Technologie

Visionen der digitalen Stadt: Smart, Sharing oder Open?

Smart-City-Konzepte versprechen, urbane Effizienz zu steigern und viele städtische Probleme zu lindern. Die Kritik an digitalen Steuerungsfantasien und dem Ausblenden von Interessenskonflikten wird aber lauter. Alternative Ansätze wie ‚Sharing City’ oder ‚Open City’ betonen die Ambivalenz von Technologie und den Wert digitaler Gemeingüter.

CC-BY-SA 2.0 JCT 600

Dieser Beitrag ist zuerst in der Reihe WISOdirekt der Friedrich-Ebert-Stiftung (PDF-Fassung) erschienen und steht unter der Creative-Commons-Lizenz BY-NC-ND 4.0 International

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Ende 2015 untersuchte eine Studie die Nutzung der OnlinePlattform „Schau.auf.Linz“ (Etzelsdorfer 2015). Diese geodatenbasierte Plattform bietet den Bürger_innen der österreichischen Stadt Linz seit 2013 die Möglichkeit, ihre Ideen, Anliegen und Beschwerden an die Stadtverwaltung heranzutragen. Das ermutigende Ergebnis: Verglichen mit klassischen Kanälen wie E-Mail oder Telefon nutzten überproportional viele Menschen mit geringerem Bildungsgrad die Möglichkeit, via Smartphone mit der Stadtverwaltung in Kontakt zu treten. Gut vier Monate später sorgte „Schau.auf.Linz“ neuerlich für Schlagzeilen. Befürworter_innen eines Bettelverbots in der Innenstadt nutzten die Plattform, um Bettler_innen als „Zigeuner, Ungeziefer oder Schlimmeres“ zu denunzieren. Markiert wurden dort auch Zeltlager, die wenig später Brandanschlägen zum Opfer fielen.

Untypisch an diesem Beispiel ist nur das räumliche und zeitliche Zusammenfallen von zwei gegensätzlichen Tendenzen digital-kommunaler Technologienutzung. Im Übrigen ist das Spannungsfeld zwischen neuer, erweiterter Teilhabe auf der einen und neuen Formen von Exklusion und Ungleichheit auf der anderen Seite durchaus prototypisch für Theorie und Praxis digitaler Städte. Während Internet und digitale Technologien geographische und kulturelle Distanzen überbrücken helfen und die Welt in mancher Hinsicht zum vielzitierten „globalen Dorf“ machen, sind sie gleichzeitig auch vor Ort, in Städten und Gemeinden von großer lokaler Bedeutung.

Wie sich deren Einsatz letztlich auswirkt, hängt stark von politischen Prioritäten ab. Und wie meistens in Zeiten soziotechnologischer Umbrüche und damit verbundenen Unsicherheiten, gibt es verschiedene Vorstellungen – Visionen – die konkrete Gestaltung dieses Wandels betreffend. Verschiedene Visionen unterscheiden sich dabei auch hinsichtlich der Sensibilität für die eingangs exemplarisch illustrierten Spannungsverhältnisse und Dilemmata.

Im Bereich digitaler Kommunalpolitik lassen sich grob drei Visionen unterscheiden, die sich zwar in mancher Hinsicht überlappen, aber doch klar erkennbar unterschiedliche Treiber und Schwerpunkte aufweisen. Der wahrscheinlich prominenteste ist jener der ‚Smart City‘ (Cocchia 2014); im Folgenden soll dieser mit Visionen von ‚Sharing City‘ (McLaren/Agyeman 2015) und ‚Open City‘ (Sennett 2006) kontrastiert werden.

Smart City: Digitalisierung als Optimierungsaufgabe und -chance

Entstanden im Zuge von Bemühungen, digitale Technologien für – vor allem: ökologisch – nachhaltigere Stadtentwicklung zu nutzen, erfreut sich das Konzept „Smart City“ seit Anfang 2000 wachsender Beliebtheit als Sammelbegriff für eine große Vielfalt an Digitalisierungsstrategien. Doch egal ob – um nur drei von unzähligen Beispielen zu nennen – wirtschaftliche Aspekte der Digitalisierung (‚Smart Economy‘), ihre Potenziale für die Reform öffentlicher Verwaltungen (‚Smart Governance‘) oder für die Lenkung regionaler Verkehrsströme (‚Smart Mobility‘) im Vordergrund stehen, gemeinsam ist den allermeisten Ansätzen ihre starke Technologiegetriebenheit. Was auch immer das Problem sei, „smarte“ Technologien versprechen zumindest Linderung. Mit anderen Worten, ‚Smart City‘ bietet digital-technologische Lösungen für die verschiedensten kommunalen Problemlagen. Parkplatzsuche und Staus sowie die damit verbundenen Emissionen und Produktivitätsverluste sollen durch intelligente Verkehrsleitsysteme verringert werden. Bürokratische Prozesse und Legitimität politischer Entscheidungen wiederum sollen durch neue digitale E-Government-Anwendungen adressiert werden. Und auch im Bereich der Daseinsvorsorge und sozialer Dienste versprechen ‚smarte’ Technologien Effizienzsteigerungen.

Für jeden dieser Bereiche gibt es eine wachsende Zahl an Anbietern von Hard- und Softwarewerkzeugen, die für die einzelnen Bereiche relevante Daten sammeln, aus- und verwerten sollen. Die größten Verfechter von Smart-City-Strategien sind deshalb oft Unternehmen, die auf lukrative Aufträge zur Digitalisierung städtischer Infrastruktur spekulieren (Libbe 2014). Aus Sicht der politisch Verantwortlichen sind solche Angebote aber ebenfalls praktisch, kann die digitale Modernisierung der Stadt damit per Vergabe quasi ausgelagert werden. Die Hoffnung auf feinere und damit effizientere Steuerbarkeit gibt es quasi als Bonus oben drauf.

Wenig überraschend wird dieses optimistische Bild von Smart Cities nicht durchgängig geteilt. So gibt es neben Befürchtungen hinsichtlich des übermäßigen Einflusses von Konzernen auf kommunalpolitische Entscheidungen auch Bedenken bezüglich allgegenwärtiger Sensoren und von diesen erfassten Daten, die natürlich auch ein völlig neues Ausmaß an Überwachung ermöglichen. Das gilt ganz besonders für die Beschäftigten im Bereich kommunaler Dienstleistungserbringung, wo die erhofften „Effizienzsteigerungen“ oft mittels Arbeitsverdichtung und eingeschränkten Handlungsspielräumen generiert werden sollen (Roth 2017). Vor allem aber werden Zweifel daran laut, ob die Steuerungsversprechen der Smart City in der Realität überhaupt erreichbar sind. Adam Greenfield beispielsweise vergleicht den Smart-City-Ansatz in seinem Pamphlet „Against the Smart City“ mit den ebenfalls technologisch unterfütterten Steuerungs- und Planungsutopien im Städtebau der 1950er und 1960er Jahre. Richard Sennett (2012) spricht sogar von häufig „stumpfsinnigen“ („stupefying“) ‚Smart City‘-Konzepten und kritisiert, dass darin kein Platz für jene Widersprüchlichkeit und Unplanbarkeit bleibt, die letztlich Städte innovativ und lebenswert macht.

