Datenjournalismus: Wie hoch sind die Mieten wirklich?

Das Datenteam der Berliner Morgenpost hat die Mietpreise in 79 deutschen Großstädten mit dem dortigen Durchschnittseinkommen in Relation gesetzt. In der interaktiven Visualisierung wird deutlich, wie stark der Mietpreisanstieg wirklich ist.

Gerade in Berlin werden die Mieten für Normalverdiener immer unerschwinglicher. CC-BY 2.0 SPNR

Dass die Mieten in Großstädten wie Berlin, München oder Hamburg zunehmend unbezahlbar werden, dürften viele Menschen schon am eigenen Leib gespürt haben. In den Großstädten wird es zunehmend schwerer, eine Wohnung zu finden, Bewohner müssen ihre bisherigen Viertel aufgrund zu hoher Mieten verlassen. Wie akut die Lage in großen deutschen Städten tatsächlich ist, zeigt eine datenjournalistische Aufbereitung der Berliner Morgenpost.

Hierzu wurden die Mieten aktueller Wohnungsangebote aus den 1.375 Postleitzahl-Bereichen der 79 deutschen Großstädten miteinander verglichen. Die verwendeten Daten stammen vom Immobilien-Dienstleister CBRE, vom Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung und vom Deutschen Mieterbund.

Bei den Kaltmieten liegen Städte wie München, Frankfurt oder Hamburg vorn. Hier sind viele Viertel für Normalverdiener inzwischen nicht mehr bezahlbar. - Alle Rechte vorbehalten Screenshot Berliner Morgenpost

Das Interessante an der Analyse der Berliner Morgenpost ist, dass sie die Mietpreisdaten mit dem durchschnittlichen Einkommen in den jeweiligen Städten in Verbindung setzt. So gelten alle Gegenden, in denen die durchschnittliche Angebotsmiete mehr als ein Drittel des durchschnittlichen Einkommens beträgt, als nicht bezahlbar.

Spitzenreiter bei den Mietsteigerungen ist Wolfsburg. Aber auch Leipzig, Hannover oder Berlin liegen hier vorn. Dort ist in den letzten Jahren die Miete in vielen Vierteln überdurchschnittlich gestiegen. - Alle Rechte vorbehalten Screenshot Berliner Morgenpost

Mithilfe von dreidimensionalen „Mieten-Skylines“ stellt das Datenjournalismus-Team der Morgenpost die Mietpreishöhe in den jeweiligen Städten dar. München ist hier zwar weiterhin teuerste Stadt in Deutschland mit einem maximalen Mietpreis von 15,20 Euro pro Quadratmeter. Allerdings ist das Durchschnittseinkommen in der bayerischen Landeshauptstadt auch relativ hoch.

In Berlin konnte die Einkommensentwicklung mit dem Mietanstieg nicht mithalten. In 53 Berliner Postleitzahl-Bereichen sind die Mieten für einen Normalverdiener nicht mehr bezahlbar; in einigen Gegenden Berlins muss ein Durchschnittsverdiener bis zu 40 Prozent seines Einkommens für Miete ausgeben. Insgesamt sind die Mieten in jedem zehnten der ausgewerteten Postleitzahl-Bereiche kaum mehr bezahlbar.

Im Postleitzahl-Check kann man seine Miete mit den Mieten in anderen Städten vergleichen. - Screenshot Morgenpost

Eine weitere Visualisierung zeigt dabei den Anstieg des Mietpreises zwischen 2012 und 2016. Spitzenreiter ist hier Wolfsburg, wo in einem Postleitzahl-Bereich die durchschnittliche Miete um 24 Prozent gestiegen ist. In Hamburg, einer der teuersten Städte in Deutschland, sind die Mieten im gleichen Zeitraum hingegen durchschnittlich nur um vier Prozent gestiegen.

Neben den Visualisierungen ist es außerdem möglich, den Mietpreis in seinem eigenen Wohnort mit anderen Vierteln in Deutschland zu vergleichen, um so herauszufinden, ob man relativ viel oder wenig Miete bezahlt.

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3 Ergänzungen

  1. „München ist hier zwar weiterhin teuerste Stadt in Deutschland mit einem maximalen Mietpreis von 15,20 Euro pro Quadratmeter. “

    Gelächter.

  2. Für Münster 48143 kann ich sagen das die angegebenen Werte nicht stimmen können, ein Blick in die WN zeigt das die Mieten im Durchschnitt wesentlich höher liegen als angegeben. Z.B. 27 qm für 350 kalt ohne NK und das ist noch nicht eines der richtig unverschämten Angebote.
    Grüße

  3. Nun ja, Basis war die Entwicklung zwischen 2012 und 2016. Wir sind schon über der Hälfte von 2017, und in der Zeit hat sich ja auch die Nachfrage weiter erhöht; und erhöht die zunehmende öffentliche Wahrnehmung nicht auch den Druck auf „Wucher-Vermieter“, die Lücken im System so lange noch auszunutzen, bis ihre Schließung unvermeidlich wird?

    Spannendes Thema ist in dem Zusammenhang auch die Wahl der Mittel zur Mietsteigerung. Zu den beliebtesten legalen und staatlich tolerierten Methoden zählt wohl die „energetische Sanierung“ (mit häufig sehr fragwürdiger Effizienz, im Verhältnis zu den Kosten).

    (Kurz-URL via Fefe) https://blog.fefe.de/?ts=a77432ea

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