Öffentlichkeit

16 Beispiele, warum Pseudonymität im Netz unverzichtbar ist

Wer eine Klarnamenpflicht im Internet einführen will, verschlechtert das Leben vieler Menschen. Wir zeigen anschaulich, warum das so ist.

Pseudonymität hat vieler Gesichter. (Symbolbild) Gemeinfrei-ähnlich freigegeben durch unsplash.com Natã Figueiredo

Pseudonymität ist in einer demokratischen Gesellschaft unverzichtbar. Wir haben 16 fiktive, aber alltägliche Beispiele aufgeschrieben, die zeigen, dass Pseudonymität dem Schutz der Grundrechte und der freien Entwicklung von Menschen dient. In unseren anschaulichen, lebensweltlichen kleinen Geschichten zeigt sich, dass die Möglichkeit unter einem erfundenen Namen im Internet aufzutreten, elementar für die Pressefreiheit, die freie Entfaltung der Persönlichkeit, die Meinungsfreiheit, die Freiheit der Kunst, die informationelle Selbstbestimmung und die Religionsfreiheit ist.

  1. Du bist schwul in einem kleinen konservativen Dorf in Bayern und willst dich noch nicht outen, weil das zu Mobbing und Nachteilen führen könnte. Aber schwules Leben findet natürlich auch im Netz statt. Du bist froh, dass ein Pseudonym dich vor nervigen Angriffen auf Deine Person schützt.
  2. Du bist eine ausgewanderte Oppositionelle, die weiterhin gegen den autoritären Umbau der Türkei anschreiben will. Große Teile deiner Familie wohnen noch in der Türkei. Du willst weder deine Familie noch dich selbst in Gefahr bringen. Das Pseudonym schützt dich vor dem Zugriff türkischer Sicherheitsbehörden und deine Familie und Freunde vor Nachteilen.
  3. Du bist Angestellter in einem Verband, dessen politische Ausrichtung du nicht immer teilst. Du willst aber im Netz frei sagen, was du willst, ohne dass der Chef dich am nächsten Montag in sein Büro ruft. Du hast Verständnis dafür, dass dein Arbeitgeber nicht immer mit dir in Verbindung gebracht werden will und willst auch selbst nicht immer als Arbeitnehmer des Verbandes in der Öffentlichkeit stehen. Dein Pseudonym hilft dir, auch weiter unbeschwert und frei deine Meinung zu äußern.
  4. Du bist Journalist und recherchierst zur Bundeswehr. Du hast eine Community gefunden, in der sich Soldatinnen und Soldaten austauschen. Du meldest dich mit einem Pseudonym an, denn wenn Journalisten mit ihrem Klarnamen unterwegs sind, ist es nicht möglich, ungefilterte Informationen zu erlangen. Du erfährst mehr über die Soldaten, weil dein Pseudonym dir die verdeckte Recherche ermöglicht.
  5. Du willst einfach jemand anderes sein, weil es dir Spaß macht. Du hast Spaß an dem Spiel mit Rollen, versetzt dich gerne in andere Situationen, willst mit der Realität spielen und neue Dinge ausprobieren. Das Internet und die Möglichkeit, ein Pseudonym zu nutzen, bieten dir einen Raum für Kreativität.
  6. Du bist leidenschaftliche und anerkannte Autorin in der Wikipedia, wo du mit dem Pseudonym „Peter Fried“ auftrittst. Du hast dir diesen Account zugelegt, nachdem du gemerkt hast, dass es viel schwieriger war, als du unter deinem echten Frauennamen bei der Enzyklopädie mitgearbeitet hast. Dein Pseudonym ermöglicht dir, dein Geschlecht zu verschleiern und so ungestört zum freien Wissen der Welt beizutragen.
  7. Du bist Künstler und nutzt für manche deiner kreativen Werke ein Pseudonym. Das Pseudonym erlaubt dir einerseits, geheimnisvoll wie Banksy zu sein, und auf der anderen Seite kannst du andere Kunststile ausprobieren, ohne dass alle sagen, dass du jetzt deinen Stil geändert hättest. Durch Pseudonyme hast du mehr künstlerische Freiheit.
  8. Du bist ein demokratischer Schüler in einer sächsischen Kleinstadt. Um dich herum sind ganz schön viele Leute rechtsradikal. Du beobachtest Straftaten von Nazis und wie sie vom dörflichen Umfeld, von Lokalpolitik und Behörden gedeckt werden. Das Thema muss an die Öffentlichkeit, denn in einer Demokratie hättest du so etwas nicht für möglich gehalten. Du richtest dir auf Twitter den Account @meinrechtesdorf ein und begleitest die Vorkommnisse in Zukunft. Endlich passiert etwas und eine Öffentlichkeit gegen die Umtriebe entsteht. Wie gut, dass die Rechtsradikalen nicht wissen, wie dein echter Name lautet.
