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„Free Basics“ von Facebook: Zero Rating, Zero Netzneutralität, Zero Datenschutz

Facebooks „Free Basics“-Programm verletzt die Prinzipien der Netzneutralität und verfehlt sein erklärtes Ziel, Millionen von Menschen den Einstieg ins Internet zu ermöglichen. Zu diesem Schluss kommt eine Studie von Global Voices. Auf Kritik stößt auch die übermäßige Sammlung von Daten durch das Unternehmen.

Mit seinem „Free Basics“-Programm kontrolliert Facebook nicht nur die Inhalte, sondern auch die Infrastruktur CC-BY-NC 2.0 Aftab Uzzaman

„Free Basics“ von Facebook, das kostenlose, aber eingeschränkte Sub-Internetangebot des US-Konzerns, verfehlt das selbst gesteckte Ziel, die digitale Spaltung der Welt zu beseitigen. Statt auf die Bedürfnisse der lokalen Bevölkerung einzugehen, teilt der Werbekonzern das Internet in mehrere Klassen ein, versucht, die Nutzer auf die Facebook-Plattform zu lenken und sammelt dabei möglichst viele Daten. Zu diesem Ergebnis kommt eine kürzlich veröffentlichte Studie des Blogger-Netzwerkes Global Voices.

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Vier Milliarden Menschen, insbesondere im globalen Süden, will Facebook laut Eigenaussage mit seinem Projekt erstmals ins Internet bringen. Dazu kooperiert das Unternehmen mit Mobilfunkanbietern und stellt „Free Basics“ als Handy-App in mittlerweile 61 Ländern Afrikas, des Mittleren Ostens, Asiens und Mittelamerikas bereit. In der App sind neben Facebook auch abgespeckte Versionen anderer Dienste, etwa von BBC oder Wikipedia, sowie eine Reihe anderer Websites enthalten. Diese sind dabei an die häufig schwächere Netzinfrastruktur der jeweiligen Länder angepasst und kommen ohne Bilder und Videos aus. Der Zugriff darauf ist kostenlos. Wer auf den Rest des Internets zugreifen möchte, muss bezahlen. Dieses als Zero-Rating bekannte Modell steht grundsätzlich in der Kritik, weil es die Netzneutralität verletzt. Einzelne Länder wie Indien haben solche Praktiken deshalb verboten.

„Kostenlos“ Facebook und nicht das Internet nutzen

Aktivisten von Global Voices haben nun in detaillierten Fallstudien in sechs der 61 Länder, in denen „Free Basics“ zur Verfügung steht, deren Aufbau und das Nutzungsverhalten durch die örtliche Bevölkerung untersucht. Die App schaffe es nicht, neuen Nutzern das Internet nahezubringen, sondern werde vorrangig als Möglichkeit gesehen, bestehendes Datenvolumen beim Besuch von Facebook einzusparen, und in dieser Form auch von den Mobilfunkanbietern beworben.

Zudem sei die App nicht auf die Bedürfnisse der lokalen Bevölkerung ausgerichtet, weil viele Dienste nur auf Englisch und maximal einer lokalen Sprache zur Verfügung stünden. Insbesondere wird kritisiert, dass neben nur wenigen lokalen Nachrichtenseiten, NGOs oder Regierungsdiensten vor allem Dienste privater kommerzieller Unternehmen aus den Vereinigten Staaten und anderen westlichen Ländern zur Verfügung stünden. Die Direktorin von Global Voices sieht in diesem Verhalten gar einen „digitalen Kolonialismus“.

