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Wie man ein Imperium der Algorithmen beherrscht: Soziale Netze hinter Facebook

Große Unternehmen wie Facebook sind mittlerweile zu soziotechnischen Ökosystemen geworden, die unsere Welt nicht nur wirtschaftlich, sondern auch sozial prägen. Daher lohnt es sich, die Unternehmensstrukturen genauer zu untersuchen, wie eine Analyse von SHARE Lab zeigt.

Visualisierung der persönlichen und beruflichen Hintergründe von Facebook-Mitarbeitenden. CC-BY 4.0 European Digital Rights EDRi

Der Artikel von Bojan Perkov (Mitglied von European Digital Rights (EDRi) & SHARE Foundation) wurde im Original bei EDRi unter dem Titel „Running an algorithmic empire: The human fabric of Facebook“ veröffentlicht.

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Das beliebteste soziale Netzwerk Facebook ist zweifellos zu einer der einflussreichsten Stellen in der vernetzten Welt geworden. Forscher*innen von SHARE Lab hatten bereits in der Vergangenheit darauf hingewiesen, dass Facebook mittlerweile als globale immaterielle Produktionsstätte angesehen werden muss. Einzige grundlegende Aufgabe der Nutzer*innen ist es dabei, so viele persönliche Daten wie möglich preiszugeben. Das Unternehmen Facebook, das diese Unmengen an Daten besitzt, wird aber immer noch von Menschen geführt. Die zwischenmenschlichen Beziehungen im Unternehmen sowie zur IT-Industrie, Regierung und Zivilgesellschaft sind das Thema der jüngsten Forschung des SHARE Lab in Zusammenarbeit mit Tactical Tech.

Facebook wird als „Über-Kollektiv“ verstanden, das intransparent handelt in seiner Richtliniensetzung, der Datennutzung und dem Schutz der Privatsphäre, der Entwicklung, bei Nutzer*innenrechten und verschiedenen Formen der Zensur. Die vorliegende Analyse macht nachvollziehbar, warum der von Facebook eingeschlagene Weg der einzig mögliche ist, um als Unternehmen dieser Größe zu existieren. Zur Visualisierung der Verbindungen des Managements von Facebook, also der Vorstandsebene mitsamt ihren Beratern, hat SHARE öffentliche, durch offizielle Board- und Crunchbase-Webseiten zugängliche Informationen genutzt. Auf der Grundlage offizieller Lebensläufe wurde der Ausbildungs- und Berufshintergrund jeder einzelnen Person aus dem Management analysiert. Darüber hinaus wurden öffentliche Daten von LinkedIn genutzt, um beispielsweise mehr über den Bildungshintergrund, das Herkunftsland und die Arbeitserfahrung der Facebook-Mitarbeiter zu erfahren.

Alte Machtstrukturen im Rücken

Die Ergebnisse waren hochinteressant, da sich herausstellte, dass die meisten jetzigen Facebook-Mitarbeiter*innen vormals für die Konkurrenz gearbeitet hatten – Google, Amazon, Microsoft und Yahoo. Das könnte als Gefahr für das eher geschlossene „Ökosystem“ der Industrien betrachtet werden. Wie nicht anders zu erwarten war, lebt der Großteil der analysierten Personen in der San Francisco Bay sowie in der für Facebook zweitwichtigsten Stadt London. Ein Resultat der Forschung zu Facebook zeigte, dass Facebook meistens Menschen einstellte, die an US-Universitäten studiert hatten. Das bedeutet, das Unternehmen sieht trotz seiner weltweiten Nutzer*innen keine Notwendigkeit, auch im Personal global aufgestellt zu sein. Die Dominanz des US-amerikanischen Bildungshintergrundes ist sowohl im Vorstand als auch bei den Mitarbeitern eindeutig.

Die Sozialstruktur großer Unternehmen wie Facebook zu analysieren ist also wichtig, weil sich dadurch die Auswirkungen des globalen sozialen Netzwerkes auf Gesellschaft, lokale und globale Wirtschaft sowie Bürgerrechte besser nachvollziehen lassen. Außerdem ist es wichtig, zu verstehen, wie Kommunikationsinfrastrukturen und High-End-Technologie-Entwicklung mit der Anhäufung von politischer Macht und Kapital verknüpft sind.

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7 Kommentare
  1. Das US-Amerikanische Jahrhundert ist wohl doch noch nicht so schnell vorbei. Auch kulturell dominieren Sie, wenn auch auf anderem, neueren Wege. Ich ziehe meinen Hut! Aber bevor die linksliberale Elite jetzt aufheult: Die Einstellung der „nicht-global“ ausgewählten Angestellten jener Unternehmen, ist doch sehr kosmopolitisch, links, liberal, „demokratisch“, sprich Anti-Trump eingestellt.