  9. Du verdienst dir neben dem Studium mit Sexarbeit etwas dazu. Hierzu nutzt du auch soziale Netzwerke, in denen du deine Dienstleistungen anbietest. Glücklicherweise musst du das nicht unter deinem echten Namen tun. Auch wenn du selbst voll hinter deinem Nebenjob stehst, muss ja nicht jeder wissen, was du tust. Dafür ist die Gesellschaft noch zu vorurteilsbeladen. Das Pseudonym schützt dich vor Anfeindungen, Nachteilen, Moraldiskussionen und anzüglichen Bemerkungen.
  10. Überall, wo du im Netz mit deinem echten Namen unterwegs bist, folgen dir als erstes deine Eltern. Du willst dich aber frei ausleben, und zwar ohne dass die Alten mal wieder hinter dir her helikoptern. Dein Pseudonym und ein Profilbild ohne dein Gesicht schützen deine freie Entwicklung als Teenager.
  11. Du bist aus dem Iran nach Deutschland gezogen, hast in der katholischen Gemeinde nette Menschen getroffen und zum Glauben gefunden. Du konvertierst zum Christentum – und möchtest als gläubiger Christ auch im Netz über das Thema Religion sprechen. Durch deine Konversion zum Christentum droht dir aber eine ernsthafte Verfolgung im Iran. Wenn du öffentlich dazu stehst, kannst du nie wieder deine Familie dort besuchen – ohne Angst zu haben, dass dir strafrechtliche Konsequenzen mit Folgen für Leib und Leben drohen.
  12. Du willst die lustigen, skurrilen und schönen Geschichten aufschreiben, die dir beim Aufziehen deiner Kinder passieren. Gleichzeitig bist du ein Mensch, der verantwortungsvoll mit der Privatsphäre deiner Liebsten umgehen will. Du entschließt dich, selbst unter Pseudonym zu schreiben, und gibst deinen Kindern fiktive Namen. Niemand soll später deinen Kindern die Geschichten unter die Nase halten können, sie sollen frei über ihr digitales Selbst bestimmen können. Die Möglichkeit zur Pseudonymität trägt zum Kinderschutz bei.
  13. In der niedersächsischen Firma, in der du arbeitest, gibt es Missstände. Du hast gesehen, wie ein Kollege, der die Probleme intern ansprach, plötzlich berufliche Nachteile hatte. Du versuchst deshalb, direkt den Weg an die Öffentlichkeit zu gehen, doch der Lokaljournalist will die Geschichte nicht bringen, weil die Firma ein guter Anzeigenkunde ist. Überregionale Journalisten sind nicht interessiert, weil das Thema zu komplex, zu klein und nicht heiß genug ist. Du entscheidest dich, ein Blog aufzumachen, in dem du das Erlebte verarbeitest. Du bist froh, dass ein Pseudonym dich schützt. Durch die von dir als Whistleblower hergestellte Öffentlichkeit ändert sich endlich etwas in deinem Betrieb.
  14. Du und dein Mann versuchen seit Jahren ein Kind zu bekommen. Irgendwas funktioniert medizinisch bei euch nicht, der Kinderwunsch bleibt unerfüllt. Du willst dich in Foren informieren, welche Optionen ihr als Paar nun habt. Du willst aber nicht, dass jetzt gleich die ganze Welt sieht, dass ihr ein Problem habt, das an euch nagt. Dein Pseudonym ermöglicht dir den Austausch mit anderen Betroffenen, ohne dass euer Fall gleich im Dorf breitgetreten wird.
  15. Du heißt Fatima, hast aber keine Lust immer gleich als Muslima aufzutreten. Du hast wegen deines Namens schon häufiger Diskriminierung erfahren, hast bei Jobs trotz guter Zeugnisse Ablehnungen erfahren und möchtest nicht, dass das auch noch online passiert. Dein Pseudonym macht dich frei, bis die Gesellschaft endlich soweit ist, dass Rassismus keine Rolle mehr spielt.
  16. Du hast eine äußerlich nicht sichtbare Behinderung. Das Thema bewegt dich, es geht um deine Gesundheit. Im Netz findest du einen Ort, wo du jede Menge Menschen mit der gleichen Behinderung treffen kannst. Es tut gut, sich auszutauschen. Dein Pseudonym schützt dich davor, dass deine Nachbarn und die ganze Welt deine ganz private Krankheit googlen können.

