Linkschleuder

Google sperrt US-Journalistin – vermutlich wegen Videos zum Verfahren gegen Chelsea Manning (Update)

Youtube hat den Kanal der US-Journalistin Alexa O’Brien gesperrt. Das Video ihres Talks beim Chaos Communication Congress 2014 gibt es aber noch, zum Beispiel auf media.ccc.de. CC-BY-SA 2.0 mike

Die Google-Tochterfirma Youtube hat den Account der US-Journalistin Alexa O’Brien gesperrt, welcher unter anderen ein Archiv mit Videos zum Verfahren gegen die Whistleblowerin Chelsea Manning enthielt. Das teilte die Betroffene heute via Twitter mit. Demzufolge wirft Youtube ihr Verstöße gegen die Community Guidelines der Plattform vor. Grund für die Löschung sind laut O’Brien drei Videos mit Analysen zum Manning-Prozess, die Passagen aus Al-Qaida-Videos enthalten. Auch der Gmail-Account der Journalistin wurde gesperrt und soll gelöscht werden.


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In den Videoauszügen, die O’Brien zufolge als Beweise in dem Verfahren gegen Manning dienten und bis dahin öffentlich nicht zugänglich waren, hätten Al-Qaida-Mitglieder Aussagen über Wikileaks und die Bedeutung der Manning-Leaks gemacht. Die Journalistin betont, dass sie keine graphische Darstellung von Gewalt enthielten, sondern lediglich „ideologische Gewalt“. Sie habe Beschwerde gegen die Löschung eingelegt. Von Google oder Youtube, die wegen ihres ambivalenten Vorgehens gegen vermeintlich terroristische Inhalte schon länger in der Kritik stehen, gibt es zu dem Fall bislang keine öffentlichen Äußerungen.

Alexa O’Brien wurde unter anderem für ihre akribische Berichterstattung vom Prozess gegen Manning bekannt, von dem es außer ihren Mitschriften keine öffentlichen Protokolle gab.

Update: Wie Alexa O’Brien auf Twitter schreibt, wurde ihr Kanal wiederhergestellt – ohne, dass das Unternehmen in irgendeiner Weise mit ihr kommuniziert habe. Auch zu ihrem Google-Account habe sie nun wieder Zugriff.

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6 Kommentare
  1. Tja, da wird sie sich beschweren können wie sie will. Das wird wohl kaum auf googles Mist gewachsen sein. Das wird wohl eher die US regierung so gefordert haben. Interessant ist, dass auch gleich der gmail account mit gesperrt wurde. Wenn man nicht gerade Kopien und Sicherungen der Kontaktdaten hat sind diese jetzt weg. Auch Mails, die vielleicht bei ihr archiviert waren.
    Wo kämen wir hin, wenn jeder Journalist berichten würde was er will….

  2. Alphabet Inc. (aka Google) ist ein globaler Monopolist, der überall seinen Einfluss geltend macht. Regierungen werden lobbyiert, Think-Tanks werden mit Geld gefüttert, und selbst EU-Abgeordnete werden geschmiert. Das alles fällt Google nicht schwer, wo die Firma doch exzessive Steuervermeidung betreibt.

    Im Juni wurde Google mit einer ordentlichen Strafe durch die EU belegt. Dies fand auch die New America Foundation zunächst noch sympathisch. Dies wiederum gefiel Eric Schmidt ganz und gar nicht, weil er 21 Mio. USD in die Foundation steckte.

    21 Mio.USD waren wiederum genug, um die New America Foundation zum Widerruf zu zwingen und das gesamte Google-kritische Team vor die Tür zu setzen.

    https://www.nytimes.com/2017/08/30/us/politics/eric-schmidt-google-new-america.html=3f_r=3d0
    http://www.politico.com/agenda/story/2017/09/17/open-markets-google-antitrust-barry-lynn-000523

    Google ist für diese Welt zu mächtig geworden, wie übrigens auch Facebook, Amazon und Apple. Google und Apple dominieren zusammen z.B. den Smart-Phone-Bereich, wie es erdrückender nicht sein kann. Es ist an der Zeit, dass sich NGOs dieser globalen Monopolisten annehmen, um sie auf eine akzeptable Größe zu schrumpfen. Die Politik hat versäumt, durch Antitrust-Politik rechtzeitig Grenzen zu ziehen, was ihre vornehme Aufgabe gewesen wäre, aber sie hat versagt. Nur die EU hält noch dagegen, obwohl deren Abgeordnete massiv von Goggle bedrängt werden (darum sollten sich mal Recherche-Pools kümmern, könnte den einen oder anderen Knaller geben).

    Barry C. Lynn, der mit samt seinem Team wegen Google’s Intervention von New America Foundation hinausgeworfen wurde, gibt hingegen nicht auf. Siehe http://openmarketsinstitute.org/

    Wir sollten uns mit Ihnen vernetzen und den Internet-Monopolisten ordentlich einheizen!

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