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Stiftung Warentest testet Tracking-Blocker: Ein Muss für jeden Browser

Auf fast jeder Webseite spionieren Online-Tracker Internetnutzer aus. Welche Programme die Privatsphäre am Besten schützen, hat die Stiftung Warentest nun untersucht. Sie empfiehlt jedem die Installation eines Tracking-Blockers.

CC0 frank mckenna

Die Stiftung Warentest hat zehn Programme zum Blockieren von Online-Tracking getestet. Mit sogenannten Trackern verfolgen Werbenetzwerke und Scoring-Firmen Nutzer auf Webseiten, um ihnen personalisierte Werbung auszuspielen. Durch die gewonnenen Daten lassen sich „präzise Rückschlüsse auf Interessen und Bedürfnisse des Nutzers sowie auf seine finanzielle Lage, gesundheitliche Probleme, politische Haltungen oder sexuelle Präferenzen“ ziehen, warnt die Stiftung Warentest. Ein Tracking-Blocker gehöre daher auf jeden Computer und in jeden Browser.


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Die Tester haben die zehn populärsten Programme zum Schutz vor den Werbeschnüfflern verglichen, darunter die Browser-Erweiterungen Adblock Plus, Ghostery und ublock Origin. Auch Privacy Badger, NoScript und Disconnect wurden untersucht. Zusätzlich prüften die Verbraucherschützer den eigenständigen Browser Cliqz, bei dem ein Tracking-Blocker voreingestellt ist.

uBlock Origin ist Testsieger

Testsieger ist ublock Origin, das 77 Prozent aller Online-Tracker erfolgreich blockiert und zudem einfach zu bedienen sei. Zwar blockieren NoScript und Scriptsafe mehr, lassen aber manchmal Inhalte wie Fotos oder Videos ebenfalls verschwinden und machen so Webseiten unbenutzbar. Die beiden Programme seien daher eher für Nutzer mit überdurchschnittlichen Computerkenntnissen geeignet. Jedoch sei jedes der Programme besser als gar kein Tracking-Blocker, schreiben die Verbraucherschützer.

Viele Tracking-Blocker blenden zudem auch Online-Werbung aus und schützen dadurch vor Schadsoftware. Die deutliche Empfehlung der Stiftung Warentest ist ein positives Signal in Zeiten, in denen vor allem Medienunternehmen gegen Tracking- und Werbeblocker juristisch und durch Lobbying vorgehen. Zuletzt hat das Oberlandesgericht München entschieden, dass Werbeblocker nicht gegen geltendes Recht verstoßen. In dem Fall ging es um den Vertrieb von Adblock Plus durch die deutsche Firma Eyeo.

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34 Kommentare
  1. Von dem Entwickler von uBlock Origin, gibt es auch uMatrix.
    Für Nutzer von NoScript definitiv ein Versuch wert.

    Es ist umfangreicher in seiner Funktion als NoScript, jedoch finde ich es sogar übersichtlicher
    und mit dem nötigen Hintergrundwissen sogar selbsterklärend (es gibt auch eine Wiki auf Github)
    uBlock und uMatrix lassen sich dementsprechend auch perfekt kombinieren.
    uMatrix lässt nur das nötigste durch und uBlock filtert noch mal fein nach.

    Ein Schrecken für jeden Websitenbetreiber, der gerne Trackt und Werbung von dritten Seiten einbindet.
    Selbst AdBlock Stopper, wie von bild.de, haben keine Chance, da sie es nicht erkennen können.

      1. uMatrix bietet allerdings nicht alle Funktionen, die NoScript bietet. Deshalb sollte man, wenn man konsequent sein will, das Blockieren von Skripten mit NoScript deaktivieren, um nur die zusätzlichen Sicherheitsfunktionen von NoScript ergänzend zu uMatrixs „Firewall“ zu benutzen. 10€ Spendengeld, wenn du das einem „Digital Native“ in einer Stunde erklären kannst.

  2. Falls jemand zufällig ein gutes uMatrix-Tutorial kennt, welches man auch „normalen Netznutzern“ zutrauen kann, wäre hier in den Kommentaren vielleicht ein guter Ort für einen Link dazu…

  3. Anlernphase Privacy Badger

    Was in dem Artikel nicht erwähnt wird: Privacy Badger arbeitet nicht mit manuell erstellten Filterlisten sondern lernt selbständig, was ein Tracker ist und was nicht. Das geschieht darüber, dass eine Tracker auf sehr unterschiedlichen Webseiten immer wieder eingebunden werden muss.

    Es ist mir daher nicht ganz klar, ob der Test hier — gegenüber Privacy Bader — fair ist, denn es wurde nicht erwähnt, dass eine Einlernphase durchgeführt wurde. Mit einer solchen würde der Anteil der geblockten Tracker bei Privacy Badger höher sein.