Diese Liste lässt sich beliebig fortsetzen. Jeder und jede von uns kennt Menschen, die bei einer Klarnamenpflicht Nachteile erfahren würden. Wer sich tiefer einarbeiten will, findet im Geekfeminism-Wiki eine systematische Auflistung, welche Personengruppen besonders hart von einer Klarnamenpolitik betroffen sind.

Wenn Ihr weitere Beispiele habt, freuen wir uns auf diese in den Kommentaren.

34 Ergänzungen
  1. Eine pauschale Klarnamenspflicht im Internet wäre verfassungswidrig. Sie verstieße gegen verschiedene Grundrechte. Das Bundesverfassungsgericht hat beispielsweise festgestellt, dass eine anonyme Meinungsäußerung in den Schutzbereich der Meinungsfreiheit fällt. Außerdem könnte man in der Pauschalität einen ungerechtfertigten Eingriff in das Recht auf informationelle Selbstbestimmung sehen.

    1. Hat Facebook bei mir versucht.

      Wollte mich zum Klarnamen zwingen, obwohl deutsche Datenschutzbeauftragte Pseudonymität explizit auch für Facebook als nach deutschen Recht zwingend erachten.

      Nur leider ist Facebook so nicht greifbar mit Sitz in Irland und schon hat man theoretisch ein Recht, welches man praktisch gesehen nicht nutzen kann.

      1. Ich fand es allerdings vorbildlich dass Facebook sich weigerte einem Gerichtsbeschluss zur Herausgabe eines Nutzerkontos im „Einbruchs-Tipp-Fall“ Folge zu leisten.
        Taten sie auch nicht, der Typ hat der Polizei dann selbst die Zugangsdaten gegeben.

        Oder die Deutsche Telekom im Falle eines 18-jährigen der seinen Suizid angekündigt hatte.
        Die Polizei dachte sie könnte mal eben die Telekom anweisen zu einer IP Name und Adresse raus zu geben.
        Die weigerten sich, und am nächsten Tag fand man ihn tot (ist anderweitig an seine Daten gekommen).
        Richtig so (von den Telekom-Mitarbeitern). Kündigt bei mir einer seinen Suizid an, bekommt Polizei die meint sich an der Türe oder Telefon „bedrohlich“ aufspielen zu können, und von „Gefahr im Verzug“ zu faseln auch keine Daten. Was auf einer Webseite mit Suizidmethoden und erbetenen Abschiedsbriefen aber auch klar ist.

