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„German Heron TP“: Kampfdrohnen der Bundeswehr sollen Ende 2019 einsatzfähig sein

Für neun Jahre will die Bundeswehr bewaffnete Drohnen leasen, bis dahin sollen europäische Rüstungskonzerne eine „Euro-Drohne“ entwickeln. Das Verteidigungsministerium will möglichst schnell die nötigen Verträge abschließen. Dann wird über die Bewaffnung verhandelt.

Die „Heron TP“ in einer Werbebroschüre des Herstellers IAI. All rights reserved IAI

Die fünf Kampfdrohnen der Bundeswehr knacken einem Agenturbericht zufolge die Milliardenmarke. Demnach lägen die Gesamtkosten für die israelischen „Heron TP“ bei 1,024 Milliarden Euro. Das Magazin FOCUS hatte zuvor von 978 Millionen Euro für Betrieb, Wartung, Instandhaltung und die Ausbildung von PilotInnen geschrieben. Die unterschiedlichen Angaben könnten auf die in den Verträgen noch nicht festgelegten Wechselkurse zurückgehen. Auch ist unklar, für welche Leistungen in Israel oder Deutschland Umsatzsteuer bezahlt werden muss.

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Vermutlich kommen jedoch weitere Ausgaben hinzu. Noch nicht berücksichtigt ist beispielsweise die Bewaffnung. In den Verträgen soll ein Betrieb in bis zu zwei Einsatzgebieten festgelegt werden. Auch hierfür entstünden hohe Kosten, wenn die Drohnen ins Einsatzland verlegt werden oder dort ad hoc eine entsprechende Infrastruktur aufgebaut werden muss.

Vertrag mit Airbus und Israel

Die als „Überbrückungslösung“ angeschafften Kampfdrohnen stammen vom israelischen Hersteller Israel Aerospace Industries (IAI). Bei der Bundeswehr firmieren sie als „German Heron TP“ (G-Heron TP). Für das Leasing will das Verteidigungsministerium einen Vertrag mit der Firma Airbus abschließen, die als Hauptauftragnehmer fungiert. Der größte Teil der Gesamtkosten von einer Milliarde geht damit an den europäischen Rüstungskonzern. Außerdem hat das Ministerium einen unterschriftsreifen Dienstleistungsvertrag mit der israelischen Regierung verhandelt.

Nach Vertragsschluss sollen die Drohnen in spätestens 27 Monaten geliefert werden und wären damit Ende 2019 einsatzfähig. Die Vertragslaufzeit wird auf neun Jahre beziffert. Damit verspätet sich offenbar die Entwicklung der sogenannten Euro-Drohne. Bis 2025 wollte Airbus mit Partnern aus Frankreich, Italien und Spanien eine europäische Kampfdrohne entwickeln, seit 2016 sind vier Hersteller mit einer Vorstudie beauftragt. Das Projekt ist dem Agenturbericht nach also nicht vor 2027 serienreif.

Widerspruch abgelehnt

Der Zuschlag für die israelischen Drohnen erfolgte dem Verteidigungsministerium zufolge zur Stärkung der einheimischen Drohnenfähigkeiten. Die mit der „Heron TP“ gewonnene praktische Erfahrung mit Bewaffnung soll Airbus einen Vorteil verschaffen. Gegen die Vergabe ohne Ausschreibung hatte der US-Konkurrent General Atomics eine Überprüfung bei der Vergabekammer des Bundes verlangt. Dort wurde die Vergabeentscheidung für rechtmäßig erklärt. Dagegen legte General Atomics Widerspruch ein, im Mai hat das Düsseldorfer Oberlandesgericht die Entscheidung jedoch bestätigt.

Die israelischen Drohnen sollen hochauflösende elektrooptische Sensoren oder ein synthetisches Radar befördern, das Bewegungen am Boden erkennen und mithilfe einer Software analysieren kann. Auf diese Weise will die Bundeswehr gegnerische Fahrzeuge aufspüren und von denen verbündeter Kräfte unterscheiden. Die Aufklärungssensorik soll laut dem Bundesverteidigungsministerium von israelischen Firmen stammen.

Steuerung von Schleswig-Holstein

Airbus ist für die Beschaffung, den Betrieb, die Wartung und die Reparatur zuständig. Mit den israelischen Luftfahrzeugen werden auch Bodenstationen zur Steuerung der Drohnen und zur Auswertung der Missionsdaten geliefert. Zum Gesamtsystem gehören auch Simulatoren. Dabei könnte auf vorhandene Technik der „Heron 1“ zurückgegriffen werden, die von der Bundeswehr in Afghanistan und in Mali geflogen wird. Hierzu befindet sich ein Simulator auf dem Luftwaffenstützpunkt in Jagel (Schleswig-Holstein), der seit einigen Jahren zum militärischen Drohnenflughafen ausgebaut wird. Das dort stationierte Taktische Luftwaffengeschwader 51 „Immelmann“ ist für die Kampfdrohnen der Bundeswehr zuständig. Von dort könnten die „Heron TP“ im Falle eines Einsatzes auch gesteuert werden. Zunächst könnte die Steuerung und Auswertung der Missionsdaten aber aus Bodenstationen in Israel oder im Einsatzland erfolgen.