  4. wenn nur 77% geblockt werden, woran erkennen sie die anderen 23% ?
    Sollten die dann nicht gemeldet werden damit der Schutz 100% erreicht bis wieder die nächsten URLS registriert werden?
    Das hab ich mich bei der Privacyweek in Wien gefragt wo auch diverse angebliche Tracker nicht erkannt wurden.

    1. @Bala
      Mit noscript, das ist nur etwas unhandlich, hat man 90% aller Angriffsmöglichkeiten im Internet abgeschaltet. Ist aber mit den Versionen ab 55 nicht mehr mit Firefox auf dem Desktop kompatibel. Bedeutet, man darf den Firefox bis zu einer Änderung des Zustandes nicht aktualisieren oder nimmt bevorzugt die ESR-Version. uMatrix macht dasselbe im Google – Browser, aber Google bleibt Google. Dagegen kann man nichts machen. (Die Browser sind, wenn man es richtig streng nimmt, bis auf den Tor alle unbrauchbar.)

          1. 55.03 unter Linux bringt bei den AddOns die Meldung LEGACY. Zu funktionieren scheinen die NOCH. Auf meinen Windows VM gingen die AddOns mit der 55.03 nicht mehr. Aber, wie geschrieben, ich halte den Tor, wie im Tails mit uBlock origin, für den einzigen sicheren Browser.

          2. Auch die 56.b08 x64 macht keine Zicken mit NoScript. uBlock läuft seit ein par Tagen auch wieder nach einem Problem mit der WebExtension-hybrid-Version und ist als erstes meiner Plugins WebEx-kompatibel. Früher habe ich noch zusätzlich Ghostery benutzt aber gab es da nicht letztes Jahr eine „die stinken jetzt“-Meldung im Sinne von unseriöse Geschäftspraktiken. Kann auch eine Verwechslung sein. anonymoX ist auch ab und zu recht nützlich… *hüst* Die Zukunft? ^^

  5. Leider verstehe ich immer noch nicht, wie übern Daumen 70 -90% der NutzerInnen zu ausreichend verwendbarem Wissen kommen sollen, dass sie ihre Kommunikation annähernd sicher gestalten können.
    Um eine Analogie zu bemühen, ich denke es ist eingeschränkt voraussetzbar, dass die die Leute Reifen wechseln, tanken und die Spiegel einstellen können.
    Das sie den Schlauch wechseln können wäre weit zu viel verlangt, ebenso wie das Einstellen der Zündung.
    Ich denke es bleibt dabei, mehr als ein Plugin zu installieren kann man nicht voraussetzen.

    Und im Ernst, ich möchte nicht in einer Welt leben, in der es kaum Leute mehr gibt, mit denen ich über andere Dinge als irgendwas Computer rede.
    Nebendem habe ich ohnehin das Gefühl, das da irgendwas gar nicht richtig läuft.
    Aber ich glaube ich bin da sicher nicht allein mit.

    1. @kai
      „Nebendem habe ich ohnehin das Gefühl, das da irgendwas gar nicht richtig läuft.“
      Das trifft wohl zu. Allerlei Staatshacker und andere Spinner/Kriminelle wollen Unruhe verbreiten.

      Meine Empfehlung ist Virtual Box, darauf verschiedene Linuxe für verschiedene Aufgaben. Da legt man Sicherungspunkte an und falls was schief geht, setzt man die betroffene Maschine einen oder mehrere Punkte zurück. Die VM mit dem Tor-Browser. Das wäre schon grundsätzlich gegen fast alle Arten der Schnüffelei sicher. uBlock origin habe ich als einziges addone im Tor zusätzlich reingenommen. Das ist normalerweise nicht nötig. Weil der Tor im Prinzip mit gefakten echten IP-Adressen daherkommt. Tor dürfte für diverse Tracker grundsätzlich nicht auswertbar sein. uBlock kann aber dabei helfen drive by download-Angriffe von vornherein zu verhindern.

      Das System läßt sich noch aufbohren, so dass ich nicht glaube, dass Staatshacker höchster Qualifikation auf meine Maschinen durchbrechen könnten. Selbst bei Wettkämpfen im Hacken haben die echten Profis reichlich Probleme aus Virtuellen Umgebungen auszubrechen. Bei Windows-Systemen haben sie es vereinzelt geschafft. Wenn man die Systeme aktuell hält braucht man nicht ständig über Computerkram nachdenken. Natürlich kein WLAN! Das würde sogar ich gehackt kriegen.

  6. Ein bisschen Mulmig ist mir dabei, dass uBlock Origin von nur einer Person entwickelt ist, die bisher weder durch besondere Team-Fähigkeit noch Fingerspitzengefühl im Umgang mit Benutzern aufgefallen ist. (Bisherige Versuchen, uBlock in Teamarbeit zu entwickeln, sind gescheitert. Benutzer, die z.B. neue Funktionen vorschlagen, steht er nicht sehr wohlgesonnen gegenüber. Deswegen ist der Bugtracker von uMatrix, eines seiner weiteren Programme, geschlossen worden, weil ein User es wagte, eine neue Funktion vorzuschlagen)

    Wenn der Entwickler also von heute auf morgen die Lust verliert, dann bricht das Projekt zusammen und… wenn der Trend anhält und AdBlock Plus irgendwann von der Bildfläche verschwindet… dann haben wir ein Problem.