  2. Die Liste ist super! Danke dafür.
    Könntet ihr / alle anderen sind natürlich auch gemeint so eine Liste für Verschlüsselung in Messengern wie Signal, Threema usw bringen. Es fällt mir immer wieder schwer Menschen Argumente für Verschlüsselung zu geben. Es fehlt an genügend Beispielen. Sicherheit ist leider für viele kein Argument. Es kommt immer ein: „Mir egal!“ Wenn ich allerdings sage das z.B. Versicherungen bei Gesprächen zu Krankheiten „mithören“ könnten, werden die Menschen hellhörig.

  3. 6. Hat nen klaren Zwienutz.
    Wenn sich Peter Fried dann mal danebenbenimmt, was bei Frauen natürlich nie vorkommt, stützt es die Statistik wider die anderen Menschskollegen.

    Was ich damit sagen will ist, daß es doch klüger erscheinen könnte, sich Strčprstskrzkrk, also bewusst neutral zu benennen.

  4. Du bist auf Partnersuche (egal ob lang- oder kurzfristig, nur Sex oder mehr) oder einfach nur in an Sex interessierten Kreisen unterwegs, als Frau aber nicht darüber erfreut, abgelehnte Bewerber oder einfach nur beliebige Männer vor deiner Haustür lauern zu sehen, auf deiner Arbeit aufzutauchen, oder sonstwie dich zu verfolgen. Was red ich: es reicht, erkennbar als Frau egal wo im Netz unterwegs zu sein, um von Männern im realen Leben belästigt zu werden.

    Du bist irgendwer anders als einfach nur Mann oder Frau und möchtest dich deshalb auch im Namen nicht festlegen.

    Du bist mit jemandem verwandt, dessen Verhalten auch dir immer wieder vorgehalten wird, oder das gar reale Auswirkungen (finanziell, beruflich, …) auf dein Leben hat, sobald man deinen Namen erkennt.

    Du willst keinesfalls alte Schulfreunde wiederfinden bzw von ihnen gefunden werden, weil die Mobber von damals alle noch dabei sind.

  5. Es ist nicht richtig angekommen. Es sollte heißen: und die Hasskommentare, die Beschimpfungen, die Beleidigungen, das Aufrufen zu ungesetzlichen Maßnahmen? Alles Kolleteralschäden für die Freiheit es Netzes auf Anonymität? Habt Ihr Vorschläge wie man damit umgeht?

    1. Wie wäre diese Sichtweise: Wenn du anonym bist, dann kann keiner dich oder deine Mutter persönlich beleidigen. Außerdem geht jede Drohung ins Leere bzw. ist praktisch gesehen nicht existent, da keinerlei BEdrohung besteht.

      Daher möchte ich als Versuch einer Antwort folgende Unterscheidung vorschlagen:

      A) Die Antwort auf mit Beleidigungen und Drohungen verzierte Diskussionen sind Argumente und die Annahme, dass andere mitlesende Menschen nach Argumenten entscheiden. Ansonsten müsste man ihnen die Entscheidung abnehmen durch Zensur, Vorgeschriebene Sprache und sozialen Druck.

      B) Eine andere Sache sind Aufrufe zu ungesetzlichen Handlungen, die gegen Nicht-Anonyme Personen oder Ziele gehen (z.B. G20 Brandanschläge auf Autos, oder Vergewaltigungsaufrufe gegen Politiker). Diese sind schon jetzt strafbar und können entsprechend verfolgt (oder schnell gelöscht) werden. Dabei entscheidet aber keine Person, die einer Ideologie folgt, sondern das Gesetz.

