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Vectoring-Ausbau der Telekom Deutschland führt in die Sackgasse

(Symbolbild Gute Zeiten) jens kuu

Wer hätte gedacht, dass Kunden scharenweise den Netzbetreiber wechseln, wenn es ein technisch überlegenes, aber dennoch bezahlbares Glasfaserprodukt gibt? Was passiert, wenn selbst Dumpingpreise nicht dabei helfen, bereits heute nicht mehr konkurrenzfähige Vectoring-Anschlüsse an den Kunden zu bringen?

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Ein lesenswerter Bericht in der Wirtschaftswoche zeigt auf, in welche Klemme sich die Deutsche Telekom AG durch falsche Strategien und Inkompetenzen hineinmanövriert hat. Das macht auch die fragwürdigen Vorgehensweisen des Konzerns eher nachvollziehbar. Mit der Re-Monopolisierung oder dem Überbau der Infrastruktur sowie dem  Pochen auf europaweite Deregulierung will sich Ex-Monopolist Vorteile gegenüber der Konkurrenz verschaffen – aber selbst das scheint nicht zum Erfolg zu führen:

In Hamburg etwa hat das Duo der beiden Regionalanbieter Wilhelmtel und Willytel schon so viele Kunden angelockt, dass die Telekom heute nur noch jeden fünften Kunden versorgt. In München hat Dorit Bode, Geschäftsführerin der Stadtwerke-Tochter M-Net, angekündigt, dass sie noch in diesem Jahr Marktführer werden will. In Köln beansprucht die Stadtwerke-Tochter Netcologne mit insgesamt 240.000 Glasfaserkunden die Führungsposition schon seit ein paar Jahren für sich.

Selbst Lockangebote von monatlich 19,95 Euro im ersten Jahr helfen der Telekom bisher wenig. Im ersten Halbjahr hat sie die Planvorgaben beim Netto-Neukundenzuwachs nicht erreicht. Und schon jetzt zeichnet sich ab, dass sie ihr 2015 ausgerufenes Ziel von 13,6 Millionen Breitbandkunden bis Ende 2018 ebenfalls verfehlen wird. 600.000 Neukunden müsste die Telekom in den kommenden 15 Monaten netto dazugewinnen. Solch eine Aufholjagd ist nicht mehr zu schaffen. „Breitband ist noch nicht auf Zielkurs“, räumt das Unternehmen selbst in einer internen Bilanzanalyse ein.

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8 Kommentare
      1. Vodafone hat Kabel Deutshland aufgekauft und ist damit im Besitz sehr vieler Glasfaserleitungen in Deutschland. Überall dort, wo lokale Anbieter die im Artikel genannt werden nicht angeboten werden, ist Vodafone die Alternative. Auch werden die Leitungen die z.B. Willy.Tel und Wilhelm.Tel nutzt teilweie durch Vodafone vermietet. Willy.Tel z.B. bietet ihre Leitungen nur an, wenn der Vermietet einen Vertrag mit denen eingeht. Überall sonst in Hamburg hat man diese Möglichkeit nicht und es bleibt nur Vectoring oder Vodafone, sofern Unitymedia nicht zufällig in diesem Gebiet aktiv ist.

        1. Die Verträge mit den Vermietern haben ihren Grund und hängen mit dem Eigentumsrecht des Hauseigentümers zusammen. Der muss nämlich als Eigentümer den Netzanbietern erlauben ihre Hardware im Haus zu installieren. Und wenn der Anbieter nicht die letzten Meter im Haus wieder von der DTK – oder von wem sonst auch immer – mieten will, dann muss er auch die Leitungen im Haus und in die Wohnung verlegen. Und auch das geht nun mal nur mit der Einwilligung des Eigentümers. Also muss ein Vertrag geschlossen werden. Da gibt es dann durchaus Netzanbieter, die durch langfristige Exklusivverträge zugleich versuchen ggf. lokale Konkurrenten auszubooten. Das ist bei den TV-Kabelnetzen nicht anders. Habe so eine Situation hier an meinem Wohnort mit zwei lokalen Kabelnetzbetreibern.

          Die Deutsche Telekom hat bei den Leitungen noch immer in weiten Teilen den Vorteil ihres Erbes als ehemalige Behörde.

  1. Ich finde es toll wie alle hier was sagen . Die wengsten wissen aber, daß wo die Telekom das Netz ausgebaut hat, ist sie gezwungen es sofort für Mitbewerber zu öffnen. Im gegen Zug können die Mitbewerber 2 Jahre das Netz , was sie selber bauen, exklusiv nutzen. Und da nach müssen sie nicht vermieten. Wer also in solchen Gegenden schnelles Internet haben möchte ist gezwungen zu wechseln. Das die Telekom nicht überall ausbauen kann sollte jeden klar sein.
    Ich selber sitze in dieser Zwickmühle. Bekomme aber beim Mitbewerber nicht das selbe was ich jetzt habe “ halt nur langsamer“.
    Soll sumasumarum heißen : Schnelles Internet bei einen einkaufen und den Rest beim anderen. Was im enteffekt teurer ist. Und die Hartware kann man auch nicht mieten nur kaufen.