Zusammengefasst ist der Smart-City-Diskurs vielschichtig, es gibt zahlreiche Spielarten, weil verschiedenste, oft auch ältere Ideen unter dem Label ‚Smart City‘ verhandelt werden. In der Tendenz zeichnet ihn jedoch ungebrochener Technikoptimismus und die Vorstellung zentraler Plan- und Steuerbarkeit dank einer Koalition von lokaler Verwaltung mit transnationalen IT-Unternehmen aus. Auf der Strecke zu bleiben drohen dabei jedoch emanzipatorische Potenziale digitaler Technologien, die gerade nicht auf zentrale Steuerung, sondern zumindest teilweise auf dezentrale Selbstorganisation und -ermächtigung setzen. Hinzu kommt, dass Interessensgegensätze, die durch die Einführung digitaler Technologien entstehen, im Smart-City-Diskurs kaum je ein Thema sind. Gerade was die Nutzung neu generierter Daten betrifft, können die Interessen zum Beispiel von Arbeitgebern und Beschäftigten im öffentlichen Sektor aber weit auseinanderliegen.

Sharing City: Ambivalenz digitaler Technologien

Im Gegensatz zur Smart City hat in der Sharing City auch die digitale Technologie inzwischen ihre Unschuld verloren. Wurde die Idee einer „Sharing Economy“ als gemeinschaftlicher und plattform-basierter Ressourcennutzung zunächst ebenfalls uneingeschränkt als Chance für Nachhaltigkeit und neue Formen von Teilhabe propagiert, so zeigt sich mittlerweile gerade in der städtischen Sharing-Economy-Realität deren Ambivalenz (Dobusch 2016). AirBnB bietet eine kostengünstige Alternative zu Hotels, kann aber zur Verknappung von Wohnraum führen. Neue, Smartphone-basierte Formen von Carsharing wie Car2Go oder DriveNow können für die einen eine Alternative zum eigenen Auto bieten, andere wiederum nutzen sie an Stelle von öffentlichen Verkehrsmitteln (Hartwig 2015). Mit plattformbasierten Mobilitätsdienstleistern wie Uber sind auch Herausforderungen für den Arbeitnehmerschutz verbunden. Kurz, welche sozialen und ökologischen Folgen mit marktlichen Sharing-Economy-Plattformen einhergehen, ist allgemein schwer zu beantworten und hängt auch stark von spezifisch-lokalen, regulatorischen Rahmenbedingungen ab.

Verfechter der Sharing-City-Idee wie McLaren und Agyeman (2015) betonen deshalb auch, dass es ihnen um „echte“ Sharing Economy gehe, die sich gerade nicht in der Bereitstellung digitaler Marktplätze erschöpft. Ironischerweise zeigen sie gerade am Beispiel der Geburts- und Hauptstadt der globalisierten Sharing Economy San Francisco, wie dort AirBnB die Situation für ärmere Menschen in einem ohnehin überhitzten Wohnungsmarkt noch weiter verschärft hat – von rassistischer Diskriminierung bei Vergabe und Preisfestsetzung auf der Plattform ganz zu schweigen. McLaren und andere fordern für eine echte ‚Sharing City‘ deshalb auch den Fokus auf Sharing jenseits marktlich-reziproker Interaktionen zu legen.

Und in der Tat gibt es neben der marktlichen Sharing Economy à la Uber und AirBnB auch erfolgreiche Beispiele für eine primär nicht-marktliche Sharing Economy – und zwar auf globaler ebenso wie auf lokaler Ebene. Das prominenteste Beispiel für die Potenziale digital vermittelter, plattform-basierter Produktion jenseits von Marktmechanismen ist mit Sicherheit die freie Online-Enzyklopädie Wikipedia. Mit Hilfe von offenen Lizenzen und Dank des kooperativen Zusammenwirkens tausender Freiwilliger ermöglicht sie freien Zugang zu Wissen in Form einer globalen Wissensallmende. Aber auch zu AirBnB gibt es mit Couchsurfing eine vielgenutzte Alternative jenseits des marktlichen Austauschs, die sowohl das Anbieten als auch das Einfordern monetärer Entschädigung für die Beherbergung als Verstoß gegen die Gemeinschaftsregeln strikt untersagt. Hinzu kommen Plattformen für Nachbarschaftshilfe wie fragnebenan.com, Gemeinschaften wie Freifunk (Deutschland) oder Funkfeuer (Österreich), die gemeinsam WLAN-Zugänge teilen, oder lokale Gruppen, die mit ihren GPS-Geräten das frei lizenzierte Kartenmaterial von OpenStreetMap verbessern. Die letztgenannten Beispiele haben gemeinsam, dass sie noch stärker auf lokale Vernetzung und Austausch setzen als globale Plattformen wie Wikipedia oder Couchsurfing und gleichzeitig dezentral und weitgehend selbstgesteuert operieren. Natürlich können auch nicht-marktliche Modelle bisweilen in Konkurrenz zu traditionellen Geschäftsmodellen und deren Beschäftigungsverhältnissen treten und damit soziale Herausforderungen mit sich bringen.

Im Idealfall entstehen jedoch so durch eine Kombination aus zentraler Plattform und dezentralem Austausch digitale Gemeingüter und Räume analoger Kooperation – zumindest partiell – jenseits marktlicher Profitlogiken. Der Aspekt digitaler Gemeingüter steht auch im Mittelpunkt einer weiteren Initiative der Stadt Linz: Mit ihrer „Open Commons Region“ legt die Stadt den Schwerpunkt dabei vor allem auf die Nutzung offener Lizenzen für digital produzierte Inhalte. Schon an der Bezeichnung wird dabei deutlich, dass es viele Überschneidungen zwischen progressiven Sharing-City-Ansätzen und jenen einer ‚Open City‘ gibt.

Open City: (Digitaler) Wandel als Dauerzustand

Richard Sennet ist nicht nur ein lautstarker Kritiker simplistischer Smart-City-Konzepte, sondern entwickelt im Unterschied zu anderen Kritiker_innen auch eine alternative Vision progressiver Urbanität – jene der offenen Stadt („Open City“, Sennett 2006). In seiner skizzenhaften Charakterisierung, was eine offene Stadt ausmachen könnte, bezieht er sich an keiner Stelle explizit auf neue digitale Technologien. Vielmehr geht es ihm um Fragen klassischer Stadtentwicklung, um Architektur und Raumplanung ebenso wie um soziale Gemeinschaften und (Sub-)Kulturen. Dennoch – oder vielleicht gerade deshalb – ist sein Ansatz sowohl kompatibel als auch herausfordernd für boomende Konzepte digitaler Offenheit unter Schlagwörtern wie Open Innovation, Open Data oder Open Government.