  6. Die Liste find ich gut. Ich würde sie aus mehreren Gründen um folgendes erweitern (Gründe am Ende):

    17. Du möchtest frei diskutieren und auch extreme Positionen einnehmen können, sei es als Teufels Advocat, aus momentaner Überzeugung, oder um eine Gegenposition einzunehmen, um die andere Position zu testen, ohne dass du fürchten musst, dass Aussagen aus dem Kontext genommen und gegen dich verwendet werden, oder dass du durch ideologische Beschränkungen, wie Zwang zu Political Correctness oder Euphemismen, nichtmals an einer Universität frei sprechen kannst. (Bewusst auf die Tendenz in der Formulierung von 8. gerichtet, aber auch etwas neutraler gehalten)

    Gründe:
    Das hilft der Mitte, den Rechten, den Linken. Damit kommt man auf einen hoffentlich gemeinsamen Nenner der wirklich freien Rede, um auch exteme, naive oder radikale Ideen offen ansprechen zu können und sie durchzudiskutieren – ohne Deplattforming, Doxing, persönlich Beleidigungen (weil anonym), Verlust des Arbeitsplatzes.

    Freie Rede geht nur solange wie keiner bestimmen kann, was freie Rede ist. Dabei ist aber ein Problem, unabhängig von Anonymität, wenn man von zentralen Plattformen abhängig ist: Youtube, Facebook, Patreon, Paypal. Wer legt fest, was freie Rede ist, und wer macht die Regeln für die Regelmacher?

    Ich möchte an den Gastbeitrag von vor ein paar Monaten erinner. Es ging um diskriminierende Google Suchvervollständigungen. Die Arbeit, auf die sich der Artikel bezog, war u.a. der Meinung, dass auch die Formulierung „Frauen dürfen nicht wählen“ (oder so ähnlich) aus der Vervollständigung gestrichen werden müsse. Und so wurde es auch innerhalb der Arbeit gehandhabt. Wenn man das aber täte, dann erschwert man aber ebenao das Googlen nach der Tatsache, dass vielen Ländern Frauen tatsächlich nicht wählen dürfen.

    Das meine ich mit „freie Rede geht nur in alle Richtungen“ und „wer bestimmt, was freie Rede ist?“.

  7. Du hast eine deutlich sichtbare Behinderung. Das Netz ist der einzige Ort, an dem Du frei von den Vorurteilen anderer kommunizieren kannst. Der einzige Ort, an dem Nichtbehinderte Dir von Anfang an unbefangen gegenübertreten.

  8. Oder du bist einfach ein Mensch mit Verstand und willst einfach jedweden potenziellen Ärger aus dem Weg gehen. :-)
    Was die Hassrede betrifft, nutzt du ein Pseudonym oder bist sogar anonym unterwegs, kann einem sowas gepflegt am Popo vorbeigehen. Sollen die Leute sich sich doch an Avataren abarbeiten.
    Da sind sie beschäftigt und haben keine Zeit für richtige Dummheiten.
    Thema Mobbing, ich kenne das aus dem Reallive und habe mich da erfolgreich zur Wehr gesetzt.
    Warum das Mobbing eines Pseudonyms im Internet nun besonders schlimm sein soll erschließt sich mir nicht. Im Regelfall kommt sowas an Schulen ec. im RL an und kann da auch ganz konventionell bekämpft werden. Das das für Betroffene nicht schön ist kann ich aus eigener Erfahrung bestätigen.
    Mein Rat, nicht unterkriegen lassen und in die Offensive gehen. Beweise sammeln, direkter Kontakt mit Rückendeckung, die Leute direkt ansprechen ev. auch der dezente Hinweis das man den Spieß umdrehen kann und auch vor Meldung nicht zurückschrecken.
    Man geht gestärkt und durchsetzungsfähiger aus sowas heraus und hat später im Leben viel weniger Probleme mit Konflikten.