Der Regierungsvertrag mit Israel dürfte vor allem die Ausbildung der PilotInnen bestimmen. Es ist nicht bekannt, wie viel Personal hierfür gebraucht wird. Jede der vermutlich vier Bodenstationen muss redundant ausgelegt sein, wozu also mindestens eine zweite oder sogar eine dritte Anlage als Reserve vorhanden sein muss. Für jede Bodenstation braucht es dann drei Besatzungen, darunter auch zur Missionsführung und Auswertung der Sensordaten. Legt man Schichten von acht Stunden sowie Urlaub und Krankheitszeiten zugrunde, müssten mindestens fünfzig Crews ausgebildet werden.

Verhandlungen über mitgeführte Munition

Weil die Drohnen auf dem israelischen Flughafen Tel Nof stationiert werden, braucht es dort eine entsprechende Infrastruktur. Dies hatte die Bundesregierung bereits in einer Antwort auf eine Kleine Anfrage mitgeteilt. Demnach fallen weitere Kosten für Satellitenverbindungen, eine Datenverteilanlage und die Anlagen zur Verschlüsselung an. Diese „Kryptierung“ wird zwar wegen Sicherheitsbedenken von einem deutschen Anbieter gekauft, jedoch muss die Drohne hierzu entsprechend ausgerüstet werden.

Zunächst werden die Drohnen unbewaffnet gekauft. Später sollen sie eine „hochpräzise, skalierbare und reaktionsschnelle Wirkung“ gegen stationäre und bewegliche Ziele ermöglichen. Für die Ausrüstung mit Raketen soll rechtzeitig ein weiterer Bundestagsbeschluss erfolgen. Trotzdem muss die israelische Regierung bereits Aufhängepunkte für die Bewaffnung vorsehen, wozu also konkrete Verhandlungen über die mitgeführte Munition geführt werden müssen. Die Bundesregierung hatte hierzu erklärt, dass Sondierungen mit den Herstellern nach Vorlage eines Vertragsentwurfs beginnen könnten.

Nach jetzigen Stand sollen die Waffen bei israelischen Anbietern gekauft werden. Das Verteidigungsministerium hat sich noch nicht dazu geäußert, ob die Munition auf Vorrat oder spontan anlässlich konkreter Einsätze beschafft werden soll.

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9 Kommentare
  1. Kein Geld für Schulen,Lehrer,Spielplätze,sozialen Wohnungsbau,Altenpflege,Instandhaltung von Infrastruktur und öffentlicher IT,aber massig Geld für Morddrohnen? Verdammte Kriegstreiberei!
    Wie lange wollen wir noch zusehen wie unsere schöne Welt erneut an den Abgrund geführt wird? Brauchen wir einen neuen Weltkrieg um uns zu erinnern was in den Geschichtsbüchern steht? Wir müssen raus aus der Gewaltspirale und uns um ein friedliches Miteinander bemühen.
    Wenn wir Geld in Militär investieren,dann sollte das für defensive Zwecke inlands erfolgen,aber nicht für Angriffe außerhalb Deutschlands mittels Drohnen oder anderem Tötungsgerät.Wenn wir andere Länder angreifen dann riskieren wir potenziell einen internationalen Konflikt! UNO Sicherheitsrat hin oder her.Und das gilt für andere Länder genauso!
    Durch Drohnenmorde radikalieren wir Menschen die verständlicherweise Rache für die ermordeten Menschen üben wollen.Wir müssen alle mit dieser Gewalt aufhören und Geld in friedliche Dinge investieren,bevor der Großteil der Menschheit wieder demoralisiert ist,der Schutzwall um unser Gewissen nachgibt und wir uns wieder gegenseitig an die Kehle springen.

    Bislang konnte ich inetwa folgende Tendenz beobachten:

    Angriffe auf andere Länder -> Radikalisierung -> Infiltration durch Immigration (legal/illegal) vorgetäuschtem Tourismus -> Verübung von terroristischen Anschlägen als Rache für die Angriffe -> mehr Überwachung zwecks „Verhinderung“ von terroristischen Anschlägen -> Vernichtung der Demokratie,Meinungsfreiheit,Einführung von Zensur,Anti-Terror Gesetze die Menschenrechte ausschlachten.Mediale Gleichschaltung -> ??????????