  2. Das Vectoring nur eine kurz- bzw mittelfristige Lösung ist, ist auch der Telekom klar.
    Ein Punkt beim Ausbau von Vectoring, der aber nicht vernachlässigt werden sollte ist, dass die Telekom für Vectoring zumindest schon mal FTTC ausbaut. Denn mal ehrlich: Selbst bei FTTH, wie viele Eigenheimbesitzer geben Geld für eine inhäusige LWL Infrastruktur aus? Bis flächendeckend erschwingliche GB/s Anschlüsse verfügbar sind, lohnt das kaum.

    Weiterhin gibt es durchaus auch Situationen, wo Vectoring besser ist, als 8,5 Mbit/s. Aktuell bei uns der Fall. Was glaubt ihr, wie dankbar ich bin, bis Ende des Jahres mindestens 50 Mbit/s bekommen zu können? In den letzten Wochen ist fast die ganze Stadt von der Telekom per FTTC für 100 Mbit/s ausgebaut worden.

    Zwar bietet Unity Media hier auch ihren 400 Mbit/s Tarif an, aber wenn das Haus, in dem man zur Miete wohnt, keinen Kabelanschluss hat, hast du eben keine Alternative. Ich bin ja auch nicht zum Spaß dahin gezogen, wo ich jetzt wohne. Am vorigen Wohnort hatten wir auch unsere 50 Mbit/s. Und als langjähriger durchaus zufriedener Kunde der Telekom habe ich auch keine Schmerzen, da einen Tarif mit Vectoring zu buchen. Nur das Entertain werden wir nicht wieder buchen, wenn wir tatsächlich 50+ Mbit/s bekommen.

    Wenn es bald mal ein Eigenheim gibt, werde ich mir persönlich allerdings schon Gedanken machen, wie zukunftsfähig meine Internetanbindung sein wird. Ebenso werde ich dann zumindest erörtern, was eine zukunftsfähige inhäusige LWL Infrastruktur kosten würde. Und wenn du nicht gerade einen Neubau planst, kann das richtig spaßig werden.

    Zum Schluss möchte ich noch erwähnen, dass mir persönlich der Upload bei Unity Media zu miserabel ist. Da hast du mit den 10 Mbit/s beim 50er Anschluss bei der Telekom noch richtig Glück. Ich brauche bisher keinen wahnsinnig hohen Downstream. Ein guter Upstream für eine gute OwnCloud daheim hat wesentlich mehr Vorteile. Und da wird man als privater Endverbraucher schon gut zur Kasse gebeten, wenn vom ISP überhaupt buchbare Optionen angeboten werden.

  3. Der Vectoringausbau der Telekom führt in die Sackgasse. Und was ist mit dem Vectoringausbau der anderen 2 dutzend Provider in Deutschland? Ist das auch eine Sackgasse? Wenn nein, warum nicht? Wenn ja, warum wird nur die Telekom genannt?

    Hat sich der Autor auch nur einmal Gedanken gemacht, wie lange wir warten müssten, bis wir gescheites Internet bei FTTH erhalten? Der Vectoringausbau geht deutlich schneller voran als der Glasfaserausbau bis zur Wohnung.

    Und das Vectoring nur eine Zwischenlösung zu FTTH ist, dass hat die Telekom auch schon auf der IFA 2013 mitgeteilt. Wäre schön, wenn guter Journalismus sich intensiver mit den Themen beschäftigen würde. Anderenfalls dienen diese Berichte wenig zur Aufklärung.

  4. Warum soll Vectoring eine Sackgasse sein?
    Erst durch den Vectoringausbau sind doch in fast jedem Ort eine Glasfaser verlegt worden. Das war vor wenigen Jahren noch völlig undenkbar.

    Mit FttH sind sicherlich sehr viel höhere MBit möglich, doch wie viele Jahre länger dauert es, bis damit eine nennenswerte Anzahl an Häuser erreicht wird? Glasfaser bis in jede Wohnung dauert so viele Jahre mehr, dass dieser Ausbau momentan eher uninteressant ist. Ich will jetzt schnelle Bandbreite haben und nicht erst in 20 Jahren.
    Auch sehe ich nicht, dass andere Provider mit ihrem Glasfaserausbau erfolgreich sind. Ausser ein paar wenige Orte haben die auch kaum was erschlossen. Ich glaube nicht mal 10% der Häuser und das fast 20 Jahre nach der Marktliberalisierung.

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