  9. Dass ich Achim heiße, das darf gerne jeder wissen, aber mehr muss nicht sein.
    Wenn ich bei WordPress.com ein paar Geschichten veröffentliche, dann soll ich ein Impressum angeben? Ich verdiene kein Geld damit, der Betreiber von WordPress.com finanziert die Seite durch Werbung, warum soll ich meinen Namen und meine Adresse im Impressum veröffentlichen? Das sehe ich nicht ein, ich will aber meine Geschichten und auch die behauptete Wahrheit über Verschwörungen veröffentlichen. Die einzig reale Person, die ich mehr oder weniger angreife, ist Donald Trump, von dem ich behaupte, er gehöre zu den Gegenspielern der Reptiloiden, den Pantheranern.
    Die nächste Folge gilt den Chemtrails, die Liebe sind.
    Warum soll ich meinen Klarnamen und eine Kontaktadresse veröffentlichen? Das sehe ich nicht ein.
    Insgesamt finde ich, dass es bei Blogs, die keine realen, nicht ohnehin in der Öffentlichkeit stehenden Personen angreifen, bzw. strafrechtlich relevant sind, eine Klarnamenspflich geben muss. Aber dieses Impressum, die meisten nennen ihren realen Namen und ihre reale Adresse, weil sie glauben, sie müssten es. Warum? Wer es sich leisten kann, könnte theoretisch eine Impressumsbeauftragte bezahlen, der bei legitimer Strafverfolgung auch den Behörden eines Rechtsstaates die Person nennen könnte.
    Deshalb verweise ich in meiner Blogseite, die nicht als Blog genutzt wird, auf den Betreiber von WordPress.com als Nutznießer der geschalteten Werbung.

  10. Ich finde es erstaunlich, wie viel historisches Wissen schon nach 10-20 Jahren verloren geht.

    Niemand scheint zu bemerken, dass die heutige Debatte um die „Klarnamenspflicht“ nahezu 100% identisch vor 10-20 Jahren im Usenet geführt wurde, sogar im deutschsprachigen Usenet! Damals wurde es „Realname-Diskussion“ genannt.

    Ich empfehle eine Recherche der Archive der Gruppe „de.soc.usenet“. Möglicherweise wird auch heute noch darüber diskutiert, aber ich war schon lange nicht mehr dort.

  11. Ich bin ziemlich introvertiert und bin sehr zurückhaltend damit, mich öffentlich zu äußern, auch weil immer wieder Dinge aus Archiven ausgegraben oder aus dem Kontext gerissen werden und gegen einen verwendet werden können.
    Ich bin kein Promi und will auch keiner sein, bin aber als Nicht-Profi auch nicht darauf trainiert, was ich öffentlich äußern kann, und wo ich mich besser zurückhalte.

    Ein Pseudonym auf Twitter erlaubt mir, mich unbeschwert und unabhängig von diesen Gedanken zu äußern.

  12. Die Menschen, die sich gerne vollkommen nackig machen, indem sie Freiheit gegen vermeintliche Sichetheit eintauschen wurden nicht mal ihren nächsten Verwandten und Freunden einen Blick ins Schlafzimmer geben. Das grenzt an Schizophrenie.

  13. Du hast eine Freizeitaktivität/Hobby, mit dem du auf Social media unterwegs bist, das hier völlig o.k. ist, aber in den USA bei deinen Kunden und Kollegen auf Unverständnis stößt, weil es dort mit Minderheiten und sozial-schwachen Gruppen in Verbindung gebracht wird. Bei dem Beispiel und einigen anderen aus der Liste könnte man meinen: Man sollte dazu stehen und für Toleranz kämpfen – sobst ändert sich nix. Aber das Leben ist halt mal nicht so einfach, und Lebensglück sollte nicht vom Kampfgeist des Einzelnen und Wohlwollen andere abhängig sein.

  14. Wenn eine Klarnamenpflicht käme, wie zum Geier sollte der Staat das eigentlich durchsetzen? Ich könnte mir einen eigenen Server aufsetzen, auf dem ich ein Blog betreibe, Pseudonym.
    Wenn nötig, könnte man das ganze als Hidden Service im TOR Netzwerk betreiben. Dann sollte es annähernd unmöglich sein, was dagegen zu tun.