Für Sennett sind zwei zentrale Merkmale offener Städte entscheidend. Erstens braucht es innerhalb von Städten schwammige, überlappende, durchlässige Grenzen – zwischen Vierteln genauso wie zwischen Subkulturen, Ethnien oder Klassen. Bedeutsam ist dabei aber auch, dass damit keineswegs das völlige Fehlen solcher Grenzen impliziert ist. Eine offene Stadt zeichnet sich eben dadurch aus, dass sie beispielsweise die für Entstehung von Subkulturen notwendigen Abgrenzungen zulässt, die verschiedenen Communities aber gleichzeitig zum Austausch miteinander einlädt. Umgelegt auf Konzepte digitaler Offenheit bedeutet das, dass bloß formale, grenzenlose Offenheit – jede_r kann zum Beispiel bei einem Open-Government-Projekt mitmachen – in der Regel nicht ausreicht, um dieses Kriterium zu erfüllen. Stattdessen wollen gezielt verschiedene Gruppen auf verschiedene Weise angesprochen und aktiv einbezogen werden.

Zweitens ist eine offene immer auch eine unvollständige, unvollendete Stadt. Im starken Kontrast zu Steuerungseuphorie und spezialisierten Technologien vieler Smart-City-Ansätze folgt daraus eher die Forderung nach simpleren und weniger spezialisierten Infrastrukturen. Diese können nämlich vergleichsweise einfach und flexibel für verschiedene, neue Zwecke eingesetzt oder adaptiert werden. Sennett bezieht in seinem Plädoyer für Unvollendetheit aber auch die narrative Dimension einer Stadt mit ein. (Stadt-)Planung erfordert demnach nicht nur oder nicht einmal primär Klarheit hinsichtlich von Zielen, sondern vielmehr einen Fokus auf Entwicklungsprozesse, auf produktive Konflikte und die Erwartung von Unerwartetem. Im Bereich digitaler Offenheit folgt daraus ein klares Primat offener Lizenzen (z. B. Open Source Software) und offener Infrastrukturen (z. B. Freifunknetze), die Dritten ohne Rechteklärung die Nutzung in alternativen oder zukünftigen, unvorhergesehenen Kontexten erlaubt. Etwas, das auch progressivere Varianten von gemeingutorientierten Sharing-City-Ansätzen propagieren.

Offenheit ist dabei keineswegs nur als Öffnung nach außen zu verstehen. Paradoxerweise bedeuten – und erfordern – Open-Data und Open-Government-Ansätze vor allem eine Öffnung nach innen. Während NGOs wie Open Knowledge die Ermächtigung Dritter durch offeneren Zugang zu Wissensbeständen betonen, kann damit auch eine Selbstermächtigung von kommunaler Politik, Verwaltung und kommunal Beschäftigten einhergehen. Tatsächlich ist es so, dass die Kontrolle des Zugangs zu (kontinuierlich wachsenden) Daten- und sonstigen Wissensbeständen in öffentlichen Verwaltungen natürlich mit Macht verbunden ist. Wann immer andere Abteilungen innerhalb einer Stadtverwaltung oder politische Akteur_innen – egal ob in Regierung oder Opposition – Zugang zu Daten- und Wissensbeständen benötigen, sind sie auf Kooperation der jeweils zuständigen Stellen angewiesen.

Für die zuständigen Stellen sind derartige Anfragen wiederum mit Aufwänden hinsichtlich der Erhebung und Bereitstellung der Daten verbunden. Das bedeutet, dass selbst ohne Berücksichtigung von mikropolitischen (Macht-)Spielen in Organisationen auch innerhalb und zwischen verschiedenen städtischen Organisation(seinheit)en immer Zugangshürden bestehen. Alles, was jedoch als Open Data oder auf andere Weise von Transparenzgesetzen erfasst und öffentlich zugänglich ist, ist automatisch auch innerhalb städtischer Organisation(seinheit)en verfügbar. Ermächtigende Offenheit im Innenverhältnis ist auch, was die Arbeitsorganisationsstruktur neuer Formen kommunaler Dienstleistungserbringung auszeichnet. Exemplarisch dafür steht die niederländische Pflegeorganisation „Buurtzorg“ (Betreuung in der Nachbarschaft). Sie hat ein Modell autonomer Teamarbeit entwickelt, das ein hohes Maß an Selbstbestimmung der Beschäftigten bei der Arbeits(zeit)gestaltung ermöglicht, indem Einsatzpläne unter Verzicht auf das mittlere Management dezentral mit Tablets erstellt werden (Leichsenring 2015). Voraussetzung dafür sind Transparenz und flache Hierarchien beim Zugang zu arbeitsbezogener Datenerhebung und -verarbeitung.

Damit schließt sich der Kreis zurück zu den mit neuen Smart-City-Technologien erhobenen, öffentlichen Datenbeständen: Deren Potenziale zu nutzen und gleichzeitig Missbrauch und Monopolisierung zu vermeiden, erfordert zusätzlich Instrumente wie sie im Rahmen von Sharing- und Open-City-Ansätzen propagiert werden.

Fazit und Ausblick

Die drei in diesem Essay kontrastierten Perspektiven auf digitale Stadt – Smart, Sharing und Open City – schließen sich hinsichtlich des Einsatzes von Technologien und Praktiken nicht völlig gegenseitig aus. Allerdings zeigt sich gerade im Vergleich, dass je nach Vision unterschiedliche Schwerpunkte gesetzt und unterschiedliche Probleme reflektiert werden. Und in manchen Bereichen gibt es auch echte Widersprüche. So ist die Utopie einer zentral gesteuerten ‚Smart City‘ aus Sicht der ‚Open City‘ eher eine Dystopie, versucht sie doch tendenziell jene unsauberen, ungeplanten und unvorhersehbaren Entwicklungen auszumerzen, die bis zu einem gewissen Grad die Attraktivität von urbanen Räumen ausmachen. Und der ungebrochene Technikoptimismus des Smart-City-Diskurses ist nur schwer mit dem ambivalenten Technologieverständnis und der Sensibilität für Interessensgegensätze jüngerer Sharing-City-Ansätze in Einklang zu bringen.

Die zentrale Ableitung für Entscheidungsträger_innen in kommunaler Politik, Verwaltung und Interessensvertretung ist deshalb, sich die Beschränktheit primär technologiegetriebener Smart-City-Konzepte bewusst zu machen. Wirklich „smart“ können Städte im digitalen Zeitalter nur dann werden, wenn Technologien in ihrer Ambivalenz (an)erkannt und mit einer an digitalen Gemeingütern orientierten Offenheit genutzt werden.