Facebook will mehr als nur ein soziales Netzwerk sein

Die Studie beanstandet auch die übermäßige Sammlung von Daten durch das Unternehmen. Zwar sei die Nutzung der „freien“ Dienste auch ohne Facebook-Account möglich, allerdings müssten Nutzer dennoch Facebooks allgemeinen Nutzungsbedingungen sowie einer Datenschutzerklärung zustimmen. Diese erlaubt es Facebook unter anderem, neben IP-Adresse und Telefonnummer auch die besuchten Websites und die Menge der übermittelten Daten zu sammeln und anschließend für Werbezwecke einzusetzen. Zudem laufen sämtliche Verbindungen zu den Diensten über zentrale Proxy-Server von Facebook, die alle anfallenden Metadaten für 90 Tage nicht-anonymisiert vorhalten.

Facebooks 10-Jahresplan auf der f8-Konferenz 2016: Das Unternehmen will nicht nur Anwendungen, sondern auch die Infrastruktur zur Verfügung stellen All rights reserved Screenshot Facebook

Zusammengenommen könne dies andere soziale Netzwerke von der Teilnahme an „Free Basics“ abschrecken, so die Studie. Tatsächlich sucht man mit Facebook konkurrierende Dienste wie Twitter vergeblich in der Angebotspalette, und tatsächlich wertet Facebook das Nutzungsverhalten von Smartphonebesitzern aus, um frühzeitig neue Trends zu erkennen und Wettbewerber auszubooten. Neben dieser indirekten Beeinflussung, wer auf der Plattform vertreten ist, hat Facebook aber auch direkte Hebel in der Hand, um seine Rolle als „Gatekeeper“ auszuspielen: Denn alle Dienste, die im Rahmen der App kostenlos zur Verfügung gestellt werden sollen, müssen durch das Unternehmen zugelassen werden. Die technischen Voraussetzungen dafür sind zwar eindeutig beschrieben, der eigentliche Auswahlprozess ist jedoch nicht transparent.

Dabei handelt es sich bloß um Zwischenschritte. Auf lange Sicht will der US-Konzern alles aus einer Hand anbieten, vom sozialen Netzwerk über den Verkauf von Werbeanzeigen bis hin zur Infrastruktur selbst. Daraus macht das Unternehmen keinen Hehl, sondern präsentierte diese Pläne etwa auf seiner f8-Konferenz im Vorjahr. Erste Prototypen von Drohnen, mit denen Facebook entfernte Gegenden mit seiner Internetvariante versorgen und sich zugleich von den noch benötigten Infrastrukturanbietern unabhängig machen will, sind bereits unterwegs.

Zu ähnlichen Ergebnissen wie Global Voices kam jüngst eine Studie der Mozilla Foundation. Als Gegenmodell zu diskriminierenden Zero-Rating-Angeboten schlägt das Projekt sogenanntes „Equal Rating“ vor, das alle Inhalte gleich behandelt. Damit bewahrt es die Netzneutralität und sorgt dafür, dass keine privatwirtschaftlichen Firmen unterversorgte Nutzer in goldene Käfige einsperren. Ein Innovationspreis soll das Ziel unterstützen, bezahlbare und vollwertige Internetzugänge auch in ärmere und ländliche Gegenden bringen.

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3 Kommentare
  1. Erinnert mich an das Compuserve/AOL/T-Online Prinzip in den 90ern: Geschlossener Benutzerkreis mit moderierten Inhalten. Am Anfang als Einstieg ins Internet möglicherweise gut, langfristig jedoch zum Scheitern verurteilt sobald Bandbreite und (Anbieter-)Auswahl zur Verfügung stehen. Für uns undenkbar und wir empfinden es als Schritt zurück, für jemanden der bisher keine Möglichkeit hatte online zu gehen besser als nichts. Meine einzige Sorge wenn dieses Instrument in despotischen Ländern zum Einsatz kommt: Es wird als Herrschaftsinstrument eingesetzt. Ist es ja eh schon, nur in despotischen Ländern wird es zum Spiel um Leben und Tod.

  2. Was will man von Facebook auch anderes erwarten? Nur leider laufen noch immer Massen diesen Datenkraken hinterher. Ist ja vermeintlich kostenlos – was natürlich Quatsch ist.

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