    1. Ja, DU könntest das, aber der 15jährige, der Fragen zu seiner sexuellen Orientierung hat, könnte es womöglich nicht (ich könnte es auch nicht ^^)

  15. Frauen, die sich im Internet zu Frauenrechten, bzw. zu Missständen in Bezug auf Frauenrechte äußern (und dafür mit Vergewaltigung oder noch Schlimmerem bedroht werden?)

  16. Wirklich anonym ist niemand im Netz. Nur der Schwierigkeitsgrad die verschiedenen Datenquellen zusakmmenzuführen unterscheidet sich. Aus meiner Sicht spricht rein garnichts für die Verwendung von Klarnamen, auch wenn man rein garnichts zu verbergen hat. Man weiss nicht, was für ein extremistischer Idiot die Daten in 5 oder mehr Jahren in die Hände kriegt und was er dann daraus macht. Da ist es eindeutig besser verschiedenste Pseudonyme zu verwenden. Aber selbst damit kann man locker enttarnt werden. Das hilft dem Enttarner insofern nicht, dass er nur 20, 30 oder noch viel mehr Pseudonyme mit einiger Wahrscheinlichkeit zusammenfassen kann.

    Der einzige „sichere“ Browser ist z.B. der Tor-Browser, es wäre aber nicht sehr verwunderlich, wenn der seine Daten realtime an die NSA weiterschicken würde. Alle anderen Browser beliefern minimal ihre Hersteller, beim Firefox wahrscheinlich noch Amazon UND die Hersteller diverser Apps mit Daten. Es ist definitiv kein guter Einfall sich als sonstwas zu outen oder auffällig nach irgendwas zu suchen. Kein Browser und keine Suchmaschine sind so pseudonym, dass man ihnen bedingungslos vertrauen könnte, nebenbei schnüffeln heutzutage sogar Betriebssysteme.

    Das Problem unserer Zeit sind keine Hacker mit ihren Trojanern, sondern Schnüffelkonzerne und -staaten mit ihren gigantischen Müllhalden, die sie Datenbanken nennen. Die wiederum werden nach Kräften miteinander verknüpft. So soll ein „Profil“ entstehen. Das könnte sehr sehr genau sein.

  17. Hat Facebook bei mir versucht.

    Wollte mich zum Klarnamen zwingen, obwohl deutsche Datenschutzbeauftragte Pseudonymität explizit auch für Facebook als nach deutschen Recht zwingend erachten.

    Nur leider ist Facebook so nicht greifbar mit Sitz in Irland und schon hat man theoretisch ein Recht, welches man praktisch gesehen nicht nutzen kann.

  18. Im Prinzip ist die Sache ja recht einfach. Wenn man z.b. eindeutig durch einen einzigartigen Nachnamen identifizierbar ist und daran z.b. auch ein Gewerbe oder ähnliches gekoppelt ist dann kann man es sich nicht erlauben unter den Klarnamen irgendwo eine Meinung zu vertreten, die auch im entferntesten kritisch ist oder jemanden stören könnte.

    Es wird sich im Zweifel immer jemand finden, der sich auch bei einer “normalen Meinung” irgendwie gestört fühlt. Z.b. wenn ich sage dass ich Fleisch esse, gibt es garantiert einen Kampf-Veganer, den das ungemein stört.

    Solange ich das pseudonymisiert sagen kann, ist es ja auch okay. Kann mich aber so jemand über meinen Klarnamen identifizieren, dann muss ich damit rechnen das ein Shitstorm gegen meinen Gewerbe losgetreten wird bzw dass ich vielleicht sogar einen Ziegelstein in meinem Fenster habe.

    Ich denke an so einem Beispiel kann sich jeder vorstellen, wie es auf so eine Art und Weise eben auch Menschen treffen kann, die mehr oder weniger eine völlig normale Meinung vertreten und wie wichtig also insbesondere dann die Anonymität für Minderheiten oder abseitige Mahnungen ist.