25 Kommentare
  1. Ich glaube, der Artikel ist ein weiteres schönes Beispiel für deutsches Bedenkenträgertum. Ein paar Beispiele:
    Als wir die TU Berlin 1988 ans Internet anschlossen, hätte uns natürlich die Firma Cisco liebend gerne viele AGS+-Router für 40.000 DM das Stück verkauft. Auf der der Verkaufsdrang von Unternehmen war nicht der Grund dafür, dass wir gegen den Willen des BMBF es doch taten, aber auf dem Campus mit billigen Open Source Routern auf PC-Basis. Dia Analyse von Leonhard hinsichtlich des Marketinggebrülles von Herstellern wären da in die Irre gegangen. Der Feind saß im Staat, nicht in der Wirtschaft. Wir haben es trotzdem gemacht. Wie ich neulich hörte, hat Cisco nun an der TU-Berlin einige tausend WLAN-Access-Points installiert. Mit Eduram kann man heute als Student und Wissenschaftler in ganz Europa roamen. Wären wir in Leonhards antikommerz-Bashing steckengeblieben, hätten wir eine Situation wie im Breitband in Deutschland :-)
    Was auch von Leonhard nicht diskutiert wird, ist, dass in den frühen Veröffentlichungen von Cisco und ihren gekauften Schreiberlingen der Business Case fehlte. Es wurden zwar Allmachtsfantasien von Steuerungen aus dem Cockpit von dem Bürgermeister gemalt, aber es wurde nicht diskutiert, warum mache ich das (rette ich damit die Welt?). Rechnet sich das? Der Business Case fehlte ganz. Diese Art Science Fiction wurde in Berlin schon seit den 90er Jahren von der Wissenschaft (also so Organisationen, wo Leonhard arbeitet :-) in den Diskurs getragen:
    Verkehrsmessungen im Adlergestell, Verwendung der Daten in Echtzeitsimulation: der Bürger geht durch eine 3D-Stadt mit Echtzeitdaten von Ampeln und Straßenverkehr. Szenarien wie: ich gehe ins Hotel mit meinem 3D-Avatar, gehe an die Rezeption , hau auf die Klingel und habe die echte Rezeption am Smartphone oder am PC. Oder ich suche in der Innenstadt einen Kinofilm und die smarte App zeigt mir dazu den passenden Parkplatz, wenn ich da hin fahren will. Diese Konzepte wurden nicht verwirklicht, weil sie damals zu teuer waren.
    Heute aber kostet ein Feinstaubsensor 30 € und so vereiten sich die Messgeräte in der Zivilgesellschaft. Und da ist es völlig egal, ob jemand glaubt er könne damit steuern oder sonst was. Die Daten sind erst mal da: die Politik jkann dann nicht mehr leugnen, dass wie iN Stuttgart die Bevölkerung mit Dieseln getötet wird (http://www.mdr.de/nachrichten/vermischtes/studie-diesel-tausende-tote-europa-stickoxide-feinstaub-100.html) und der Bürger kann sich eifanch selbst ein Bild machen, wie scheisse dreckig seine Stadt heute schon ist und ob er mit seinem Auto noch ein paar Opis vorzeitig in den Tod schicken muss. Der Preisverfall von IoT-Devices ermöglicht Dinge, die vor ein paar Jahren noch nicht möglich waren, und die wir noch nicht angefangen haben, politisch zu diskutieren.
    In meiner Open Data Studie für die Bertelsmann-Stiftung habe ich gefunen, dass in Bangalore in Indien ein (völlig versiffter) See mit IoT ausgestattet wurde, um pH-Wert, O2, SO4, PO3, Temperatur zu messen und die Werte auf einem Webserver online gestellt wurde. Als ich bei einer Behörde, die Seen südlich von Berlin überwacht und die veröffentlicht hat, dass sie Seen mit pH-Werten um 2,6 (also fast hochkonzentrierte Säure) hat, gefragt habe, ob die die Werte nun immer öffentlich zeigen wollten, haben sie gesagt, dass sie da eher zurückhaltender seien.
    Die spannende Frage ist doch, wenn der IT-Preisverfall die Politik überholt (wie beim Internet-Anschluss von Hochschulen oder dem Feinstaub) und wir dadurch in völlig neue politische Diskussionen kommen. So zu tun, als wären die Mesen schon gesungen, ist da nicht hilfreich.
    Beim Sharing wird auch einseitig berichtet. Wenn ich mein Haus in meinen Ferien bei Airbnb zu vermieten, dann wird mir vom Abgeordnetenhaus entgegengeschleudert, dass das eine Zweckentfremdung sei, Wohnungen zum Wohnen zu vermieten. So weit kann der deutsche Hass auf Digitalisierung schon gehen.
    Selbst die Anmerkungen über Open Data greifen zu kurz. Die EU ist gerade dabei, ihre Daten aus der Erdbeobachtung (Satelliten und in Situ (Messgeräte auf der Erde)) als Open Data bereitzustellen. Alles muss raus. Auch für Smart Cities. Für Luftverschmutzung, Wasserverschmutzung, smarte Energie usw. Auch da stehen wir erst am Anfang. Auch hier kommen spannende Frage, ob und wie Zivilgesellschaft, Staat und Wirtschaft gut zusammenarbeiten und jeder die Daten in den Topf schmeisst, die er hat.
    In Barcelona hat man gelernt, dass ein Vortasten in Richtung Smart City ohne Business Case (für Staat und Bürger) suboptimal ist und hat umgesteuert von supply driven auf demand driven.
    Aber wenig von dem kommt in Leonhards Essay vor und es wird getan, als wenn die Smart City schon gegessen sei. Ich halte das für falsch. So wie ich damals das OSI-Gebot des BMFT für falsch hielt und wir die Hochschule lieber ans Internet anschlossen :-) Da kann ich auch schon mal ungehorsam gegenüber anderen öffentlich Bediensteten sein.
    Technologie ist nicht ambivalent. Die Oragnisation der Nutzung von Technologie kann ambivalent sein. Aber die Nutzung von Technologie auf Gemeinnutz beschränken zu wollen, halte ich für absurd. Selbst die Dampflokomtiven, die auf öffentlichen Gleisen fuhren, durften gewinnorientiert sein.
    „Wirklich „smart“ können Städte im digitalen Zeitalter nur dann werden, wenn Technologien in ihrer Ambivalenz (an)erkannt und mit einer an digitalen Gemeingütern orientierten Offenheit genutzt werden.“ Diese Konklusion halte ich für falsch. Eine City kann auch smart sein, wenn sie neben Gemeingütern auch gute Infrastruktur für gewinnorientierte Wirtschaft ist. So wie sei es auch seit der Industrialisierung immer war.

