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Zur netzpolitischen Dimension (8) von »The Daily Show with Jon Stewart«

In der Serie „netzpolitische Dimension“ geht es um Themen, deren netzpolitische Relevanz sich bisweilen erst auf den zweiten Blick erschließt. Diesmal: The Daily Show with Jon Stewart.

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Ein Blick in meine Twitter-Timeline heute morgen hat bestätigt, dass ich nicht der einzige bin, den der Abschied Jon Stewarts von „The Daily Show“ mit Wehmut erfüllt. Darum und um die allgemeine politische und kulturelle Bedeutung soll es in diesem Beitrag aber nicht gehen, sondern vielmehr um einen Aspekt, den Marcel Weiss in einem Tweet auf den Punkt gebracht hat:

Tatsächlich ist es so, dass es bereits seit einiger Zeit in Deutschland und Österreich nicht mehr möglich ist, die ganzen Folgen der Daily Show auf der Webseite des Senders Comedy Central anzusehen. Stattdessen liefert der Versuch, eine Folge aufzurufen nur folgende Mitteilung: „You’re so close, yet so far away.“ Ein Spruch, der das Problem von Geoblocking im Internet wahrlich auf den Punkt bringt.

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Hinzu kommt, dass es in Deutschland – zumindest meines Wissens nach – derzeit keine legale und halbwegs praktikable Möglichkeit gibt, The Daily Show zu sehen. Das in dem SZ-Beitrag von Johannes Kuhn angesprochene „popkulturelle Trauma“ ist deshalb in Deutschland auch ein Beleg für die große popkulturelle Bedeutung von Piraterie. Mehr noch als bei Serien und Filmen lebt The Daily Show von der Tagesaktualität des Formats. Alles andere als unmittelbarer Zugang ist eigentlich keine Option. Mangels legalem Angebot lässt sich die weitverbreitete Trauer über ein Ende der Daily Show eigentlich nur mit der Nutzung illegaler Streaming-Portale erklären.

Abgesehen davon ist das Phänomen Daily Show wohl auch mit ein Grund für den erst kürzlich von Quentin Hardy in seinem New-York-Times-Blog bemerkten VPN-Boom. Wer ein paar Euro im Monat in einen VPN-Dienst investiert, kann damit eine US-IP-Adresse vortäuschen und so auch in Europa The Daily Show sehen. Und eine US-Kreditkarte vorausgesetzt – und das ist eine alles andere als niedrige Hürde – lässt sich via VPN auch aus Europa das US-Angebot von Diensten wie Netflix nutzen. Der US-Urheberrechtsprofessor Tim Wu spricht im Interview mit Hardy deshalb auch von einem „Missverhältnis zwischen der Wahrnehmung, dass man über das Internet bekommt was man möchte […] und Rechteinhabern, die Ihre Inhalte gebietsabhängig verkaufen.“

Ganz allgemein lässt sich wohl sagen, dass Sperrbildschirme ein Beleg für Auswüchse von Bewilligungskultur im Netz sind. Weil große Rechteinhaber sich in allen Fällen vorbehalten möchten, im Einzelfall zu Lizenzieren, kommt es auf Grund der damit verbundenen Transaktionskosten systematisch zu Unterversorgung und Unternutzung. Und zwar nicht nur im Bereich von Geoblocking, sondern auch beispielsweise auch dann, wenn im Livestream der Tagesschau für 30 Sekunden ein Sperrbildschirm angezeigt wird, weil dann Tore des aktuellen Bundesligaspieltags gezeigt werden.

In dem Maße, in dem Medienkonvergenz und Globalisierung voranschreiten, werden kleinteilige und als willkürlich empfundene Lizenzierungspraktiken zum Problem. Ein Sperrbildschirm wie jener der Daily Show wird so zur kostenlosen Werbung für kommerzielle VPN-Anbieter. Vielleicht muss VPN aber erst wirklich zum Massenphänomen werden, damit hier ein Umdenken einsetzt und Verwertung ohne Geoblocking stattfindet.

26 Kommentare
    1. Vielleicht liegt es an meinem Account (oder daran, dass ich gerade in der Schweiz bin), ich kann es jedenfalls nicht via iTunes kaufen.
      Abgesehen davon ist das dann zumindest erstaunlich, dass nicht statt eines Sperrbildschirms ein Link zum iTunes-Store erscheint, oder?

  1. John Oliver ist mit der YouTube-Präsenz seiner Show in die Lücke gesprungen. Seit CC die Schotten dicht gemacht hat, spielt Jon Stewart hier eigentlich keinerlei Rolle mehr. Keine Debatten, keine Meme.

  2. Was hier ueber Geoblocking gesagt wird, ist natuerlich korrekt. Das der Autor aber nicht wissen will, wie man ueber das einfache Installieren von Browserplugins diese Sperren bei cc.com, youtube & Co umgehen kann, ist schwer zu glauben.

    1. Also ich kann nur berichten, dass ich teilweise YouTube-Geoblocking mittels Plugin umgangen habe, das aber immer nur für eine gewisse Zeit funktioniert hat und man sich dann wieder auf die Suche machen muss – ganz abgesehen von der Frage nach der Legalität dieser Vorgehensweise.

      1. Proxtube funktioniert z.B. anstandslos. Ich hatte es bereits wg. Youtube installiert und die Sperre damals deshalb nicht mal mitbekommen. Juristisch unproblematisch ist das, zumindest für den Nutzer, auch. Aber wie gesagt, schade ist es dennoch, dass man diese Änderung umgesetzt hat.