    Und das Argument, man könne nur durch einen Klarnamenzwang vernünftiges Benehmen im Netz fördern, lasse ich meiner Meinung nach auch nicht gelten. So sieht man ja z.b. auch in diesem Forum, dass es viele Menschen gibt die durchaus normal und mit Respekt kommentieren können, auch wenn man nicht immer einer Meinung ist.

    Und sollte die freie Meinungsäußerung wirklich ins Strafbare abgleiten, reichen die bereits vorhandenen Mittel völlig aus, um solche Minderheiten ausfindig zu machen und ab Strafen zu können.

    Es kann aber nicht sein, dass die Mehrheit aufgrund solcher Menschen auf ihre Freiheit zur Meinungsäußerung verzichten soll.

    Aber vielleicht braucht man ja auch nur einen „Grund“ ;-).

  19. Lieber Marcus Reuter, mein Einspruch zu
    1. „konservatives Dorf in Bayern“
    2. „in einer sächsischen Kleinstadt. Um dich herum sind ganz schön viele Leute rechtsradikal.“
    Was soll bitte diese geografische Pauschalverurteilung? Geht das nicht etwas neutraler oder begibt sich netzpolitik jetzt auf das Niveau der Antonio-Amadeu-Stiftung?

    zu 6. Leider führt die Anonymität auf Wikipedia zu sehr unerfreulichen Ergebnissen. Tendenziösität von Artikeln bis hin zur Rufschädigung. Der aktuelle Fall Feliks zeigt, dass Anonymität gerade auf Wikipedia massiv missbraucht wird. (https://www.youtube.com/watch?v=leBW96xvB7c) Mindestens müsste hier eine Klarnamenauskunftspflicht von Wikipedia gegenüber der Justiz bestehen, um solche selbstherrlichen Autoren strafrechtlich verfolgen zu können.

  20. Herzlichen Dank für diesen Artikel.
    Vielen wird dieser Artikel ein Leitfaden sein können sich im Netz freier zu bewegen. Vor allem jungen Menschen, damit meine ich jene Menschen die noch am Anfang ihrer Lebensplanung stehen, Pupertierer und Pupertiererinnen. Ich denk am Anfang eines Lebens ist es wichtig das man(n)/frau sich über seine Meinungen austauschen können soll, ohne dabei Gefahr zu laufen diskriminiert oder gar bedroht zu werden. So kann dieser Mensch sich einen Lebensstandpunkt schaffen der ihm dann ein roter Faden für das vor ihm liegende Leben sein kann.
    Wie und ob dieser Mensch dann in der analogen Welt mit seiner Meinung genau so frei auftreten kann, ist aber damit nicht beantwortet und ein Punkt überden auch nach gedacht werden sollte.
    Aber ja, immer ein Schritt nach dem anderen.
    Und es ist wichtig und richtig demokratische Grundrechte auf breiter (in Ermangelung eines anderen Wortes) Front zu verteidigen.

    Allen ein gesundes Neues Jahr

  21. Du hast dich von deinem Partner getrennt, der damit nicht klarkommt. Du stehst nicht im Telefonbuch, um vor nervigen Anrufen seinerseits Ruhe zu haben. Du möchtest dich gern auf Twitter unterhalten können, ohne dass er sämtlichen Anwesenden Details eurer gescheiterten Beziehung serviert.

    (Ähnlichkeiten mit lebenden Personen rein zufällig.)

  22. Unter Leistungsbeziehenden gilt es als weitgehend erwiesen, daß die Jobcenter Meinungsäußerungen Erwerbsloser bestrafen. Ich würd Euch was verlinken aber hab meinen Blog zugemacht. Ach ich schick es euch per Mail

  23. Ich habe einen seltenen Namen, wäre also immer zu identifizieren. Mein Kollege hat einen Allerweltsvornamen und heißt mit Nachnamen Müller.
    Seine Anonymität wäre auch mit Klarnamenpflicht gesichert – meine nicht.

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