    1. Erstmal danke für die ausführlichen Ausführungen. Ich glaube nicht, dass wir da wirklich soweit auseinander liegen. Ob jetzt Technologien selbst oder „die Organisation der Nutzung von Technologien“ ambivalent ist, macht für mich keinen Unterschied, weil es in arbeitsteiligen Gesellschaften immer nur organisierte Technologienutzung gibt und geben kann.

      Etwas missverstanden fühle ich mich, wenn mir „Kommerz“-Bashing unterstellt wird oder wenn mein Fokus auf „Gemeingüter“ als anti-business ausgelegt wird. Umgekehrt wird ein Schuh draus: aus einer Gemeingutorientierung folgt ein faires, weil Level-Playing-Field gerade auch für kommerzielle Nutzung und Weiterentwicklung. Öffentlich finanzierte Forschung und freier Zugang (Open Access) zu ihren Ergebnissen ist ein Gemeingut und gleichzeitig die beste Voraussetzung auch für darauf aufbauenden, ökonomischen (Anwendungs-)Wettbewerb. Open Data ist auch gerade nicht Anti-Business, verschafft aber auch kleineren Firmen Zugang. Worum es aber geht, ist, proprietäre Monopole in Städten zu verhindern. Und diese Gefahr ist natürlich real.

      Letztlich wollte ich nicht den Eindruck erwecken, dass Smart City schon „gegessen“ ist. Auch hier umgekehrt: gerade weil ich an emanzipatorische Potentiale digitaler Technologien glaube, warne ich vor übertriebene Steuerungsfantasien und kritisiere den Smart-City-Diskurs.

    2. > ein weiteres schönes Beispiel für deutsches Bedenkenträgertum

      Der Kommentar des Lobbyisten Ksoll ist ein schönes Beispiel, wie technologiegetriebener Neo-Liberalismus mit selbstverständlicher Naivität einen kritischen Standpunkt weg zu wischen versucht, weil dieser gute Geschäfte bedroht.

      Technologie ist nicht ambivalent. Die Organisation der Nutzung von Technologie kann ambivalent sein. Aber die Nutzung von Technologie auf Gemeinnutz beschränken zu wollen, halte ich für absurd. Selbst die Dampflokomtiven [sic!], die auf öffentlichen Gleisen fuhren, durften gewinnorientiert sein.

      Diese Argumentation besticht durch ihre Schlichtheit. Technologie „an sich“ ist nicht wertfrei, sie lässt sich auch nicht außerhalb eines sozialen und politischen Kontextes weder schaffen noch anwenden. Technologien haben das Potential eine Gesellschaft zu verändern. Wenn Herr Ksoll unterkomplexe Argumente aus dem Dampflok-Zeitalter wählt, heißt es noch lange nicht, dass diese für valide Modellbeschreibungen komplexer Zusammenhänge geeignet sind.
      Natürlich kann man immer feststellen, dass es dem Messer egal ist, ob es in der Butter oder im Rücken des Gegners steckt, aber ein ernsthafter Diskussionsbeitrag ist das nicht.

      Mann sollte sehr wohl über den Sinn streiten, ob und wieweit es dem Gemeinwohl dient, wenn Profit einfahrende Dampfloks auf Geleisen fahren, die durch die Öffentliche Hand finanziert und gewartet werden. Solche Diskussionen müssen immer möglich sein und sie sollten auch fair geführt werden.

      1. „Mann sollte sehr wohl über den Sinn streiten, ob und wieweit es dem Gemeinwohl dient, wenn Profit einfahrende Dampfloks auf Geleisen fahren, die durch die Öffentliche Hand finanziert und gewartet werden. Solche Diskussionen müssen immer möglich sein und sie sollten auch fair geführt werden.“
        Die Frage war nicht, ob man auch das Gemeinwohl beachtet, sondern ob es einziges Kriterium sein soll, wie Leonhard gefordert hatte:
        „Wirklich „smart“ können Städte im digitalen Zeitalter nur dann werden, wenn Technologien in ihrer Ambivalenz (an)erkannt und mit einer an digitalen Gemeingütern orientierten Offenheit genutzt werden.“
        Ein Beschränkung auf Gemeinnutz ist weder fair, noch mit unserer Verfassung zur Deckung zu bringen.
        Der Mit dem Lobbyisten war gut :-) Wenn es an Argumenten fehlt, richtet man sich gegen den Boten,. Machen die entarteten Geheimdienste auch, frei nach dem Motto: Irgendwas bleibt immer hängen :-)

        1. Abgesehen davon, dass ich auch Ad-Hominem-Argumente meistens wenig hilfreich finde, möchte ich noch einmal klarstellen: „Offenheit die sich an digitalen Gemeingütern orientiert“ ist weder dasselbe wie „Gemeinnützigkeit“ noch schließt das kommerzielle Nutzung aus, im Gegenteil.

  2. „aus einer Gemeingutorientierung folgt ein faires, weil Level-Playing-Field gerade auch für kommerzielle Nutzung und Weiterentwicklung“
    Diese Orthodoxie ist nicht nicht nachvollziehbar und nicht offen. Natürlich kann es auch andersherum passieren, dass private, gewinnorientierte Orientierung zu gesellschaftlich nützlichen Ergebnissen führen. Es ist nun mal so, dass Google und Facebook die Kommunikation von Milliarden von Menschen dramatisch verbessert hat, woraus auch auch für das Gemeinwohl zahlreiche Verbesserungen ergeben haben. Auf der anderen Seite sind Strafverfolgungsbehörden und Geheimdienste auch formal am Gemeingut orientiert, aber sie versagen. Im Gegenteil, sie sind zu einer Bedrohung für die Bevölkerung geworden.
    Ich würde daher für einen ergebnisoffeneren Blick in die Zukunft plädieren, statt eines dogmatischen.
    Wir haben Wechselwirkungen gesellschaftlicher System wie Politik, Wirtschaft, Bildung, „Zivilgesellschaft“, die wir nicht einfach voraussagen können, sondern möglicherweise bei negativen Effekten bei deren Auftreten regulativ einschreiten müssen.
    Das Beispiel Barcelona zeigt ja, dass a) ein Steuerungsmodell nach Command und Control sich nicht ergibt (wie ja auch das Steuerungsmodell der öffentlichen Hand nach dem NSM eine Illusion von Command-and-Control-Freaks war oder die C&C-Irrlehre von Francis Fukuyama im Irak) und b) der ökonomische Überschwang verpufft ist ohne zu liefern.
    Deswegen sollten wir m.E. lockerer an die Dinge gehen. Nachdem z.B. Uber weltweit gegen Gesetze verstossen hat, versucht man nun, gesetzestreu zu werden. Bei Airbnb ist das Land Berlin mit seiner Irrlehre, Wohnungen zu vermieten sei Zweckentfremdung, zurückgerduert und arbeitet an einer Überarbeitung der Eigentumsbeschränkungen (wie es auch in D die Verfassung gebietet ;-)
    Das Risiko, durch übertriebene Bedenkenträgerei zu ersticken, ist gerade in Deutschland besonders hoch. Man sieht es in Datenschutz und im E-Goverment. Nach 20 Jahren Versagen musste McKinsy im Auftrage des Normenkontrollrats feststellen, dass in D kein E-Government stattfindet (was m.E. an überzogenem Misstrauen des Bundes gegen die Bürger liegt, das er mit nationalen Sonderbehandlungen zu lösen versuchte (QualSig, eID und De-Mail) und Deutschland damit international schadete). Im Datenschutz jubeln wir über DSGVO und ePrivacy, tatsächlich aber findet keine Datenschutz statt, wie wir im BKA-Trojaner gesehen haben, als der Grüne Schaar keine Sourcecodeinspektion vornahm, um die Enthüllungen des CCC zu verifzieren.
    Wenn wir nicht aufpassen, zerreden wir wieder die Chancen und werden mit den Risiken überrollt.
    Wir sollten deswegen möglichst offen bleiben, und nicht durch vorschnelles Urteil z.B. auch Netzwerkeffekte von Zivilgesellschaft, Staat und Wirtschaft verbauen. Und da energisch handeln, wo es notwendig ist.

