Drittpartei ist beispielsweise eine Einheit, die Produkte oder Dienste anbietet und die Aufmerksamkeit ausgewählter Nutzer des Online-Systems, die zu einer bestimmten sozioökonomischen Gruppe gehören, hierfür steigern möchte. Durch die Prognose der sozioökonomischen Gruppe kann das Online-System der Drittpartei helfen, den ausgewählten Nutzern die gesponserten Inhalte zu präsentieren. Drittparteien ist es so möglich, ihre Produkte oder Dienste effektiv zu bewerben und das Online-System kann seinen Nutzern ein besseres Nutzungserlebnis ermöglichen, indem Inhalte generiert werden, die sie entsprechend ihrer vorhergesagten sozioökonomischen Gruppe mehr interessieren.

Microtargeting bei Facebook: Klasse, Ethnie, Psyche

Die Kategorisierung nach sozioökonomischen Kriterien ist in der Datenbranche kein unbekanntes Prinzip. Datenhändler wie Oracle oder Acxiom bieten explizit Informationen über Millionen Menschen in diesen Kategorien an. Letztere sind zudem dafür bekannt, dass sie kommerziell weniger attraktive Menschen in der Kategorie „waste“ („Müll“) sammelte.

Ob die hier patentierte Methode in dieser Form bereits im Einsatz ist, bleibt unklar. Unabhängig davon macht sie die grundsätzliche Logik des datenbasierten Microtargeting sehr gut anschaulich. Dass Facebook umfangreiche Analysen vornimmt, um seine Nutzer in vermarktbare Kategorien zu sortieren, ist bekannt. In den USA gibt es immer wieder Diskussionen darum, dass der Konzern Menschen auch nach „ethnischer Affinität“ kategorisiert und es Werbenden ermöglicht, sie anhand dieses Kriteriums anzusprechen oder auszuschließen. Erst im vergangenen Jahr war zudem publik geworden, dass Führungskräfte des Unternehmens die Qualität der zielgerichteten Werbung auf Facebook damit anpriesen, dass Werbekunden emotional verletztliche Jugendliche identifizieren und in den Momenten erreichen könnten, in denen diese sich besonders „wertlos“ fühlen.

[via futurzone.at]

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8 Kommentare
  1. Also, die Oberschicht trifft sich eher auf Golfplätzen, in St. Moritz, in Monaco oder in Davos, aber mit Sicherheit nicht im Blödelnetz Facebook. Das dürfte schon den Intelligenteren der Mittelschicht zu wenig sein. Auf Facebook trifft sich überwiegend die Unterschicht. Man kann die Unterschicht natürlich noch nach ihrem Schulabschluss unterteilen … .

    1. Da bin ich mir nicht so sicher. Zum einen gehören zu Facebook ja auch Dienste wie WhatsApp und Instagram. Zum anderen kann es ja durchaus sein, dass die sog. Oberschicht (die je nach Umgebung sehr unterschiedlich ist) FB nur selten und für bestimmte Inhalte nutzt – sobald der ML-Algorithmus das Verhalten erlernt hat und ‚weiß‘ wie die Zielobjekte anzusprechen sind ist das Ziel erreicht. Niemand muss vier Stunden am Tag auf FB zubringen um gewinnbringend verkauft zu werden.

    2. Also die Zahnärzte in meinem Bekanntenkreis fotografieren ihr Essen und stellen das bei Facebook ein. Das ist teilweise etwas peinlich, wenn ich mit denen unterwegs bin. Komischerweise nur die, Andere mit vergleichbarem Einkommen sind erheblich zurückhaltender.
      Mich treibt eher um, wo die Daten zu Imobilienbesitz her bekommen und wie die die Wertigkeit von demselben einschätzen wollen. Ein kleines Schloss im Wald finde ich besser als eine 100 qm Wohnung in bester Lage.
      Aber egal, ich nutze diesen „Service“ nicht.