  3. „eine US-Kreditkarte vorausgesetzt“:
    hmm, ich hab damals für Netflix meine deutsche Kreditkarte genommen und auf die Frage nach meinem zip code mit „90210“ geantwortet — funktioniert perfekt :)

    1. Funktionierte nur kurz, jedenfalls bei mir. Ein bezahlter Monat, der freie Monat, und danach hatten wollten sie nicht mehr von meiner Kreditkarte abbuchen. Das ist m.E. auch einfacher zu überprüfen, als VPN, die ersten 4 Stellen ordnen die Bank zu und damit bei vielen (allen? den meisten?) Kreditkarten das Herkunftsland.

      1. Für Firefox & Chrome und Konsorten kann das z.B. „Modify Headers“. Das funktioniert btw. bei CC seit Ewigkeiten viel zuverlässiger als jede Proxy. Man muss nur dran denken, das wieder auszuschalten, falls man deutsche öffentlich rechtliche Onlineangebote nutzen möchte.

      2. Also ich habe das nach diversen Anleitungen im Netz mit Modify headers ausprobiert, aber es hat nie funktioniert. Eine detaillierte Anleitung fände ich daher sehr nett.

      3. @Martin
        Falls du Firefox benutzt [aber bei Chrome/ium sollte das analog funktionieren]:
        (1) Du installierst das Addon/startest ggf. den Browser neu
        (2) Du öffnest die Einstellungen des Addons [Vermutlich bei Extras/Addons/Erweiterungen das Feld „Einstellungen“ beim Addon „Modify Headers“ auswählen]
        (3) Du wählst oben vor den Freitextfeldern „Add“ aus und fügst folgendes ein:
        bei „Header name“ ist einzufügen „X-Forwarded-For“ [natürlich überall ohne Anführungszeichen]
        bei „Header value“ ist einzufügen „12.13.14.15“ Dann drückst du auf Add und bist fertig
        (4) Du drückst immer noch bei den Einstellungen auf „enable all“ und stellst sicher, dass die Headerregel aktiv ist [grünes feldchen oder so]
        (5) Du surfst auf die Dailyshowhomepage und hoffst, dass du eine gute Folge zu Gesicht bekommst

      4. @B Danke. Ich bin ja so was von clever. Ich hab es irgendwie geschafft noch ein Leerzeichen vor das „X“ zu schmuggeln. Deswegen hat es nicht funktioniert. Ist mir aufgefallen, als ich den Eintrag nochmal hinzugefügt habe…

  4. Wer über eine US-IP surft kann seit jeher Jon Stewart auf CC anschauen (für lange Zeit auch ohne). Da braucht es überhaupt keine komplexen Geo-Deblocker. Modify Headers reicht via X-Forwarder tatsächlich immer schon vollständig aus. Damit gab es noch nie Probleme. Mit Proxys würde ich gar nicht erst anfangen wollen. :) . Ich kann zwar seitdem Comedy Central in Deutschland nicht mehr nutzen, aber alle CC-Seiten problemlos in den USA. Ich glaube auch nicht, dass CC das sonderlich stört, denn sonst hätte man sicherlich einen sinnvollen Blocker entwickelt. Das schreit geradezu danach, einfach in den Header das mit reinzuschreiben…

    Witzige Randnotiz: Die Werbung orientiert sich nicht an der Forwaded-For-IP, die ist nämlich -falls verfügbar- trotzdem deutsch!

  5. Also mit dem Plugin „USTV VoD“ für Kodi (XBMC) das unter anderem auf die Mediathek von CC zugreift kann ich ebenfalls problemlos die Daily Show in Deutschland sehen. Ich habe mich nicht im Detail damit beschäftigt, wäre aber überrascht wenn dort schon in VPN o.ä. eingebaut wäre.

    1. wow, danke für den hinweis.

      anscheinend ist da kein VPN verbaut.
      vom supportFAQ:
      ‚How can add-on be used outside of the U.S.?
      Go to Settings -> Network in the USTVVoD add-on and set your own U.S. Proxy, VPN or a U.S./Canadian smartDNS.‘

      gut auch dass es „legal“ ist da es sich ausschliesslich um VOD mit free content handelt.

      thx again

  6. So gehen sie dahin. Nun auch Jon Stewart nach Colbert. Schade drum. Habe beides mit großer Freude verfolgt.

    Bleibt jetzt als würdiger Ersatz nur noch John Oliver auf HBO.
    Die jetzt neu angelaufene „The Nightly Show with Larry Wilmore“ auf CC ist zwar auch empfehlenswert, muss aber vielleicht noch seinen Rhythmus finden. Außerdem kann man die beiden Vorgänger leider nicht so ohne Weiteres ersetzen.

    Naja, als Erinnerung bleibt uns ja noch die deutsche „Daily Show“ freitagabends im ZDF. ;-)

  7. Sind die The Daily Show und The Colbert Report in Deutschland urheberrechtlich geschützt?
    Darf man die alten Episoden mit torrent herunterladen? Sonst sind sie meines Wissens nach nirgendwo zu finden.

  8. Die Shows sind überall urheberrechlich geschützt.

    Ich habe eine zeitlang VPN benutzt um The Daily Show zu schauen. Allerdings funktioniert das jetzt auch nicht mehr.

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