    1. Ich bestreite überhaupt nicht, dass auch „gewinnorientierte Orientierung zu gesellschaftlich nützlichen Ergebnissen führen“ kann. Ich verteidige beispielsweise vehement Host-Provider-Privilegien für Plattformen wie YouTube, weil diese (gerade auch: für nicht-profitorientierte Nutzungsweisen) Freiheiten mit sich bringen und letztlich gesellschaftlich-kulturell nützlich sind.

      Hingegen halte ich „übertriebene Bedenkenträgerei“ für ein nicht hilfreiches Totschlagargument. Sharing- und Open-City-Diskurse sind ja keineswegs technologie- oder auch nur Business-feindlich. Den Smart-City-Diskurs kritisch zu sehen ist weder dogmatisch noch fortschrittsfeindlich.

      Und noch ein Absatz zur AirBnB-Regulierung in Berlin: Ich war immer der Meinung, dass ein Totalverbot nicht die richtige Maßnahme ist, die jüngsten Korrekturen begrüße ich. Gleichzeitig ist es natürlich ein Problem, wenn im großen Stil Wohnungen in Vierteln mit ohnehin großem Mietpreisdruck dem Wohnungsmarkt entzogen und dauerhaft als Ferienwohnungen vermietet werden. Hier Regelungen für Ferienwohnungen, z.B. orientiert an Umsatzgrenzen für Gewerblichkeit, auch auf AirBnB anzuwenden scheint mir total sinnvoll und überhaupt nicht technikfeindlich.

      1. Da wir gerade über Ambivalenz sprachen, möchte ich am Beispiel Airbnb-Verbot in Berlin zeigen, wie unvollständig der Artikel oben die Ambivalenz untersucht.
        Wenn Unternehmer Wohnungen kaufen, um sie nicht langfristig zu vermieten, sondern kurzfristig, dann entgehen dem Langfristmietmarkt sicherlich Wohnungen. Aber durch das Airbnb-Verbot greift das Land Berlin auch zugunsten der Hotels hart in den Markt ein. Großen Hotelketten soll der Markt gesichert werden, während einfachen Leuten die zeitweise Vermietung von Zimmern zugunsten von Hotels verboten wird. Ökonomisch ist das eine Umverteilung von unten nach oben unter der false flag des Gemeinwohls.
        https://www.berlin.de/tourismus/nachrichten/4814461-1721038-hotelmarkt-deutschland-fast-40-hotelbaut.html
        Dem Land Berlin geht es nicht um die Bereitstellung von Wohnraum:
        – die GSW wurde an Heuschrecken verkauft, die Wohnungen vergammeln, die Mieten steigen
        – unter Sarrazin ist Land Berlin aus dem sozialen Wohnungsbau ausgestiegen, wo schon vorher Unsinn gemacht wurde: 20 €/qm Kostenmiete wurden subventioniert bei 5€/qm auf dem Markt erzielbaren Mieten. Völlig ohne staatliche Beschränkung zugunsten von Projektentwicklern
        – für neue Wohnungen werden in Berlin keine Genehmigungen erteilt
        http://www.tagesspiegel.de/berlin/wohnen-in-der-hauptstadt-berlins-wohnungsnot-ist-das-ergebnis-rot-rot-gruener-politik/20469022.html

        Dann bleibt bei Airbnb auch die Frage offen, ob es dabei überhaupt um Smart Cities geht. Ist eine City Smart, wenn ich auf bahn.de einen Zug dahin buchen kann (Sharing des Waggons?), ein Hotel, eine Unterkunft, eine Mitfahrgelegenheit? Ist eine City Smart, wenn ich bei Amazon eine Buchlieferung dahin buchen kann? Wobei diese Anwendungen auch für das Land genutzt werden können.

        Passt man also nicht auf bei den Ambivalenzen, dann wird man schnell dogmatisch und geht hohes Risiko, dass nicht viel über bleibt ausser dem üblichen Antiamerikanismus und dem Hass auf Digitalisierung, wie wir es auch von dem Hass auf Facebook oder dem Hass auf E-Government gewohnt sind.

        Man sollte vielleicht fokussierter dabei bleiben, dass man mit dem Begriff Smart City den Einsatz von IT über die normalen Büroanwendungen hinaus meint und das Internet der Dinge völlig neue Anwendungen ermöglicht: wie dreckig ist die Luft jetzt? Kann ich das Wasser trinken? Wann kommt der Bus tatsächlich und nicht nach Plan?

        1. Schon gelesen, was ich oben geschrieben habe, nämlich, dass ich ein Totalverbot nicht richtig fand und finde? Dann ist ja gut.

          Im übrigen bin ich der Meinung, dass ich mich durchaus bemüht habe, bei den Ambivalenzen „aufzupassen“. Umgekehrt halte ich es für viel gefährlicher, Ambivalenzen zu negieren.

          1. Ich hatte es gelesen. Dennoch wurde einseitig der Verlust von Langzeitmietwohnraum beklagt und weder die Bevorteilung von Hotels erwägt noch, das das Land Berlin gar nicht beabsichtigt Wohnungen zu fördern.

          2. Das Mietraumargument ist eine Nebelkerze.
            Meines Wissens macht AirBnB 0,4% der Wohnungen in Berlin aus.
            Quelle: http://www.airbnbvsberlin.de/

            Neuen Mietraum gibt es nur dann,
            wenn das Return of Investment stimmt oder
            der Staat sozialen Wohnungsbau fördert.
            Das Erste ist Sache des Marktes und von der Politik nicht zu bestimmen.
            Das Zweite ist politisches Versagen in Berlin,
            und anderen Großstädten, in den letzten paar Jahrzehnten.
            Jetzt AirBnB zu bashen ist flach.

