Datenschutz

Gesichtserkennung: Datenschutz-Lehrstück mit Datenschutzproblemen

Gute Idee – problematisch umgesetzt. Mit dem „Data-Selfie“ will die Berliner Morgenpost darüber aufklären, was mit Gesichtserkennung heute schon möglich ist. Kritikern zufolge müssen Menschen, die ihre Bilder zum Test hochladen, ausgerechnet Microsoft unbegrenzte Nutzungsrechte an dem Material einräumen.

Aus Datenschutzgründen haben wir den Test mit einer Comicfigur probiert. All rights reserved Screenshot interaktiv.morgenpost.de

Eigentlich ist die Absicht des Stückes in der Berliner Morgenpost super: Den Lesern zeigen, was man mit Gesichtserkennung heute schon über sie erfahren kann. Dafür sollen diese ein Bild von sich auf einer Webseite hochladen oder ein Bild von sich per Webcam aufnehmen. Das System spuckt dann Daten wie Alter oder Emotion der abgebildeten Person aus.

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Das funktioniert recht gut. In unserem Test wurde beispielsweise das Alter des Bundesinnenministers genau bestimmt und auch seine Brille wurde erkannt. Bei anderen hochgeladenen Bildern erkennt der Algorithmus die Emotion und weitere Merkmale. Im dazugehörigen Artikel werden die Möglichkeiten und Probleme von Gesichtserkennung angesprochen und erfahrbar gemacht. Auch ein Hinweis auf den Gesichtserkennungsversuch am Südkreuz fehlt nicht. Doch es gibt ein Problem, wie der Datenjournalist Lorenz Matzat in seinem Blog schreibt:

Leider ist es diese eigentlich tolle Idee, an der das Stück scheitert: Die Morgenpost setzt einen Dienst von Microsoft ein. Das ist an sich nicht verwerflich. Doch klärt die Redaktion an dieser Stelle kaum auf, was eigentlich mit den Daten des „Daten-Selfies“ geschieht, die dort über die Kamera erfasst werden. Zwar wird gleich unterhalb des Aufnahmeknopfs auf die Datenschutzerklärung des Microsoft-Dienstes verwiesen. Doch die scheint nicht mal die Redaktion gänzlich verstanden zu haben.

Denn die Nutzer, die ihre Kamera in dem Morgenpost-Stück für den Microsoft-Dienst freigeben, übermitteln ihr Portrait (bzw. Filmaufnahmen davon) für unbegrenzte Zeit und freie Verwendung an den Konzern, heißt es bei Matzat weiter.

Diesen Sachverhalt müsste die Morgenpost meiner Meinung nach deutlicher kommunizieren. Es ist doch gerade die Aufgabe von Journalisten, Sachverhalte verständlich zu übersetzen bzw. herunterzubrechen. Es ist eine seltsame Ironie: Gerade bei einem Werk, dessen Aufhänger der Diskurs über die Datensammlung durch solch Überwachungsvorhaben ist, hat sich die Redaktion damit offenbar unzureichend auseinandergesetzt.

Das grundsätzliche Problem mit der Datenübermittlung an Microsoft in diesem Projekt lässt sich nicht lösen. Der Hinweis auf die Datenverarbeitung durch den Konzern ist jedoch für die Nutzerinnen und Nutzer deutlich sichtbar.

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6 Kommentare
  1. Der letzte Satz ist doch Bullshit. Klar weiß man bei der Verwendung, dass das eigene Bild übermittelt und ausgewertet wird. Dass man aber unbegrenzte Nutzungsrechte daran einräumt und der Dienstbetreiber das Bild oder gar Video dauerhaft speichern kann, ist dem normalen Leser sicherlich nicht klar. Damit rechnet normalerweise auch niemand, da eine solche Speicherung zum Anbieten des Dienstes nicht erforderlich ist, und da das deutsche Datenschutzrecht den Verbraucher normalerweise vor genau dieser Art der unnötigen Speicherung schützt. Für einen derart weitreichenden Verzicht auf das Recht am eigenen Bild müsste ein wesentlich deutlicherer Hinweis erfolgen.

    1. Was den meisten nicht klar ist, das die hochladende Person, die Rechte an diesem Bild umfassend an den zukünftigen Besitzer Abtritt.

      Das kann sogar soweit gehen, das sein Abbild der Erfolg einer Promotionserie wird und er keinen Cent davon sieht oder sogar eine Menge Ärger bekommt, falls dem Bild bzw. der Promotionserie diverse Runenzeichen hinzugefügt werden.

      Ist schon Lustig, wie man ein Bild retuschieren kann!

    1. Wenn Du darauf anspielst, dass wir das Foto von Herrn de Maizière hochgeladen haben: Es ist das überall verfügbare Wikipedia-Foto und der Innenminister ist eine Persönlichkeit des öffentlichen Lebens.

  2. Selbstverständlich ist das Problem des mangelnden Datenschutzes von Microsoft lösen. Ggf. diesen Dienst halt nicht nutzen. Aber Verzicht ist ja das Unwort unserer Zeit.

  3. Zum Glück trackt die MoPo auf der Seite ja nicht zusätzlich… ;) Allein deswegen ist die „Umfrage“ schon Clickbait – und Getrolle – pur.

    Und das „Aufklären“ der MoPo Leser ist auch ein feiner Ansatz. Ich nehme an, bei der Konkurrenz von Springer werden bestimmte Damen auch nur der „Aufklärung“ wegen abgedruckt, damit man(n) noch weiß, wo was ist. ;)

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