Öffentlichkeit

Neues aus dem Fernsehrat (3): Öffentlich-Rechtlich in der Cloud?

Die dritte Folge der Serie berichtet über die 2. Sitzung des Fernsehrats und eine dort präsentierte Studie zum öffentlich-rechtlichen Rundfunk in der Cloud.

Selfie mit Mainzelmännchen am Lerchenberg

Seit Juli 2016 darf ich den Bereich „Internet“ im ZDF-Fernsehrat vertreten. Was liegt da näher, als im Internet mehr oder weniger regelmäßig Neues aus dem #Fernsehrat zu berichten? Eine Serie.

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Nachdem am Donnerstag Ausschüsse und „Freundeskreise“ getagt hatten, stand heute die 2. Sitzung der XV. Amtsperiode des ZDF-Fernsehrats auf dem Programm (PDF der Tagesordnung). Aus netzpolitischer Perspektive war wohl der 7. Tagesordnungspunkt zur Studie „Legitimation und Auftrag des öffentlich-rechtlichen Fernsehens in Zeiten der Cloud“ (PDF) der interessanteste Punkt. Die von den Professoren Dieter Dörr, Bernd Holznagel und Arnold Picot verfasste Studie wurde im Nachgang öffentlich zugänglich gemacht.

Ganz allgemein ist die von der Studie empfohlene Entwicklungsrichtung unterstützenswert, auch wenn auf Grund der Breite des Themas wichtige Aspekte ausgeklammert (z.B. Urheberrecht und diesbezüglich Fragen rund um Lizenzierung und Embedding) oder nur eher oberflächlich behandelt wurden. Einige der wichtigsten Botschaften der Studie im Überblick:

  • Medienvielfalt im digitalen Raum macht öffentlich-rechtliche Medien nicht überflüssig, vielmehr wären diese umso stärker als „institutioneller Vertrauensanker im komplexen Mediengeschehen“ (S. 67) gefordert.
  • Für die Erfüllung dieser Rolle sind jedoch viele der bestehenden Einschränkungen öffentlich-rechtlicher Rundfunkangebote im Internet wie zum Beispiel notwendiger „Sendungsbezug“ kontraproduktiv.
  • Erfreulich deutlich denn auch die Aussagen zu Ärgernissen wie kurze Verweildauer öffentlich-rechtlicher Inhalte im Netz, die Holznagel zu Folge „dem Rundfunkbeitrag zahlenden Publikum nicht zu vermitteln ist“. Das Gutachten fordert hier eine Flexiblisierung (S. 91).
  • Auch das Verbot, angekaufte Inhalte in Mediatheken anzubieten, soll dem Gutachten zu Folge fallen und die öffentlich-rechtlichen Inhalte sollen verstärkt auf Drittplattformen verfügbar gemacht werden. In seinem Vortrag verwies Picot darauf, dass sich laut ZDF-interner Daten die Zugriffszahlen zwischen bloß auf ZDF-Seiten verfügbaren und auch via sozialer Netzwerke verbreiteter Inhalte um Faktor 10 unterscheiden.
  • Mehrfach wurde im Vortrag auf das Beispiel des kürzlich von ZDF und ARD gemeinsam gestarteten jungen Angebots „funk“ verwiesen, das weniger starken Restriktionen unterworfen ist. Diesem Beispiel gelte es auch in anderen Bereichen des öffentlich-rechtlichen Rundfunks zu folgen.

Viele Fragen werden aber auch nur aufgeworfen, ohne konkrete Antwortstrategien anzudenken. So wird vor der Herausbildung von „sog. Echokammern bzw. Filter Bubbles“ als Gefahr für „den rationalen übergreifenden Diskurs in der Gesellschaft“ gewarnt. Abgesehen von der Frage, ob dieser Diskurs vor dem Internet tatsächlich soviel „rationaler“ war, wird dessen Herstellung als klassisch öffentlich-rechtliche Aufgabe identifiziert und eingemahnt: „Der ÖRR muss darauf eine Antwort finden.“ (S. 27).

Nicht alle waren mit allen Aspekten der Studie glücklich, was zu Diskussionen führte, ob die Studie „zustimmend zur Kenntnis“ oder nur „zur Kenntnis“ genommen werden solle. Mit 8 Enthaltungen angenommene Kompromissformulierung: Die Studie wird „als wichtige Grundlage für weitere Diskussion zustimmend zur Kenntnis genommen“.

Zum Abschluss sei hier noch der Trailer des mit seiner Abkehr vom Senderprinzip durchaus wegweisenden „funk“ verlinkt, der nicht nur gut gemacht, sondern eine schöne Illustration von Meme-Kreativität der Generation Remix ist:

Vielleicht hilft es ja ein wenig dabei, für die rechtliche prekäre Situation von Remix- und Memekultur in Europa zu sensibilisieren.