            Aber zurück zum Artikel.
            Mich erfüllt es mit Sorge wenn alles mit Sensorik zugepflastert wird,
            aber es wird fraglos gemacht werden.
            Ich finde man sollte festlegen was damit erreicht werden soll.
            Und dann nur das Minimum als zulässig erklären.

            zb. Sensorik um den Verkehrsfluss zu überwachen:
            Man will wissen wann, wo, wie viele Fahrzeuge eine Stelle passieren,
            um lenkend einzugreifen.
            Dazu ist es nicht nötig eine Kamera zu benutzen.
            Die sammelt mehr Daten (kann mehr Daten sammeln)
            als man für den definierten Zweck braucht.
            Eine Induktionsschleife oder Lichtschranke o.ä. kann den Zweck auch erfüllen.
            Eine Kamera wäre somit nicht zulässig.

    2. Zitat Ksoll:

      Es ist nun mal so, dass Google und Facebook die Kommunikation von Milliarden von Menschen dramatisch verbessert hat, woraus auch auch für das Gemeinwohl zahlreiche Verbesserungen ergeben haben. Auf der anderen Seite sind Strafverfolgungsbehörden und Geheimdienste auch formal am Gemeingut orientiert, aber sie versagen. Im Gegenteil, sie sind zu einer Bedrohung für die Bevölkerung geworden.

      Einen Beitrag zum Gemeinwohl vermag ich bei „Google und Facebook“ beim besten Willen nicht erkennen. Beide Konzerne sind Monopolisten, die vor allem durch rabiate Steuervermeidung auffallen und immer wieder sanktioniert werden müssen. Ebenso einfach, wie Sie ein Gemeinwohl behaupten kann man von von exzessiver Schädlichkeit der genannten sprechen.
      Immerhin sind bei Ihnen noch gewisse Vorbehalte gegenüber „Strafverfolgungsbehörden und Geheimdiensten“ erkennbar. Diese jedoch als „Bedrohung für die Bevölkerung“ zu bezeichnen, geht selbst mir als Kritiker derselben doch zu weit. Ihnen ist wohl jedes Maß abhanden gekommen. Soviel Nähe zur Selbstverwalter und Prepper-Szene hätte ich Ihnen nicht zugetraut.

      1. Bei Google und Facebook ist es nun mal so, dass man unterscheiden kann, was sie machen und wie sie es machen. Was sie machen ist zweifellos von Nutzen für die Welt. Sonst würde es ja nicht Milliarden nutzten. Die Menschen werden ja nicht wie früher von der katholischen Kirche gezwungen, bestimmte Dinge zu tun, was durch Hexenverbrennung, Inquisition, Kreuzzüge usw. durchgesetzt wird. Am Rande: ich finde es süß, eine Kirchenspaltung als „Reformation“ zu feiern, die einen 30 -jährigen Glaubenskrieg in Europa auslöste, der 1/3 der Bevölkerung vernichtete.
        Wie ist eine andere Frage: Monopole sind erst mal nichts schlechtes. Ich finde zum Beispiel gut, dass für Wasser, Strom, Telefon, Geleise Monopole existieren. Ich fände es doof, wenn 30-40 Wettbewerber die Straße aufreißen würden, um eigene Leitungen zu legen statt die des Monopolisten. Schlimm ist der Monopolmissbrauch. Wegen dem musste damals AT&T zerlegt werden.
        Aber wo ist bei Facebook Missbrauch? Wenn die Daten auf ihren Server dazu verwenden, um Werbung personengenau anzuzeigen, dann juckt mich das nicht, u.a. weil ich davon profitiere, dass das Angebot jedermann kostenlos zugänglich ist, ohne dass er genug Geld hat, die Produkte zu kaufen, von deren Verkauf die Werbung finanziert wird. Es werden dort ja Zugangsschwellen auch für Niedrigverdiener abgeaut durch Werbung. Personenbezogen Daten verkaufen sie aber nicht. Das machen andere Kriminelle, die man bekämpfen muss. Ein Teil davon wurde ja hier auf netzpolitik.org aufgedeckt.
        Zu den Steuern: Steuergesetze werden in Deutschland von CDU, CSU, Grünen, SPD, FDP usw. Die SPD hat im neoliberalen Wahn z.B. unter Steinbrück Anfang der 2000er Jahre viele „Erleichterungen“ geschaffen. Wenn Irland von der EU subventioniert wird und die Subvention aus unseren Steuergeldern dazu verwendet, Firmen wie Apple zu ersparen, dann ist das eher den Politikern zuzurechnen, als denen, die legale Möglichkeiten nutzen. Das gleiche gilt für Estland: sie bekommen Milliarden von der EU (also von uns Nettozahlern) und verwenden die zum Steuerdumping. Fake-Bürger (E-Rsidency) dürfen zwar nicht wählen, aber die von EU-Geld subventionierten Steuerdumpingtarife von 20% Flatrate nutzen.
        Wenn man als souverän solche Parteien in die Politik schickt, sollte man sich lieber an die eigene Nase fassen, als Google oder Facebook antiamerikanisch zu bashen. Leute, die gegen die Steuerkriminellen in Panama und der Schweiz jahrzehntelang die Hände in den Schoss gelegt haben wie Schäuble von der CDU (meisten Wähler im Bundestag) werden bei uns zum Bundestagspräsident gemacht und gegen US-Firmen unsachlich polemisiert.
        Wenn dir das Massaker von Amri oder die Morde der NSU, in die der deutsche Staat heftig verstrcikt ist, keine Bedrohung darstellt, dann kann ich Dir nicht helfen. Offensichtlich hast Du dann keinen Respekt vor dem menschlichen Leben. Schon bei Horst Herold im BKA war es so, dass er lieber Rasterfahndung auf seiner BS-2000 Mühle spielte, statt sein Amt so zu organisieren, dass Hinweise aus der Bevölkerung ordentlich abgearbeitet werden. Hans-Martin Schleyer musste sterbe, weil durch Herolds Defokussierung der Hinweis des Hausmeister des Schleyer-Verstecks einfach nicht bearbeitet wurde. Ich finde Morde wegen der Schlamperei des Staates als bedrohlich.

        1. Aber wo ist bei Facebook Missbrauch? Wenn die Daten auf ihren Server dazu verwenden, um Werbung personengenau anzuzeigen, dann juckt mich das nicht, u.a. weil ich davon profitiere,

          Facebook stand kürzlich blamiert da, als ans Licht kam, dass über sein Anzeigensystem Werbung gezielt für Nutzer geschaltet werden konnte, die sich als „Judenhasser“ identifizierten.

          All das bedroht das Weltbild des Herrn Ksoll ja nicht.

  3. Für wie blöd halten sie eigentlich ihre Leser, wenn sie einem Governance-Büttel hier frei nach dem Motto „Hunger Games meets Fahrenheit 451“ seinen Schwachfug verbreiten lassen?