  2. Es mag durchaus sein, dass die „Oberschicht“ nicht oder fast nicht in Facebook vertreten ist. Die Userzahlen halte ich übrigens auch weit übertrieben, denn „aktiv“ sind weitaus weniger.
    Vergessen sollten wir nicht, dass die Jugend anders tickt. Und hier sehe ich die größere Gefahr: Die Gewöhnung an die scheinbare sichere Welt der Kommunikation mit Handy & Co.
    Facebook & Co denken langfristig….

  3. Zuerst einmal wenn die Papiere korrekt sind. Der Schriftartencode „A1“ sagt, dass es sich hier um die Offenlegungsschrift (die Veröffentlichung der Patentanmeldung) handelt. Die Offenlegungsschrift wird automatisch 18 Monate nach dem Anmeldetag erstellt, unabhängig davon, ob in der Anmeldung etwas patentierbares steckt oder nicht. Bedeutet Facebook besitzt dieses Wissen und Code schon seit 18 Monaten. Fragt sich nur wann sie es offiziell einsetzen, intern und für Buisinesskunden wird es gewiss schon verwendet.

    Patente haben dann als Schriftartencode B, C oder T. Erschreckend ist es aber trotzdem, aber war vorhersehbar. Ob es aber patentierbar ist wird sich zeigen da sich das Datenmodell aufbaut wie heute schon Kreditauskünfte und Bonitätsberechnungen ablaufen.

    Warten wir ab

  4. Ich halte es für wichtig, das wir alle uns Gedanken machen, wie es zu diesen und ähnlichen Problemen kommt. Daher führe ich hier mal stark vereinfacht den Weg zur Ursache vor.
    Diese Unternehmen entziehen sich unserer Rechtsprechung und zahlen hier keine Steuern. Dennoch verdienen sie an uns. Wenn die AGBs einem deutschen Recht unterstellt wären, ließe sich die mißbräuchliche Datenerfassung eindämmen. Dieses Grundsätzliche Problem muss die Politk angehen.
    Es lässt sich aber deutlich beobachten, dass die Bundesregierung nicht gewillt ist, der Wirtschaft entgegen zu treten. Siehe Dieselskandal. Erschreckende ist, dass die meisten Bürger sich nicht einmal mehr daruber aufregen, dass die Zukunft des Landes eher von der Wirtschaft, als von der Politik gestaltet wird. Wobei in Deutschland ein Grossteil der Bürger ja noch ordentlich informiert ist, wie Wirtschaft und Politik zusammenspielen. Global, steigt doch schon lange keiner mehr durch, welche Wirtschaftsplayer sich von welchem politischen Lager ihre finanziellen Vorteile durch politisches Handeln absichern lassen.
    Ich denke, dass wir den Zustand, dass die Globalen Konzerne stärker sind, als einzelne Regierungen nur dann ändern könnten, wenn die Regierungen zusammenarbeiten. Hand aufs Herz schaut euch an, wie wir innerhalb unserer EU Probleme haben eine sinnvolle Politik zu machen. Iren und Niederländer verschaukeln uns offen bei der Steuerpolitik. Ungarn und Polen haben sich abgewand und möchten zurück in eine „gute alte Zeit“, die es nie gegeben hat. Fazit: Entweder schaffen wir es, uns neue unabhängigere Politiker zu wählen (nicht nur in diesem Land) oder wir werden auch Zukünftig von Googel, VW und facebook gemolken und verschaukelt.

  5. tja die Freimaurerei wurde ja schon mal verboten , aber es will jetzt keiner mehr durchsetzen.
    Sie ist bis zu hohen Regierunskreisen wieder fest verwanzt.
    Nun können sich die Kastenbauer ,Melker,Verschaukler ( sie nennen sich „human“ ) austoben und das Plebs auch noch einteilen wie sie lustig sind und deren Daten verkaufen.Unfassbar wie geldgeil man sein muss, alle Daten der Welt zu erstehlen und sie besitzen zu wollen.Asozial.Bäh.

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