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8 Kommentare
  1. Sack Zement, können die in der Domhauptstadt zu Mainz nicht mehr richtig kommunizieren???
    Das sind ja grauenhafte Videos!!!
    War das schön, als damals Erna nach den Kondomen rief um zu verhüten (HIV).
    Wie wäre es, wenn mal echte Werbeprofis an das Thema rangehen und nicht die olle Kamelle aus Köln in Mainz weitermacht. Das ist echt nicht mehr zum aushalten!!!
    Profis haben früher für Ferrerro ganz toll nach der Kugel gerufen und auch der Beinhart Sekt kam nicht zu späth.
    Also der aktuelle SHIT vom Lerchenberg macht echt keinen Spaß.
    Lieben Gruß SUSI

  2. und noch was, das ist kein Mainzelmännchen, das ist DET.
    Wer ihn nicht kennt, sollte ihn kennenlernen und Vorsicht, wenn ihr in CCSR unterwegs seid, steht dort auf der Strasse.
    Lieben Gruß SUSI

  3. schön das durch die Medienvielfalt jetzt eine neue Aufgabe für die öffentlich-rechtlichen Medien erwächst:
    Die eines „institutionellen Vertrauensankers“.
    Bei den Printmedien ist es ja so das die in einer Vertrauenskrise sind – plant hier der öffentlich-rechtliche Rundfunk das z.B. durch eine öffentlich-rechtliche Tageszeitung im Netz – auch einen solchen Vertrauensanker zu schaffen ?

  4. Hat sich mal jemand die Inhalte dort angesehen?

    Ich kritisiere hier mal deutlich den Umgang mit den Gebühren. Zwar spielt FUNK da eigentlich keine große Rolle, denn der große Löwenteil der Gebühren wird in korrupte Organisationen wie FIFA und IOC gepumpt, DAS tut viel mehr weh als FUNK, aber… FUNK ist aus meiner Sicht nur ein fragwürdiger Versuch sich gegen veränderte Medienkonsumgewohnheiten zu stellen.

    Lineares Free-ZwangsPayTV ist eben nur noch bei einer bestimmten Altersgruppe ein funktionierendes Produkt. Diesen Dino zu versuchen mit ein paar YT Filmchen wieder zum Leben zu erwecken, ist es was ich vergleichsweise erbärmlich an dem Ansatz von FUNK finde.

    Was mir an dem Format ebenfalls gehörig missfällt: Man hat wieder eine Chance verpasst hat, das Medium TV zu nutzen, um Freiräume zu schaffen, die von der Jugend gestaltet werden können.

    Stattdessen setzt man auf eingekaufte YT-Hipster die verinnerlicht haben wie man Schleichwerbung geschickt in Content wickelt (also manipulativ wirkt) und den Aufbau eines Branding in eigenem Namen betreibt.

    Warum nicht mal versuchen echten Jugendlichen und nicht „Berufsjugendlichen aus YT“ Zugang zu diesem Medium zur Gestaltung zu geben?

    Das klingt vielleicht ein wenig nach „ARD ZDF Offener Kanal Jugend“, aber Partizipation an dem Medium für das wir alle Zwangsabgaben entrichten wäre ein erster Weg diesem weitgehend bedeutungslosen Medium zumindest wieder etwas gefühlte Bedeutung zukommen zu lassen.

    Stattdessen basteln da berufsjugendliche, eingekaufte Youtuber am grünen Tischlein ein Programm zusammen, von dem sie meinen es stütze die „Jugendagenda“ der senilen Muttersender.

    Traurig, aber wahr: Hier auf Netzpolitik wird tatsächlich eine engstirnige Hauptsache-irgendeine-Veränderung-Sichweise eingenommen und sogar die Meme-haftigkeit (die weitgehend nur Form / Design / Schmückwerk ist) in den Himmel gelobt!? Inhalte? Warum den Blick auf Inhalte richten?

  5. Hab mir „FUNK“ angeschaut. Hier vom Autor als „Wegweisend“ angepriesen. In der Tat wegweisend-dämlich und trivial. Für so niveaulosen Brachial Nonsens braucht es keinen Cent GEZ. Dagegen wirkt RTL2 wie Bildungsfernsehen. Regelrecht schockiert bin ich darüber, dass die Macher und offensichtlich auch leonido ernsthaft behaupten, das wäre ein „Junges „Format, um so wieder Jugendliche für das öffentlich- rechtliche Fernsehen gewinnen zu können. Welch ein schlimmes Bild unserer Jugend haben die. Zum Glück sind die aber keinesfalls so grenzdebil, um solchen Nonsens zu goutieren. Im gegenteil. Hier schlägt der ÖFR unter Umständen den fest letzen Nagel in den Sarg des Öffentlich- Rechtlichen.

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