    Smart-Cities oder wie auch immer sie die in ihrem Orwellschen Neusprech sonst noch so nennen, sind der feuchteste Traum jedes totalitären Staates. Neben Landraub, privater Enteignung, Prekarisierung, permanenter Überwachung in allen Lebenslagen und weiteren unvorstellbaren Sauerein (Wasser -und Nahrungskontrolle) hat das ganze Modell NUR einen übergeordneten Sinn, und der heißt TOTALE KONTROLLE .

    Lassen sie sich nicht von Beutelschneidern abzocken, auch wenn Smart Cities Teil der UN-Agenda 21 sind: Sie werden systematisch hinters Licht geführt.

    https://www.youtube.com/watch?v=s1IacmUWVa4

      1. Nein, bei Dan Brown habe ich gestern gelernt, dass das ein Fall für http://conspiracy.org/ ist. Ich will mich in deren Geschäftsmodell nicht einmischen. Vielleicht stecken ja die Illuminati dahinter und ich krieg Ärger mit Hagbard Celine ff. :-)
        Außerdem erschließt es sich mir nicht, warum Leute wie die von http://luftdaten.info/, die in Smart Cities Feinstaub messen Beutelschneider sein sollen. Aber das werden wir sicher noch von unserem VT-Kollegen lernen :-)

        1. > Aber das werden wir sicher noch von unserem VT-Kollegen lernen :-)

          Weiter oben hat sich Herr Ksoll dagegen verwahrt, Lobbyist genannt zu werden.
          Er selbst jedoch kann es nicht lassen mit „VT-Kollegen“ ad hominem auszuteilen.

  4. „Adam Greenfield beispielsweise vergleicht den Smart-City-Ansatz in seinem Pamphlet „Against the Smart City“ mit den ebenfalls technologisch unterfütterten Steuerungs- und Planungsutopien im Städtebau der 1950er und 1960er Jahre. “
    Da dürfte er recht behalten. Das politische Durchlüften, das Ende der 60er stattfand, hat so nebenbei auch eine Verkehrswende mit sich gebracht, die erst in den 90ern wieder beendet wurde.
    Die Idee der smartcity könnte sogar ein früher Indikator sein dafür, daß Ähnliches erneut bevorsteht.
    Die Digitalisierung dreht sich zunehmend um sich selber und hat etwas zunehmend Rückständiges an sich in dieser ständigen Tendenz, alles nur noch auf seinen digitalen Aspekt zu reduzieren.

    1. Ja, Andreas Gryphius sagte 1637 schon, dass alles eitel sei. Aber scheint das nicht eine zwingende Wahrheit zu sein, sondern eher ein Zeichen einer breiten Meinungsvielfalt. Was Gryphius eitel fand, hat uns die Aufklärung gebracht. Wir durften dann sagen, dass die Erde eine Kugel ist.
      Die Smart City ist doch viel vielfältiger als die feuchten Träume von Command-and-Control-Fanatikern. Ich finde es es zum Beispiel gut, dass durch die preiswerten Feinstaubmessungen aus der Zivilgeslelschaft nun mehr Transparenz in die tatsächlich Luftverschmutzung in Städte kommt. Das setzt die Kommunen zu Transparenz unter Druck. Das gleiche gilt für andere Umweltverschmutzung auch wie Wasser oder Lärm. Wir haben heute durch preiswerte IoT die Möglichkeit, viel besser zu messen, was uns kaputt macht. Wenn VW bei Software Bürger und Staat kriminelle betrügt (und 5.000 Leute in Deutschland tötet), dann ist das heute nicht mehr einfach von der Hand zu weisen.
      Das Buch von Kasczorowski hat doch schön gezeigt, dass man ohne Business Case niemanden für die Smart City begeistert. Die Umkehr in Barcelona von Supply driven auf Demand driven zeigt doch in die richtige Richtung.
      Das aber hat nichts damit zu tun, ob man Hotels oder Wohnungen online bucht, oder Taxis oder Uber-Fahrzeuge online bucht. Der Begriff Samrt City ist eng mit dem Internet der Dinge gekoppelt. Wer das auflöst, bekommt Argumentationsschwierigkeit.
      Das die Digitalisierung sich um sich selbst dreh, ist dummes Zeug.
      Für die Freunde des Lobbyismus hier noch mal der Hinweis
      http://luftdaten.info/
      Wir dreckig ist meine Smarte City heute? Beim Feinstaub. Osnabrück, Bielefeld, Hannover sind beim Feinstaub gerade jenseits der Grenzwerte. Wer die Menschen leben lassen will statt die Autoindustrie über Leichen gehend zu fördern, ist natürlich ein böser Lobbyist. Sagen die VT-Experten. Und die haben ja immer recht und brauchen nicht zu messen. :-)

  5. Bertelsmann, Governance und 100 andere Schwachköpfe: Hier tummeln sich wirklich die, die den Bock zum Gärtner machen wollen und ihre digitalen Jünger gucken dabei zu. Man kriegt nur noch das kalte Kotzen.

    An dieser Stelle einen Gruß an die Redaktion, die mit diesem Artikel den üblich verdächtigen Propagandisten das Schlachtfeld eröffnet hat.

    Irgendwann habe ich dieses Projekt mal unterstützt. Das bereue ich zutiefst und würde gerne mein Geld wieder haben. Aber egal: Es ist vorbei-bei, Julimond.

    Hier ist wirklich Hopfen und Malz verloren.

    Gruß an die Sockenpuppe Beckedahl!

  6. @Wolfgang Ksoll
    Nichts zu sagen gegen digitale Hilfsmittel, auch in großem Umfang.
    Der Glaube an eine Transparenz, die Entscheidendes bringen soll, scheint mir aber reichlich naiv.
    Die kriminellen Umtriebe, die Sie richtig beschreiben, haben vor allem mit der Blockierung durch Korruption und Lobbyismus zu tun, die transpariert man nicht mal eben so weg.

    Wenn digitale Mittel helfen, selber zu messen u.ä. , immer her damit.
    Und nicht immer gleich beleidigt sein, ich lasse mir gerne sagen, daß es wohl auch unterschiedliche Vorstellungen zur smartcity geben kann.
    Schließlich gibt es breite Kreise, die sehr wohl nur über die Optimierung des Verkehrs reden, wenn es um Digitalisierung geht, u.ä. , das ist nunmal rückwärtsgewandt, auch wenn Sie solche Kritik als dummes Zeug abtun.
    Und dann bitte nicht rumjammern, wenns nicht so recht klappen will mit den sehr berechtigten Hinweisen auf die zunehmende Umweltzerstörung, die bekämpft man nicht mit simplen verbalen Rundumschlägen gegenüber Leuten, die sich dem Thema gegenüber interessiert zeigen.

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