  2. „Forscher*innen von SHARE Lab hatten bereits in der Vergangenheit darauf hingewiesen, dass Facebook mittlerweile als globale immaterielle Produktionsstätte angesehen werden muss.

    Was produzieren die denn? Das betrifft nicht nur Facebook, sondern fast alle „sozialen“ medien. Was da um die Wette geteilt wird sind zwar höchst persönliche Daten, aber die lassen sich fast immer am Besten als inhaltsfreies Geblubber bezeichnen. Die „produzieren“ munteres Geschwafel, das niemanden wirklich interessiert.

    Wenn man annimmt, dass die rund 60 Mio. Facebook-Accounts in Deutschland ca. 20 Mio. Personen zuzuordnen sind, werden das überwiegend Leute sein, deren Leben durch diese Werbungsschleudern maximal geistig verarmt werden.

    Die einen meinen eben, seitdem ich die Menschen kenne, liebe ich die Tiere. Andere, das Leben ist nur im Suff zu ertragen. Und Dritte, was wäre ich nur ohne meine „sozialen“ Medien. Allen gemeinsam ist, sie versuchen vor einer nicht all zu schönen Realität zu fliehen. All diese Gruppen zusammen zeigen natürlich, wie emotional aufgeheizt die Lage der Gesellschaft ist. Sie sind Zeugnis für eine gewaltige Schieflage in der Gesellschaft. Ansonsten hätten sie etwas Besseres zu tun, als Tiere zu lieben, sich die Rübe zuzuschütten oder -kiffen oder ihre Zeit mit „sozialen Medien“ zu vertrödeln. Das sind Ergebnisse der Amerikanisierung oder auch Russifizierung des Lebens in Teilen Europas. Denn, sowohl die USA als auch Russland sind zu lupenreinen Oligarchenparadiesen, das sind regelrechte Bananenrepubliken, verkommen. Wenige Superreiche und viele mit sich und der Welt Unzufriedene.

  3. In diesem Artikel fehlt mir die konkrete Erklärung für die Überschrift.
    Und diese halte ich für deutlich komplizierter (So wie die verlinkten Dokumente), so das es mir sicher nicht möglich sein wird die einfach aus dem Englischen Original zu extrahieren. Zumal DIES hier schon die Deutsche Übersetzung des Einleitungs-Textes von EDRI ist.

    Da stellt sich die Frage, war es den Autoren nicht möglich das Fazit hier in einfach verständlichen Sätzen zu formulieren, wollten sie nicht, oder ist die Überschrift falsch weil die Erklärung selbst unerklärbar ist?

    Außerdem: Ein „Imperium der Algorithmen“ mag auf die Technische Seite von Facebook zutreffen. Durch meinen eigenen Technischen Hintergrund hätte ich eher eine Gesamtübersicht der Technischen Struktur erwartet – und deren Wirkung auf Netz und Soziales (Like-buttons u.Mehr).

    Stattdessen ist das offenbar nur eine Übersicht des Managements, eine Art Facebook-Inside wie man es wohl für jeden Global Player erstellen könnte.

    Das Menschen vorher bei anderen Firmen arbeiteten ist nicht ungewöhnlich. Das sie durch Herkunft, Bildung und Erfahrung geprägt werden und auf dem Weg jeder sein eigenes (Mentales) Soziales Netzwerk erschafft ist dagegen so banal das man es kaum noch erwähnen muss.

    Für mich lautet die Zentrale Frage im Artikel „… warum der von Facebook eingeschlagene Weg der einzig mögliche ist, um als Unternehmen dieser Größe zu existieren.“ und genau auf diese gibt der Artikel selbst leider keinerlei Antwort.

    War dies am Ende nur ein Webelink für den EDRI-Forschungs Bericht?

  4. Hier könnte man denken Mark Zuckerberg ist der Herrscher der Welt und Microsoft ist nur ein Tante Emma Laden wenn man sich die Grafik ansieht.
    Mich würde interessieren was Google an Stromverbrauch verursacht durch sein Crawling.
    Hier eine sehr interessanter Seite mit Live Counter der Suchanfragen: http://live-counter.com/google-suchen/
    Wenn Google Milliarden von Sites absurft verursacht das Stromverbrauch auf den Servern der Webmaster. Also nicht nur die Google Server benötigen Strom dafür, sondern auch mein Server wenn er Besuch von Mr.Google bekommt. Winzig wenig zwar, aber was wird das wohl in Summe ausmachen?

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