  2. Wenn ich dieses Bild sehe, dann denke ich an ähnliche von Flugzeugen der deutschen Luftwaffe aus dem Zweiten Weltkrieg. Werden unsere Nachfahren die eines Tages genauso betrachten? Zeitgenössische Technik, die von Barbaren für Terrorangriffe auf und zum systematischen Ermorden von Zivilisten eingesetzt wurden?

    Oder haben diese unbemannten Kriegswaffen noch einen anderen Zweck? Gegen einen gleichwertig gerüsteten Gegner sicherlich nicht. Denn der wird die Drohnen mit technischen Mitteln blockieren und abschiessen können.

  3. Die Naivität der Kommentatoren ist kaum zu ertragen:
    „Wir müssen alle mit dieser Gewalt aufhören und Geld in friedliche Dinge investieren…“
    Kaum zu fassen welches Politikverständnis hier an den Tag gelegt wird.

    Zum Thema: 2019 ist ein frommer Wunsch. Wie so üblich bei Projekten in dem Bereich und der Preisklasse, darf das wahrscheinlich noch gute 3-5 Jahre länger dauern.

  4. Übersetzung von freisprech:

    Wir Deutschen müssen auch weiterhin beim Bau und Verkauf von Mordwaffen vorn mitmischen! Da hängen schliesslich Arbeitsplätze dran!

    —–

    Und welcher Praktikant darf da wieder schreiben?

    1. Nein, natürlich müssen wir nicht direkt mitmischen. Das Problem an der Sache ist folgendes:
      Das Militär ist seit jeher Anführer bei der Entwicklung und Implementierung von Spitzentechnologie. Der Überlebensinstinkt der Menschheit, auch wenn das ein Paradox ist, zielt darauf ab sich in erster Linie zu schützen, sprich, in letzter Konsequenz eine Gefährdung auszuschalten. Gerade deshalb sind Staaten darauf bedacht sich zu schützen, was ihr Kernauftrag, der Grund ihrer Existenz, ist.

      Das Anlegen von moralischen Grundsätzen an die Außenpolitik, deren Teil auch die Rüstungsindustrie als Lieferant für den militärischen Part eben jener ist, kann nur schiefgehen. Niemand weiß, ob Deutschland nicht doch in 20 oder 30 Jahren auf leistungsfähige Kampfdrohnen angewiesen sein wird. Wer Drohen ablehnt in der Hoffnung sich danach auf die Schulter klopfen zu können, was er doch für ein guter Mensch sei, vergisst, dass sich dieser Moralismus als tödlich erweisen könnte. Das Überleben könnte davon abhängen. Die effektive Wehrhaftigkeit und damit verbundene Abschreckungswirkung ist von elementarer Bedeutung. Wer das negiert könnte früher oder später eine bitter hohe Rechnung dafür zahlen. Noch ist diese pazifistische und moralisierende Moralität als Bestandteil der neuen bundesdeutschen Mentalität gut gegangen. Fragt sich noch wie lange.

      1. Kommst dir besonders schlau vor, wa?

        Wenn man solche Verklärung der kriegstreibenden Dummheit liest, könnte man auf den Gedanken kommen: „soll die dumme, zerstrittene Menschheit sich doch endlich totrüsten“. Als ob nennenswert etwas gewonnen wäre, wenn man dem Nachbarn eins auswischen kann, bevor man selbst den Löffel abgibt.

        Glücklicherweise – nein, tragischerweise – repräsentiert wettrüsterisches Dummdenk nicht die ganze Menschheit. Sonst wäre es wahrlich nicht schade.

  5. Da hat jemand die Funktionsweise des internationalen Staatensystems nicht verstanden. Setzen, Sechs! Sie gehören vielleicht zur Schlaudenk-Truppe, nur sind die meisten und die wichtigsten Staatenlenker leider Gottes die „wettrüsterische“ Dummdenkgruppe. Und diese bestimmen den Ton. Lebt´s sich fein im Wolkenkuckucksheim?

    Die Fähigkeit einen potentiellen Gegner, und das sind immer die jeweils anderen Staaten, einzuschüchtern, zu beeinflussen oder seinen Angriff abzuwehren ist besser als die Fähigkeit das NICHT tun zu können.

    „Da ich aber etwas Nützliches für die Unterrichteten schreiben will, so dürfe es, nach meinem Dafürhalten, besser sein, wenn ich dem wirklichen Wesen der Sache nachgehe, als einem Phantasiebild von ihr. Und viele haben sich Republiken und Monarchien zusammenphantasiert, die nie existiert haben. Es ist ein so außerordentlicher Unterschied zwischen der Art, wie man wirklich lebt und wie man leben sollte, daß alle welche bloß darauf sehen, was geschehen sollte, und nicht auf das, was wirklich geschieht, eher ihren Untergang als ihre Erhaltung erleben.“ (Machiavelli, Vom Fürsten, Abschnitt 15)

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