  7. Random Agent Spoofer verschleiert sogar euer Betriebssystem sowie Browser, bzw. ersetzt es durch eins eurer Wahl: Windows, Apple, Linux usw. Es hat aber auch Einstellungen wo man viele anti tracking Sachen einschalten kann. Auch richtig tief technische Sachen kann man da einstellen wie webRTC blockieren, dom user timing, gamepad oder battery api, browser pings etc.

    Ein extrem wichtiges anti tracking tool ist und bleibt jedoch VPN. Hier ne Übersicht wen man trauen kann:
    https://torrentfreak.com/vpn-services-anonymous-review-2017-170304/

    Denn oft ist es vollkommen ok und egal, dass der Inhalt bekannt ist z.B. ein öffentliches Kommentar. Nur wenn die IP gespeichert und an die Bullen gegeben wird, dann wird es problematisch. Und dass irgend ne Firma ein Profil von euch hat – Mann na und ?! Das passiert alles automatisch, da sitzt doch keine Person davor. Wer seid ihr, dass ihr meint irgendne unbekannte Person interessiert sich für euch. Es geht nur um Werbung ihr Lümmel und GEZIELTE Werbung ist sogar gut, dadurch habe ich viele Sachen entdeckt als ich mich noch nicht mit PCs auskannte z.B. VPN. Die IP zu verschleiern ist viel wichtiger.

  8. Könnte nicht auf zusätzliche AntiTracking-Programme verzichtet werden, wenn die Einstellungen direkt über die Browser-Adressleiste „about:config“ bei Mozilla Firefox etc. vorgenommen werden können?

    Gibt es eine neue Auflage v. „Privacy-Handbuch“? Ich habe das letzte PDF-Book von August 2015.

  9. Kleiner Tipp für den Safari Benutzer (macOS/iOS)
    Kosten beide Geld, aber als Mac-Benutzer unterstützen wir gerne die Entwickler solcher Werkzeuge.
    Da hätten wir „1Blocker“ von Salavat Khanov
    und „Better“ von ind.ie (der Name Aral Balkan dürfte vielleicht so manchen bekannt sein)

  10. Was hier geschrieben wird ist nicht richtig: Cliqz und Ublock sind gemeinsame Gewinner im Test.
    Cliqz hat den Vorteil, das es die Funktionalität von Websiten nicht zerstört.

    1. Das kann man so nicht sagen. Richtig ist, dass Stiftung Warentest als einzigen eigenständigen Browser Cliqz getestet hat und die Handhabung lobt; es werde aber nur „relativ wenig“ blockiert. Schlussendlich empfehlen die Tester alle Erweiterungen, schreiben aber das sie mit „ublock Origin“ die „besten Erfahrungen“ gemacht haben.

  11. Etwas, das hier überhaupt nicht erwähnt wird, sind die Folgen von Tracking- und Adblocker. Dass keiner überwacht werden will und dass Werbung nervt ist klar. Aber Inhalte erstellen sich nun einmal nicht von alleine. Vor allem nicht hochwertige. Wie soll das bezahlt werden?

    In der Schweiz findet in ein paar Monaten eine Abstimmung statt zur Abschaffung der Rundfunkgebühr. Die Wahrscheinlichkeit ist gross, dass die Initative angenommen wird und es künftig zumindest in der Schweiz keine gebührenfinanzierten Medien mehr geben wird. Das fällt also als Finanzierung weg.

    Also müssen die Verlage andere Wege finden, um an Geld zu kommen. Obwohl erst 20 Prozent der Nutzer einen Adblocker verwenden, sind schon einige Verlage übergegangen Paywalls einzurichten, was letztlich die Medienvielfalt deutlich einschränkt. Seit einigen Wochen müssen Nützer von 20 Minuten, der grössten Schweizer Gratiszeitung entscheiden, ob sie Adblocker deaktivieren oder ob sie ein Abo lösen wollen.

    Grosse Zeitungen können wohl Nutzer noch einigermassen davon überzeugen, für Inhalte zu bezahlen. Kleinere Nischenanbieter oder Blogger können dies aber in der Regel eher wenig. Für sie bleibt eigentlich nur der Weg, die Werbung in die Inhalte zu streuen. Im positiven Fall wären das Advetorials, im schlechten Fall Schleichwerbung.

    Daher: So verständlich der Wunsch nach einer werbefreien Umgebung auch ist, so muss doch jedem Nutzer von Adblockern klar sein, dass sie damit die Vielfalt des Internets zerstören. Blocker sind der falsche Weg. Es braucht griffige Gesetze und ein Umdenken der Werbeindustrie um Werbe- und Trackingformen zu schaffen, die von verantworungsvollen Benutzern auch akzeptiert werden können.

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